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RüstungsdealDie wichtigsten Fragen zur Fusion von EADS und BAE Systems

Was bringt die Fusion von EADS mit dem britischen Wettbewerber BAE Systems? Antworten auf die zehn drängendsten Fragen.Rüdiger Kiani-Kreß, Yvonne Esterházy 15.09.2012 - 06:00 Uhr

Geballte Kraft. EADS-Chef Enders am Ziel seiner Träume

Foto: dpa

Wenn Thomas Enders im Juni nach seiner Wahl zum EADS-Chef noch einen Herzenswunsch hatte, dann diesen: die Fusion seines deutsch-französisch-spanischen Unternehmens mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems. Denn mit ihrem starken Rüstungs- und Servicegeschäft ergänzt BAE die Schwächen von EADS fast perfekt.

Nach fünfmonatigen Geheimgesprächen kam der Durchbruch zwischen Enders und BAE-Chef Ian King laut Insidern im Juli bei einem Sandwich-Lunch am Londoner City Airport. Wenn sich die Akteure so schnell einigen, wie es das britische Börsenrecht vorschreibt, entsteht am 10. Oktober der mit 72 Milliarden Euro Umsatz und 220 000 Beschäftigten größte Luftfahrtkonzern der Welt, deutlich vor dem alten Erzrivalen Boeing. Dank der Produktpalette vom Jagdflieger bis zu Panzern und Kriegsschiffen stößt der neue Gigant dann Lockheed Martin, die bisherige Nummer eins der Waffenbranche, vom Thron.

Doch was bringt die Fusion, außer der europäischen Version der US-Superwaffe Bazooka, auf Unternehmensebene? Antworten auf die zehn drängendsten Fragen.

Eurofighter

Das international Typhoon genannten Kampfflugzeug ist ein Gemeinschaftsprodukt der deutsch-französischen EADS, der britischen BAE Systems und Alenia aus Italien von EADS. Zu Zeiten des Kalten Kriegs als Jäger 90 erdacht, wollen es die Hauptbestellländer Deutschland, Großbritannien und Italien trotz mehrfacher Erneuerung heute eigentlich nicht mehr abnehmen.

Foto: REUTERS

NH90

Bei der EADS haben den „NATO-Helicopter 90“, wie das Fluggerät mit vollem Namen heißt, 14 Nationen weltweit bestellt. Das Fluggerät ist der der erste Hubschrauber mit einem elektronischen Flugsteuerungssystem wie es in Verkehrsflugzeugen lange üblich ist. Wegen technischen Problemen gibt es jedoch besonders bei den Exemplaren für die Bundeswehr deutliche Verspätungen.

Foto: Pressebild

A400M

Der Militärtransporter von Airbus ist mit einem Wert von mehr als 20 Milliarden Euro das bislang größte europäische Gemeinschaftsprojekt der Waffenbranche. Es sollte eigentlich bereits ab Oktober 2009 in den europäischen Luftwaffen die alten Militärfrachter ersetzen. Doch weil sich Airbus bei der Technik überschätzt hat und die Bestellländer nur schwer erfüllbare Vorgaben machten, werden die ersten Exemplare wohl erst 2014 fliegen.

Foto: AP

U 212 und 214

Die U-Boote sind die Vorzeigeprodukte der ThyssenKrupp-Tochter HDW. Dank des Elektroantriebs, der den Strom von einer Brennstoffzelle erhält, sind die Tauchungetüme so leise und damit vom Feind so schlecht auszumachen wie kaum ein anderes U-Boot.

Foto: dpa

G-36

Das Sturmgewehr von Heckler & Koch ist die Standardwaffe der Bundeswehr als Nachfolger des Gewehres G3, das auch Heckler gebaut hat. Das G36 besteht zu einem Teil aus kohlefaserverstärktem Kunststoff mit Einlagen aus rostfreiem Stahl und ist deshalb relativ leicht. Es wird in mehreren Ländern wie Saudi-Arabien in Lizenz produziert. Auch darum taucht es trotz des strengen Exportverbots immer wieder in Krisengebieten wie dem Kaukasus oder in Libyen auf.

Foto: dpa/dpaweb

Leopard 2

neueste Ausführung A7+. Den Kampfpanzer hat Krauss-Maffei Wegman entwickelt und gebaut mit Zulieferungen unter anderem von Rheinmetall. Das Fahrzeug hat KMW für die neuen Aufgaben der Bundeswehr entwickelt. Aber von dem Panzer möchte auch Saudi-Arabien angeblich bis zu 800 Stück bestellen. Der Leopard ist besonders gut geschützt, hat Schnittstelle zum Anbringen von Anbaugeräten, z.B. eines  Minenpflugs oder Räumschildes, ist für die Wüste klimatisiert und eine besonders gute Optronik für eine gute Sicht bei Nacht und in die Ferne. Die gut 3000 Leos, wie ihn die Branche nennt, sind bei 16 Ländern im Einsatz, darunter neben europäischen Staaten auch Chile, Kanada und Singapur.

Foto: dpa

Dingo 2

Der wahrscheinlich sicherste Geländewagen der Welt schützt nicht nur weitgehend vor Bomben, Granaten sowie biologische und chemische Kampfstoffe. Die gut 800 bisher produzierten Dingos können nicht nur als Truppentransporter dienen, sondern auch zum Gefechtsstand, Krankenwagen oder als Aufklärungsfahrzeug umgebaut werden.

Foto: dpa

Puma

Das neueste Produkt aus dem Haus Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall bietet nach Angaben der Hersteller seiner Besatzung den bislang von keinem vergleichbaren Fahrzeug erreichten Schutz vor Minen, Panzerabwehrwaffen und Sprengsätzen. Weil er kleiner ist und leichter als der Leopard 2, kann den Schützenpanzer auch ein Flugzeug wie der Airbus Militärfrachtflugzeug A400M transportieren. Dazu ist er beweglicher und hat Schnittstellen für digitale Kommunikation.

Foto: "Krauss-Maffei Wegmann GmbH/Rheinmetall Defense"

Foto: dapd

Tognum

Die Tochter des Autoherstellers Daimler baut in Friedrichshafen neben Motoren für Zivil-LKW oder Frachtschiffe auch Antriebe für Panzer und Kampfschiffe.

Foto: dpa

Iris-T

Die Lenkwaffe des Nürnberger Diehl-Konzerns gilt derzeit weltweit als präziseste Rakete für Kampfflugzeuge. Sie hängt an fast allen Militärjets der neuesten Generation - ob Eurofighter, Tornado, Saab Gripen aus Schweden oder F-16 und F-18 aus den USA.

Foto: Screenshot

Renk-Getriebe

Die größten Exporterfolge feiern Firmen aus Deutschland mit Zulieferungen für die Waffen anderer. Zu den wichtigsten versteckten Rüstern zählt die MAN-Tochter Renk aus Augsburg. Sie liefert Getriebe für Schiffe, Lastwagen und Panzer.

Foto: AP

Kann der Deal noch scheitern?

Rein formell müssen die Verwaltungsräte der beiden Unternehmen ebenso noch zustimmen wie die Regierungen der vier Heimatländer Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien. Dabei haben dem Vernehmen nach auch die wichtigsten Auftraggeber USA, Australien und Saudi-Arabien mitzureden. Doch weil die Unternehmen seit der Einigung im Juli bei den Regierungen und den bisherigen Großaktionären sondiert haben, rechnen Branchenkreise mit wenig Widerstand.

Ganz anders die freien Aktionäre. Sie halten bei EADS neben Daimler, dem französischen Verleger Lagardère sowie dem Staat gut die Hälfte der Anteile und die Minderheit der Stimmrechte. BAE hat keine Großaktionäre. Am Tag nachdem Enders und King den Deal bekanntgegeben haben, sackten die Aktienkurse beider Unternehmen deutlich ab. Die Fondsgesellschaft Invesvco, mit 13 Prozent der größte Aktionär von BAE, hat bereits erklärt, sie wolle erst die Details sehen.

Diagramm: Schuss vor den Bug (zum Vergrößern bitte klicken)

Foto: Unternehmensangaben

Wie viel Kosten spart die Ehe?

Das Geschäft der Unternehmen überlappt sich so gut wie nicht. Deshalb bringt die Vereinigung nur wenig Synergien. Doch der gemeinsame Einkauf, gemeinsame Ausschreibungen und eine abgestimmte Forschung sollen mindestens 800 Millionen Euro pro Jahr an Kosten einsparen.

Wie funktioniert die Fusion?

Auch wenn der Unternehmensname und die Führung noch nicht feststehen, die wichtigsten Details sind klar. Technisch gesprochen ist die Fusion ein sogenannter Reverse Takeover, bei dem die kleinere BAE die größere EADS schluckt. BAE-Systems-Aktionäre werden später 40 Prozent an dem neuen Konzern halten, die EADS-Eigentümer 60 Prozent.

Geplant ist, dass beide Unternehmen nach dem Muster des Unilever-Konzerns unter dem Dach einer Holding als separate Einheiten weiter bestehen und ihre getrennten Börsennotierungen in London, Paris und Frankfurt behalten. Dabei wird wohl Enders Konzernchef, und ein Brite könnte den Verwaltungsrat leiten. Die Zivilsparte dürfte von Toulouse aus gelenkt werden und die Rüstungssparte aus London. Das ist üblich bei transnationalen Gesellschaften in Europa wie bei EADS selbst oder auch Unilever und Shell.

Etwas komplizierter wird die Ehe unterhalb der Leitungsebene. Denn alle Länder bestehen darauf, ihr geheimes Rüstungsgeschäft über ein Führungsgremium ohne Ausländer zu kontrollieren. Doch auch das gibt es bereits. So bleibt EADS-Chef Enders bei den geheimen französischen Militärprojekten wie den Atomraketen außen vor. Und das US-Geschäft von BAE leitet ein sogenanntes Proxy Board, in dem nur Amerikaner sitzen dürfen – ohne BAE-Chef King. Weil die Amerikaner jedoch den Briten mehr trauen als Deutschen und Franzosen, könnten Zentrifugalkräfte auftreten.

Platz 6: MTU

2010 machte der Konzern 486 Millionen Euro Umsatz mit Rüstungsprodukten. Das entspricht 18 Prozent am Gesamtumsatz. MTU Aero Engines stellt unter anderem Flugzeugtriebwerke für den Kampfjet Eurofighter her.

Foto: dpa

Platz 5: Krauss-Maffei Wegmann (KMW)

KMW setzte 2010 gut 900 Millionen Euro mit Rüstungsprodukten um. Als einziger großer deutscher Waffenhersteller setzt KMW zu 100 Prozent auf Rüstung. Der Umsatz speist sich allein aus dieser Produktgruppe. Gemeinsam mit Rheinmetall baut Krauss-Maffei Wegmann unter anderem den Leopard 2-Panzer.

Foto: dpa

Platz 4: ThyssenKrupp

Der Konzern setzte 2010 1,2 Milliarden Euro mit seiner Rüstungssparte um. Damit macht der Bereich nur drei Prozent am Gesamtumsatz aus. Die ThyssenKrupp Marine Systems stellen die U-Boote U 212 und U214 her. Außerdem baut TKMS Fregatten und Minenräumschiffe.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: Diehl

Der Nürnberger Rüstungs- und Technikkonzern Diehl machte 2010 mit Rüstungswaren einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Damit machte der Verkauf von Raketen und Panzerketten knapp 27 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Foto: dpa

Platz 2: Rheinmetall

Im Jahr 2010 setzte Rheinmetall mehr als zwei Milliarden Euro mit Rüstungsprodukten um. Der Konzern macht gut die Hälfte seines Umsatzes mit Rüstungswaren. Rheinmetall stellt neben dem Spürpanzer Fuchs weitere Panzerfahrzeuge sowie Flugabwehrsysteme, Munition und Elektrik her.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 1: EADS

Mit einem Umsatz von 12.289 Millionen Euro im Rüstungsbereich im Jahr 2010 sichert sich das Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen den ersten Platz. Der Anteil von Rüstungsprodukten am Gesamtumsatz beträgt knapp 27 Prozent. EADS baut den Eurofighter, den Truppentransporter A400M und den Kampfhubschrauber Tiger. Außerdem bietet EADS Überwachungssysteme, Elektronik und Raketen an.

Foto: Reuters

Alle zwei Jahre findet in Villepinte, nördlich der französischen Hauptstadt Paris, die Rüstungsmesse Eurosatory statt. Unterstützt wird die Waffenshow vom französischen Verteidigungsministerium. Das Ministerium verschickte Einladungen an Verteidigungsminister, Staatssekretäre, Nationale Rüstungsdirektoren, Stabschefs, Flaggoffiziere und leitende Sicherheitsbeamte in der ganzen Welt. Unter anderem senden die Nato und die Europäische Union offizielle Delegationen nach Paris.

Foto: Presse

2010 waren auf der Eurosatory mehr als 1300 Aussteller aus 54 Ländern vertreten und präsentierten ihre Sicherheitssysteme, Waffen, Hubschrauber und Kettenfahrzeuge mehr als 54.000 Entscheidern aus der Verteidigungsbranche. Dazu gehören neben den Streitkräften auch Polizisten, Personenschützer und andere Sicherheitsdienstleister. 2012 gaben sich 1400 Aussteller und rund 53.500 Fachbesucher ein Stelldichein. 2014 werden Fachbesucher und Händler aus 53 Staaten erwartet, darunter auch Japan und Argentinien.

Foto: Presse

Zu den etablierten Gästen gehören die in Frankreich fest verwurzelten Großkonzernen wie EADS und Dassault. Ein Blick auf die Liste der anderen Länder – speziell der neu hinzugekommenen Staaten – sagt viel über die wirtschaftliche Bedeutung der Verteidigungsbranche. Und über die oft propagierte Friedlichkeit der Nationen.

Foto: Presse

69 Prozent der Aussteller kommen nicht aus Frankreich. Das macht die Eurosatory zur größten internationalen Rüstungsmesse. Neben Japan und Argentinien mit an Board sind unter anderem Indonesien, Korea, Pakistan, die Türkei, Zypern, Lybien, Pakistan und die vereinigten Arabischen Emirate. Rund 100 Firmen präsentieren sich in diesem Jahr erstmals auf der alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellung.

Foto: Presse

Die am stärksten vertretenen Nationen sind die USA mit 158 Ausstellern, gefolgt von Deutschland mit 123 Ausstellern, Großbritannien mit 109 und Israel mit 59 Ausstellern.

Foto: Presse

Deutschland wird unter anderem von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann vertreten. Weitere deutsche Unternehmen sind IBD Deisenroth, Diehl, Heckler & Koch, MTU Friedrichshafen, Salzgitter Maschinenbau und Sig Sauer.

Foto: Presse

72 Prozent der Aussteller sind alte Hasen - sowohl im Geschäft als auch auf der Messe. In den vergangenen Jahren stieg allerdings die Zahl der Unternehmen aus China, Russland, Korea, Indonesien und den Arabischen Emiraten.

Foto: Presse

Auf dem mehr als 140 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände in Villepinte geht es neben dem klassischen Kriegseinsatz aber auch um die private Sicherheitsbranche, den Einsatz und das Equipment für Sanitäter in Krisengebieten oder um Cyber-Sicherheit und die militärische Nutzung des Internets.

Foto: Presse

Ein weiteres Symposium befasst sich ausschließlich mit militärischen Übungssimulationen - digital wie analog. Spezialisiert auf diese Anforderungen ist unter anderem die Münchner ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH. Sie präsentiert sich mit mobilen Systemen für Einsatz und Krisenmanagement sowie Simulation und Training.

Foto: Presse

Das "Land Operations Forum" legt dagegen den Schwerpunkt auf den militärische Einsatz von Bodentruppen und deren Anforderungen an die Ausrüstung.

Foto: Presse

Wie sichern Deutschland und Frankreich ihren Einfluss?

Bei der EADS machten Deutschland und Frankreich ihre Interessen bisher über ihre Rolle als Aktionäre geltend; Frankreich hält neben Lagardère (7,5 Prozent) unmittelbar 15 Prozent, in Deutschland hält der Stuttgarter Autokonzern Daimler als Berlins Statthalter 22,5 Prozent. Das hat die EADS-Führung auf die Palme gebracht, weil sich regelmäßig Politiker in die Unternehmensführung eingemischt haben. Künftig sollen die Heimatländer eine Art Goldene Aktie erhalten, die ihnen ein Mitspracherecht sichert in besonders wichtigen Fragen wie Zukäufen oder neuen Großaktionären.

Eine Fusion mit BAE würde praktisch auf einen Schuss fast alle wesentlichen Herausforderungen von EADS lösen. Konzernchef Enders wäre die ungeliebte Einmischung der Politiker los. Dazu wäre das neue Unternehmen deutlich internationaler und hinge weniger von der europäischen oder der US-Konjunktur ab. Durch das große Rüstungsgeschäft der Briten wird auch die im internationalen Vergleich relativ kleine EADS-Rüstungssparte konkurrenzfähig.

Gleichzeitig wird das Gemeinschaftsunternehmen der erste echte Komplettanbieter der Waffenbranche. Neben den bisherigen Gemeinschaftsprojekten wie dem Kampfjet Eurofighter und den MBDA-Lenkwaffen hätte EADS/BAE dann auch High-Tech-Waffen wie unbemannte Flugkörper im Programm. Hinzu kämen ein Anteil am künftigen US-Kampfflieger Joint-Strike Fighter sowie klassisches Tötungsgerät wie Panzer oder Kriegsschiffe.

Was bringt der Abschluss BAE?

Die Briten können mit Wachstum rechnen. Zwar ist BAE derzeit finanziell gesünder und profitabler als EADS. Doch weil die Briten fast ausschließlich im Rüstungssektor tätig sind, beginnt das Geschäft zu schrumpfen. Dank EADS kann BAE Waffen nun auch in Wachstumsmärkten wie den Arabischen Emiraten oder Teilen Asiens anbieten, wo sich das Unternehmen bisher wegen der britischen Nähe zu den USA schwerer tat als Frankreich oder Deutschland. Ebenso profitiert BAE wieder vom derzeit deutlich wachstumsstärkeren Zivilgeschäft von Airbus, an dem die Briten bis 2006 beteiligt waren.

Was bringt der Deal dem deutschen Großaktionär Daimler?

Die Schwaben werden erleichtert sein von dem eleganten Abgang ihrer zunehmend unerwünschten Tochter. Zwar schätzte der Autokonzern die Dividenden und die Kursgewinne. Doch die häufigen Pannen bei Projekten wie dem Superjumbo A380 bescherten den Stuttgartern regelmäßig Abschläge in der Bewertung ihrer eigenen Aktie. Auch braucht Daimler Geld für Investitionen in die Elektromobilität. Der Konzern vom Neckar konnte bisher nicht aussteigen, da er keinen Nachfolger als Statthalter deutscher Interessen bei EADS fand.

Was passiert mit EADS-Betrieben und -Jobs in Deutschland?

Für die Beschäftigten im europäischen Airbus-Zivilgeschäft bringt die Fusion wahrscheinlich keine Veränderung. Die Betriebe der EADS-Rüstungssparte könnten dagegen darunter leiden, dass BAE den Bereich künftig von London aus steuert und wegen wachsender Aufträge aus Übersee auch die Fertigung in andere Länder verlagern muss. Auch für einen Teil der Zulieferer könnte es enger werden, weil der neue Gigant künftig mehr außerhalb Europas einkauft und höhere Rabatte verlangt.

Ist der neue Gigant steuerbar?

Grundsätzlich ja, auch wenn mit Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien vier Nationen im Hintergrund mitmischen. Doch gerade die Erfahrung EADS zeigt auch: Bis aus einer solchen Konstruktion ein Unternehmen ohne nationale Gegensätze wird, kann es zehn Jahre und mehr dauern. Bis dahin können interne Machtkämpfe oder Reibungsverluste den Betrieb hemmen – und im Extremfall wie bei DaimlerChrysler scheitern lassen.

Profitieren die Aktionäre?

Wie der aktuelle Kursverlust beider Aktien zeigt, herrscht Unsicherheit. Am Ende werden zumindest Daimler und Lagardère ihre Anteile von zusammen immerhin rund 18 Prozent der künftigen EADS/BAE-Aktie möglichst rasch auf den Markt werfen wollen. Dies würde auch nach einer erfolgreichen Fusion noch eine Weile auf den Kurs drücken. Doch das dürfte sich geben, weil die Luftfahrt sowie das Geschäft mit Rüstung und Sicherheit langfristig wachsen.

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