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Zunehmende KritikWarum Google die eigene Datensammelwut noch um die Ohren fliegen wird

Die Bevölkerung ist ob immer neuer Details über den NSA-Skandal beunruhigt, aber Chefdatensammler Google macht unbeeindruckt weiter. Das wird nicht mehr lange gut gehen.Jürgen Vielmeier 19.01.2014 - 08:56 Uhr Quelle: Netzwertig.com

Google Glass

Eines der spannendsten Projekte des Suchmaschinen-Anbieters ist sicherlich Google Glass. Mit der Datenbrille ist es möglich E-Mails abzufragen, im Internet zu surfen, zu fotografieren und zu filmen. 2013 hat das Unternehmen erste Datenbrillen an Webentwickler und Geschäftspartner verkauft, mittlerweile ist die Brille frei verfügbar.

Foto: dpa

Online-Musikdienst

Google stärkt sein Musikgeschäft mit dem Kauf des Streaming-Dienstes Songza, der passende Lieder für verschiedene Situationen zusammenstellt. Nutzer der Songza-App können zum Beispiel zwischen „Musik zum Singen unter der Dusche“, zum Autofahren oder zum Joggen entscheiden. Solche Song-Listen werden von Songza-Mitarbeitern zusammengestellt, es gibt Angebote für verschiedene Tageszeiten und Stilrichtungen. Zugleich kann sich auch die Software hinter dem Dienst an den Musikgeschmack der Nutzer anpassen. Die Musikauswahl kann über Daten aus dem Netz auch das aktuelle Wetter am Standort des Nutzers abgestimmt werden.

Google nannte bei Bekanntgabe des Deals am Dienstag keinen Kaufpreis. Nach Informationen der „New York Times“ waren es mehr als 39 Millionen Dollar. Songza ist bisher nur in Nordamerika verfügbar und hatte Ende vergangenen Jahres 5,5 Millionen Nutzer. Der kostenlose und werbefinanzierte Dienst werden zunächst unverändert weiter betrieben, erklärte Google. Mit der Zeit werde man nach Wegen suchen, wie die Musikplattform Google Play Music von Songza profitieren könnte.

Foto: Screenshot

Satellitentechnik

Google stärkt seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar, wie der Internet-Konzern mitteilte. Skybox bietet seinen Kunden das Beobachten gewünschter Gebiete mit detailreichen Fotos und 90 Sekunden langen Videos an. Als Dienstleistungen nennt Skybox zum Beispiel die Überwachung von Feldern auf Schädlingsbefall und die Aufsicht über Energie-Pipelines. Auch die Auswertung der Container-Bewegungen in Häfen, der Aktivität auf Flughäfen oder der Bestände auf Parkplätzen von Autohändlern ist möglich.

Die Satelliten von Skybox sollen helfen, die Google-Karten auf aktuellem Stand zu halten, erklärte der Internet-Konzern am Dienstag. Außerdem hoffe Google, damit die Versorgung mit Internet-Zugängen und die Hilfe bei Unglücken und Naturkatastrophen zu verbessern. Google ist selbst bei der Entwicklung digitaler Satellitenkarten mit seinem Projekt Google Earth weit vorangekommen. Etablierte Anbieter wie DigitalGlobe oder GeoEye haben den Erdball erfasst, Skybox verspricht jedoch frischere Bilder auf Bestellung.

Skybox ist einer von mehreren neuen Anbietern, die von drastisch gesunkenen Kosten für Entwicklung und Herstellung von Satelliten profitieren wollen. Sie packen ihre Technik in deutlich kleinere Satelliten als man sie früher baute. Skybox will über die Jahre rund zwei Dutzend Satelliten ins All bringen, steht bei dem Plan aber erst am Anfang. Die Skybox-Satelliten sind nach bisherigen Berichten rund 100 Kilogramm schwer. Das macht es auch günstiger, sie ins All zu bringen als früher. Die Kosten pro Satellit werden auf rund 25 bis 50 Millionen Dollar geschätzt.

Foto: Screenshot

Satellitentechnik

Erst im April 2014 hatte Google den Hersteller von Solardrohnen Titan Aerospace gekauft. Mit dem Kauf will Google seine Pläne vorantreiben, drahtloses Internet auch in abgelegenste Teile der Welt zu bringen. Über den Kaufpreis für das US-Unternehmen, das 20 Mitarbeiter beschäftigt, wurde nichts bekannt. Titan entwickelt solarbetriebene Satelliten. Sie sollen 2015 erstmals kommerziell in Betrieb genommen werden. Die Drohnen fliegen in rund 20 Kilometern Höhe und können dort fünf Jahre bleiben. Ihre Spannweite ist mit 50 Metern etwas kürzer als die einer Boeing 777. Medienberichten zufolge war auch Facebook an Titan interessiert.

Foto: AP

Sicherheits-Gadgets

Google hat die Firma SlickLogin gekauft, die eine innovative Art erfunden hat, herkömmliche Passwörter mit einer zweiten Sicherheitsstufe zu ergänzen. Das israelische Start-up setzt dabei auf Ultraschall-Töne, die zwischen Smartphone und PC eines Nutzers ausgetauscht werden. SlickLogin gab die Übernahme am Sonntag bekannt, eine Preis wurde nicht genannt. Nach Informationen des Technologieblogs „Geektime“, das als erstes von dem Deal berichtet hatte, geht es um einige Millionen Dollar.
Derzeit setzt Google als zweite Zugangsstufe zusätzlich zum Passwort Zahlencodes ein, die über eine App auf das Smartphone geschickt werden. Der Vorteil des von SlickLogin entwickelten Systems ist, dass die Authentifizierung automatisch laufen kann, ohne dass der Nutzer sich darum kümmern muss. SlickLogin hatte das Ultraschall-Konzept im vergangenen September vorgestellt und befand sich bis zuletzt noch in einer geschlossenen Test-Phase. Nach Informationen von „Geektime“ bestand die Firma immer noch aus den drei Gründungsmitgliedern.

Foto: WirtschaftsWoche Online

Autonome Autos

Nicht nur große Automobilkonzerne, auch Google forscht mit viel Aufwand an selbstfahrenden Pkw. Dafür entwickelt der Konzern selbst die Software, die das Auto steuert. Dabei will der Konzern wohl sogar eigene Fahrzeuge auf den Markt bringen, die als autonome Taxen am Straßenverkehr teilhaben sollen. Für die Produktion der Autos gab es bereits Gespräche mit dem deutschen Zulieferer Continental und dem Fertiger Magna.

Foto: dpa

Medizinische Gadgets

Googles geheime Forschungsabteilung Google X hat ihre nächste Erfindung öffentlich gemacht. Es ist eine digitale Kontaktlinse für Diabetiker, die Blutzucker-Werte kontrolliert. Google X soll für den Internet-Konzern die Grenzen des Möglichen austesten. Die Entwickler aus dem Forschungslabor testen laut einem Blogeintrag Prototypen einer Kontaktlinse, bei der zwischen zwei Schichten ein Sensor sowie ein Miniatur-Funkchip integriert sind. Die Linse messe die Glucose-Werte in der Tränen-Flüssigkeit jede Sekunde. Der Prototyp sei in mehreren klinischen Forschungsstudien erprobt worden. Die Kontaktlinse solle die Daten an eine begleitende Smartphone-App funken. Chip und Sensor seien so winzig wie Glitzer-Partikel und die Antenne dünner als das menschliche Haar. Er werde auch erwogen, für Warnsignale Mikro-LEDs direkt in die Linse zu integrieren, hieß es.

Es sei noch viel Arbeit zu tun bis die Kontaktlinse als fertiges Produkt auf den Markt komme, schränkten die Entwickler ein. Google wolle sich dafür in dem Bereich erfahrene Partner suchen, die Zugang zu der Technologie bekämen.

An dem Projekt arbeitet federführend der Forscher Babak Parviz mit, der schon an den Anfängen der Datenbrille Google Glass stand. Er hatte bereits 2009 demonstriert, wie man Kontaktlinsen mit LEDs versehen kann.

Foto: dpa

Digitale Thermostate und Rauchmelder

Für 3,2 Milliarden Dollar (2,34 Mrd Euro) übernimmt Google die Firma Nest. Nest solle weiterhin von Mitgründer Tony Fadell geführt werden, teilte Google am Montag im kalifornischen Mountain View mit. Vor einigen Wochen kündigte er eine beschleunigte Expansion nach Europa an. Zu Google kommen damit auch die Daten von den installierten Geräten - Nest wertet sie aus, um die Technik zu verbessern. „Wir sehen, wenn Leuten ihr Toast verbrennt oder Kohlenstoffmonoxid austritt“, hatte Fadell Anfang Dezember auf der Konferenz LeWeb in Paris gesagt. J

Foto: AP

Thermostate

Angeblich macht Google nun auch auf Heizungen. Das Portal "The Information" hat gemeldet, dass der IT-Konzern intelligente Heizungen testet. Dabei soll der Bewohner über einen Browser seinen Heizenergieverbrauch ansehen können - und sogar die Heizung verstellen können. Die Meldung hat das Unternehmen bisher nicht bestätigt.

Foto: dpa

Kriegsroboter

Das undatierte Handout des Unternehmens Boston Dynamics zeigt den vierbeinigen Roboter BigDog, der beladen durch unwegsames Gelände sowie auf Schnee und Eis laufen kann. Der Internet-Konzern Google hat laut "New York Times" die Firma gekauft, die mit Prototypen laufender Maschinen für das US-Militär bekannt geworden ist.

Quelle: "Images courtesy of Boston Dynamics © 2009

Foto: dpa

Google Play Music All Access

Google-Manager Chris Yerga hat während der Google Entwicklerkonferenz 2013 in San Francisco Googles Antwort auf Spotify vorgestellt. Damit drängt der Konzern auch in Deutschland ins Geschäft mit dem Musik-Streaming.

Foto: dpa

Project Loon

Seit geraumer Zeit arbeitet Google an dem fliegenden Internetanschluss. Geplant ist, dass die Flugkörper auf etwa 20 Kilometer Höhe steigen und von dort als schwebender Hotspot Gebiete im Umkreis von 40 Kilometern mit Internet versorgen. Solarzellen stellen die Energie für den Ballon bereit, der vor allem in Krisengebieten zum Einsatz kommen soll. Wann es soweit sein wird, ist bisher nicht klar.

Foto: AP

Erneuerbare Energien

Weltweit investiert Google in erneuerbare Energien. Anfang 2013 förderte das Unternehmen mit 200 Millionen US-Dollar einen Windpark in Texas, der über 161 Megawatt Strom liefern soll. Damit könnten etwa 60.000 Haushalte versorgt werden. Die erneuerbaren Energien scheinen dem Konzern ein Anliegen zu sein. In den vergangenen zehn Jahren hat Google insgesamt eine Milliarde US-Dollar in über zehn Ökostromprojekte gesteckt. Die größte Investition ging mit 280 Milliarden in die Installation privater Hausdach-Solaranlagen in Kooperation mit SolarCity.

Foto: dpa

Glasfasernetze in Afrika

Google hat sich auf das Sammeln von Daten spezialisiert. Kaum ein Unternehmen weiß so viel über seine Nutzer und Kunden, wie der Suchmaschinenanbieter. Voraussetzung ist natürlich, dass möglichst viele Menschen Zugang zum Internet haben. Entsprechend unterstützt Google weltweit Netzausbau-Projekte. Erst kürzlich hat das Unternehmen in der Hauptstadt Ugandas ein 100 Kilometer umfassendes Glasfasernetz verlegt. In Afrika lebt fast eine Milliarde Menschen, von denen nur 16 Prozent über einen Internetzugang verfügen.

Foto: dpa

Calico

Calico-Chef Arthur Levinson durfte sich 2013 ebenfalls über Google-Unterstützung freuen. Der Internet-Konzern hat die "California life Company" als Tochter übernommen. Google-Chef Larry Page kündigte an, künftig mehr Geld in innovative Gesundheits-Technologien stecken zu wollen.Wie das Start-up dabei vorgehen und was es genau tun will, ist allerdings noch weitgehend unklar.

Schon einmal unternahm Google mit „Google Health“ und einer Art digitalen Krankenakte vor einigen Jahren einen Vorstoß in Richtung Gesundheitsmarkt. Mangels Interesse wurde das Angebot allerdings Anfang 2013 eingestellt. Doch Google-Gründer Page, der selbst an einer Stimmbanderkrankung leidet, gibt nicht auf. Diesmal hat er sich als Kopf des neuen Gesundheitsunternehmens mit Arthur Levinson jedenfalls einen großen Namen an Bord geholt:  Levinson ist nicht nur Aufsichtsratschef von Apple, er ist auch der ehemalige Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Biotech-Firma Genentech. 

Foto: AP

Google hat in dieser Woche eigentlich nicht mehr getan als das vielversprechende Hardware-Startup Nest zu übernehmen. Jubel brach darüber außer beim den beteiligten Unternehmen und Investoren eigentlich nirgendwo aus. Nest-Kunden, technisch interessierte Bürger oder Journalisten meldeten ihre Sorgen über eine noch weiter gehende Überwachung an. Kritische Stimmen gab es dabei nicht nur in Deutschland, sondern vielfach auch in den USA, wo der NSA-Überwachungsskandal die Menschen bislang gefühlt nicht so sehr stört wie in Deutschland.

Und das ist bemerkenswert, zumal Nest direkt versprach, die Daten, die das Smart-Home-System sammle, stünden nur der Nest-Einheit selbst und keiner anderen Google-Division zur Verfügung. Google hat ein Image-Problem. Und sollte man drüben in Mountain View nicht langsam umdenken, dürfte sich das langfristig auch finanziell bemerkbar machen.

Googles Image ist angekratzt

Wann immer ich zuletzt mit Freunden oder Bekannten über neue Entwicklungen in Sachen Hardware und Software sprach und das Thema Google zur Sprache kam, war die erste Reaktion darauf stets eine negative. “Google will mich also noch stärker überwachen und die Daten an die NSA liefern”, so der Tenor. Und sei es nur, wenn es um neue Schaltflächen im Chrome-Browser ging.

Im Prinzip alles, was Google in den vergangenen Wochen vorgestellt hat, lässt sich im Hinblick auf das Thema Datenschutz negativ interpretieren. Ich nehme hier bewusst einmal die Rolle eines Schwarzmalers ein. Google macht es einem allerdings auch einfach. Das Unternehmen leistet wenig glaubwürdige Aufklärungsarbeit, um sich vom Image der Datenkrake zu befreien und öffnet Kritikern damit Tür und Tor:

  • Der Erfolg von Chromebooks von stolzen 20 Prozent Marktanteil bei Laptops im Geschäftsjahr 2013 bedeutet auch, dass sich immer mehr Kunden mit ihren Daten dem Google-Universum ausliefern. Google trackt das Surfverhalten der Nutzer und wertet E-Mails und Kontaktdaten aus.
  • Googles neue Play-Dienste sollen die Akku-Laufzeit von Android-Phones erhöhen, wenn die Standortdienste eingeschaltet sind, Google also stets verfolgen kann, wo man gerade ist.
  • Mails auf GMail auch von Google-Plus-Nutzern ohne E-Mail-Adresse empfangen? Ein verzweifelter Versuch, noch mehr Nutzer auf Google Plus zu holen, wo Google jeden Webnutzer katalogisieren will.
  • Google Glass? Der geschickt verpackte Versuch, uns auf Schritt und Tritt zu überwachen und weitere Daten über unsere Umwelt zu sammeln.
  • Das Motorola-Smartphone Moto G erscheint in einer reinen Stock-Android-Version, damit Google dort noch mehr eigene Apps vorinstallieren und die Daten der Nutzer ungefiltert auswerten kann.
  • Google zieht vor Gericht gegen den französischen Staat zu Felde. Dortige Datenschützer waren der Meinung, dass Google mit der Zusammenlegung der Nutzerrichtlinien all seiner Dienste die Nutzer zu wenig über die Verwendung der Daten aufkläre. Google sieht dafür offenbar keinen Bedarf.
  • Googles Open Automotive Alliance? Maßgeblich dazu da, um auch noch unser Fahrverhalten zu studieren.
  • Google hat den in Android 4.3 eingeführten Permission Manager App Ops in Android 4.4 wieder entfernt. Mit dem versteckten Tool war es Android-Benutzern möglich, zu weit gehende Berechtigungen einiger Schnüffel-Apps von Hand einzuschränken.

Selbst Google-Befürworter müssen zugeben, dass das Unternehmen beim Thema Datenschutz oft unbeholfen agiert. Gerade den Rückzug von den App Ops kann man dem Unternehmen kaum positiv auslegen, auch wenn Google sich damit rechtfertigt, es habe sich dabei überhaupt nur um eine versehentlich veröffentlichte Funktion gehandelt.

Das vielversprechende Hardware-Startup Nest wurde diese Woche von Google übernommen.

Foto: AP

So oder so ist man erstaunt: Hat Google denn von den ganzen NSA-Skandalen, den Enthüllungen von Edward Snowden und der wachsenden Kritik der Bevölkerung gar nichts mitbekommen? Wie kann der Konzern weiterhin munter Daten sammeln, als wäre es 2009? Wo bleibt die breit angelegte Aufklärungskampagne, die glaubwürdig versichert, dass unsere Daten bei Google sicher und stets anonymisiert sind?

“’1984′ gelesen und als Karriereziel verstanden”

Helfen würde selbst das natürlich herzlich wenig. Selbst wenn die NSA von der US-Regierung zurückgepfiffen würde, bleibt das Thema Datenschutz ein heißes Eisen. Wenn die USA uns nicht mehr überwachen, dann machen es eben die Chinesen oder die Bundesregierung selbst. Helfen wird da nur ein generell sparsamerer Umgang mit Personendaten. Aber das scheint Google noch nicht erkannt zu haben, es würde sicherlich auch dem eigenen Geschäft abträglich sein. Dennoch wird der Konzern mit seinem derzeitigen Geschäftsgebaren kaum jemandem glaubhaft versichern können, er sei bei der Nest-Übernahme nicht an den Daten der Kunden interessiert. Dass Nest seine Daten bei sich behalten will, könne sich ändern, gab Nest-CEO Tony Fadell in einem Interview zu.

Und so ist die Kritik derzeit selbst aus den USA für Google eher negativ: Carmel Deamicis und Michael Carney von PandoDaily warnen die Nest-Nutzer vor Google. Wie es scheint haben tatsächlich nur wenige der Kunden Lust, ihre Daten Google auszuhändigen. Stacey Higginbotham von GigaOm schlägt angesichts der Nest-Übernahme durch Google mehr oder weniger die Hände über dem Kopf zusammen. Marktforscher Rob Enderle fällt das vernichtende Urteil: “Ich glaube, Google hat ‘Big Brother’ gelesen und es als Karriereziel verstanden.” Und natürlich gibt es auch aus Deutschland Kritik an der Übernahme: Jan-Keno Janssen etwa vergleicht Googles Vorstoß in die Wohnzimmer mit Skynet, dem Überwachungssystem aus den “Terminator”-Filmen.

Bis jemand eine bessere Lösung vorstellt

Durchgehend negativ ist die Resonanz nicht. Gerade Nilay Patel von TheVerge versteht die ganze Aufregung nicht. Ein mitdenkendes Heimnetzwerk sei eine wunderbare Sache. Doch alles in allem, so mein subjektiver Eindruck, wächst die Kritik an Google. Wenn man weniger Thermostate verkauft als man könnte, weil Nutzer keine Lust auf Überwachung haben, dann bedeutet das für das Unternehmen auch wirtschaftliche Einbußen. Gleiches, wenn mehr Nutzer von Android auf andere Systeme oder die quelloffene, Google-freie Android Oberfläche CyanogenMod umsteigen.

Noch sind viele Menschen sehr arg- und sorglos, was die allgegenwärtige totale Überwachung betrifft. Aber wenn immer mehr davor gewarnt wird, wenn die Probleme der Spionage greifbar werden und dazu, wie ich neulich schrieb, das Thema Überwachung auch in Film und Fernsehen abschreckend dargestellt wird, wird der Unmut wachsen. Google ist sehr gut darin, die Nutzer bis auf – Achtung Seitenhieb – Google Plus mit wirklich guten Produkten zu ködern.

GMail ist in meinen Augen nach wie vor der beste Mailclient auf dem Markt, Android das beste mobile Betriebssystem, Google Kalender und Drive die leichter zugängliche Alternative zu Outlook oder Office, Chrome der attraktivste Browser. Aber wehe es wird einmal ein Anbieter Lösungen vorstellen, die attraktiver sind und leichter zugänglich, dabei aber sicher verschlüsselt und als selbst gehostete Lösung zu erwerben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass kluge Geschäftemacher hier auf absehbare Zeit ihre Chance erkennen werden und dass Google dann ein Problem bekommt. Einfach so wie bisher weiter machen wird Google zumindest nicht mehr lange können, davon bin ich immer mehr überzeugt.

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