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Büro Hilfe, mein Chef spinnt

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Danger Explosives Area Quelle: rtr/Chris Wattie

Die Stichprobe der Personalverantwortlichen verglichen Hare und Babiak mit einer Bevölkerungsumfrage. Und siehe da: Die Manager erreichten im Schnitt nicht nur wesentlich höhere Punktzahlen. Immerhin neun Führungskräfte hatten mehr als 25 Punkte, davon acht mehr als 30. Zwei kamen sogar auf 33, einer auf 34 Punkte.

Im Bevölkerungssample diagnostizierten die Wissenschaftler nur etwa einem Prozent potenzielles Psychopathentum. Bei den Personalverantwortlichen waren es knapp sechs Prozent.

Noch verblüffter waren die Forscher jedoch, als sie die Leistungsbewertungen der Führungskräfte analysierten. Den neun Verhaltensauffälligen haftete keineswegs das Image eines Quartalsirren an. Ganz im Gegenteil: Sie galten als hervorragende Kommunikatoren, raffinierte Strategen und kreative Innovatoren.

Leidender Angestellter

Aber warum machen Psychopathen so häufig Karriere? Was können Unternehmen dagegen tun? Und wie sollten Angestellte mit einem verhaltensauffälligen Chef umgehen?

Als Begründer der wissenschaftlichen Erforschung von Psychopathie (wörtlich: "leidende Seele") gilt der französische Arzt Philippe Pinel, der darüber bereits im Jahr 1801 ein Buch veröffentlichte – und dazu beitrug, dass Psychiatrie ein Teil der Allgemeinmedizin wurde.

Es dauerte allerdings über 100 Jahre, bis feststand, welche Seelen in der Brust des Psychopathen wohnen. In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts sammelte der Psychiater Hervey Cleckley Daten über die Patienten einer Nervenanstalt im US-Bundesstaat Georgia. Dabei fiel ihm auf, dass alle Betroffenen 16 Eigenschaften teilten.

Sie waren einerseits charmant und intelligent, andererseits neigten sie zu Egoismus, Gefühlskälte und Verantwortungslosigkeit. In seinem Buch ´"The Mask of Sanity" (etwa: "Die Maske der Vernunft") schrieb Cleckley im Jahr 1941, der Psychopath sei durchaus "unterhaltsam" und "brillant", trage das Desaster aber "leicht in jeder Hand".

Daraus entstand der lange Zeit verbreitete Glaube, Psychopathen seien meist kriminell. Im Durchschnitt stimmt das auch heute noch. Bis zu 25 Prozent aller Strafgefangenen sind psychisch auffällig, Schätzungen zufolge hat der durchschnittliche Psychopath bis zu seinem 40. Lebensjahr vier gewalttätige Verbrechen begangen.

Ebenso sind sich Wissenschaftler einig, dass etwa ein Prozent der männlichen Gesamtbevölkerung verhaltensauffällig ist, egal, in welchem Land (bei Frauen ist dieser Anteil geringer). In Deutschland wären demnach mehr als 400 000 Männer betroffen – allerdings gibt es hierzulande "nur" etwa 60 000 Strafgefangene.

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