Provinz Jiangsu: Willkommen im chinesischen Baden-Württemberg!
Deutsches Musterstädtchen mitten in China. Taicang in der chinesischen Provinz Jiangsu ist zum Lieblingsstandort deutscher Maschinenbauer geworden. Wer will bekommt hier sogar Curry-Wurst zum Mittagessen. Foto: www.tcinvest.gov.cn
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Beim Mittagsbuffet im Restaurant Mezzo gibt es heute Pommes und Schnitzel. Friedrich Lamers grüßt die Gruppe am Nebentisch auf Deutsch. Man kennt sich. "In Taicang ist es leicht zu vergessen, dass man in China ist", sagt der gemütliche Deutsche, der von seinen chinesischen Kollegen auch mal "Lao Xiong", erfahrener Bär, genannt wird. "Wer Currywurst haben will, kriegt sie hier auch.",
Seit sieben Jahren lebt der Deutsche in der chinesischen Stadt Taicang. Vermissen tut Lamers so gut wie nichts. "Das Leben hier unterscheidet sich wenig von dem in Mitteleuropa", sagt er. Für das Heimatgefühl sorgen deutsche Restaurants, deutsche Bäckereien, ein deutsch-chinesischer Kindergarten, ein deutsches Ausbildungssystem und vor allem eine große deutsche Community. Einmal im Jahr findet hier sogar ein Oktoberfest statt.
Platz 10: Niles-Simmons
Das Unternehmen wird 1833 in den USA gegründet, 1898 entsteht dann das erste Werk in Deutschland. Seit 1992 stellt Niles-Simmons am Unternehmenssitz in Chemnitz, Sachsen, Werkzeugmaschinen her - unter anderem für den Automotive-Bereich und die Eisenbahn. Der Industrieanlagenbauer beschäftigt derzeit rund 1.300 Mitarbeiter. 2012 setzte das Unternehmen nach eigenen Angabe knapp 300 Millionen Euro um (2011: 275 Millionen).
Foto: dpa.9. Index
Die Index-Gruppe gehört gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Traub zu den führenden Herstellern von CNC-Drehmaschinen. Firmensitz ist Esslingen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen blickt wie viele schwäbische Maschinenbauer auf eine lange Tradition zurück. Hermann Hahn legte 1914 den Grundstein und begann mit der Produktion von Revolverdrehautomaten.
Heute zählen zu den Hauptabnehmern von Index-Drehmaschinen die Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und Elektronikindustrie sowie Hersteller in der Fluidtechnik und dem Armaturenbau. Die Index-Gruppe setzte im Jahr 2012 432 Millionen Euro um (Vorjahr: 450 Millionen) und beschäftigte 2.100 Mitarbeiter.
Foto: PressebildPlatz 8: Emag
Zur Emag-Gruppe gehören mehrere mittelständische Technologie- und Produktionsunternehmen. Die Gruppe fertigt Drehmaschinen, Schleifmaschinen, Verzahnmaschinen, Laserschweißmaschinen und Bearbeitungszentren zur Fertigung von Getriebe-, Motoren- und Fahrwerkskomponenten. Die Emag beschäftigt aktuell 2070 Mitarbeiter. 2012 setzte das schwäbischen Unternehmen mit Sitz in der 8.000-Seelen-Gemeinde Salach - rund 50 Kilometer östlich von Stuttgart - 473 Millionen Euro um (Vorjahr: 506 Millionen Euro) um. Im Ranking rutscht Emag wegen des rückläufigen Umsatzes um zwei Plätze nach unten.
Foto: prPlatz 7: Körber - Schleifring-Gruppe
Schleifring gehört zum weltweit tätigen Körber-Konzern, der 30 internationale Technologieunternehmen unter seinem Dach vereint. Die Abnehmer der Schleifmaschinen stammen aus den Branchen Automobilindustrie und Zulieferer, Werkzeugindustrie, Kraftwerkturbinenbau, Werkzeug- und Formenbau, Medizintechnik, Maschinenbau, Uhrenhersteller sowie der Turbinenindustrie. Zu den größten Abnehmermärkten gehören, nebst Westeuropa, Asien (inklusive China) sowie Amerika. 2012 setzte die Schleifring-Gruppe 530 Millionen Euro (Vorjahr: 470 Millionen Euro) und beschäftigte 2200 Mitarbeiter.
Foto: PressePlatz 6: Heller
1894 wird das Unternehmen von Ernst and Hermann Heller gegründet. Die Gebr. Heller Maschinenfabrik hat ihren Sitz im baden-württembergischen Nürtingen und produziert mit 2500 Mitarbeitern in Deutschland, Großbritannien, Brasilien und den USA. Heller engagiert sich zudem in Asien. 2009 gründete der Maschinenbauer ein Technologiezentrum im indischen Pune, im Großraum Shanghai entsteht ein neues Montagewerk. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 592 Millionen Euro (2011: 474 Millionen Euro) und verbessert sich damit im Ranking um einen Platz.
Foto: PressebildPlatz 5: Grob
Das Unternehmen Grob mit Stammwerk in bayerischen Mindelheim produziert in Sao Paulo, Brasilien, im amerikanischen Bluffton/Ohio und im neugebauten Werk in Dalian in China. Eigene Service- und Vertriebsniederlassungen unterhalten die Mindelheimer unter anderem in Beijing, Shanghai und Mexiko.
Seit Firmengründung im Jahr 1926 ist Grob im Familienbesitz und wird heute in dritter Generation geführt. Weltweit beschäftigt der Maschinenbauer rund 4.000 Mitarbeiter. 2012/2013 erwirtschaftete das Unternehmen 650 Millionen Euro (Vorjahr: 600 Millionen Euro).
Foto: PressebildPlatz 4: MAG Europe
Das baden-württembergische Unternehmen MAG mit Sitz in Göppingen, nahe Stuttgart, fertigt Werkzeugmaschinen. Zu den Kunden der MAG zählen Konzerne aus der Luft- und Raumfahrt, Automotive und Nutzfahrzeugbau, Schwerindustrie, Energie- und Förderanlagen, Schienenverkehr, Solarenergie, Windkraftanlagen und Maschinenbau. Das Unternehmen setzte im Jahr 2012 insgesamt 684 Millionen Euro um (Vorjahr: 562 Millionen Euro) und beschäftigt in Deutschland etwa 1600 Mitarbeiter, weltweit sind es 2200. Dank der guten Umsatzentwicklung macht MAG eine Platz im Ranking gut.
Foto: prPlatz 3: Schuler
Louis Schuler gründete das Unternehmen im Jahr 1839 als Schlosserei im baden-württembergischen Göppingen, östlich von Stuttgart. Seit 1852 werden Blechbearbeitungsmaschinen hergestellt. Später wurde Schuler weltweit zum Flaggschiff der Pressenbauindustrie. 1999 geht die Schuler AG an die Börse und steigt in die Lasertechnologie ein.
Zu den Kunden gehören Automobilhersteller und -zulieferer sowie Unternehmen aus der Hausgeräte-, Schmiede-, Energie- und Elektroindustrie. Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Schuler ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Im Jahr Geschäftsjahr 2011/2012 setzten die Schwaben 1,2 Milliarden Euro um (Vorjahr: 958,5 Millionen). Schuler ist damit seit drei Jahren auf enormem Wachstumskurs. Bereits von 2010 auf 2011 legte das Unternehmen um 47 Prozent zu.
Platz 2: Gildemeister
Gildemeister mit Stammsitz in nordrhein-westfälischen Bielefeld, ist mit 75 Vertriebs- und Servicestandorte in 33 Ländern weltweit vertreten. Das Segment „Werkzeugmaschinen“ beinhaltet das Neumaschinengeschäft mit den Technologien Drehen und Fräsen, Ultrasonic/Lasern sowie Electronics. 5.445 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das 2012 einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro erzielte (Vorjahr: 1,7 Milliarden). Im ersten Halbjahr 2013 liefen die Geschäfte nach Plan. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 975 Millionen. Gildemeister baut seine Kooperation mit dem japanischen Großaktionär Mori Seiki weiter aus und nennt sich in Kürze in DMG Mori Seiki Aktiengesellschaft um.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 1: Trumpf
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Ditzingen bei Stuttgart, fertigt Werkzeugmaschinen, Elektrowerkzeuge, Laser für die Fertigungstechnik sowie DC-, Mittelfrequenz und Hochfrequenzgeneratoren - außerdem OP-Tisch-Systeme und Funktionsmobiliar für den medizinischen Bereich.
Trumpf zählt zu den schwäbischen Traditionsunternehmen im Maschinenbau. 1923 erwirbt Christian Trumpf gemeinsam mit zwei Partnern die mechanische Werkstätte Julius Geiger und legt damit den Grundstein für den heutigen Betrieb. Trumpf produziert Werkzeugmaschinen wie Laserschneideanlagen und Stanzmaschinen unter anderem in den baden-württembergischen Gemeinden Gerlingen (20.000 Einwohner) und Hettingen (1800 Einwohner), außerdem im sächsischen Neukirch.
Weitere Fertigungsstätten befinden sich in China, Mexiko, Polen, Tschechien, Großbritannien und den USA. 2012/2013 erzielte das Unternehmen einen Umsatzrekord von 2,34 Milliarden Euro. Wegen hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung war das Vorsteuerergebnis aber auf 154 Millionen von 211 Millionen Euro im Vorjahr eingeknickt. Trumpf beschäftigt rund 9555 Mitarbeiter und ist damit der größte deutsche Werkzeugmaschinenbauer.
Foto: WirtschaftsWocheDie Stadt Taicang im Yangze-Delta gilt als so etwas wie das Baden-Württemberg in China. Rund 190 deutsche Unternehmen haben sich hier angesiedelt - dazu kommen noch einmal 300 amerikanische und europäische Firmen. Für baden-württembergisches Flair sorgen nicht nur die vielen Firmen aus dem Ländle. Wie im Süden Deutschlands gibt es in der Provinz Jiangsu viele kleine und mittelständische, aber vor allem inhabergeführte Unternehmen. Wer verhandeln will, redet direkt mit dem Chef - ganz wie zuhause in Schwaben. In den riesigen Staatskonzernen, die weite Teile der chinesischen Geschäftswelt dominieren, ist das unvorstellbar.
Seit 1986 besteht zwischen der Provinz Jiangsu und Baden-Württemberg eine Partnerschaft. Sie hat maßgeblich zur wohl auffälligsten Parallele zwischen beiden beigetragen: dem prächtig entwickelten Maschinenbau. Ein Fünftel aller chinesischen Maschinenbauer haben sich in dieser Provinz niedergelassen und beherrschen damit einen Großteil des chinesischen Maschinenbaus, der aktuell ein Umsatzvolumen von rund 550 Milliarden Euro erreicht. Allein der aktuelle Verbrauch an Werkzeugmaschinen summiert sich auf fast 24 Milliarden Euro. Tendenz stark steigend. Dank dieser starken Branche erreicht Jiangsu das zweithöchste BIP des Landes.
Dort - circa 50 Kilometer nordwestlich von Shanghai liegt Taicang. Mit 450.000 Einwohnern für chinesische Verhältnisse eine Kleinstadt: Auch wenn in Höchstgeschwindigkeit gebaute Hochhäuser, Nudelrestaurants und unzählige Elektroroller das Straßenbild prägen, bekommt man hier stellenweise das Gefühl, in einem deutschen Gewerbegebiet zu sein. Die Straßen sind breit und sauber, vor nicht allzu langer Zeit gepflanzte Bäume sorgen für ein bisschen Grün. In enger Nachbarschaft arbeiten hier Zollner Elektronik, Mubea, Schaeffler, Krones, Trumpf und viele andere Unternehmen - vor allem Mittelständler aus den Bereichen Automobilzulieferer, Elektronik und Maschinenbau. Lamers zum Beispiel arbeitet für den deutschen Automobilzulieferer Mubea.
Voith
Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.
Foto: dpaKnorr-Bremse
Um rund eine Milliarde legte der Umsatz des Zulieferers Knorr-Bremse in 2011 zu. Dank einer guten Konjunktur im Nutzfahrzeugmarkt und einer Erholung der Schienen-Sparte konnte das Unternehmen kräftig wachsen. Der Konzern hat Marktanteile von bis zu 70 Prozent bei LkW-Bremsen in Europa und rund 80 Prozent bei Bremsen für Metrozüge in China. In China betreibt Knorr-Bremse zehn Werke.
Foto: dpaSchuler
Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Das Unternehmen aus Göppingen ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Insbesondere Asien hat dem Konzern einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) beschert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent auf 276,3 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent stammten laut Firmenangaben aus dem Fernen Osten.
Manz
Der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. besonders in China engagiert sich das Unternehmen stark. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen. Im Mai eröffnet Manz rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche. Dafür steigt die Zahl der Mitarbeiter auf 700. Der Standort soll in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.
Foto: PRWaldrich Siegen
Die WaldrichSiegen Werkzeugmaschinen GmbH ist ein Hersteller für Großwerkzeugmaschinen in den vier Produktlinien Fräsen, Drehen, Schleifen und Texturieren. Der Schwermaschinenbauer aus Burbach in Nordrhein-Westfalen engagiert sich ebenfalls in China. Er verändert sein Geschäftsmodell für den dortigen Markt, um die chinesischen Konkurrenten abzuschütteln. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit China-Exporten gemacht. Statt nur noch hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will das Unternehmen sich künftig auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. Daher baut Waldrich nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe von Shanghai.
Foto: WirtschaftsWoche
MAG
Der Geschäftsbereiche Automotive von MAG aus Göppingen konnte das Jahr 2011 mit großen Zuwächsen und vollen Auftragsbüchern abschließen. Die Auftragseingänge im Automobil-Systemgeschäft beliefen sich auf 607 Mio. Euro, was einer Steigerung von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (2010: 318 Mio. Euro). Ein Großteil der Geschäfte wird dabei in den Wachstumsmärkten China und Indien gemacht, von dort kommen rund zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs.
Die hohe Konzentration von deutschen Unternehmen in der Stadt ist einzigartig. Die Ursachen sind Zufall, Netzwerke und eine unternehmerfreundliche Politik der Stadtregierung. Als erste deutsche Firma kam 1993 der schwäbische Automobil- und Textilindustriezulieferer Kern Liebers nach Taicang. Damals lockten geringere Gewerbesteuern und vor allem eine gute Verkehrsanbindung. Mit dem Auto braucht man von Taicang ins Stadtzentrum von Shanghai etwa eine Stunde. Auf halbem Wege liegt der Inland-Flughafen Hongqiao, wo sich auch eine deutsche Schule befindet - ein wichtiger Standortvorteil für Firmen, die Mitarbeiter mit Familien ins Ausland entsenden. Andere Schnellstraßen führen in die Industrie-Cluster Kunshan, Wuxi und Nanjing - alles Millionenstädte im Yangze-Delta. Mittlerweile hat die Stadt auch einen eigenen Tiefseehafen.
Su Ke vom "Investment Promotion Bureau of Taicang" nennt neben der Nähe zu Shanghai und zum Hafen auch noch Kosten als Grund für die Attraktivität Taicangs: "Löhne und Immobilienpreise sind hier günstiger als in Shanghai." Seit dem Jahr 2006 gibt es einen "German Investment Industrial Park". Die Stadtregierung unterstützt hier die Ansiedlung von deutschen Unternehmen auch durch steuerliche Vorteile. Die hängen von der Investitionssumme ab.
Übersicht über die fünf größten Absatzmärkte der deutschen Maschinenbauer (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).
Foto: WirtschaftsWocheMindestens ebenso wichtig wie die Infrastruktur sind die Netzwerke vor Ort. Neuankömmlinge werden bei Round-Table-Gesprächen mit Erfahrung unterstützt. Einmal im Monat treffen sich Vertreter der Unternehmen, um die wirtschaftliche Lage zu besprechen. Diese Kontakte vor Ort sind besonders für kleinere Unternehmen nützlich. Denn nicht nur die großen Unternehmen - Bosch, Trumpf und Krones sind zum Teil seit über zehn Jahren in Taicang - auch immer mehr klein -und mittelständische Unternehmen zieht es in die Provinz Jiangsu. So auch Acam Messelectronic. Das Karlsruher Unternehmen macht schon seit 2004 Geschäfte in China. 15 Prozent des Gesamtumsatzes entstehen hier, damit ist China für Acam nach der EU der zweitwichtigste Markt.
Doch mit insgesamt nur 22 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 5,8 Millionen Euro waren die Mittel für den Aufbau eines eigenen chinesischen Standorts begrenzt. Gleichzeitig war aber klar, dass sich die Beziehungen von Deutschland aus nicht genügend vertiefen ließen. Norbert Breyer, bei Acam zuständig für Marketing und Vertrieb: "Für einen bessere Kommunikation brauchten wir einfach Leute vor Ort. " Acam nutzte daher den Firmenpool von Baden-Württemberg International (bw-i). Die Gesellschaft mit dem offiziell etwas sperrigen Namen "Kompetenzzentrum für das Land Baden-Württemberg zur Internationalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft" berät und unterstützt gezielt kleinere und mittelgroße Betriebe bei der Erschließung ausländischer Märkte, hilft bei der Personalsuche vor Ort, stellt Dolmetscher zur Verfügung oder bemüht sich passende Kooperationspartner zu finden. Seit einem guten halben Jahr haben die Karlsruher jetzt einen Applikationsingenieur und einen Marketingmanager vor Ort. Breyer ist zufrieden. Das Engagement in China soll kein Testballon sein, vielmehr will er den Umsatzanteil sukzessive erhöhen.
Das Umfeld dafür ist ideal. Da die meisten deutschen Unternehmen nicht in direkter Konkurrenz stehen, gilt ein "Gentlemen's Agreement". "Wir werben uns keine Arbeiter gegenseitig ab", sagt Krones-Mitarbeiter Lamers. Das kann zu einem wichtigen Standortvorteil werden, denn die Fluktuation in China ist extrem hoch. In manchen Branchen liegt sie bei 20 Prozent. Loyalität zu einer Firma kennen viele der chinesischen Mitarbeiter nicht. Wenn das Nachbarunternehmen etwas mehr zahlt oder näher am Wohnort gelegen ist, wechseln viele sofort.
Maschinenbauer Trumpf bemüht sich daher Fachkräfte schon während des Studiums an sich zu binden und legt den Fokus auf Chinesen, die an deutschen Universitäten studieren. Bei so genannten Junior-Ingenieur-Projekten arbeiten zwei Deutsche und zwei Chinesen zusammen. Gemeinsam entwerfen sie ein Produkt für den chinesischen Markt. Trumpf ist schon seit 2004 in Taicang. Damals begann man mit der Montage von Operationstischen, heute stellt der schwäbische Maschinenbauer dort Laser- und Stanzmaschinen sowie Medizintechnikprodukte her und macht damit einen Umsatz von 183 Millionen Euro in China - fast 13 Prozent des Gesamtumsatzes. China ist damit der drittgrößte Einzelmarkt für die Schwaben. Seit 2010 gibt es eine daher auch eigene Einheit für Forschung & Entwicklung in Taicang. Vor zwei Jahren haben die Ditzinger ihre Produktionsfläche auf 20.000 Quadratmeter verdoppelt.
Nachwuchs lernt nach deutschem Vorbild
Und noch etwas ist "typisch deutsch" in Taicang: In Zusammenarbeit mit chinesischen Universitäten und der deutschen Auslandshandelskammer bilden viele Betriebe hier nach dem deutschen dualen System aus. Mubea zum Beispiel beschäftigt ein gutes Dutzend Auszubildende. Über Karriereplanung und andere nicht-monetäre Vorteile versuchen die Deutschen ihre Mitarbeiter besser an den Betrieb zu binden.
Ähnliche Cluster von ausländischen Unternehmen in China gibt es auch in anderen Städten rund um Shanghai. Dazu gehören Wuxi, Kunshan und Suzhou. Die Industrie-Parks dort aber sind vor allem international geprägt. Ein Ende der deutschen "Immigration" ist noch nicht in Sicht. Die Stadtregierung möchte jedes Jahr 20 deutsche Unternehmen mehr in Taicang haben. "300 sollen es in den nächsten fünf Jahren werden", sagt Su Ke.
Die Chancen, dass das klappt stehen gut. Für die deutschen Maschinenbauer wird die Provinz immer mehr zur zweiten Heimat. Gunnar Mey von der Messe Stuttgart merkt das an den stark wachsenden Aussteller- und Besucherzahlen der AMB Ausstellung für Metall-Bearbeitung China. 2010 hat die schwäbische Messegesellschaft die AMB nach Nanjing, der Hauptstadt der Provinz Jiangsu gebracht. Für Mey der perfekte Standort, um das Konzept der AMB, die 1982 in der Landeshauptstadt Baden-Württemberg startete und seit 2001 mit dem Motto "Mitten im Markt" wirbt , zu wiederholen. Im Ländle zieht die Messe bereits 1300 Aussteller und 88.000 Besucher an und zählt damit in geraden Messejahren zu den fünf größten Messen der Branche weltweit.
In Nanjing backt man noch kleinere Brötchen. "Nur" 10.000 Besucher und knapp 200 Aussteller sind es hier. Doch die Zuwächse sind beachtlich: Ein Viertel mehr Besucher innerhalb nur eines Jahres. Gerade hat das Bundeswirtschaftsministerium die AMB China "geadelt" wie Mey sagt, indem sie die Veranstaltung in das Auslandsmesseprogramm der Bundesregierung aufgenommen hat. Mey: "Es freut uns sehr, dass das BMWi der Meinung ist, dass es sich für deutsche Aussteller lohnt auf unsere Veranstaltung zu kommen.“ Jetzt gibt es für die Aussteller nicht nur ein finanzielles Bonbon vom Bund, sondern auch den begehrten Gemeinschaftsstand unter dem Label "Made in Germany".
Seit einiger Zeit führt das German Center in Shanghai mit der Stadtregierung Gespräche, eine Filiale in Taicang zu eröffnen. "Die Nachfrage ist vor allem bei kleinen Unternehmen groß", sagt Christian Sommer vom German Center in Shanghai, das kleine Firmen beim Markteintritt in China betreut. "Second-Tier-Städte in China werden zunehmend interessanter, da die großen Metropolen vielen Unternehmen zu teuer werden." Taicang sei durch seine Nähe zu Shanghai und durch seine deutsche Community ein extrem beliebter Standort.
Die Deutschen von Taicang sind stolz auf ihre kleine Enklave. Vor zwei Jahren drehten sie sogar einen Film, der ihr Leben vor Ort porträtiert. Lamers kommt natürlich auch darin vor.