Forschung, Spenden, Yacht: Wofür Nobelpreisträger ihren Gewinn ausgeben
Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel.
Foto: dpaErnest Hemingway soll zu seiner Frau ins Bett gekrochen sein. „Ich hab das Ding gewonnen“, soll er geflüstert haben. „Welches Ding?“ - „Das schwedische Ding.“ Er sprach vom Literaturnobelpreis - doch so richtig begeistert war er wohl nicht. Kurz soll Hemingway erwogen haben, abzusagen. Bis er überlegte, was er mit dem Preisgeld anfangen kann.
Die Nobelpreise gelten als die wichtigsten Auszeichnungen im jeweiligen Gebiet. Die diesjährigen Gewinner werden ab Montag (2.10.) bekanntgegeben. Die Preise bringen Anerkennung und Aufmerksamkeit. Ein Dinner mit dem schwedischen König. Doch eben auch eine nicht zu unterschätzende Summe Geld. Neun Millionen schwedische Kronen (rund 940 000 Euro) werden in diesem Jahr in jeder der sechs Kategorien (Frieden, Literatur, Wirtschaft, Physik, Chemie und Physiologie oder Medizin) vergeben. Was tun die Laureaten mit dem plötzlichen Geldsegen?
„Die Nobel-Stiftung macht keine Vor- oder Ratschläge, wie das Preisgeld ausgegeben werden sollte“, betont eine Sprecherin. Ob die Preisträger es für ihre Arbeit oder privat nutzen, habe man nicht im Blick. Von vielen ist das trotzdem bekannt - auch wenn sie es erst Jahre später und oft etwas zögerlich verraten.
Auch Porsche designt jetzt Yachten: Das Designstudio der Firma, F.A. Porsche, präsentiert gemeinsam mit dem monegassischen Yachtbauer Dynamiq die neue Avantgarde Superyacht GTT 115. Superyachten haben in den seltensten Fällen ein durchgehendes Designkonzept, sondern sind vom individuellen Geschmack ihrer Auftraggeber abhängig. Eine Marktlücke, die Dynamiq erkannt hat und deshalb das renommierte Studio F. A. Porsche mit der Gestaltung einer extrem leistungsfähigen Yacht für die Atlantiküberquerung beauftragte. Die Hybridyacht feiert ihre Weltprämiere erstmals im Rahmen der Monaco Yacht Show am 27. September. Die Gran Turismo Transatlantic (GTT) 115 Yacht soll die nächste Generation von Yachten für anspruchsvolle Kunden verkörpern.
Foto: WirtschaftsWoche,Die nur 35 Meter lange Yacht GTT 115 bedient sich neuester Technologien. Ihr Hybridsystem mit drei variablen Geschwindigkeitsgeneratoren basiert auf Dynamiqs Überzeugung, nachhaltige Yachten für die Zukunft zu bauen. Trotzdem kann sie, nach Angaben des Herstellers, bei effizientem Kraftstoffverbrauch etwa 3.400 Seemeilen zurücklegen. Das sind Nur besonders schnell ist die GTT 115 noch nicht so richtig: Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 21 Knoten, das sind ungefähr 38 km/h. Dafür bietet sie aber optisch eine hochwertige Verarbeitung und eine Rhodium-Silber-Metallic-Lackierung.
Foto: WirtschaftsWoche,Im Inneren bietet die Yacht hochwertiges Design: Wer an der Super-Hybridyacht interessiert ist, muss jedoch schnell sein. Der Hersteller hat die Anzahl Exemplare auf sieben beschränkt. Das soll die GTT 115 nach Angaben des Herstellers zu einem wahren Sammlerstück machen. Der Verkaufspreis liegt bei 13.950.000 €.
Foto: WirtschaftsWoche,Die Partnerschaft von Bugatti und der monegassischen Yacht-Schmiede Palmer Johnson hat ein neues, luxuriöses Gefährt hervorgebracht: die Niniette 66. Macher der Yacht haben sich – wie dem Pressefoto unschwer zu entnehmen ist – optisch von dem Supersportwagen Bugatti Chiron inspirieren lassen. Im Innenraum der Luxusyacht kommen nur feinste Materialien von Kooperationspartner Bugatti zum Einsatz – Leder, besondere Hölzer oder Bauteile aus Kohlefaser.
Foto: BugattiBis die erste Niniette 66 durch die Weltmeere kreuzt, wird noch etwa ein Jahr vergehen – die ersten Champagnerflaschen sollen im März 2018 bei der Schiffstaufe an dem Leichtbau-Rumpf zerschellen. Mit 44 Knoten, umgerechnet 81 km/h, wird die Yacht aber selbstredend ein gutes Stück langsamer sein als der Partner im Geiste, der über 400 Stundenkilometer schnelle Chiron. Zum Preis der auf 66 Exemplare limitierten Yacht hat Palmer Johnson keine Angaben gemacht. Günstig werden dürfte es aber nicht: Der Materialspender Chiron, in dem deutlich weniger Holz und Leder verbaut ist, kostet mindestens 2,4 Millionen Euro.
Foto: BugattiBereits Ende 2015 stellte Bugatti ein Super-Boot namens Niniette vor, welches unter Vorgaben des Sportwagenherstellers von Yacht-Experten Palmer Johnson gebaut wurde beziehungsweise wird. Denn in diesem Fall kann man für Preise ab zwei Millionen Euro das Carbon-Schiff kaufen. Bei der Formgebung soll die Niniette, so der einstige Kosename der Tochter des Firmengründers Ettore Bugatti, an Klassik-Ikonen wie dem Typ 57 C Atalante erinnern.
Foto: BugattiAuch die Zweifarbigkeit oder die akzentuierte Mittellinie sind Verweise auf historische Vorbilder aus dem Bugatti-Fundus. Ansonsten bietet die Niniette in der 20 Meter langen Version PJ63 einen über 60 Quadratmeter großen Wohnbereich für bis zu vier Gäste sowie eine Crewkabine. Mächtige Motoren sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h erlauben. Potentielle Kunden der Marke Bugatti dürften sich auf der Niniette also wohlfühlen.
Foto: BugattiAutos, Autos, immer nur Autos – wohl so manche glamourös besetzte Kreativ-Abteilung von Autoherstellern dürfte sich ab und an auch nach Abwechslung sehnen. Zumal man die beim Designen von Autos erworbenen Fähigkeiten ja auch auf andere Bereiche anwenden kann. Wie zum Beispiel auf Yachten, denn bei Technik und Ausstattung gibt es da durchaus Parallelen. Und wenn man als Autohersteller dann ein spektakuläres Boot baut, zahlt sich das noch aufs Leistungs- und Luxus-Image der Marke aus. Wohl deshalb haben in jüngster etliche Autobauer schnittige Wasserflitzer auf Kiel gesetzt.
Foto: DaimlerEin eindrucksvolles Schmuckstück hat Aston Martin im Herbst 2016 mit der AM37 zu Wasser gelassen. Hierbei handelt es sich um ein über 11 Meter langes Power-Boot, das die Markenwerte des britischen Sportwagenherstellers in kongenialer Weise verkörpert. Wie bei Aston Martin üblich, spielte Geld dabei eine untergeordnete Rolle. Edle Hölzer, feines Leder und reichlich Aluminium wurden auf der AM37 in großer Menge verbaut.
Foto: Aston MartinSehenswert ist vor allem die doppelt gewölbte Windschutzscheibe, die sich in einem Stück ums Brückendeck biegt. Und Motoren gibt es gleich im Doppelpack: Der Kunde darf zwischen zwei 370 PS starken Diesel- oder zwei 430 PS leistenden Benzin-Aggregaten wählen. Gebaut wird das auch zum Kauf angebotene Schmuckstück von Quintessence Yacht.
Foto: Aston MartinIm April 2016 ist eine Luxus-Motoryacht von Mercedes namens Arrow460-Granturimso zur ersten Jungfernfahrt ist See gestochen. Die gut 14 Meter lange schwimmende S-Klasse setzt auf elegante Form und ein luxuriöses Inneres. Dort werden die maximal 10 Gäste mit Weinkeller und Klimaanlage verwöhnt.
Foto: DaimlerAls Besonderheit hat das Benz-Boot ein Magic-Sky-Dach, also ein Glasdach, welches sich elektrochromatisch abdunkeln lässt. Die zwei Diesel an Bord leisten 960 PS und können die Arrow-Yacht auf mehr 70 km/h beschleunigen. Kaufen kann man das Schmuckstück, wenn man denn in der Lage ist, gut 2,5 Millionen Euro locker zu machen.
Foto: DaimlerNicht als Kaufangebot, dafür aber schon mit 10jähriger Tradition baut der Mercedes-Werkstuner AMG in Kooperation mit der Firma Cigarette spektakuläre Speedboote. Eines aus dem Jahr 2013 war die Cigarette Electric Drive. Das Powerboot hat E-Maschinen aus dem SLS AMG Coupé Electric Drive erhalten. Nicht einen oder zwei, nein, zwölf dieser Motoren mobilisieren insgesamt 2251 PS, was eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erlaubt. Allein die Batterie, die eine Gesamtkapazität von 240 kWh bietet, wiegt 2,2 Tonnen.
Foto: DaimlerIm Februar 2017 haben Cigarette Racing und AMG in Miami ein hingegen knusperleichtes Rennboot im Stil des AMG GT-R vorgestellt. Dank des Einsatzes von reichlich Kohlefaser soll das Boot nur gut 6 Tonnen wiegen. Insofern dürften die abhängig von der Spritqualität bis zu 3100 PS starken Mercury-Motoren leichtes Spiel haben.
Foto: DaimlerEbenfalls eher als Image-Konzept gedacht ist ein von Toyotas Edelmarke Lexus Anfang 2017 vorgestelltes Sportboot, das von Marquis Yachts gebaut wurde. Lexus hat der fast 13 Meter langen Hightech-Yacht eine besondere Designnote verpasst und Wert auf gehobene Ausstattung gelegt.
Foto: WirtschaftsWocheDazu gehören GPS-Navigation, Unterwassersonar, Oberflächenradar, digitale Seekarten, aber auch ein vielseitig nutzbares Entertainmentsystem, edle Ledersitze oder eine Küche – den bis zu acht Passagieren wird ganz sicher nicht langweilig, zumal die zwei V8-Maschinen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h erlauben.
Foto: WirtschaftsWocheBesonders gerne sprechen Preisträger darüber, wenn sie wohltätige Zwecke unterstützen. Das tun tatsächlich viele, besonders die Träger des Friedensnobelpreises. Der letztjährige Gewinner, Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, gab sein Preisgeld an die Opfer des Bürgerkriegs in dem südamerikanischen Land. „Der Friedensnobelpreis gehört den Kolumbianern, vor allem jenen, die im Krieg gelitten haben“, schrieb er auf Twitter.
Die Europäische Union, die den Friedensnobelpreis 2012 bekam, verdoppelte das Preisgeld kurzerhand und half über das UN-Kinderhilfswerk Unicef rund 23 000 Flüchtlingskindern. Barack Obama gab sein Friedensnobelpreis-Geld Organisationen, die unter anderem Kriegsveteranen, arme Studenten und Erdbebenopfer von Haiti unterstützen.
Oft hängt persönliches Schicksal an der Entscheidung. So stiftete der Biochemiker Günter Blobel, der als Kind die Bombardierung Dresdens miterlebte, das Preisgeld seines Medizinnobelpreises 1999 für den Wiederaufbau der Frauenkirche und den Neubau der Dresdner Synagoge.
Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sagte, sie wolle das Schreiben ihrer nächsten Bücher finanzieren. Auch der Physikerin Marie Curie ermöglichte der Nobelpreis weitere Arbeit. Sie gewann später noch einen zweiten Nobelpreis. Anderen dagegen investieren in Immobilien, die Familie - und den eigenen Spaß.
Medizin-Nobelpreisträger Paul Nurse zum Beispiel soll ein schnelles Motorrad gekauft haben, Wirtschaftsnobelpreisträger Franco Modigliani eine größere Yacht. Genau das werde sie bestimmt nicht tun, versicherte Herta Müller nach ihrem Literaturnobelpreis - behielt ihre wahren Pläne aber für sich.
Medizinnobelpreis-Laureat Richard Roberts spendete einen Teil und ließ vom Rest in seinem Garten ein riesiges Feld für das Spiel Croquet anlegen. „Ich wollte schon immer eins und dies schien die einzige Gelegenheit, mir das zu leisten“, sagte er dem Magazin „The Scientist“.
Über die Höhe des Preisgeldes entscheidet die Nobel-Stiftung. Dynamiterfinder Alfred Nobel war am Ende seines Lebens 1896 einer der reichsten Europäer. Heute wäre sein Besitz rund 182 Millionen Euro wert. In seinem Testament legte er fest, dass die Zinsen seines Vermögens an diejenigen verteilt werden sollten, die „der Menschheit den größten Nutzen“ brachten.
Das Preisgeld, das in jeder Kategorie auf maximal drei Personen aufgeteilt werden darf und das man erst nach der Nobelpreis-Vorlesung bekommt, ist damit abhängig von der Zinsentwicklung. Im Jahr 2011 wurde das Preisgeld für das darauffolgende Jahr vorausschauend von 10 auf 8 Millionen Kronen gekürzt. Am Mittwoch gab die Stiftung bekannt, dass in diesem Jahr wieder je eine Million Kronen mehr vergeben werden. „In einer Zeit, in der Wissen und Fakten infrage gestellt werden, sind diese Werte wichtiger denn je“, begründete Stiftungsleiter Carl-Henrik Heldin die Erhöhung.
Vorausschauend kann man auch Nobelpreisträger Albert Einstein und mehr noch seine erste Frau Mileva nennen. In den Scheidungspapieren bekamen sie und die Kinder das gesamte Preisgeld eines Nobelpreises zugesprochen - zwei Jahre bevor der Physiker die Auszeichnung 1921 dann auch tatsächlich gewann. Wofür Hemingway am Ende sein Preisgeld ausgab, ist übrigens nicht genau bekannt.