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Rhetorik: So wehren Sie Schläge unter die Gürtellinie ab

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Mehr Zeit für gut überlegte Argumente

Noch ungünstiger wäre es natürlich, mit breitem Hals auf gleichem Niveau zu kontern: „Reden Sie doch selbst keinen Mist.“ Damit bringen Sie das Publikum erst recht gegen Sie auf.

Es geht besser. Mit dem Gegenteil. Mit „Engelszungen“ nämlich. Packen Sie den Störer in Watte.

Sagt der: „Sie reden echt hirnverbrannten Bullshit“, gehen Sie auf den Störer zu und antworten Sie: „Ok. Und was möchten Sie mir noch mit auf den Weg geben?“

Oder: „Verstehe. Und haben Sie sonst noch ein Anliegen?“

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    In der Regel musste der Zwischenrufer schon genug Mut und Energie aufbringen, um unsachlich dazwischenzufunken. Dezidierte Listen mit Argumenten hat der gar nicht im Kopf. Und wird aller Wahrscheinlichkeit nach peinlich berührt schweigen. Denn natürlich merkt der nun: Sie nehmen ihn gerade ein wenig auf den Arm. Aber dies so charmant, dass Sie die Herzpunkte sammeln. Und alle wissen Bescheid: Wer stört, wird in den Mittelpunkt gerückt und befragt. Das schreckt ab.

    3. Frechheit: Gespräch hemmungslos sabotieren

    Ich hatte das vor einigen Jahren mal als Moderator im Fernsehstudio: Der über den vorab gesendeten Beitrag zu seinem Thema verärgerte Gast antwortete auf meine Fragen absichtlich nicht, sondern äußerte sich zu Dingen, die wir zehn Minuten vorher in einem anderen Themenblock behandelt hatten, die ihn aber eigentlich gar nicht betrafen: „Aber eins will ich noch zu dem anderen Thema sagen...“ Und die Uhr tickte. Die komplette Sabotage. Was tun?

    Wenn Sie vor Publikum auftreten, können absichtliche Störungen verpuffen, wenn Sie sie ignorieren. Das muss aber nicht in jedem Fall heißen, dass Sie so tun, als hätten Sie sie nicht gehört. Ignorieren kann auch heißen, den Störer mit seiner Attacke abblitzen zu lassen.

    Ein Beispiel. Einwurf aus der letzten Reihe: „Hier stinkt's. Haben Sie da vorne einen fahren lassen oder war ich das?“ Ja, auch so etwas ist letztendlich ein rhetorischer Trick: Stören, wie es nur geht.

    Oder anonym aus der Masse getuschelten Beleidigungen wie Lügner, Verräterin, Idiot -  alles inakzeptable Unverschämtheiten. Aber soll es auf diese Weise einfach gelingen, Ihren Auftritt zu ruinieren?

    Lassen Sie die reingerufenen Bemerkungen einen Moment lang wirken. So dass das Publikum Zeit genug hat, sich zu denken: „Auweia, wie reagiert der oder die jetzt wohl auf diese Provokation?“ Und dann antworten Sie gelassen und ohne sich Ärger anmerken zu lassen: „Können wir dann jetzt weitermachen?“

    Eiskalte Schulter. Das ist das souveränste, was ich mir in diesem Fall vor Publikum vorstellen kann.

    So ähnlich habe ich es auch in meinem Fernseh-Interview versucht. Einfach ohne Umschweife zurück zum Thema. Die wertvollen Sekunden waren allerdings trotzdem futsch.

    Übrigens: Ein gutes Gefühl ist es, bei allem Krawall unter der Gürtellinie eines im Hinterkopf zu haben. Nämlich die Option, das Gespräch sofort zu beenden. Abbrechen heißt nicht, dem Anderen Recht zu geben.

    Das musste ich auch erstmal lange lernen. Gut, in einer Fernsehtalkshow mag es zwar sehr theatralisch wirken, als Gast mitten in der Sendung das Studio zu verlassen. Und als Moderator wäre dies höchstens denkbar, wenn der Gast körperliche Gewalt androht. Aber gerade im Gespräch unter vier Augen kann es sinnvoll sein zu sagen: „Wir kommen auf diese Art nicht weiter. Lass es uns beenden.“

    Für mich ist ein toller Mittelweg zwischen Reden um des Redens willen und Abbrechen die 5-Minuten-Regel. Gerade bei hitzigen Diskussionen oder gar handfesten Streits, die sich mittlerweile auf der zwischenmenschlichen Ebene hochgeschraubt haben, lohnt sich der Einwurf: „Lass uns fünf Minuten Pause machen.“ Danach sind persönliche Anfeindungen meist wieder ad acta gelegt und es kann um die Sache gehen. Mein Tipp: Führen Sie die 5-Minuten-Regel als gängiges Stilmittel in Ihrem Unternehmen ein. Und auch in Ihrer Familie. Warum nicht? Diese fünf Minuten sind bestens angelegte Zeit.

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    Mehr zum Thema: Studien zeigen: Wer nie lügt, schadet sich selbst. Machen Lügner etwa schneller Karriere?

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