Feiertag streichen?: „Die, die gerne anpacken, werden durch sowas abgeschreckt“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Debatte ausgelöst: Die Deutschen sollten mehr und effizienter arbeiten, findet er. Dass im Feiertagsmonat Mai sogleich eine Debatte über die Streichung von Feiertagen losbricht, war zu erwarten. In Bayern genießen Arbeitnehmer so viele gesetzliche Feiertage wie in keinem anderen Bundesland.
Ein Anruf beim Münchner Unternehmer Sebastian von Bomhard. Er ist Gründer und Vorstand der SpaceNet AG, die ihr Geld mit Produkten rund um die Themen IT-Sicherheit, Cloud-Lösungen und Rechenzentren verdient. 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen.
WirtschaftsWoche: Herr von Bomhard, Bundeskanzler Merz möchte, dass die Deutschen „wieder mehr und effizienter arbeiten“. Stimmen Sie zu?
Sebastian von Bomhard: Leistungsträger reagieren auf solche Aussagen sauer: Sie sammeln Überstunden, haben Schwierigkeiten, ihren Urlaub zu nehmen. Diejenigen, die gerne anpacken und viel arbeiten, werden durch so etwas abgeschreckt. Sollte Herr Merz auch gemeint haben, dass jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll und dass wir weniger mit Bürgergeld um uns werfen sollten – dann bin ich bei ihm.
Die Debatte beschäftigt sich mittlerweile mit der Abschaffung von Feiertagen, wie etwa Christi Himmelfahrt. Was halten Sie davon?
Das ist blühender Blödsinn. Mit dem Streichen von Feiertagen passiert nichts. Solch ein Denken kommt aus einer Zeit, in der man nur an Menschen am Fließband gedacht hat. Aber die moderne Arbeitswelt ist anders: Sie besteht auch aus Menschen, die flexibel arbeiten wollen. Unsere Mitarbeiter arbeiten 40 Stunden in der Woche, die sie sich frei einteilen können. Menschen, die auch am Wochenende oder am Feiertag erreichbar sind, fühlen sich zu Recht veräppelt, wenn sie so etwas hören.
Können Sie der Debatte gar nichts Positives abgewinnen?
Die Debatte sollte doch in eine ganz andere Richtung gehen: Wir wollten uns überlegen, wie wir effizienter arbeiten könnten. Die Arbeitslandschaft verändert sich stark: Robotik und Künstliche Intelligenz breiten sich stark aus. Unsere Gesellschaft tendiert dazu, diesen Effizienzgewinn immer wieder gleich in das Erfüllen von Regularien zu stecken.
In diese Richtung würde ja die Höchstarbeitszeit gehen, die die CDU vorschlägt. Diese soll nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche festgelegt werden.
Das finde ich schlüssig. Wenn man nach acht Stunden noch ein Projekt durchziehen möchte, sollte man nicht zwangsweise den Stift fallen lassen müssen, um weiterzuarbeiten. Es gibt Mitarbeiter, die bei uns ausstempeln, um uns nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Und dann trotzdem freiwillig weiterarbeiten.
Vielen Unternehmen fehlen schlicht die Arbeitskräfte, die die Arbeitsstunden verrichten. Ihnen auch?
Ja, auch wir spüren den Fachkräftemangel. Allerdings sind die Zeiten jetzt gerade dabei, wirtschaftlich schlechter zu werden, merke ich. Und dann kommen wir doch an Leute, die mit hohem Potenzial ausgestattet sind. Die bekommen wir aber nicht mit Geld. Sondern mit einer guten Betriebskultur und einer Vision: Jetzt gerade kommt das Thema KI sehr gut bei jungen Leuten an. Mit dem Thema Security erreichen wir gut mittelalten Kandidaten. Auch das Thema Cloud finden die Leute cool.
Und welche Coolness hat die Work Life Balance?
Die jüngste Generation ist damit aufgewachsen, dass wir darauf achten sollen. Es hängt stark von den Mitarbeitern ab, aber es gibt sie noch wie früher, die High Potentials. Die auch mal eine ganze Nacht durcharbeiten, weil sie ihren Job gut erledigen wollen. Bei jungen Familienvätern und Müttern merke ich, dass sie ihren Beruf und ihr Familienleben in Balance halten müssen. Teilzeitstellen sind bei uns ganz normal.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat kritisiert, dass die Deutschen es mit der Work-Life-Balance übertreiben. Wie sehen Sie das?
Das ist Populismus. Er denkt, dass er die Menschen mit solch einfachen Aussagen überzeugen kann. Das Gegenteil ist aber der Fall: Viele werden sich gar nicht angesprochen fühlen.
Und wie halten Sie es mit Ihrer persönlichen Work-Life-Balance?
Ich verfolge das Prinzip der Life-Life-Balance – aber nicht so, wie Herr Linnemann gemeint hat. Ich mache immer das, was mir Spaß macht, arbeite viel – und kriege dafür auch noch Geld.