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Gründer Dilemma der Start-ups: Wie lassen sich gute Taten messen?

Hier entstehen Millionenwerte: Das Startup Nebenan.de versucht den sozialen Wert seiner Aktivitäten zu erfassen, wie er etwa durch die Vernetzung von Nachbarschaften (etwa bei Flohmärkten wie hier in Leipzig) geschaffen werden.  Quelle: dpa

Start-ups suchen nach Kennzahlen, um ihren sozialen und ökologischen Nutzen zu belegen. Doch der Weg dorthin ist schwierig – und der Nutzen umstritten.

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Das 2015 gegründete Berliner Start-up Nebenan.de hat sich hohe Ziele gesetzt. Indem sich Nachbarn auf der Online-Plattform vernetzen, will das Unternehmen gegen Isolation und Einsamkeit in Städten vorgehen, die Nachbarschaftshilfe und das Gemeinschaftsgefühl fördern sowie letztlich die Demokratie stärken. 5,7 Millionen Euro, so haben die Berliner nun ausgerechnet, soll der soziale Wert ihrer Arbeit pro Jahr betragen. 

Eine schöne Zahl ist das, die Nebenan.de da im Juni veröffentlichte. Und doch fragen Kunden und Investoren sich unweigerlich: Kann man das überhaupt berechnen? Und wenn ja, welchen Sinn hat eine solche Zahl? Nebenan.de hat mit der Zahl einen 43 Seiten langen Bericht veröffentlicht, der das klären soll. Der soziale Wert in Millionenhöhe setzt sich demnach aus mehreren Schätzwerten zusammen, aus Kategorien wie „soziale Inklusion“ oder „Gesundheit und Wohlbefinden“. Zum Beispiel ermittelt das Start-up näherungsweise die Kosten, die dem Gesundheitssystem dank der Plattform erspart bleiben – etwa weil durch gemeinsamen Sport das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. Um überhaupt von solchen Effekten zu erfahren, befragt Nebenan.de regelmäßig seine insgesamt 1,6 Millionen Nutzer. Eine leitende Mitarbeiterin der 85 Start-up-Beschäftigten ist allein für die Wirkungsmessung zuständig.

Immer mehr Sozialunternehmen

Damit sind die Berliner Netzwerker vielen Start-ups voraus. Zwar gibt es immer mehr junge Sozialunternehmen mit Fokus auf Gesellschafts- oder Umweltprobleme. Aber die wenigsten blicken bei der Wirkung ihrer Angebote und Dienstleistungen bis ins Detail durch.

Das dürfte sich bald ändern. Denn Kunden, Geschäftspartner, Politik und Aufsichtsbehörden sowie Investoren fordern Transparenz von den jungen Aufsteigern: Welches Produkt trägt wirklich dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren statt anderswo neue zu erzeugen? Machen Spenden pro verkauftem Produkt einen Unterschied oder fördern solche Werbebotschaften letztlich nur den Konsum?


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Statt Annahmen sind Daten und Fakten verlangt, wie Investorin Angela Lawaldt beobachtet: „Die Nachfrage nach Impact-Zahlen kommt direkt von den Kunden“, so die Partnerin beim Münchener Risikokapitalgeber Bonventure. „Es wird für Start-ups zunehmend zum Wettbewerbsvorteil, einen sozialen oder ökologischen Effekt zu haben – durch ihre Produkte und Dienstleistungen selbst – und das auch quantitativ ausdrücken zu können.“ Dass neue Kennzahlen gefragt sind, beobachtet auch Jannic Horne, der am Borderstep Institut zur Wirkungsmessung von Start-ups forscht und an der TU Berlin zu dem Thema promoviert hat. „Bei Gründern und Kapitalgebern gibt es große Wünsche, die Wirkung der Lösungen und Angebote sehr akkurat zu messen – unter anderem, weil der gesellschaftliche Rechtfertigungsdruck steigt“, so Horne. Das zeigten neue Organisationen wie Leaders for Climate Action. Dahinter stecken Gründer und Risikokapitalgeber, die den Klimaschutz mit Nachhaltigkeitsklauseln in Finanzierungsverträgen verankern wollen.

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