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  4. Überstunden-Idee der FDP: Es geht nicht immer nur ums Geld!

Überstunden-IdeeEin arbeitsfauler Vorschlag

Mit Steueranreizen für Überstunden will Christian Lindner die Leistungsbereitschaft fördern. Doch die Idee ist zu kurz gedacht – andere Maßnahmen wären wirkungsvoller. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Leonard Frick 09.04.2024 - 14:22 Uhr

Bundesfinanzminister Christian Lindner.

Foto: imago images

9Wo die Wirtschaftskraft in Gefahr ist, eilt Christian Lindner für einen Rettungsversuch herbei. Die Partei des Finanzministers will ein eingestaubtes Motto aufpolieren: „Leistung und Arbeit müssen sich wieder lohnen“, schreibt die FDP in einem aktuellen Positionspapier.

Grundsätzlich ist jeder Vorschlag für mehr Produktivität wichtig. In Zeiten wie diesen, in denen die Wirtschaft stagniert, müssen Politiker Lösungen präsentieren. Derzeit nämlich arbeiten die Deutschen nur 34,7 Stunden die Woche, 2,3 Stunden weniger als der EU-Schnitt. Einzig in Dänemark und den Niederlanden liegt die Zahl der Wochenarbeitsstunden noch niedriger.

Aber: Die „Lust auf die Überstunde“ – wie Christian Lindner seinen Vorschlag für Steuervorteile bei Überstunden nennt – ist nicht durchdacht. Vielleicht hätte die FDP selbst mehr Überstunden bei der Arbeit an ihrem Vorschlag leisten sollen.

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Lindner fragt: „Was stimmt mit unseren Systemen nicht?“ Die Antwort: In Deutschland arbeiteten im vergangenen Jahr bis zu 39,2 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit – deutlich mehr als im Rest der EU (17,1 Prozent). Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht darin einen wesentlichen Grund für die schwächelnde deutsche Wirtschaft und empfahl der Bundesregierung erst vor wenigen Tagen, mehr Frauen eine Vollzeitstelle zu ermöglichen.

Wer mit Steueranreizen zu Überstunden aufruft, demotiviert zugleich all jene, die von Teil- in Vollzeit wechseln wollen. Mehr Leistung in Deutschland heißt also nicht nur „Lust auf die Überstunde“, sondern vor allem Möglichkeit zur Vollzeit. Etwa durch eine verlässliche Kinderbetreuung und weniger Steuern für Zweitverdiener bei verheirateten Paaren, wie auch der IWF der Bundesregierung rät.

Dazu wirkt der FDP-Vorschlag noch an einem weiteren Punkt arbeitsfaul: Angestellte in Deutschland bekommen für ihre Überstunden in einem Großteil der Fälle kein Geld, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausfand. Mit steigender Position im Unternehmen steigt auch die Anzahl unbezahlter Überstunden. Und dort wo Überstunden nicht bezahlt werden, greifen Steuervorteile schlicht ins Leere.

Lesen Sie auch: Hat in Deutschland niemand mehr Lust auf Arbeit?

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