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Karrierefaktor Aussehen „Es gibt kein zu schön!“

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Schöne Frauen haben es in Männerberufen schwerer

„Rot geschminkte Lippen, viel Make-up und ein schönes Dekolleté sind etwa typisch weibliche Attribute, die für Attraktivität stehen. Das kann aber dazu führen, dass eine solche Frau als weniger kompetent eingeschätzt wird“, sagt Gründl. Nämlich in Jobs, die eher männlich konnotiert sind. In den Köpfen tragen Maschinenbauer keine Pumps und Ingenieure keinen knalligen Lippenstift.

Im Englischen gibt es eine Redewendung, die das Phänomen auf den Punkt bringt: „think manager, think male“.

Die Schlussfolgerung: In Berufen, in denen typisch männliche Eigenschaften gefragt sind, können weibliche Attribute zum Nachteil werden. „Attraktive Frauen sind gemeinhin weiblicher und das löst geschlechtsspezifische Stereotypen aus“, erklärt es Soziologe Rosar. „Wenn eine Frau, die hochattraktiv ist, in einem Unternehmen ins Topmanagement vorstoßen wird, hat sie häufig damit zu kämpfen, dass ihr Eigenschaften wie Härte, Durchsetzungsvermögen oder Durchhaltewille weniger zugeschrieben werden, weil es eher männlich konnotierte Eigenschaften sind.“

Zu diesem Ergebnis kam auch die US-Ökonomin Stefanie Johnson. Sie untersuchte vor ein paar Jahren an der UC Denver Business School konkret die Chancen attraktiver Frauen in Männerberufen, für die Aussehen grundsätzlich irrelevant erscheint. Anhand der Bewerbungsfotos der Frauen ließ sie Probanden bewerten, wie attraktiv die Frauen seien und für wie geeignet sie die Frauen für konkrete Jobs hielten. Das Ergebnis: Je attraktiver die Frauen, für umso weniger geeignet bewerteten sie die Befragten – insbesondere für Berufe wie „Leiter der Forschungsabteilung“, Bauaufsicht und Finanzdirektor(in).

Umgekehrt gebe es dieses Problem aber genauso für hochattraktive Männer, macht Rosar deutlich. So hätten diese beispielsweise in eher weiblich konnotierten Berufen Probleme, als kompetent wahrgenommen zu werden – beispielsweise Kindergärtner. „Denen wird gemeinhin dann beispielsweise weniger Einfühlungsvermögen zugeschrieben“, sagt der Soziologe.

Frauen verbergen ihre Weiblichkeit unbewusst

In seinen eigenen Studien konnte der Attraktivitätsforscher diesen Effekt allerdings nur ein einziges Mal nachweisen – und zwar in der Leistungsevaluation von Hochschuldozentinnen durch Studierende. „Die positive Bewertung stieg dort in Korrelation mit der Attraktivität zunächst an und fiel ab einem mittleren Attraktivitätsgrad dann wieder ab. Sprich, besonders unattraktive und hochattraktive Frauen wurden gleichermaßen benachteiligt.“

Vielen Frauen ist diese Wirkung dabei durchaus klar – zumindest unbewusst: „Viele Frauen nehmen ihre Weiblichkeit bewusst oder unbewusst zurück, um diese Wirkung zu konterkarieren“, sagt Rosar.

Weniger oder keine Schminke, das klassische Business-Outfit, flache Schuhe, wenig Schmuck und zurückgebundene Haare gehören in diesen Fällen häufig zum Erscheinungsbild solcher Frauen. „Das ist quasi eine Maskulinisierung. Sie verschleiern ihre Weiblichkeit und damit ihre weibliche Attraktivität“, beschreibt es der Soziologe.

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