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Thomas Hofmann „Fort- und Weiterbildung soll konstante Erlöse bringen“

Prof. Dr. Thomas Hofmann, designierter Präsident der Technischen Universität München. Quelle: Andreas Heddergott, TUM

Thomas Hofmann, designierter Präsident der Technischen Universität München, der Gewinner-Uni des WiWo-Hochschul-Rankings, über seine Agenda, Millionenspenden von Facebook und neue Erlösquellen für seine Uni.

Herr Professor Hofmann, im September übernehmen Sie als Präsident Deutschlands bekannteste technische Hochschule, die TU München. Ihr Vorgänger hat viele Reformen angeschoben. Ist das Haus bestellt?
Unglaubliches ist in den vergangenen Jahren erreicht worden. Aber wenn ich der Meinung wäre, dass all unsere Hausaufgaben gemacht wären, liefe etwas falsch. Denn die Welt dreht sich schneller als je zuvor und trägt neue Aufgaben an uns heran. Was Sie heute an der Universität lernen, hat eine Halbwertszeit von nur noch etwa 20 Jahren. Dieser Wert wird sich im nächsten Jahrzehnt auf etwa vier Jahre reduzieren. Wie stellen wir uns also auf? Indem wir unseren Studierenden und Alumni als lebenslanger Fortbildungspartner zur Seite stehen und ihnen helfen, ihre Kompetenzen stets aufzufrischen. Denn nur so bleiben sie in sich rasch wandelnden Berufsmärkten ein Leben lang wettbewerbsfähig.

Also Studium ohne Ende?
Wir müssen proaktiv unterstützen, was schon immer klar war: nämlich dass beruflicher Erfolg mit stetiger Fort- und Weiterbildung verbunden ist. Ich sehe unsere künftigen Studierenden nicht als reine Absolventen. Sondern als Partner auf Lebenszeit! Nur dann nehmen wir als moderne Universität unser Mandat ernst, der Gesellschaft zu dienen. Studierende werden künftig immer wieder an ihre Alma Mater zurückkehren, sich in Online- und Präsenzformaten in ihren Führungsqualitäten, aber auch technologisch fortbilden lassen. Dann kehren sie mit frischem Wissen zurück in ihre Unternehmen oder in andere Arbeitsfelder. Damit helfen wir, die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu sichern.

Klingt noch nicht wie ein Geschäftsmodell.
Natürlich finanzieren die Unternehmen die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Das soll der TUM konstante Erlöse ermöglichen. Heute liegen diese Fort- und Weiterbildungsangebote überwiegend in der Hand von Privatunternehmern. Viel zu wenig sind Universitäten mit hochkarätigen Angeboten sichtbar. Universitäten sind gut beraten, dieses Feld gerade in Zeiten demographischen Wandels professionell zu bespielen. Dies gilt für den Bereich der Executive Education von Fachexperten und Führungskräften der Wirtschaft wie auch für die Fortbildung in sich neu entwickelnden technischen Bereichen („Emerging Technologies“). Mit attraktiven Angeboten wollen wir unsere Alumni aus der ganzen Welt erreichen.

Dann wären Unternehmen Ihre Kunden, die TUM abhängig von der Wirtschaft. Wie ist das mit dem Bild der freien Forschung vereinbar?
Wir haben schon heute für die Zusammenarbeit mit Unternehmen klare Verhaltensregeln und TUM-weite Standards, etwa bei Drittmitteln. Wer keine Achtung vor sich selbst hat, der braucht sich nicht zu wundern, dass er nicht ernst genommen wird. Werden unsere Standards nicht eingehalten, so kommt es eben vor, dass diese Drittmittelprojekte nicht zum Abschluss kommen. Auch haben wir schon Stiftungsprofessuren abgelehnt, zum Beispiel wenn damit eine konkrete Gegenleistung durch die Universität verbunden war. Wir verschenken auch kein Wissen und keine Patentrechte mehr. Das ist in Vertragsverhandlungen nicht immer leicht durchzusetzen. Aber dafür werden wir ernst genommen und respektiert; auf Augenhöhe eben, wie in einer echten Partnerschaft, und nicht als verlängerte Werkbank der Wirtschaft abgehandelt.

Auch von Facebook? Kaum vorstellbar, dass Sheryl Sandberg nichts für ihre 6,5-Millionen-Euro-Spende für ein Institut zur Künstlichen Intelligenz erwartet.
Facebook hat die Spende nicht ohne Grund abgegeben. Sie haben sich verschiedene Universitäten angesehen, wollten das Projekt aber letztlich gerne in Deutschland verwirklichen, da ethische Aspekte der Künstlichen Intelligenz in unserem Land schon lange ernster diskutiert werden als anderswo. Und letztlich hat das Munich Center for Technology in Society (MCTS), welches wir im Rahmen der Exzellenzinitiative 2012 eingerichtet haben, den Ausschlag gegeben. Den weiteren Ausbau des MCTS zum Schwerpunkt Ethik in der Künstlichen Intelligenz wollte Facebook mit einer Schenkung, sprich Zahlung ohne Gegenleistung, unterstützen. Aber natürlich ist es in Zeiten raschen technologischen Wandels im Sinne aller und auch unserer Gesellschaft, dass das MCTS zu diesem Thema auf Augenhöhe mit anderen Spitzenstandorten wie zum Beispiel Oxford kooperieren will.

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