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HochfrequenzhandelBlitztrader zocken mit dem Geld normaler Sparer

Ultraschnelle Computerhändler sind in Verruf geraten. Der Verdacht: Die Flash Boys machen ihre Milliardengewinne auf Kosten aller Anleger. Wer ihnen hilft - und wer sie bekämpft.Annina Reimann 02.06.2014 - 15:17 Uhr

Ein Blick durch die Scheibe genügt, und der hinter vier Monitoren verschanzte Chefhändler des großen Fondshauses sieht, was seine Aktienhändler so treiben. In letzter Zeit fühlt er sich ein Stück in die Vergangenheit versetzt: Statt Handelsaufträge in den Computer zu hacken, telefonieren seine Leute immer öfter.

Wie in den Achtzigerjahren kauft sein Haus, eines der größten in der Frankfurter City, wieder verstärkt bei Brokern, die wissen, welcher Investor welche Aktien hält. „Wenn wir einen großen Block kaufen wollen, rufen wir wieder verstärkt Sales Trader der Broker an. Die greifen zum Telefon und fragen bei ihren Kunden nach, ob einer Aktien verkaufen will“, sagt der Milliardenmanager, der anonym bleiben will. Die Börsen bleiben bei solchen Geschäften außen vor.

In deren elektronischen Systemen, sagt der Manager, seien ihm zu viele Hochfrequenzhändler unterwegs. Diese „Jungs“ mit ihren superschnellen Computern können seine großen Orders aufspüren, ihm Aktien vor der Nase wegschnappen und dann teurer verkaufen.

iChart: Zehn Sekunden Handel mit Apple-Aktien am 25. Juli 2012, visualisiert von Nanex. Linien in Rot-Tönen = Verkaufsangebot an einer von elf Börsen, in Blau = Kaufangebote, Kreise = abgeschlossene Geschäfte.

Foto: Nanex

Hochfrequenzhändler, unter ihnen Banker, Informatiker, promovierte Physiker haben den Börsenhandel revolutioniert. Sie programmieren ihre Rechner mit Handlungsanweisungen. Dank dieser Algorithmen feuern sie automatisch in Bruchteilen von Sekunden Unmengen von Aufträgen an die Börsen, schneller, als jeder Mensch es könnte. In den USA sind die Blitztrader durch den Bestseller „Flash Boys: Revolte an der Wall Street“ in Misskredit geraten. Autor Michael Lewis wirft ihnen vor, die Märkte zu manipulieren.

Auch in Deutschland aktiv

Auch in Deutschland, im Handelssystem Xetra und an der Terminbörse Eurex, sind die Flash Boys aktiv. Laut deren Betreiberin Deutsche Börse sind sie allein für 20 bis 25 Prozent der Aktienumsätze verantwortlich. Viele von ihnen verdienen sich eine goldene Nase – auf Kosten all derjenigen, die zwar viel, aber langfristig investieren: Vermögensverwalter, Lebensversicherer, Pensionskassen und Investmentfonds, die für die Altersvorsorge der Deutschen anlegen.

Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel warnte bereits vor zwei Jahren, Fondssparer könnten „finanzielle Einbußen erleiden“, etwa wenn Hochfrequenzhändler Orders entdecken und vor den Fonds kaufen. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat die Trader im Visier: „Bei uns laufen mehrere Untersuchungen gegen Hochfrequenzhändler“, sagt deren oberster Wertpapieraufseher Karl-Burkhard Caspari.

Deutsche Fondsmanager oder Versicherer reden – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand über das heikle Thema. Klar: Ihre Anleger dürften es nicht gern hören, wenn beim Kauf und Verkauf von Aktien immer wieder Geld auf das Konto von Hochfrequenzhändlern wandert. Geschätzt maximal wenige Cent pro Aktie – aber auch hier macht es die Masse.

Der weltgrößte Vermögensverwalter, BlackRock aus New York, warnte erst kürzlich vor den „räuberisch-hochfrequenten Handelsstrategien“, die versuchten, den Markt zu manipulieren und Investoren zu benachteiligen. „Diese Praktiken stellen einen Marktmissbrauch dar und sollten vom Gesetz verfolgt werden.“ Der Ruf nach gesetzlichen Regelungen ist das eine. Was aber tun die Fonds sonst noch, um das Geld ihrer Anleger zu schützen?

Die Spurensuche beginnt beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch in Köln. Co-Gründer Bert Flossbach ist unabhängig, an keine Bank gebunden, die auch an den superschnellen Tradern verdienen könnte, bekannt für klare Worte, mit mehr als 15 Milliarden Euro Kundengeldern im Rücken. Dass etwas in den Märkten „nicht mit rechten Dingen zugeht“, hat Flossbach schon vor einiger Zeit bemerkt: „Egal, wo ich eine Order platziere, computergetriebene Händler sind mit im System und können meine Order ausspähen“, moniert er.

Deutschland

Der deutsche Aktienmarkt ist im Mai heiß gelaufen. Der Dax erreichte ein neues Rekordhoch von 8557,86 Punkten. Seit Jahresbeginn ein Plus von 9,7 Prozent*. In den vergangen Wochen ging es allerdings wieder etwas abwärts.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 6,5

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,9

Dividendenrendite: 3,16

Keppler-Urteil: Kaufen

*Stand: 31.05.2013 (Quelle: Analysehaus Keppler)

Foto: dpa

Dänemark

Dänische Anleihen genießen den Status als sicheren Hafen. Dänische Aktien stehen bei den Investoren allerdings nicht besonders hoch im Kurs. Seit Jahresbeginn hat der wichtigste dänische Index, der OMX Copenhagen 20, gerade mal acht Prozent zugelegt. Für Keppler ist der Markt trotzdem noch zu teuer.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,49

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,9

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 17,9

Dividendenrendite: 2,01

Keppler-Urteil: Verkaufen

Foto: dpa

Frankreich

Der französische Leitindex CAC 40 hat seit Jahresbeginn 8,5 Prozent zugelegt. Frankreichs Wirtschaft bereitet immer mehr Sorgen und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone droht zum Sorgenkind zu werden.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,31

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 7,9

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,1

Dividendenrendite: 3,60

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dapd

Italien

Italiens Wahldebakel lähmte die Börsen und die weiterhin schwächelnde Wirtschaft beschert den Anlegern Sorgenfalten. Diese trauten sich nur zögerlich in den italienischen Aktienmarkt. Der FTSE MIB legte bis Ende Mai nur rund vier Prozent zu. Keppler sieht für den Markt noch Aufholchancen.

Kurs-Buch-Verhältnis: 0,82

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 3,8

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 17,6

Dividendenrendite: 3,72

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dpa

Japan

Die Geldflut der japanischen Notenbank sucht ihresgleichen. Mit ihrer lockeren Geldpolitik möchte die Bank of Japan die japanische Wirtschaft ankurbeln. Das billige Geld fand seinen Weg in den Aktienmarkt. Dieser stieg aber auch, weil der Yen deutlich verlor. Der Nikkei hat seit Jahresbeginn fast 33 Prozent zugelegt. In Euro umgerechnet liegt das Plus allerdings nur bei 16,5 Prozent.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,30

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 8,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 21,3

Dividendenrendite: 1,82

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: rtr

Schweiz

Die Diskussionen über Steueroasen und Steuersünder füllen die Schlagzeilen. Die Schweizer Banken versuchen immer weiter sich vom Image der Steueroasen zu lösen. Dabei hat der Schweizer Aktienmarkt im Hintergrund eine erstaunliche Performance hingelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18,5 Prozent zu Buche. Dem Analysehaus Keppler ist der Schweizer Aktienmarkt deshalb bereits zu heiß.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 14,4

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5

Dividendenrendite: 2,83

Keppler-Urteil: Verkaufen

Foto: ZB

Singapur

Die Adresse für günstige Spitzensteuersätze. Doch auch als Finanz- und Börsenplatz wird Singapur immer beliebter. Der Aktienmarkt Singapurs gewann seit Jahresbeginn zwar nur fünf Prozent dazu, das Analysehaus Keppler bewertet den Aktienmarkt dafür allerdings auch nicht als zu teuer und rät noch einzusteigen.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,51

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,9

Dividendenrendite: 3,19

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dpa

Spanien

Der Arbeitsmarkt des hoch verschuldeten Euro-Landes ist eine Katastrophe. Fast jeder zweite unter 25 ist ohne Job. Für den Aktienmarkt lief es auch nicht rosig. Die Party an den Börsen ging an spanischen Aktien fast vorbei - nur Plus von drei Prozent steht zu Buche. Allerdings profitierten spanische Anleihen vom billigen Geld der Notenbanken – die Renditen gingen zurück.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,15

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 5,2

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 34,6

Dividendenrendite: 6,14

Keppler-Urteil: Neutral

Foto: dpa

USA

Die Wall Street ist immer noch der Finanzplatz schlechthin. Auch in den USA kletterten die Kurse fleißig. Der Dow Jones stieg erstmals über die 15.000-Punkte-Marke und markierte ein Rekordhoch nach dem anderen. Der S&P hat seit Jahresbeginn 14,4 Prozent zugelegt. Das Analysehaus Keppler sieht den amerikanischen Aktienmarkt allerdings schon als überhitzt an und rät zum Ausstieg.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,45

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,7

Dividendenrendite: 2,10

Keppler-Urteil: Verkaufen

Foto: dpa

Vereinigtes Königreich

Englands Leitindex, der FTSE 100, hat seit dem 1. Januar 2013 rund zwölf Prozent zugelegt. Für die Börsen ging es aber auch nur deshalb so stark aufwärts, weil es für das Pfund bergab ging. In Euro umgerechnet beträgt das Plus des Aktienmarktes gerade mal 7,6 Prozent.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 6,5

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,9

Dividendenrendite: 3,16

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: rtr

An wie vielen Handelstagen der auch in Deutschland aktive Hochfrequenzhändler Virtu Gewinne in welcher Höhe einfuhr. Für eine detaillierte Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik

Foto: WirtschaftsWoche

Wie das funktioniert, erklärt einer der Flash Boys, der um jeden Preis unerkannt bleiben will. Weil große Kaufaufträge den Kurs einer Aktie nach oben treiben können, suchen die Hochfrequenz-Handelsprogramme nach diesen.

Sie erkennen etwa, wenn eine Adresse alle paar Sekunden kleine Stückzahlen einer Aktie kauft. Sie unterstellen dann, dass diese Adresse weiter zugreifen wird – und kaufen mit enormer Geschwindigkeit. „Zehn Sekunden später verkaufe ich die Aktien wieder einen Tick teurer“, sagt der Trader und grinst. In 70 Prozent der Fälle gehe die Strategie auf.

Zusätzlich suchen seine Algorithmen nach Aktienkursen, die schneller steigen als normal. Die Rechner springen dann auf den Trend an, folgen ihm und kaufen mit, bis der Kurs wieder dreht – dann verkaufen sie blitzschnell wieder.

Zwei Millionen Dollar Nettogewinn pro Tag

Das Geschäft lohnt sich. Die Zahlen des US-Hauses Virtu Financial belegen das eindrucksvoll. Virtu hatte als erster und einziger der geheimnisumwitterten Hochfrequenzhändler Zahlen zum eigenen Geschäft veröffentlicht, im Vorfeld eines geplanten und dann auf Eis gelegten Börsengangs: 2013 holte Virtu aus 665 Millionen Dollar Umsatz 182 Millionen Dollar Gewinn heraus.

Bis zu zwei Millionen US-Dollar Nettogewinn pro Handelstag waren dabei keine Seltenheit – und das über Jahre (siehe Grafik). Virtu ist über eine irische Tochter auch im Deutsche-Börse-System Xetra und an der Eurex aktiv. Damit lebt Virtu auch von deutschen Sparern.

Flossbach befürchtet, dass die Computer den Markt künftig so schnell bewegen könnten, dass Flash Crashs, also extrem schnelle Markteinbrüche, künftig „nicht immer so glimpflich ausgehen müssen wie in den letzten Jahren“. Angeschmiert sind bei Flash Crashs auch Privatanleger, die bei ihrer Bank ein Stop-Loss-Limit platziert haben – eine Kursmarke, bei deren Unterschreiten die Bank automatisch verkaufen soll. Bricht ein Kurs aber nur für wenige Sekunden ein und fängt sich dann wieder, sind die Papiere raus aus dem Depot – zu einem bescheidenen Preis.

Um die Flash Trader auszukontern, beschäftigt Flossbach heute mehr Händler, die zudem neue Strategien entwickeln. „Wir gehen antizyklisch vor, beschleunigen also eine Kauforder, wenn der Preis fällt“, sagt Flossbach.

Kion, Springer Science, Deutsche Annington – und dann auch noch Osram. Ende Juni und Anfang Juli werden sich die Firmenchefs der Neuzugänge an der Frankfurter Börse fast die Glocke in die Hand geben. Dabei ist der letzte normale Börsengang in Frankfurt – LEG Immobilien – dann schon fünf Monate her. Dass sich die Börsenkandidaten nun plötzlich drängeln, ist kein Zufall. Denn die Zeitfenster, auf die Unternehmen für einen erfolgreichen Börsengang angewiesen sind, sind – jedenfalls in Deutschland - eng. Im März, im Juni, im September und Mitte November werden deshalb die meisten Börsengänge gestartet.

Foto: dpa

„Es gibt Fenster, die man erwischen muss. Da müssen mehrere Faktoren zusammentreffen: Das Unternehmen muss bereit sein für einen Börsengang, der Markt muss stabil sein, aber auch der angepeilte Börsenplatz muss gut laufen“, sagt Martin Steinbach, der für die Unternehmensberatung Ernst & Young Börsengänge begleitet. „Der IPO-Eurostoxx-Performance-Index zeigt nach oben. Daher steht die Ampel derzeit auf Grün.“

Foto: dpa

Die Zahlen

Diese Voraussetzungen allein würden Börsengänge im Mai oder August noch nicht ausschließen. Doch hinzu kommen die rechtlichen Vorgaben. Die Zahlen, die die Unternehmen in ihrem Wertpapierprospekt verwenden, dürfen zur Erstnotiz nicht älter sein als 135 Tage, das sind viereinhalb Monate. „Sonst dürfen die Wirtschaftsprüfer die Zahlen nicht mehr beglaubigen“, erläutert Oliver Seiler, der als Wirtschaftsanwalt für die Kanzlei Allen & Overy an vielen Börsengängen mitarbeitet. Das heißt: Verweist der Börsenaspirant auf seine Geschäftszahlen zum Jahresende, muss er bis spätestens Mitte Mai an der Börse sein.

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Der Ausblick

Ältere Zahlen würden die Investoren nervös machen - vor allem bei Unternehmen, deren Geschäft stark schwankt. Das begünstigt auch Börsengänge im zweiten Halbjahr. Denn dann wagen die Firmen einen Ausblick auf das kommende Jahr – und die meisten Investoren treffen ihre Kaufentscheidungen für neue Börsenwerte auf Basis der Erwartungen für das Folgejahr. Auch in den vergangenen Jahren hatten daher viele Kandidaten auf einen Termin im Herbst gesetzt – doch da kam regelmäßig eine Krise dazwischen. Die LEG, die ihren Börsengang im Januar auf Basis der Zwischenbilanz bis September 2012 gestartet hatte, war eine Ausnahme. „Je stabiler das Geschäftsmodell ist, desto eher kann das das wagen“, sagt Seiler.

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Der Urlaub

Im Prospekt der jetzigen Börsenkandidaten stehen die Quartalszahlen per Ende März. Sie wären eigentlich noch bis Mitte August frisch - doch in den Sommermonaten wagt sich kaum ein Unternehmen an die Börse. Denn da bangen die Banker, dass sich genügend Käufer finden. „Erfahrungsgemäß sind einige Investoren in den USA und Großbritannien wegen der beginnenden Urlaubssaison ab Mitte Juli nur noch eingeschränkt verfügbar, was die Vermarktung eines Börsengangs erschwert“, sagt Seiler. Erst im September sitzen sie wieder an den Schreibtischen. „Je mehr Investoren da und aufnahmebereit sind, desto geringer ist natürlich das Risiko für den Emittenten.“

Foto: Fotolia

Interne Gründe

Dass Kion, Springer Science und Deutsche Annington auf den letzten Drücker kommen wollen, hat auch individuelle Gründe: Beim Gabelstapler-Konzern Kion musste erst der Einstieg des chinesischen Großaktionärs Weichai Power abgeschlossen sein, der größte deutsche Wohnungskonzern Annington hatte erst im April einen neuen Vorstandschef bekommen. Und beim Wissenschaftsverlag Springer Science versuchen die Eigner alternativ zu den Börsen-Vorbereitungen einen Käufer für das ganze Unternehmen zu finden. Endgültige Offerten werden erst in diesen Tagen erwartet.

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Dass der Lichtkonzern Osram erst jetzt an die Börse kommt, ist eher Zufall: Aktionärsklagen gegen die Abspaltung hatten den Schritt zuvor verhindert. Doch auf die Sommerpause musste auch Osram achten. Zwar verschenkt Siemens die Papiere nur an die eigenen Aktionäre. Doch um eine Verkaufswelle großer Aktionäre - etwa von Indexfonds - nach dem Börsendebüt zu vermeiden, müssen Banker vorher neue Investoren für Osram-Aktien im Volumen von mehreren hundert Millionen Euro finden.

Foto: REUTERS

So offen wie er redet sonst kaum einer der Milliardenmanager. Die DekaBank etwa schweigt zu dem Thema. Als zentrales Wertpapierhaus der Sparkassen legt sie auch rund 26 Milliarden Euro an, die fleißige Sparkassen-Sparer in Aktienfonds eingezahlt haben.

Union Investment, die für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken 38 Milliarden Euro in Aktien verwaltet, lässt schriftlich ausrichten, dass man „seit langem um die Probleme des Hochfrequenzhandels“ wisse. Man habe Gegenstrategien entwickelt, erläutern möchte Union die aber nicht. Nur so viel: „Wir setzen Systeme ein, die es uns erlauben, mögliche Nachteile des Hochfrequenzhandels wie das so genannte Frontrunning und Ausarbitrieren zu vermeiden“, lässt Christoph Hock, Leiter des Aktien- und Derivatehandels, auf Anfrage mitteilen.

Frontrunning bedeutet, dass jemand, der von bevorstehenden Kaufaufträgen erfahren hat, sein Insiderwissen nutzt und vorher billiger kauft. Arbitrage ist Handel, bei dem die Akteure von oft winzigen Preisdifferenzen zwischen verschiedenen Börsenplätzen profitieren.

Die Börsen profitieren

Rund um den schnellen Handel hat sich eine Industrie entwickelt, die mit den Hochfrequenzhändlern gute Geschäfte macht. Wichtigste Profiteure sind die Börsen selbst, die ihnen Handelsdaten und Rechnerplätze direkt neben den Börsencomputern verkaufen.

Hochfrequenzhändler verdienen nicht nur Geld, weil sie schneller sind, sondern auch, weil sie einen tieferen Einblick in die Auftragslage haben als andere Anleger. Die Deutsche Börse etwa verkauft ihnen Daten aus dem elektronischen Orderbuch, in das alle Kauf- und Verkaufsaufträge einlaufen.

Trader können Daten zum Beispiel im Paket „Core“ oder in der Luxusversion „Ultra“ kaufen. Core liefert für das Aktien-Handelssystem Xetra alle 200 Millisekunden – fünfmal pro Sekunde – ein Datenupdate. Wer sich Ultra leistet, sieht den Markt viel klarer, weil er jedes Datenupdate bekommt, geschätzt mindestens sechsmal so viele Daten, und die auch noch schneller.

Die Programme versuchen, anhand der Auftragslage auszurechnen, ob ein Kurs steigt oder fällt. So können sie anderen Anlegern zuvorkommen.

Die Feri EuroRating AG gehört zu den führenden europäischen Analysehäusern für die Bewertung von Kapital- und Immobilienmärkten, sowie Kredit- und Investmentrating. Seit 18 Jahren veröffentlicht Feri EuroRating Analysen zum Markt der geschlossenen Fonds in Deutschland. Die Studie erfasst Initiatoren und Beteiligungsmodelle, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Vertrieb zugelassen hat, und deckt dabei alle Asset-Klassen ab.

Foto: dpa

Im vergangen Jahr konnten Immobilienfonds ihren Anteil am Gesamtmarkt weiter ausbauen. 2012 flossen mit 54 Prozent über die Hälfte des platzierten Eigenkapitals in Immobilienfonds. 2011 waren es noch 49 Prozent. Trotz der Anteilsvergrößerung sammelten die Initiatoren geschlossener Immobilienfonds weniger Eigenkapital von privaten Anlegern ein, als noch vor zwei Jahren. Nach einem platzierten Eigenkapital von 2,83 Milliarden Euro 2011, sank dieses 2012 um 28 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Das Fondsvolumen verringerte sich sogar um 33,2 Prozent.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 2,03 Milliarden Euro (- 27,9 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 3,22 Milliarden Euro (- 33,2 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 53,5 Prozent (2011: 49 Prozent)

Foto: dpa

Geschlossene Immobilienfonds mit deutschen Investitionszielen bildeten 2012 wieder das größte Segment. Von den 53,5 Prozent flossen 37 Prozent der Gelder in inländische Fonds. Allerdings zeigt sich auch hier eine Verringerung des platzierten Eigenkapitals. Im vergangenen Jahr sank es um 28,6 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. „Der Konzentrationsprozess in der Branche setzt sich fort und dürfte angesichts des neuen Kapitalanlagegesetzbuches, das im Juli 2013 in Kraft tritt, weiter anhalten“, erklärt Wolfgang Kubatzki, Mitglied der Geschäftsleitung der Feri EuroRating Services.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 1,41 Milliarden Euro (- 28,6 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 2,28 Milliarden Euro (- 32,7 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 37 Prozent

Foto: dpa

Ausländische Immobilienfonds konnten ihre Anteile ebenfalls ausbauen. Im vergangenen Jahr machten sie rund 16,5 Prozent des Gesamtmarktes aus. 2011 waren es noch 14,7 Prozent. Vor allem in den USA investieren die Fonds.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 0,63 Milliarden Euro (- 26,2 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 0,94 Milliarden Euro (- 34,5 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 16,5 Prozent (2011: 14,7 Prozent)

Foto: dpa

Neben Immobilienfonds konnten nur noch die Fonds aus dem Bereich „New Energy“ ihren Anteil am Gesamtmarkt vergrößern. Im Gegensatz zu den Immobilienfonds sowie den Fonds anderer Assetklassen verzeichneten die New Energy-Fonds im vergangenen Jahr darüber hinaus einen vergleichsweise geringen Rückgang beim platzierten Eigenkapital sowie beim Fondsvolumen.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 0,72 Milliarden Euro (- 1,0 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 1,43 Milliarden Euro (- 11,8 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt: 18,9 Prozent (2011: 12,7 Prozent)

Foto: dapd

Spezialitätenfonds gehören zu den größten Verlieren gemessen an der Veränderung des platzierten Eigenkapitals. Über 40 Prozent nahmen diese Fonds, die aus Rohstoff-, Wald-, Game- und Mischfonds zusammengebaut werden, von den privaten Anlegern ein. Auch der Marktanteil verringerte sich im vergangenen Jahr.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 0,47 Milliarden Euro (- 43,4 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 0,62 Milliarden Euro (- 41,5 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 12,4 Prozent (2011: 14,4 Prozent)

Foto: dpa

Der Ausstieg aus dem Fondsgeschäft mit Schiffsbeteiligungen der Commerzbank im vergangenen Jahr zeigt, wie es um die Schiffsfonds steht. 2012 waren nur noch wenige Anleger bereit, ihr Geld in diesen Fondtypen zu investieren. Auch der Marktanteil sank im Vergleich zum Jahre 2011 signifikant.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 0,18 Milliarden Euro (- 61,6 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 0,47 Milliarden Euro (- 52,2 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 4,7 Prozent (2011: 8,0 Prozent)

Foto: dapd

Ähnlich schlecht wie den Schiffsfonds ergeht es derzeit auch den Flugzeugfonds. Im vergangenen Jahr sank das platzierte Eigenkapital um mehr als die Hälfte. Der Marktanteil sank auf eine einstellige Prozentzahl im unteren Bereich.

Übersicht:

Eigenkapital 2012: 0,13 Milliarden Euro (- 57,4 Prozent)

Fondsvolumen 2012: 0,31 Milliarden Euro (- 61,7 Prozent)

Anteil am Gesamtmarkt 2012: 3,5 Prozent (2011: 5,4 Prozent)

Foto: dapd

Insgesamt sank das platzierte Eigenkapital im Jahre 2012 um satte 34 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro – der tiefste Stand aller Zeiten. Selbst im Krisenjahr 2009 konnten Initiatoren geschlossener Fonds knapp 1,7 Milliarden Euro mehr bei Privatanlegern einsammeln. Wie das Eigenkapital rutschte auch das Fondsvolumen mit 6,3 Milliarden Euro auf einen neuen historischen Tiefstand.

Der Rückgang des Eigenkapitals und des Volumens hat sich auch auf die Anzahl der am Markt aktiven Initiatoren ausgewirkt. Im vergangenen Jahr sank sie um 75 auf 251. Der größte von ihnen war Prokon Regenerative Energie mit einem Fondsvolumen von 331,1 Millionen Euro, das vollständig aus dem Eigenkapital geschöpft wurde.

Foto: REUTERS

Der in München ansässige Immobilienfonds Real I.S. kam mit einem Eigenkapital in Höhe von 205,6 Millionen Euro auf den zweiten Rang. Im Vorjahr kam der Initiator noch auf 318 Millionen Euro. Das Fondsvolumen belief sich 2012 auf 261,1 Millionen Euro.

Foto: dapd

Auf den dritten Rang kam der Immobilienfonds IVG Private Funds des vor dem Aus stehenden Immobilienkonzern IVG Immobilien. Der Fond konnte ein Eigenkapital von 193,4 Millionen Euro akquirieren. Das Fondsvolumen betrug 296,8 Millionen Euro.

Foto: dpa

Die Fairvesta Holding mit Sitz in Tübingen (im Foto: Blick von der Neckarbrücke auf die Altstadt von Tübingen) konnte im letzten Jahr 176,3 Millionen Euro von privaten Anlegern einsammeln. Platz vier.

Foto: dpa

Jamestown US-Immobilien konnten im vergangenen Jahr 171,9 Millionen Euro Eigenkapital platzieren. Das gesamte Fondsvolumen betrug 273,1 Millionen Euro. Wie im Vorjahr belegte der Fonds damit Rang fünf.

Foto: Screenshot

Anteil HFT-Handel an den Börsenumsätzen, Zahl der Händler, die Rechner an der Deutschen Börse platzieren (Co-Location). Für eine detaillierte Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik.

Foto: WirtschaftsWoche

Ist das Orderbuch analysiert, können die Computer der Flash Boys sofort Aufträge abfeuern. „In Deutschland ist das Ausspähen der Orderbücher am interessantesten. Anhand der Nachfrage im Buch kann mein Computer ausrechnen, ob der Preis steigt oder fällt“, behauptet ein Hochfrequenzhändler.

Die Börse zeigt ihm die bis zu 20 besten Gebote aller Käufer und Verkäufer. Das ist wie am Ticketschalter, wenn 20 Leute anstehen, der Verkäufer aber nur noch zehn Karten hat. Der Erste in der Schlange kennt Nachfrage und Angebot. Er kauft die restlichen Tickets auf und bietet sie jenen an, die hinter ihm standen – zum höheren Preis.

Flash Boys, die tief ins Orderbuch schauen können, handeln ähnlich. Nach vorn in der Börsenschlange kommen sie, indem sie ihre Preise permanent aktualisieren – im Börsensystem haben Orders mit besseren Preisen Vorrang. Durch ihre Käufe wird das Angebot für die restlichen Kaufwilligen verknappt, der Preis ein wenig getrieben.

„Als ich noch Core hatte, bekam ich nur einen Phantommarkt zu sehen. Allein aufgrund des Ultrastroms habe ich heute wesentlich bessere Handelschancen, meine Systeme senden doppelt so viele Aufträge wie zuvor an die Börse“, sagt der Händler.

Eine Order in 1,1 Mikrosekunden

Börse und Aufsicht haben kein Problem damit, dass der öffentlich-rechtliche Marktplatz so in eine Zweiklassengesellschaft zerfällt. „Solange jedem, der es sich leisten kann, der Zugang ermöglicht wird, ist das nicht zu beanstanden“, sagt BaFin-Chefaufseher Caspari.

Wenn Evgueny Khartchenko zu seinem Arbeitsplatz will, muss er mehrere Sicherheitsschleusen passieren. Nur wenige Mitarbeiter haben Zugang zu dem geheimen Labor des Chipherstellers Intel bei London. Khartchenko ist Technikchef im „Faster Lab“.

Seine Aufgabe: Er puzzelt Hard- und Softwarelösungen zusammen und tunt damit die teuren Hochleistungscomputer der Flash Boys. Für Investmentbanken oder Broker baut Khartchenko Intel-Prozessoren ein, die noch nicht auf dem Markt sind, und testet, welche Kombination am schnellsten mit der Software zusammenarbeitet.

Intel beherbergt im Labor die nächste Generation jener Maschinen, die sich künftig schneller gegen die Orders derjenigen durchsetzen sollen, die nicht Millionen investieren können. Der schnellste Intel-Prozessor etwa braucht nur noch 1,1 Mikrosekunden, um Marktdaten von der Börse zu erhalten und eine Order wegzusenden. Eine Mikrosekunde – das ist eine millionstel Sekunde.

Und doch geht es manchem Kunden nicht schnell genug. Einige tunen die Intel-Prozessoren selber noch mal oder sind für simple Rechenaufgaben auf spezielle Technik umgestiegen, die nur noch entscheidet: ja oder nein, kaufen oder nicht kaufen. 0,4 Mikrosekunden dauere dieser Prozess, weiß Khartchenko.

Nicht nur bei Software und Chips wird aufgerüstet, sondern auch bei den Leitungen. Dafür ist Hugh Cumberland zuständig. Der betreut beim IT- und Netzwerkspezialisten Colt Hochfrequenzhändler. Cumberland hat ihnen mit einer Mikrowellenverbindung zwischen den Großräumen Frankfurt und London einen Herzenswunsch erfüllt: Ihre Handelsdaten fließen nun nahezu lichtschnell von Funkturm zu Funkturm.

Bislang galten Glasfaserkabel als schnellste Variante, durch sie brauchten Daten zwischen London und Frankfurt gut vier tausendstel Sekunden. „Die Mikrowellenverbindung überträgt Daten bis zu 40 Prozent schneller als das Glasfaserkabel“, sagt Cumberland.

Folge: Flash Boys können Daten aus dem Kabel spielend überholen. Natürlich ist die Mikrowelle teurer, doch das ist das kleinste Problem: Hochfrequenzhändler kompensieren den Preis durch ihren Zeitvorteil. „Unsere Kunden würden nicht in die Mikrowellenverbindung investieren, wenn es das Geld nicht wert wäre“, sagt Colt-Mann Cumberland.

Tulpenkrise 1637

Zur ersten Finanzkrise kam es 1637 in Amsterdam. Schuld an der Krise waren Spekulationen mit Tulpen. Die Blumen waren Sinnbild für Wohlstand. Dementsprechend hoch waren die Preise. Eine Tulpenzwiebel war teilweise so wertvoll, dass dafür ganze Häuser eingetauscht wurden – die Preise stiegen in den drei Jahren vor 1637 um das Fünfzigfache.

Eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus kostete zu Spitzenzeiten 10.000 Gulden – das Vierzigfache von dem, was ein normaler Handwerker im Jahr verdiente. 1637 platzte die Blase, weil die Spekulanten auf ihren Tulpenzwiebeln sitzen blieben und pleite gingen.

Foto: dpa/dpaweb

Südsee-Blase 1720

Von Isaac Newton stammt der Ausspruch: „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treibt“. Newton sagte diesen Satz nach der so genannten Südsee-Blase im Jahr 1720, zu deren Verlierern der bekannte Physiker zählte.

Die Blase entstand, weil die Gründer der „Südsee-Gesellschaft“ die englischen Staatsschulden übernahmen und die Aktie des Unternehmens dadurch stark anzog. Sie stieg von 150 Punkten im Januar auf 1050 Punkte im Juli des Jahres. Auf dem Höhepunkt wurde bekannt, dass die Gründer der Gesellschaft ihre Aktien verkauft hatten. Die Papiere fielen daraufhin wieder auf 150 Punkte.

Foto: dpa-tmn

Schwarzer Freitag 1929

In den 1920er Jahren brummte die US-Wirtschaft. Viele Bürger wollten an dem Aufschwung teilhaben und kauften Aktien – allerdings auf Pump, denn die Zinsen waren im Vergleich zu den hohen Kursgewinnen verschwindend gering. Doch am 24. Oktober 1929 kam es zum größten Börsencrash aller Zeiten – dem so genannten Schwarzen Freitag. Über Monate hinweg verlor der Dow Jones und zog die Weltwirtschaft in eine jahrelange Krise. Erst in den 50er-Jahren erreicht der Dow Jones wieder das Niveau des Spätsommers 1929.

Foto: AP

Ölkrise 1973

Am 6. Oktober 1973 griffen Ägypten und Syrien ihren Nachbarn Israel an, es kommt zum so genannten Yom Kuppur-Krieg. Die Organisation erdölexportierender Länder Opec beschloss daraufhin, die Förderung einzuschränken. So verursachten sie eine plötzliche Ölknappheit, in Deutschland bleiben die Autobahnen an einigen Sonntagen leer. Die Wirtschaft stagniert, die Inflation kletterte in die Höhe. Um rund 40 Prozent fiel der Dax zwischen Januar 1972 bis September 1974.

Foto: dpa

Schwarzer Montag 1987

Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag. Monatelang schnellten die Kurse sprunghaft nach oben und plötzlich konnten Anleger ihre Papiere nicht schnell genug losschlagen. Die Kurse in New York stürzen ab, rund um den Globus brechen die Aktienmärkte ein. Der Börsencrash vor 25 Jahren geht als "Schwarzer Montag" in die Finanzgeschichte ein.

Foto: dpa

United Airlines 1989

Am 16. Oktober 1989 fällt der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft United Airlines einen Ausverkauf auslösten.

Foto: REUTERS

Gorbatschow-Putsch 1991

Weltweit reagieren die Börsen auf den Putschversuch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. In Deutschland waren die Auswirkungen nicht ganz so stark wie beispielsweise in den USA. Der Dax verlor gut neun Prozent.

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Asienkrise 1997
Die Indonesische Währung stürzt auf ein Rekordtief und löst damit die sogenannte Asienkrise aus. Bereits im August des Jahres 1997 reagieren die westlichen Märkte auf die Kursachterbahnen in Fernost. Beispielsweise am 18.8. notiert das Kursbarometer zum Ende des Börsenhandels in Frankfurt mit 3.567 Punkten gut acht Prozent niedriger. Am 28. Oktober folgt der Dax der Wall Street nach unten und bricht um bis zu 13 Prozent ein.

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Hedge-Fonds-Krise 1998

Am 1. Oktober 1998 drückt die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage des Hedge-Fonds LTCM in den USA die Stimmung an den internationalen Börsen. Auch die Sorge um eine Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland machen sich bemerkbar. Der Dax fällt um 7,6 Prozent.

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11. September 2001

Die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September lösen an den Finanzmärkten eine Panik aus. Während die in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers liegende Wall Street geschlossen bleibt, fällt der Dax um 8,5 Prozent. Drei Tage nach der Terroranschlägen, am 14. September 2001, drückt die Angst vor Vergeltungsschlägen der USA den Dax um über sechs Prozent. Dazu kommt Unsicherheit vor der Wiedereröffnung der Wall Street am darauffolgenden Montag, dem 17. September. Nach viertägiger Handelsunterbrechung fällt dabei der Dow-Jones-Index um gut sieben Prozent.

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Irakkrieg 2003

Am 24. März 2003, wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges, wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger dauern als von der US-Regierung erwartet. Der Dax fällt um 6,1 Prozent ab.

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21. Januar 2008

Nach mehrjähriger Hausse greifen Rezessionsängste in den USA auf Europa und Asien über. Während in den USA wegen eines Feiertages die Börsen geschlossen bleiben, schwappt eine Verkaufswelle aus Asien nach Europa. Der Dax fällt um sieben Prozent auf 6.790 Punkte, einer der größeren Tagesverluste in der mittlerweile 20-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex.

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Lehman-Pleite 2008

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers reißt die Finanzwelt ins Chaos. An der Börse wird die Dimension des Schocks zunächst allerdings eher unterschätzt. Weil parallel zur Lehman-Insolvenz der Konkurrent Merrill Lynch gerettet wird, Banken ein Milliarden-Hilfspaket schnüren und die Notenbank eifrig Geld in den Markt pumpen, fällt der Dax nur um moderate 2,7 Prozent. Erst abends setzt sich an der Wall Street eine pessimistischere Sichtweise durch: Der Dow schließt nach dem größten Tagesverlust seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 mit einem Minus von 4,4 Prozent. Dass es in den folgenden Wochen noch viel stärker abwärts geht, ahnen zu diesem Zeitpunkt nur die größten Pessimisten.

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Hypo Real Estate 2008

Die Finanzkrise erreicht am 6. Oktober 2008 mit einem zweiten Rettungspaket binnen einer Woche für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate einen weiteren Höhepunkt. Der Dax verliert bis zum Mittag mehr als sechs Prozent auf 5.447 Punkte und notiert damit so niedrig wie seit dem Sommer 2006 nicht mehr. Zwei Tage später, am 8. Oktober, fällt der Nikkei in Tokio um mehr als neun Prozent - und drückt den Dax zeitweise um 8,6 Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von 5,9 Prozent.

Weitere zwei Tage später, am 10. Oktober, sorgt die Angst vor einer weltweiten Rezession von Handelsbeginn an für einen massiven Ausverkauf an den internationalen Aktienmäkten. Der Dax stürz schon kurz nach Handelseröffnung um neun Prozent in die Tiefe und baut das Minus auf bis zu 11,8 Prozent in der Spitze aus. Zum Handelsschluss büßt der Leitindex 7,01 Prozent auf 4.5441 Zähler ein und schließt damit auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2005. Auch die gesamte zweite Oktoberwoche dürfte mit einem Minus von insgesamt rund 22 Prozent als schwarzes Kapitel in die Geschichte des Dax eingehen.

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Reaktorunglück in Fukushima 2011

Es ist der 15. März 2011, 11:28 Uhr: Japan fürchtet den Atom-Gau, die Börsen fallen so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Beim größten Crash der Nachkriegszeit fällt an der Wall Street der Dow-Jones-Index allein an diesem Tag um 22,6 Prozent. In Frankfurt belaufen sich die Verluste auf gut neun Prozent. Auslöser der Panik sind Spekulationen auf höhere US-Zinsen. Der 15. März geht als einer der schwärzesten Börsentage in die Annalen ein.

 

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Schwarzer August 2011

Die Schuldenkrisen in Amerika und Europa lassen sich kaum stoppen. Die Unsicherheit an den Märkten wächst, das Vertrauen in die Lösungsideen der Politik schwindet. Am 10. August 2011 fällt der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börseum 519,83 Punkte oder 4,6 Prozent. Nach Punkten gerechnet war dies der neuntstärkste Einbruch in der Geschichte des Dow Jones.

In den darauffolgenden Tagen durchbricht der Dax auf dem Weg nach unten einen Rekord nach dem anderen. Ähnlich sieht es an den Börsen in London, New York, Tokio und vielen weiteren aus - die Verkaufswelle rollt. Der deutsche Aktienindex macht an acht Tagen in Folge nur Verluste. Das ist die längste Abwärtsbewegung des Dax seit 1993.

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Zeitvorteile ganz anderer Art verkauft die Deutsche Börse: Sie schickt Abonnenten den oft kursbewegenden Einkaufsmanagerindex Chicago Purchasing Manager Index (PMI) früher als der Öffentlichkeit, die ihn kostenfrei bekommt. Dem Datenanbieter Thomson Reuters hat Ähnliches schon Ärger mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman eingehandelt: Der untersucht die Handelspraktiken an der Wall Street und prüft, ob Hochfrequenzhändler illegal bevorzugt werden.

Thomson Reuters schickt Umfrageergebnisse der Universität Michigan zur US-Verbraucherstimmung nicht mehr mit zwei Sekunden Vorsprung an Händler. Die Daten gelten als Indikator dafür, wie die Konjunktur sich entwickelt, sie können Börsenkurse heftig bewegen.

Manipulation per Spam-Aufträge

Der Einkaufsmanagerindex ist nicht der einzige Service der Börse für Flash Boys: Sie lässt sie auch ganz nah an ihre Rechenzentren ran. Die Trader mieten ihre Computer beim Anbieter Equinix ein, direkt neben den Hauptrechnern der Börse. Doch das Platzieren von Computern in Börsen-Rechenzentren, Co-Location genannt, hebelt das Prinzip Börse, das auf Gleichberechtigung zielt, aus. Wer dort eingemietet ist, kann zum Beispiel Aufträge blitzschnell stornieren.

Die BaFin hat einem Händler schon 24.000 Euro abgeknöpft, weil er den Markt mit seinen Stornos manipuliert hat. Er hatte massenhaft Kauforders als Lockmittel ins Handelssystem gestellt, um Nachfrage vorzutäuschen und Käufer für eigene Papiere anzulocken. Da sich die Kurse nach Angebot und Nachfrage richten, kann der Preis bei einer solchen Aktion tatsächlich steigen. Kaum hatte er seine Papiere verkauft, löschte er binnen 0,31 Sekunden seine Kaufaufträge. Insgesamt dauerte die Aktion drei Sekunden.

Verglichen mit anderen Aufsichtsbehörden aber, ist die BaFin lammfromm. Aufseher in Großbritannien und den USA haben einem Händler und seiner Firma schon mal fast sechs Millionen Dollar aufgebürdet. Die Behörden hatten es als erwiesen angesehen, dass der in Amerika ansässige Händler die Märkte mit Spam-Aufträgen manipuliert hat.

Er soll allein 400.000 Orders auf der Plattform der US-Terminbörse CME platziert haben, wovon 98 Prozent wieder gelöscht worden seien. Sein Algorithmus soll damit mindestens 1,4 Millionen Dollar verdient haben.

Alternative Plattformen

Weil Börsen an den hohen Handelsumsätzen der Flash Trader und an Zusatzleistungen gut verdienen, hofieren sie die schnellen Händler. Doch was Börsen auf der einen Seite gewinnen, kann ihnen auf der anderen Seite verloren gehen. Viele Verwalter großer Vermögen versuchen heute, den Flash Boys auszuweichen.

Marktführer BlackRock geht verstärkt über alternative Plattformen. Allianz Global Investors (AGI) hat nicht nur massiv in Technologie investiert, sondern nutzt ebenfalls „alternative Plattformen“ oder „Broker, die größere Orders geräuschlos platzieren können, um der Ungleichbehandlung durch die Börsen entgegenzuwirken“, heißt es bei der Allianz-Tochter. AGIs Aktienblöcke sind groß, an der Börse kann das Haus seine Orders kaum verstecken: Weltweit hat AGI 2013 rechnerisch 500 Millionen Euro pro Handelstag umgesetzt.

Auch Union Investment ist „aktiver an alternativen Handelsplätzen als noch vor einigen Jahren“. Um den Flash Boys zu entgehen, haben Trader in den USA gar die Börse IEX gegründet. Aufträge werden dort verzögert, Flash Boys bleiben freiwillig draußen.

Das Gleiche gilt für sogenannte Dark Pools, die Hochfrequenzhändler ausschließen. Auf diesen Plattformen können Anleger große Mengen von Aktien – „Blöcke“ im Fachjargon – anonym handeln. Im Dark Pool Liquidnet etwa dürfen nur Vermögensverwalter handeln, keine Flash Trader.

Dank der Dark Pools und alternativer elektronischer Plattformen hat die Zahl der Handelsplätze immens zugenommen. Angebot und Nachfrage werden immer mehr zersplittert, Fonds mit großen Orders sind gezwungen, diese auf mehreren Plattformen aufzugeben. „Wir suchen verzweifelt nach Liquidität“, sagt der Aktienchef eines großen Hauses. Auch das ist teuer und kostet Anleger Rendite.

Weil die Flash Boys immer schneller werden, müssen andere langsamer werden. Orders werden, um die Hochfrequenzhändler abzublocken, absichtlich verzögert. Die Investmentbank Goldman Sachs etwa, die für große Fonds als Broker arbeitet, kann Orders von einem Ort in der Nähe von London binnen sechs Millisekunden auf das deutsche Xetra-System jagen.

Nach Madrid braucht eine Order aber schon 31 Millisekunden. Schickt der Broker zwei Orders für die gleiche Aktie an beide Börsen, käme die in Madrid also 25 tausendstel Sekunden später an – eine halbe Ewigkeit für Hochfrequenzhändler.

Deren Programme erkennen Nachfrage nach der Aktie in Frankfurt und ziehen deshalb in Madrid den Preis nach oben – indem sie vorkaufen oder günstige Angebote stornieren. „Allein, weil ein Auftrag an einer Börse ausgeführt worden ist, verschwinden die Angebote für diese Aktie an den anderen Börsen. Wenn man nicht selber die Hochfrequenz-IT hat, ist man maßlos unterlegen“, sagt der Chefhändler des Frankfurter Fondshauses.

Seine Abwehrstrategie: „Unsere Broker drosseln unsere Orders und versuchen, dass alle Teilaufträge gleichzeitig an den verschiedenen Börsen eintreffen“, sagt er. So fehlt den Flash Boys die Zeit, auf die über mehrere Börsen verteilten Orders zu reagieren – und die Fonds können ihre Papiere zum aktuellen Preis kaufen.

"Der Hochfrequenzhandel kostet uns Geld"

Eine Zeit lang geht das gut. „Ich versuche, so lange wie möglich unter dem Radarschirm zu fliegen, aber nach 30 bis 45 Minuten weiß der Markt, dass da eine große Order unterwegs ist“, sagt einer, der bei einem milliardenschweren Vermögensverwalter das globale Aktiengeschäft verantwortet.

Von Ultra oder Core der Deutschen Börse hat er noch nie etwas gehört. Seine Aufträge platziert er bei Brokern, die werden ihm schon günstige Preise organisieren, hofft er. Immerhin: Er kontrolliert sie, vergleicht, an welchem Platz es die besten Kurse gab und zu welchen er mit Aktien bedient worden ist. Arbeitet ein Broker schlecht, bekommt er keine Aufträge mehr und damit auch keine Provision.

Befürworter des Hochfrequenzhandels sagen, dass die Flash Boys Liquidität bringen – Angebot und Nachfrage, die letztlich zu günstigeren Kursen führen. Der Chefhändler des großen Fondshauses ist da skeptisch: „Wenn einer verdient, muss ein anderer abgeben – daher denke ich, dass der Hochfrequenzhandel uns Geld kostet.“

Wie viel Geld, das hat der vorläufige Wertpapierprospekt von Virtu Financial offenbart. Allerdings: Dass der extrem profitable Hochgeschwindigkeitshändler überhaupt an die Börse geht, Gewinne also plötzlich mit anderen Anlegern teilen will, könnte auch ein Signal für aufkommende Probleme der Flash Boys sein.

Geld wird Virtu nicht gebraucht haben. Eine andere Vermutung liegt näher: Das Geschäftsmodell hat seine besten Zeiten hinter sich, die Eigner wollten noch schnell via Börsengang abkassieren.

Tatsächlich wird der Markt, nachdem immense Gewinne viele neue Hochfrequenzhändler angelockt haben, zunehmend härter. Weil große Aufträge abseits der Börsen abgearbeitet werden, könnte den Algorithmen das Futter ausgehen.

Khartchenko von Intel hat tatsächlich in letzter Zeit Kunden gesehen, die sich zurückgezogen haben. „Einige Hochfrequenzhändler mussten in der Vergangenheit einen Gewinneinbruch hinnehmen, nachdem viele neue Spieler in den Markt gekommen sind und der Wettbewerb größer wurde“, sagt er.

Hinzu kommt, dass der technische Fortschritt ausgereizt scheint. Khartchenko erwartet in Sachen Schnelligkeit „vorerst keine Revolution mehr, dafür einige Verbesserungen“. Cumberland von Colt sagt, dass die Grenzen der Physik bald erreicht sein dürften. „Wir kommen den theoretisch schnellsten Verbindungen bereits sehr nahe“, sagt Cumberland. Schneller als Licht geht eben nicht.

So sind auch an der Frankfurter Börse der Anteil des Hochfrequenzhandels am Gesamtumsatz und die Zahl der Kunden, die ihre Rechner nahe der Börse aufstellen, zurückgegangen. Offenbar stoßen die ersten Flash Boys an ihre Grenzen. Immerhin ein Hoffnungsschimmer: Auf Dauer gibt es eben doch keinen Gratis-Lunch – auch nicht an der Börse.

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