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VerbraucherschutzNeues Tierschutzlabel kennzeichnet Lebensmittel

Ein neues Label soll Verbrauchern ab Mittwoch zeigen, welche Fleischprodukte im Supermarktregal aus besonders artgerechter Haltung kommen. Biobauern kritisieren die Kennzeichnung heftig.Meike Lorenzen 15.01.2013 - 11:34 Uhr

Das Fleisch des irischen Angusrinds (Black Angus) ist kräftig rot, gleichmäßig marmoriert, feinfaserig und bleibt auch beim Braten zart und saftig. Der Name „Angus" stammt von der schottischen Grafschaft Angus, wo diese Rinder zuerst gezüchtet wurden. Von dort aus verbreitete sich die schwarze, hornlose Rasse weltweit.

Kosten für ein Kilogramm Angus-Rindfleisch

Rumpsteak: 50 - 60 Euro

Entrecote: 50 -60 Euro

Filet: 70 - 80 Euro

Steakhüfte: ca. 50 Euro

Foto: Fotolia

Argentinisches Rindfleisch gehört zu den Klassiker auf der Speisekarte der Steakhäuser. Das Fleisch ist fest, saftig und aromatisch.

Kosten für ein Kilogramm:

Rumpsteak: ca. 55 Euro

Entrecote: ca. 55 Euro

Steakhüfte: ca. 50 Euro

Filet: ca. 75 Euro

Foto: AP

American Beef - US-Rinder ernähren sich ausschließlich von Gras und erhalten während der Mast ausgewähltes Futtergetreide. Der Klassiker in der amerikanischen Steakkultur ist das Porterhouse-Steak. Es wird aus dem Roastbeef mit einem hohen Anteil Filet geschnitten und ist besonders leicht am t-förmigen Knochen zu erkennen.

Kosten für ein Kilogramm:

American Filet: ca. 100 Euro

Nacken und Flank Steak: ca. 40 Euro

Rumpsteak und Entrecote: 75 - 80 Euro

Steakhüfte: ca. 60 Euro

T-Bone Steake/Porterhouse-Steak: 70-80 Euro

Foto: Fotolia

Bisonfleisch ist extrem mager und anders als bei den meisten Fleischsorten ist beim Bison das Fleisch an sich der Geschmacksträger und nicht das Fett. Es ist reich an Proteinen, Mineralien und wertvollen Fettsäuren. Bisonfleisch brät besonders schnell durch, muss aber doppelt so lange ruhen wie normales Rindfleisch.

Kosten für ein Kilogramm:

Rumpsteak: ca. 75 Euro

Entrecote (Rib Eye): ca. 75 Euro

Filet: ca. 110 Euro

Steakhüfte: ca. 70 Euro

Foto: REUTERS

Simmentaler Rinder kommen ursprünglich aus dem Berner Oberland (Simmental) und gehören heute zu den wichtigsten Rinderassen in den deutschen und österreichischen Alpen. Das Fleisch des Simmentaler Rinds ist würzig, aromatisch und mittlerweile auf den Speisekarten vieler Gourmetrestaurants zu finden.

Kosten für ein Kilogramm: 

Rumpsteak: 35-40 Euro

Entrecote (Rib-Eye): 35-40 Euro

Filet: 60-70 Euro

Steakhüfte: ca. 30 Euro

Foto: Fotolia

Galloway Rind

Das Galloway-Rind stammt aus Südwest-Schottland. Das Fleisch der Rinder ist sehr zart, saftig und gut marmoriert.

Kosten für ein Kilogramm:

Rumpsteak: 26 - 38 Euro

Hüftsteak: 15 - 20 Euro

Filet: ca. 40 Euro

Foto: REUTERS

Der Name Wagyu stammt aus dem Japanischen und heißt übersetzt Japan-Rind. Man unterscheidet drei Hauptsorten von Wagyu. Das bekannteste ist das schwarze Wagyu. Das Fleisch dieser Rinder gilt als absolute Delikatesse und als zartestes Fleisch der Welt. Wagyu wird auch als "Kobe-Style Beef" bezeichnet.

Kosten für ein Kilogramm:

Rumpsteak: ca. 140 Euro
Entrecote: ca. 140 Euro
Filet: ca. 190 Euro
Flank Steak: ca. 50 Euro

Foto: WirtschaftsWoche

Dicht aneinander drängeln sich die Hühner in ihren Käfigen. Schweine werden regelrecht gemästet und Rinder wie Industriewaren behandelt – es sind Horrorbilder der Tierhaltung, die bei den Verbrauchern zwar nur langsam aber stetig ins Bewusstsein dringen.

Auch wenn viele Deutsche nicht auf Fleisch verzichten wollen – immerhin verzehrt jede Person hierzulande durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr – so legen doch immer mehr Menschen Wert auf hohen Tierschutz. Aktuell zitiert die Süddeutsche Zeitung aus einer Infratest-Umfrage, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums durchgeführt wurde. Danach ist es 89 Prozent der befragten Konsumenten „sehr wichtig“ oder „wichtig“, dass Lebensmittel aus besonders artgerechter Haltung stammen.

Um Verbrauchern die Entscheidung an der Fleischtheke zu erleichtern und mehr Transparenz zu schaffen, gibt es ab Mittwoch ein neues Tierschutzlabel. Entwickelt hat es der Deutsche Tierschutzbund in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen und Experten aus der Fleischwirtschaft. Mit etwa einer Million Euro hat auch der Bund das Projekt unterstützt. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sprach sich explizit für das Label aus.

So sieht das neue Tierschutz-Label aus.

Foto: Screenshot

Zu finden ist das neue Label zunächst nur auf Produkten aus Schweinen und Hühnern. Allerdings sollen langfristig auch andere Fleischsorten bewertet werden. Einsetzen werden es unter anderem Großschlachter wie Vion und Wiesenhof.

Bewertet werden die Produkte mit einem Stern und zwei Sternen. Die Einstiegsstufe mit einem Stern zeichnet Produkte aus, die laut Tierschutzbund „deutlich über den gesetzlichen Regelungen“ liegen. Konkret bedeutet das, dass Ferkel nur unter Betäubung kastriert werden dürfen, außerdem sollen sie mehr Platz bekommen. Bei Masthühnern soll die tägliche Gewichtszunahme begrenzt werden. Darüber hinaus gibt es für Transport und Schlachtung strengere Anforderungen, außerdem soll ein Verbot gegen den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel nach Ablauf einer dreijährigen Übergangsfrist eingeführt werden.

Tiere die ein Leben im Zeichen der Premiumstufe mit zwei Sternen leben durften, hatten deutliche mehr Auslauf und wurden im Freiland gehalten. Der Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel ist in der Premiumstufe nach den Richtlinien des Tierschutzbundes verboten. Das entspricht in etwa den Standards, an die sich auch Bio-Betriebe halten müssen.

Die größten deutschen Fleischkonzerne
Das Unternehmen "Tönnies Fleischwerk" ist hat seinen Sitz im nordrheinwestfälischen Rheda-Wiedenbrück. Es gehört zu den größten Schlachtbetrieben Deutschlands und ist auch in der Fleischverarbeitung tätig. 2011 setzte Tönnies 4600 Millionen Euro um.
Das Unternehmen Vion N.V. besteht aus mehreren Tochterunternehmen mit Schwerpunkten in Deutschland und den Niederlanden. Der Hauptsitz ist in Eindhoven. 2011 machte das Unternehmen 3895 Millionen Euro Umsatz.
Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter- und verarbeiter sowie eines der größten Unternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie mit Hauptsitz in Rechterfeld, Niedersachsen. Pro Woche schlachtet die PHW-Gruppe rund 4,5 Millionen Hähnchen. Außerdem ist die Gruppe ein führender Anbieter von Tierfutter und Impfstoffen für Tiere. Die bekannteste Marke sind Wiesenhof. 2011 setzte das Unternehmen 2228 Millionen Euro um.
Die Westfleisch e.G. ist genossenschaftlich organisiert und die Mutterfirma einer nordwestdeutschen Unternehmensgruppe der Fleischindustrie mit Sitz in Münster. Das Unternehmen setzte 2011 2206 Millionen Euro um.
Die Heristo Aktiengesellschaft ist ein international tätiges Familienunternehmen mit Sitz in Bad Rothenfelde. Sie zählt, gemessen am Umsatz, zu den größten europäischen Herstellern von Heimtiernahrung. 2011 setzte das Unternehmen 1500 Millionen Euro um.
Die Zur-Mühlen-Gruppe ist ein Hersteller von Fleisch- und Fleischerzeugnissen und in Deutschland marktführend bei Wurst und Wurstkonserven. Hauptsitz des Unternehmens ist Böklund im Kreis Schleswig-Flensburg. Die Gruppe hält in Deutschland unter Berücksichtigung der Gesamtproduktion einen Marktanteil von mengenmäßig 22 Prozent. Mit über 3000 Mitarbeitern produziert die Gruppe jährlich 300.000 Tonnen Wurstwaren. 2011 konnte das Unternehmen einen Umsatz von 825 Millionen Euro verbuchen.
Die Rothkötter Unternehmensgruppe ist einer der größten deutschen Fleischproduzenten in Deutschland. Im Jahr 2011 machte die Gruppe einen Umsatz vom etwa 800 Millionen Euro. Rothkötter beschäftige im Februar 2012 etwa 2200 Mitarbeiter, darunter 1800 im Emsland.

Ausgerechnet die Biobauern üben heftige Kritik an dem neuen Label. Die Verbraucher würden kaum darauf achten, ob sie Produkte mit einem oder zwei Sternen kaufen – dabei lägen zwischen diesen Kategorien Welten. Der Ein-Sterne-Standard sei von Tierschutz im Sinne der Bio-Haltung weit entfernt, heißt es seitens des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft.

Auch Gerald Wehde, politischer Sprecher des Verbands Bioland, kritisiert das neue Label und prangerte in einem Gespräch mit landbau.de an, dass der Tierschutzbund damit lediglich die industriellen Strukturen stärke. Die Organisation favorisiere Systeme, die für die Massentierhaltung, Billiglöhne und Exportorientierung stünden.

Wie irritierend das neue Label für den Verbraucher sein kann, zeigt ein Interview mit Gerd Billen, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Gegenüber der „Welt“ sagte er, dass der Anteil der selbstbewussten und gut informierten Verbraucher in Deutschland bei etwa zehn Prozent liege. Der überwiegende Teil gehöre zu den vertrauenden Verbrauchern, die sich stark an Siegeln orientieren und auf die Glaubwürdigkeit von Unternehmen achten. Billen fordert die Verbraucher immer wieder dazu auf, sich aktiv an der Suche nach „falschen Angaben“ in Bezug auf Lebensmittel zu beteiligen. Das Portal Lebensmittelklarheit.de biete hierzu eine Möglichkeit.

Die neue Information wird den Kunden aber auch vor Augen führen, dass Tierschutz nicht kostenlos ist. Tiere, die vor der Schlachtbank besonders artgerecht gehalten wurden, sind zwanzig bis dreißig Prozent teurer als herkömmliche Fleischprodukte.

Inwieweit die Verbraucher auch die teureren Produkte kaufen wollen und können ist künftig fraglich. Gerade erst wurde bekannt, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland im Dezember 2012 um 4,8 Prozent nach oben geklettert sind – um so viel wie seit 2008 nicht mehr. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Damals habe es im September einen Preisanstieg von 6,4 Prozent gegeben.

Besonders teuer ist mit einem Anstieg von zwölf Prozent frisches Gemüse geworden. Aber auch Fleisch und Fisch kosteten im Dezember 2012 jeweils 5,6 Prozent mehr. 

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