Libor-Skandal: Banken drohen horrende Strafen
In Großbritannien dürfte der Libor-Skandal zu einer Verschärfung der ohnehin geplanten Bankenregulierung führen
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Michael Hausfelds Stimme ist samtig und so leise, dass Zuhörer aufmerksam lauschen müssen, um ihn zu verstehen. Dass in der weichen Schale ein harter Kern steckt, wissen jene, die ihn schon zum Gegner hatten. Zu ihnen zählen etwa die Vertreter der deutschen Industrie, denen der Staranwalt aus Washington in den Neunzigerjahren einen Entschädigungsfonds für jüdische Zwangsarbeiter des NS-Regimes abrang.
Jetzt hat der 66-jährige Experte für Massenklagen mit den internationalen Grobanken ein neues, lukratives Zielobjekt im Visier. Seine Kanzlei ist zusammen mit einer kalifornischen Anwaltsfirma federführend bei einer Klage gegen rund 20 Institute – darunter die Deutsche Bank, WestLB, HSBC, UBS und Credit Suisse.
Die Kläger, zu denen auch eine Tochterfirma der Frankfurter Privatbank Metzler gehört, werfen den Banken vor, den in London ermittelten Referenzzins Libor manipuliert zu haben, zu dem Banken durchschnittlich einander Geld leihen. Hausfeld wirft ihnen vor, damit institutionelle Anleger wie Fonds und auch die Stadt Baltimore mit zu niedrigen Zinsen geschädigt zu haben. Die Banken hätten unter anderem gegen Rohstoffbörsengesetze und das US-Kartellgesetz verstoßen.
Sammelklage
Die Sammelklage soll nur der Anfang sein. „Wir erwägen, in den kommenden drei Monaten eine neue Klage einzureichen“, sagt er. Grund dafür seien die ständig neuen Details, die vor allem die zuständigen britischen, aber mittlerweile auch die amerikanischen Behörden zutage fördern. Seine neue Klage werde sich gegen weitere deutsche Banken richten. „Wir haben Anfragen aus ganz Europa“, sagt er.
Um die zum Erfolg zu führen, will er eine komplexe Maschinerie in Gang setzen. „Unsere Experten werden die Marktbewegungen genau prüfen und mit dem vergleichen, was passiert wäre, wenn normale Bedingungen geherrscht hätten. Wir werden E-Mails und Telefonate heranziehen und dann den Schaden konkret schätzen“, kündigt der einstige Schreck der deutschen Industrie an. Wie viel er einzuklagen hofft, will er nicht sagen, aber seine Drohkulisse ist gigantisch. „Wenn wir nachweisen, dass es eine Verschwörung gegeben hat, müssen wir nicht einmal jede einzelne beteiligte Bank überführen“, sagt er. „Jede einzelne wäre für den gesamten Schaden haftbar.“
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Foto: WirtschaftsWocheTatsächliche oder versuchte Manipulation
Hausfeld ist der prominenteste einer Reihe von Anwälten, die weltweit gegen die Finanzindustrie wegen tatsächlicher oder versuchter Manipulationen des weltweit wichtigen Referenzzinses vorgehen wollen. Wie erfolgreich sie sein werden, ist schwer abschätzbar. „Von allen Skandalen der vergangenen Jahre ist das der schwerwiegendste“, sagt der Vorstand einer deutschen Großbank. Anders als bei Milliardenzockereien einzelner Händler bei der Schweizer UBS oder der US-Investmentbank JP Morgan hätten sich hier offensichtlich Beschäftigte mehrerer Institute abgesprochen – und das zumindest teilweise mit Deckung des Top-Managements. Der britische „Economist“ schimpfte die Täter bereits „Bankster“ und zog Parallelen zu Klagen gegen die Tabakindustrie Ende der Neunzigerjahre, die die Branche über Jahre hinweg Milliarden kosteten.
Klar scheint zudem, dass das Geldgewerbe künftig noch mehr Fesseln fürchten muss als bisher absehbar. „Wie sollen wir den Politikern erklären, dass sie bei der Regulierung maßvoll vorgehen, wenn ständig solche Skandale auftauchen“, stöhnt ein Lobbyist, der im Auftrag einer Großbank Volksvertreter bearbeitet. Der frühere Chef einer deutschen Förderbank sieht sogar „endlich den Moment gekommen, die Investmentbanken vom normalen Geschäft in ihre Parallelwelt abzuspalten“.
Bad Banks
In den sogenannten Bad Banks haben deutsche Institute seit dem Beginn der Finanzkrise ihre krisenverursachenden Schrottpapiere ausgelagert. Bad Banks sind also die Abwicklungsanstalten der Geldhäuser. Dort sollten die Papiere eigentlich still und leise beerdigt werden. Doch die Abwicklung zieht sich. Es kann noch lange dauern, bis alle Schrottpapiere „unter der Erde“ sind und in Frieden ruhen.
Die Krisengeschäfte wurden von den Banken entweder in externe Gesellschaften ausgelagert oder sie werden intern abgewickelt. Das größte Milliardengrab in Deutschland ist die Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE).
Hypo Real Estate
Ende 2010 lagerte die verstaatlichte Hypo Real Estate mit Unterstützung des Bundes Risikokredite und Randgeschäfte im Wert von 175 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus. Die Gesellschaft ist rechtlich von der Münchener Hypo Real Estate abgespalten.
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Die Bad Bank firmiert unter dem Namen FMS Wertmanagement. Das Problem der sauberen rechtlichen Trennung ist, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Löcher der staatlichen Bad Bank mit Steuergeldern stopfen muss. Bis 2020 könnten noch weitere Milliarden-Abschreibungen folgen. In der Zusammenarbeit zwischen HRE und FMS gibt es zudem immer wieder Pannen. Denn das wenige Personal der FMS kann die Arbeit nicht ohne die HRE-Kollegen erledigen.
Der spektakulärste Fehler war dabei der 55-Milliarden-Euro-Rechenfehler im Herbst 2011. Schuld daran waren allerdings die Mitarbeiter der irischen HRE-Tochter Depfa, die ihre Kollegen nicht über abweichende Buchungsmethoden informiert hatten.
Hypo Real Estate
Außerdem musste die Bad Bank FMS Wertmanagement Milliarden-Abschreibungen nach dem griechischen Schuldenschnitt hinnehmen. Insgesamt kamen so 8,9 Milliarden Euro zusammen. Weitere Belastungen durch die Hellas-Anleihen sind möglich. Im Geschäftsjahr 2011 hat die Bad Bank insgesamt 9,97 Milliarden Euro Verlust gemacht.
Die gesunden Reste der Hypo Real Estate wurden unterdessen umbenannt. Die Bank schreibt ihre Kunden mittlerweile unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (PBB) an.
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Die Landesbank Nordrhein-Westfalens mit Sitz in Düsseldorf ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die Bank wurde nach Vorgaben der EU-Kommission zerschlagen. Die Lasten der Vergangenheit werden dagegen nicht so schnell verschwinden.
Die Bad Bank der WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), hatte Ende 2011 Schrottpapiere im Wert von 51 Milliarden Euro im Depot. Bei der Ausgliederung des schadhaften Portfolios Ende 2009 war der Nominalwert mit 77,5 Milliarden Euro allerdings noch ein Drittel höher. Der Abwicklungsplan sah ursprünglich einen Rückgang auf 55 Milliarden Euro bis Ende 2011 vor. Doch mit der Abwicklung der WestLB bekam die EAA einen neuen Haufen Arbeit.
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Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro werden nun aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA landen. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.
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Der Immobilien-Finanzierer Westimmo ist als Ganzes in die Abwicklungsanstalt EAA überführt worden. Denn das Institut ist eine Pfandbrief-Bank - und damit nicht so leicht aufzulösen. Der Pfandbrief, eine mit Immobilien- oder Staatskrediten besicherte Bankanleihe, genießt in Deutschland einen hohen gesetzlichen Schutz. Die Kreditbestände können aber erst mit der Zeit abgebaut werden. Erst wenn Pfandbriefe fällig werden, werden auch Kreditsicherheiten überflüssig. Das Vermögen der Bad Bank EAA soll bis zum Jahr 2025 verkauft werden.
(Bild: Demo von WestLB-Mitarbeitern vor der Zentrale in Düsseldorf im Juni 2011)
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Einen eigenen Finanzfriedhof hat sich auch die Commerzbank geschaffen. Das Institut hatte während der Finanzkrise Staatshilfen in Anspruch genommen.
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Commerzbank-Chef Martin Blessing verzichtete allerdings darauf, die Schrottpapiere der Bank in eine staatlich finanzierte Bad Bank auszulagern. Die Coba wollte die Lasten intern schultern. Die Papiere hatte die Commerzbank zum großen Teil von der geschluckten Dresdner Bank übernommen.
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Die interne Abbaubank heißt offiziell Portfolio Restructuring Unit. Nach Gewinnen 2010 meldete die Bad Bank für das vergangene Jahr Verluste. Das Abwicklungsportfolio ist mittlerweile auf 8,7 Milliarden Euro geschrumpft, zu Beginn hatte es einen Nominalwert von 44 Milliarden Euro. Doch auch hier wartet noch ein dicker Brocken auf die Abwickler.
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Die Eurohypo ist die Immobilientochter der Commerzbank. Sie sollte als Ausgleich für die deutschen Staatshilfen eigentlich verkauft werden. Nun darf die Coba das Geschäft mit den Immobilien in einem kleineren Rahmen weiterführen, das Staatskredit-Portfolio landet allerdings in der internen Bad Bank.
Die Altlasten sind gewaltig: 82 Milliarden Euro an Staatsanleihen sowie bis zu 29 Milliarden Euro Kredite für gewerbliche Immobilien sind im schadhaften Portfolio. Die Häuserkredite sollen bis 2015 um die Hälfte reduziert werden, die Staatsfinanzierung um rund ein Drittel. Doch die Anleihen haben eine lange Laufzeit, die Abwicklung wird daher ein langwieriges Verfahren. Auch zwei Landesbanken haben sich für eine interne Bad Bank entschieden.
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Auch die Bayerische Landesbank hatte sich faule Kredite andrehen lassen. Der Kauf der Hypo Alpe Adria tat sein übriges. Die Krisenpapiere schob die BayernLB bereits 2009 in eine interne Bad Bank ab.
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In der Abbaubank, genannt Restructuring Unit, liegen neben den Schrottpapieren auch Flugzeug- und Schiffsfinanzierungen sowie Kredite an asiatische Schuldner. Dafür wurden bereits Käufer gefunden. Für die Papiere der Finanzkrise finden die sich aber auf absehbare Zeit nicht. Potenzielle Verluste trägt der Freistaat Bayern, der mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro haftet - und damit im Endeffekt der Steuerzahler. Der Eigenanteil der Bank von 1,2 Milliarden Euro reichte bislang aus, die Verluste aufzufangen. Die interne Bad Bank ist rund 27 Milliarden Euro schwer.
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Auch die HSH Nordbank hat sich im Zuge der Finanzkrise eine interne Bad Bank zugelegt. Die Schrottpapiere belasten bis heute die Bilanz. Die Landesbank hat für 2011 tiefrote Zahlen präsentiert.
Foto: dpaHSH Nordbank
Die Bad Bank der Landesbank hat aktuell Schrottpapiere mit einem Wert von 59 Milliarden Euro in den Büchern. Krisenkredite, Finanzierungen von Immobilien, Schiffen und Flugzeugen, aber auch Unternehmen sollen noch verkauft werden - mit möglichst wenig Verlust. Im vergangenen Jahr konnte die Sparte sogar einen Gewinn von 268 Millionen Euro erzielen.
Bei Verlusten haften die Stadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein. Zum einen mit ihrem Eigenkapital, zum anderen aber auch mit einem Garantieschirm von sieben Milliarden Euro. Dieser kommt zum Einsatz, wenn die Bank ihren Selbstbehalt von 3,2 Milliarden Euro aufgebraucht hat. Derzeit sind davon allerdings erst 220 Millionen Euro weg.
Foto: APDie Bad Banks gehen zurück auf ein Gesetz der Bundesregierung. Um die angeschlagenen Banken zu retten, beschloss die Regierung Merkel am 13. Mai 2009 das Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung („Bad-Bank-Gesetz“). Seitdem können die Institute Bad Banks gründen und Risikopapiere an die Abwicklungsanstalten übertragen - und damit aus den Bilanzen schaffen.
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JP Morgan Chase
Die nach Vermögenswerten größte US-Bank JP Morgan Chase sieht ihre Teilbereiche derart hoch angesehen, dass sie sich gut verkaufen würden. Im Übrigen verfüge die Bank über Liquiditätsrserven in Höhe von fast 400 Milliarden Dollar. Schon vor zwei Wochen vor dem Finanzausschuss des Senats hatte Firmenchef Jamie Dimon angesichts eines Milliardenverlustes durch Fehlspekulationen beteuert, dass JP Morgan im Fall der Fälle nicht vom Steuerzahler gerettet werden müsste.
Die Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen.
Foto: REUTERSDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache.
Foto: dpaLaut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“.
Foto: REUTERSMorgan Stanley
Die Investmentbank Morgan Stanley mit ihrer weltgrößten Broker-Sparte würde ebenfalls „abtrennbare“ Teile verkaufen. Man habe Vorsorge getroffen, dass eine Abwicklung keine Panik auf den Finanzmärkte auslösen würde.
Die britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei.
Foto: REUTERSDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen.
Foto: dpaDie Credit Suisse wartet mit drei verschiedenen Szenarien jeweils für den Schweizer, den amerikanischen und den britischen Markt auf. So sollen die wichtigsten Geschäfte im Fall einer Pleite in eine Überbrückungsbank überführt werden. Außerdem, so heißt es vage weiter, beinhalte der Plan „eine beträchtliche Anzahl vorbereitender Maßnahmen, um eine zügige und effektive Auflösung“ zu erreichen.
Foto: dapdDie Schweizer Großbank begnügt sich mit einem Absatz am Ende des öffentlich zugänglichen Dokuments. Darin heißt es unter anderem, dass die Zahl der potentieller Käufer von UBS-Geschäften angesichts der schieren Größe der Bank begrenzt sei. „Die wahrscheinlichsten Kandidaten wären die Konkurrenten der UBS“.
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Die von den Ermittlungen betroffenen Banken bemühen sich um Schadensbegrenzung. Die wollen sie erreichen, indem sie mit den zuständigen Behörden kooperieren. Neben der britischen Barclays und der Schweizer UBS hat im vergangenen Jahr auch die Deutsche Bank eine Kronzeugenregelung beantragt, die ihre Strafe bei einer Verurteilung ermäßigen soll.
Ob’s hilft? Analysten der Investmentbank Morgan Stanley rechnen in einer groben Kalkulation mit einer Strafzahlung von durchschnittlich 400 Millionen Dollar pro beteiligter Bank. Für ein größeres Fiasko spricht die überragende Bedeutung der insgesamt 150 Libor-Sätze, die sich nach 15 Laufzeiten in zehn Währungen unterscheiden. An diesen orientieren sich variabel verzinste Finanzgeschäfte mit einem täglichen Volumen von 360 Billionen Dollar. In diesem Umfang vereinbaren Banken ständig mit Unternehmen, Privatkunden und vor allem anderen Banken keinen festen Zinssatz, sondern einen um einen bestimmten Wert vom Libor abweichenden Betrag. In Deutschland ist der Referenzwert wenig gebräuchlich. Hier beziehen sich Geschäfte vor allem auf den Alternativwert Euribor, dessen mögliche Manipulation ebenfalls untersucht wird.
In hartem Kontrast zur Bedeutung der Libor-Sätze steht deren Ermittlung, die wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten wirkt. Die Institute geben an, zu welchen Konditionen sie sich für verschiedene Laufzeiten untereinander Geld leihen. Die Daten werden nicht überprüft, und es ist nicht einmal einheitlich geregelt, welche Abteilung in einer Bank dafür zuständig ist. In vielen ist es die Sektion Treasury, die Liquidität und Kapital des Instituts verwaltet. In anderen übernehmen Handelsabteilungen die Aufgabe.
Anfällig für Manipulationen
Dass ein solches System für Manipulationen anfällig ist, liegt auf der Hand. „Dass hier nicht jeder die Wahrheit sagt, war klar“, sagt ein früherer deutscher Bankchef. Die Branche sei jedoch davon ausgegangen, dass es ausreichend sei, dass von den Werten der beteiligten Banken nur die mittleren bei der Berechnung berücksichtigt werden. Die Annahme erweist sich nun offenbar als Trugschluss. „Dass etwas mit dem Libor nicht stimmte, ist schon vor Jahren aufgefallen“, sagt ein Bankvorstand. Die auffälligen Abweichungen zu anderen Referenzzinsen wie dem Euribor seien bereits Thema in einer Kommission des deutschen Bankenverbandes gewesen.
Die britischen Behörden gehen seit 2010 Hinweisen auf Ungereimtheiten nach. Die Untersuchungen richten sich gegen mehrere Großbanken, darunter die Deutsche Bank, die WestLB, die HSBC, die Royal Bank of Scotland (RBS) und die UBS. Neben der Finanzaufsicht FSA kümmert sich das Betrugsdezernat für Wirtschaftskriminalität um das Thema. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin führt eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank durch und sichtet auch bei der WestLB Unterlagen. Wie weit jedes einzelne Institut in die Manipulationen verstrickt ist, ist derzeit offen.
HSH Nordbank: Die HSH Nordbank ist per Stichtag 31. März mit insgesamt 176 Millionen Euro in spanischen Staatspapieren engagiert. Das umfasst laut Bank klassische Staatsanleihen ebenso wie staatlich abgesicherte Kredite an staatsnahe Betriebe.
Foto: dapdWESTLB: Die Engagements der WestLB in Spanien (Staatsanleihen) liegen bei 727 Millionen Euro, bei der Ersten Abwicklungsanstalt EAA in Düsseldorf sind es für den gesamten öffentlichen Bereich (public finance, also Staat, Gebietskörperschaften, Kommunen) 1,18 Milliarden Euro.
Foto: dpaNORDLB: Die Norddeutsche Landesbank war zum Ende des ersten Quartals (31. März) noch mit 499 Millionen Euro in Spanien engagiert. Details sollen voraussichtlich bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag bekanntgegeben werden.
Foto: dpaBAYERNLB: Die Bayerische Landesbank hat keine spanischen Staatsanleihen in den Büchern. Allerdings summieren sich dem Geschäftsbericht 2011 zufolge die nach Spanien insgesamt vergebenen Kredite auf knapp 5,8 Milliarden Euro.
Foto: dpaMUNICH RE: Der weltgrößte Rückversicherer ist laut Quartalsbericht in dem Land mit rund 1,4 Milliarden Euro in Staatspapieren engagiert. Weitere 4,6 Milliarden Euro stecken in Pfandbriefen. Bei spanischen Banken ist der weltgrößte Rückversicherer nur mit 14 Millionen Euro engagiert. Zur Höhe der Beteiligung etwa an spanischen Unternehmensanleihen, macht die MunichRe keine Angaben.
Foto: dpaALLIANZ: Die Allianz hatte zum Ende des ersten Quartals spanische Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro in den Büchern stehen.
Foto: dpaHRE: Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) hält keine spanischen Staatspapiere, aber Papiere etwa von Kommunen oder staatsnahen Unternehmen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro. Dazu kommen 600 Millionen Euro für die Finanzierung gewerblicher Immobilien.
Foto: dapdFMS Wertmanagement: Bei der Bad Bank der HRE sieht es anders aus: Die staatliche FMS Wertmanagement verfügt noch über spanische Papiere im Wert von 10,5 Milliarden Euro. In die Bad Bank wurden im Herbst 2010 Altlasten der HRE in Höhe von 173 Milliarden ausgelagert.
Foto: dapdDEKABANK: Das Institut war zum 31. Dezember 2011 mit insgesamt 1,35 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Auf rund 0,5 Milliarden Euro beliefen sich Forderungen gegenüber Banken und auf etwa 0,1 Milliarden Euro gegenüber den Staat. Der Rest entfiel im Wesentlichen auf Unternehmenskredite.
Foto: dpaDZ BANK: Das genossenschaftliche Institut hatte Ende 2011 Forderungen von 7,6 Milliarden Euro gegenüber der öffentlichen Hand sowie Unternehmen und Banken in Spanien. Rund 3 Milliarden entfielen auf Staatsanleihen. Der größte Teil mit rund 4 Milliarden Euro waren Wertpapiergeschäfte im nichtöffentlichen Bereich. Hinzu kamen Kredite an Unternehmen und die öffentliche Hand.
Foto: dpaCOMMERZBANK: Die Bank bezifferte ihr Engagement Ende März auf mehr als 14 Milliarden Euro. Mit 2,9 Milliarden Euro standen Staatsanleihen in den Büchern. Gewerbliche Immobilienkredite beliefen sich auf 4,0 Milliarden Euro, Kredite an Unternehmen und sonstige auf 3,0 Milliarden. Auf 4,4 Milliarden Euro beliefen sich die Forderungen gegenüber Finanzinstituten.
Foto: dpaDEUTSCHE BANK: Das größte deutsche Finanzhaus war Ende März laut Geschäftsbericht mit netto insgesamt 13,7 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Rund die Hälfte der Summe (6,6 Mrd.) steht als Unternehmenskredite in den Büchern. Staatsanleihen und Kredite an die öffentliche Hand beliefen sich auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere 3,6 Milliarden Euro verlieh die Bank an spanische Finanzinstitute. Hinzu kamen 1,9 Milliarden für den Bereich Retail.
Foto: dapdZweifel über Kreditwürdigkeit zerstreuen
Abschreckendes Exempel ist die britische Großbank Barclays, die Ende Juni einräumte, dass ihre Händler den Libor zwischen 2005 und 2009 manipulieren wollten. Mit der britischen Finanzaufsicht FSA und der US-Terminbörsenaufsicht CFTC einigte sich Barclays auf eine Strafzahlung in Höhe von umgerechnet knapp 370 Millionen Euro. Der Löwenanteil stammt von der CFTC. Fast die gesamte Führungsspitze der Bank ist über den Skandal gestürzt. Aufsichtsratschef Marcus Agius trat ebenso zurück wie Vorstandschef Bob Diamond und der für Investmentbanking zuständige Vorstand Jerry del Missier.
Warum die Banken manipuliert und wie sie davon profitiert haben, ist nicht eindeutig. Barclays habe im Oktober 2008 unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers niedrigere Zinsen gemeldet, um im Vergleich zu Konkurrenten nicht schlechter dazustehen und Zweifel über die eigene Kreditwürdigkeit zu zerstreuen, erklärte Diamond bei einer Anhörung. Der stellvertretende britische Notenbankchef Paul Tucker räumte ein, dass sich seine Behörde angesichts der hohen Libor-Sätze Sorgen gemacht habe.
Platz 10: Leonardo & Co. (1,9 Milliarden US-Dollar)
500 Meter vom Mailänder Scala-Theater liegt das Büro der Leonardo-Bank. In Mailand wurde das Kreditinstitut 1999 gegründet, heute ist sie in Deutschland die zehntgrößte Bank bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) – zumindest gilt das für das erste Quartal 2012. Für diese Zeit ermittelte Thomson Reuters die führenden Geldhäuser bei Transaktionen. Dabei geht der Medienkonzern nach der Höhe des Transaktionsvolumens, das die Banken verschoben. Bei der Leonardo-Bank waren es im ersten Jahresviertel etwa 1,9 Milliarden US-Dollar in Deutschland.
Im Vorjahreszeitraum landete die italienische Bank noch auf Platz 43 der Rangliste.
Foto: APPlatz 9: Goldman Sachs (2,1 Milliarden US-Dollar)
Das New Yorker Bankhaus Goldman Sachs landete mit seinen 2,1 Milliarden US-Dollar an betreutem Transaktionsvolumen auf Platz 9. Damit rutschte die Bank im Ranking zwei Plätze nach unten.
Gemessen an den Aktienemissionen belegt Goldman Sachs laut Thomson Reuters in Deutschland jedoch Platz 1. Im ersten Quartal gab das Geldinstitut Aktienpakete im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar heraus.
Foto: REUTERSPlatz 8: Macquarie (3,5 Milliarden US-Dollar)
Auch die Australier legten beim M&A-Ranking kräftig zu. Belegte die Investmentbank Macquarie im Vorjahreszeitraum noch Platz 43, hat sie sich im ersten Quartal auf Platz 8 vorgekämpft – mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 7: Lazard (3,5 Milliarden US-Dollar)
Bruce Wasserstein, Vorstandsvorsitzender der New Yorker Investmentbank Lazard, hat wenig Grund, sich zu freuen. Sein Bankhaus belegte im Vorjahreszeitraum noch Platz 5. Mit einem Transaktionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 6: Citi (3,5 Milliarden US-Dollar)
Die Citi Group hat sich vom elften auf den sechsten vorgekämpft. Sie begleitete im ersten Quartal 2012 Fusionen und Übernahmen im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar. Außerdem gab sie 217 Millionen Dollar an Aktien, sowie 5,5 Milliarden an Anleihen heraus.
Foto: dapdPlatz 5: Nordea (3,5 Milliarden US-Dollar)
Das Kreditinstitut von Christian Clausen (Foto), Vorstandsvorsitzender der schwedischen Nordea-Bank, feiert Premiere in der Thomson-Reuters-Studie – und das gleich auf Platz 5. Die skandinavische Bank begleitete, wie die Häuser auf den drei vorherigen Plätzen auch, Übernahmen und Fusionen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 4: JP Morgan Chase & Co. (4,3 Milliarden US-Dollar)
4,3 Milliarden Dollar an Transaktionen betreute das New Yorker Bankhaus JP Morgan Chase im ersten Quartal. Damit kann sie aber nicht an ihre Form des ersten Quartals des Vorjahres anknüpfen. belegte sie damals noch den zweiten Platz, reicht es diesmal nur für Platz 4.
Allerdings glänzt sie bei den Investment-Banking-Gebühren. Mit 57 Millionen Dollar nahm sie laut Thomson Reuters so viel wie keine andere Bank in Deutschland ein – und stieß damit die Deutsche Bank vom Thron.
Foto: APPlatz 3: Morgan Stanley (4,3 Milliarden US-Dollar)
Die US-Bank Morgan Stanley verbuchte ebenfalls ein Transaktionsvolumen von 4,3 Milliarden Dollar in seinem Deutschland-Geschäft in den ersten drei Monaten des Jahres. Im Vorjahreszeitraum belegte das Bankhaus noch den elften Platz im Thomson-Reuters-Ranking.
Foto: dapdPlatz 2: Deutsche Bank (4,9 Milliarden US-Dollar)
Deutsche Banken scheinen bei Fusionen und Übernahmen in Deutschland weniger gefragt zu sein. Die einzige heimische Bank im Ranking ist die Deutsche Bank – und erreicht als nationaler Branchenprimus nicht mal den ersten Platz. Immerhin hat sie sich mit ihrem Transaktionsvolumen von 4,9 Milliarden Dollar vom dritten auf den zweiten Platz vorgearbeitet.
Auch in anderen Bereichen, die Thomson Reuters untersucht hat, nimmt die Deutsche Bank die zweite Position ein. Bei der Reihung nach Investment-Banking-Gebühren (0,5 Milliarden Dollar) muss sie JP Morgan den ersten Platz überlassen (0,57 Milliarden Dollar), bei Aktienemissionen (0,97 Millairden Dollar) nimmt Goldman Sachs die Spitzenposition ein (1,4 Milliarden Dollar). Lediglich bei den Anleihenemissionen liegt die Deutsche Bank mit 11,2 Milliarden Dollar in Deutschland vorne.
Foto: dapd
Platz 15: Die staatsgeführte Bank of China ist nicht nur das zweitgrößte, sondern auch das älteste Geldinstitut der Volksrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich die Bank of China in Sachen Markenwert um zwei Plätze steigern. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,86 Milliarden US-Dollar. Die Ergebnisse stammen vom Brand Finance Banking 500 - einer Erhebung, die das amerikanische Beratungsunternehmen Brandfinance mit dem Fachblatt "Te Banker" erarbeitet hat.
Foto: REUTERSPlatz 14: Das größte Kreditinstitut der Bundesrepublik, die Deutsche Bank, konnte 2011 trotz der europäischen Banken-Krise respektable Ergebnisse vorlegen. Die Universalbank konnte ihre Vorjahres-Platzierung erneut verteidigen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,9 Milliarden US-Dollar.
Foto: dapdPlatz 13: Die Banco Itaú ist die größte Bank in Brasilien und ganz Lateinamerika. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Fusion der beiden Banken Banco Itaú und der Unibanco. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Geldhaus zwei Plätze eingebüßt. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,2 Milliarden US-Dollar.
Foto: dpaPlatz 12: Die drittgrößte Bank Großbritanniens ist im Vergleich zum Vorjahr um ganze fünf Plätze nach unten gerutscht. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind 2011 auch an Barclays nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch übertrifft das international agierende Finanzunternehmen in Sachen Markenwert alle anderen britischen Bankhäuser, abgesehen von HBSC. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,6 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 11: Gemessen an der Bilanzsumme ist die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) die größte Bank Chinas. Dennoch musste das Haus in Sachen Markenwert einen kleinen Verlust hinnehmen - im Vergleich zum Vorjahr fiel das Unternehmen drei Plätze nach unten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,2 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 10: Die China Construction Bank (CCB) gehört zu den vier größten Banken der Volksrepublik. In Sachen Markenwert hat es das Geldhaus nicht nur geschafft, den Konkurrenten ICBC zu überrunden, sondern auch die Spitzenposition unter den chinesischen Banken einzunehmen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,5 Milliarden US-Dollar.
Foto: dpaPlatz 9: Die Banco Bradesco gehört zu den vier größten Banken Brasiliens. Im Vergleich zum Vorjahr büßte das Geldinstitut drei Plätze in Sachen Markenwert ein, ist unter den brasilianischen Konkurrenten aber immer noch Spitzenreiter. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,7 Milliarden US-Dollar.
Foto: PressePlatz 8: BNP Paribas ist nicht nur eine der führenden Banken Frankreichs sondern auch ganz Europas - auch in Sachen Markenwert. Das Geldinstitut konnte im Vergleich zum Vorjahr sogar vier Plätze zulegen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 16,8 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 7: Der US-Kreditkartenkonzern American Express hat dank der Ausgabenfreude seiner überdurchschnittlich wohlhabenden Kunden und einer Verlangsamung des Kostenanstiegs im vierten Quartal einen höheren Gewinn als erwartet erzielt. Auch der Markenwert viel weit besser aus als im Vorjahr - das Unternehmen hat sich ganze fünf Ränge nach vorne gekämpft. Damit gelang dem Unternehmen der größte Sprung nach oben – mit einem Plus von 2,7 Milliarden. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 18,2 Milliarden US-Dollar.
Foto: dapdPlatz 6: Ebenfalls über eine Sprung nach oben darf sich die US-Großbank Citigroup freuen. Der weltweit größte Finanzdienstleister für Privatkunden legte beim Markenwert im Vergleich zum Vorjahr (Platz 9) drei Plätze zu. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 18,6 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 5: Die US-Bank JPMorgan Chase hatte im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren. Dabei zehrte das Wall-Street-Institut vor allem von den guten Geschäften zu Jahresbeginn. In der zweiten Jahreshälfte hinterließen die Schuldenkrise und die sich abkühlende Weltwirtschaft ihre Spuren in der Bilanz des Branchenprimus. In Sachen Markenwert konnte das Geldinstitut Vorjahresplatzierung halten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 19 Milliarden US-Dollar.
Foto: dapdPlatz 4: Die spanische Großbank Santander legt wegen der Flaute am spanischen Immobilienmarkt 3,2 Milliarden Euro zurück und musste dafür 2011 im Vergleich zum Vorjahr einen Gewinnrückgang von 35 Prozent in Kauf nehmen. Immerhin in Sachen Markenwert blieb mit Platz 4 bei Santander alles beim Alten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 20 Milliarden US-Dollar.
Foto: dpaPlatz 3: Die Nummer zwei der amerikanischen Banken ist im vierten Quartal in die Gewinnzone zurück gekehrt. Die Bank of America verdiente im Schlussquartal rund zwei Milliarden Euro. Die Spitzenposition in Sachen Markenwert büßte das Geldinstitut jedoch ein. Im Vergleich zum Vorjahr rutschte die Bank of America zwei Ränge nach unten. Die wegen Zwangsvollstreckungs-Maßnahmen im Heimmarkt sehr umstrittene Bank stürzte mit einem Minus von 11,1 Milliarden beim Markenwert am tiefsten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 22,9 Milliarden US-Dollar.
Foto: dapdPlatz 2: Das viertgrößte US-Institut, Wells Fargo, hat 2011 einen Rekordgewinn von 15,9 Milliarden Dollar (12,4 Milliarden Euro) eingefahren, eine Steigerung von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Markenwert konnte die US-Großbank sich auf Platz 2 behaupten und ist damit Spitzenreiter unter den US-amerikanischen Konkurrenten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 23,2 Milliarden US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 1: Kapitalmarktturbulenzen, höhere Vorsorge für Kreditausfälle und höhere Kosten haben das Geschäft der britischen Großbank HSBC 2011 belastet. Dennoch schaffte die europaweit größte Bank in Sachen Markenwert einen Sprung um zwei Ränge nach vorne und hat damit die Bank of America von der Spitzenposition verdrängt. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 27,6 Milliarden US-Dollar. (Quelle: eine Erhebung des amerikanischen Beratungsunternehmens Brandfinance in Zusammenarbeit mit dem Fachblatt "The Banker")
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Der Libor gilt tatsächlich als wichtigstes Signal für die Verfassung eines Instituts. Während der Referenzzins einigermaßen konstant blieb, schossen gleichzeitig die Prämien für Kreditausfallversicherungen (sogenannte CDS) für Forderungen gegen Banken in die Höhe. Die beziehen sich jedoch auf langfristige Forderungen und sind deshalb ein weniger wichtiges Signal. Dennoch halten Experten auch eine andere Erklärung für denkbar: Hätte die Mehrzahl der Banken zugeben müssen, dass sie gar kein Geld mehr bekommt, und die Notierung des Libor deshalb aussetzen müssen, hätte dies zu einer Verschärfung der Krise mit unabsehbaren Folgen geführt. Vor diesem Hintergrund dürfte die Aufsichtsbehörde daran interessiert gewesen sein, überhaupt einen Libor zustande zu bekommen.
Insider sehen hier auch ein Argument dafür, dass die Deutsche Bank und ihr neuer Co-Chef Anshu Jain nicht in ähnlichem Umfang wie Barclays in den Skandal verwickelt sein dürfte. Denn die Frankfurter Großbank hatte auch auf dem Höhepunkt der Krise wenig Finanzierungsschwierigkeiten. Gleichwohl hat das Institut zwei Händler suspendiert. Sie und ihre Kollegen in anderen Instituten könnten sich an der Manipulation direkt bereichert haben. „Wenn man weiß, wie hoch ein bestimmter Zins ausfällt, hat man immer einen Vorteil“, sagt ein Banker.
Ausrichtung auf Libor unwahrscheinlich
Profitabel wäre ein niedrigerer Libor etwa bei Geschäften, in denen die Bank selbst Geld zum Festzins erhält und dafür eine Leistung auf Libor-Basis erbringt. Händler könnten auch auf die Differenz zum Euribor gewettet haben. Weitere Vorteile sind bei Gegengeschäften denkbar, sogenannten Swaps. Dass eine Bank jedoch ihre Handelsstrategie komplett auf den Libor ausrichtet, ist kaum vorstellbar. Denn die Positionen gleichen sich innerhalb eines Instituts im Wesentlichen aus. Wahrscheinlicher ist es, dass einzelne Händler profitiert und ihre Boni nach oben getrieben haben.
Die juristische Aufarbeitung der Affäre wird schwierig. So ist völlig unklar, wie sie Banken trifft, die zwar nicht an der Entstehung des Libor beteiligt waren, auf dieser Basis aber untereinander Geschäfte abgeschlossen haben. „Müssen wir jetzt zahlen, obwohl wir nicht manipuliert haben“, fragt der verantwortliche Manager eines deutschen Geldhauses.
Nur Spekulation
Solange nicht feststeht, ob und um wie viele Prozentpunkte die Großbanken den Libor manipuliert haben, lässt sich auch über konkrete Schäden für Anleger nur spekulieren. „Ohne die Höhe des Schadens zu beziffern, kann man nicht klagen“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Den Schaden müssten Kläger wohl für jeden Tag der Manipulation einzeln ausrechnen. Und da bei der Meldung die höchsten und niedrigsten Angaben gestrichen werden, dürften jeden Tag andere Banken beigetragen haben.
Bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger haben vereinzelt Anleger Rat gesucht. Ein interner Anwalt verschafft sich einen Überblick, inwieweit eine Klage überhaupt Sinn ergibt. Die DSW beobachtet, was in den USA passiert. „Für betroffene Anleger werden die Ermittlungsergebnisse, die sich im Rahmen von aufsichtsrechtlichen und strafrechtlichen Verfahren ergeben, entscheidend sein“, sagt Tüngler.
Für Anleger besteht ohnehin kein Grund zur Eile: Von Kenntnis des Schadens an haben sie drei Jahre Zeit, Klage einzureichen.
Selbst die Großinvestoren halten sich bedeckt: Der Anleihemanager Bantleon sieht das Ganze gelassen, weil in seinem Portfolio „weniger als fünf Prozent“ der Anlagen „Floater“ seien, also Finanzprodukte, deren Zins an den Libor gekoppelt ist. Die Allianz Deutschland geht davon aus, dass die Libor-Manipulation keinen oder nur geringen Einfluss auf die Kapitalanlagen hat. Der Versicherer Ergo gibt sich entspannt: „Wir haben kaum Libor-basierte Anlagen, prüfen aber trotzdem, ob irgendwo ein Schaden entstanden sein könnte“, sagt Daniel von Borries, als Vorstandsmitglied der Versicherung verantwortlich für Kapitalanlage und Lebensversicherung.
In Großbritannien dürfte der Libor-Skandal zu einer Verschärfung der ohnehin geplanten Bankenregulierung führen. „Niemand glaubt mehr daran, dass der Status quo den Interessen der britischen Wirtschaft entspricht“, wettert Labour-Chef Ed Miliband. Und auch der konservative Premier David Cameron hat eingesehen, dass sich etwas ändern muss. So soll in den nächsten Wochen ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der die Vorschläge des ehemaligen britischen Notenbankers John Vickers umsetzt. Der drängte bei den Universalbanken bisher nur auf eine Abkoppelung des traditionellen Bankgeschäftes vom riskanteren Investmentbanking und will erlauben, dass beide Sparten weiterhin unter dem Dach einer gemeinsamen Holding nebeneinander bestehen dürfen.
Gesetze aus Brüssel
Nachdem in den vergangenen Wochen Banklobbyisten mit allen Mitteln auf eine Verwässerung der Vickers-Vorschläge drängten, dürften nun die Verfechter einer Verschärfung Oberwasser bekommen. Sogar der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, sprach sich kürzlich für ein echtes Trennbankensystem aus.
Fest steht, dass auch Brüssel Konsequenzen aus dem Libor-Skandal in Großbritannien ziehen wird. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier plant, Zinsmanipulationen in den Katalog von Straftaten aufzunehmen. Dazu will er die für den Marktmissbrauch geltenden Regeln erweitern und künftig auch die Beeinflussung von Referenz-Zinssätzen wie Libor und Euribor einbeziehen. Zudem verhandelt die EU-Kommission derzeit mit dem EU-Parlament und den Regierungen der Mitgliedsländer über neue Gesetze gegen Marktmissbrauch, die Mindeststrafen für Vergehen wie Insiderhandel festlegen. Das beträfe dann künftig auch die Manipulation des Libor.
Vergleich
Direkte Folgen für die künftige Ermittlung des Libor werden jedoch die Schritte haben, die inzwischen in Großbritannien erwogen werden. „Wer Marktindizes fälscht, muss dafür ins Gefängnis gehen“, sagte der britische Minister für Finanzmarktregulierung Mark Hoban dem „Handelsblatt“. Darüber hinaus sind Reformen des intransparenten und anachronistischen Systems geplant, mit dem der Libor täglich ermittelt wird. So gibt es Überlegungen, die Zahl der Banken, die ihre Sätze zur Berechnung des Libor melden, zu erhöhen, um den Einfluss einzelner zu reduzieren. Am weitesten geht Professor Pete Hahn von der Cass Business School in London. Er schlägt vor, dass die Banken künftig bei der Libor-Berechnung ganz aus dem Spiel bleiben sollen.
Ob es in der Libor-Affäre überhaupt zu einem Urteil kommen wird, ist allerdings fraglich. Denn Sammelklagen in den USA enden häufig in außergerichtlichen Vergleichen. „Vernünftige Geschäftsleute suchen in so einer Situation normalerweise nach einer vernünftigen Lösung“, sagt Hausfeld, der sich als Anwalt der Entrechteten und Underdogs fühlt, der schon viele Konzerne in die Knie gezwungen hat.