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Umgang mit AfDHört auf zu mahnen, redet mit den Beschäftigten über die AfD

Belehrende Worte von Unternehmenschefs und Kampagnen gegen Rassismus mögen gut gemeint sein. So wird das dennoch nichts mit dem Kampf der Wirtschaft für demokratische Werte und gegen die AfD. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 22.05.2024 - 15:03 Uhr

Tino Chrupalla, Bundessprecher der AfD, auf einer AfD-Kundgebung in Magdeburg.

Foto: Heiko Rebsch/dpa

Marine Le Pens Rassemblement National (früher Front National) bricht mit der AfD, und auch andere rechtsnationale Parteien in Europa gehen zunehmend auf Distanz zur Alternative, weil die ihnen mittlerweile zu radikal ist. Zugleich fordern mit Siemens-Chef Roland Bosch und Mercedes-Chef Ola Källenius nun zwei Dax-Vorstände ihre Beschäftigten auf, bei Wahlen gegen Extremismus zu stimmen. Schon vor einer Weile hatte sich Schraubenunternehmer Reinhold Würth in einem mahnenden Schreiben an seine Mitarbeiter gewendet, um sie von einer Stimme für die AfD abzubringen.

Solch mahnende Worte von oben herab sind allerdings kaum der richtige Weg. Sie können am Ende gar kontraproduktiv sein. Welcher Mitarbeiter lässt sich vom Chef gern vorschreiben, was er außerhalb seines Jobs wählen darf? „Jetzt erst recht“, ist da schnell die Konsequenz.

Stattdessen können die Chefs kleiner und großer Unternehmen in einen Dialog mit ihren Mitarbeitern eintreten – über die politischen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit, von Zuwanderung, über das Verhältnis zu Russland bis zur Klimapolitik.

Erstmal die Fakten

Geschäftsrisiko Rechtsruck

Wirtschaftsverbände und Manager kritisieren das AfD-Programm, Unternehmer Reinhold Würth warnt vor den Folgen einer AfD-Politik. Mit einer so klaren Haltung können Firmen punkten – zumindest in Teilen Deutschlands.

von Sonja Álvarez

In Deutschland gibt es zwar sogenannte Tendenzunternehmen – Zeitungsverlage und Kirchen zählen beispielsweise dazu – in denen eine bestimmte politische oder religiöse Orientierung darüber entscheiden kann, ob man einen Job ausüben darf oder nicht. Das soll ihnen ermöglichen, eine politische oder religiöse Ausrichtung zu bewahren. Doch sind eben die allermeisten Unternehmen in Deutschland aus gutem Grund keine Tendenzunternehmen und unterliegen damit auch nicht dieser Ausnahmeregelung. Politische Orientierung darf in diesen Firmen nicht über das Vorankommen im Job entscheiden.

Zugang zu sachlicher Information bieten

In einem freiheitlich-demokratischen Land sollte das genau so bleiben. Wir wollen hier schließlich keine Verhältnisse wie in der DDR, wo die richtige politische Gesinnung unbedingte Voraussetzung für eine Karriere in einem Betrieb war. Ähnlich ist das heute in Diktaturen wie China und Russland.

Das heißt aber nicht, dass die Chefs wirtschaftlich orientierter Unternehmen dem Aufstieg der AfD und anderer demokratiegefährdender Parteien tatenlos zusehen müssen. Sie können das Gespräch mit ihren Mitarbeitern suchen und ihnen damit Zugang zu sachlicher Information ermöglichen. Viele dieser Menschen konsumieren kaum noch klassische Nachrichten. Sie beziehen ihre Informationen meist aus windigen YouTube-Kanälen, aus Telegram-Channels, aus sozialen Netzwerken – die dort mit dem nötigen Spin versehen werden, um die Bevölkerung zu noch extremeren Meinungen zu treiben. Diese Quellen genügen in den allermeisten Fällen nicht den grundlegendsten journalistischen Qualitätsstandards – verbreiten mitunter Propaganda ausländischer Regime, ohne sie einzuordnen.

Dieses so entstehende Defizit an Fakten, Argumenten, wissenschaftlich fundierten Informationen, die eine objektive Meinungsbildung ermöglichen, können Unternehmen ausgleichen. Besonders gilt das in manchen ländlichen Regionen Ostdeutschlands, in denen die blaue Partei besonders stark ist. Hier bewegen sich die Beschäftigten mittlerweile nicht mehr nur in einer digitalen Echokammer, die ihre extreme Meinung immer und immer wieder wiederholt, bis sie diese als einzige Wahrheit ansehen. Diese Echokammern sind inzwischen auch im echten Leben angekommen, wenn keiner mehr im Umfeld eine andere Meinung vertritt oder zu vertreten wagt.

Mit Kampagnen oder Betriebsversammlungen, wie sie Mercedes-Chef Ola Källenius im Gespräch mit der FAZ beschreibt, wird das aber kaum funktionieren. Dazu müssen die Chefs tiefer in den Maschinenraum ihrer Unternehmen steigen, den Menschen auf Augenhöhe begegnen, wenn es ihnen wirklich Ernst ist. Die sachliche Diskussion wirkt. Sie wird manchen dazu bringen, seine Ansichten zu überdenken, ihn vielleicht sogar überzeugen. Eine Garantie gibt es nicht.

Ja, das wird die Unternehmen und ihre Chefs jede Menge Mühe, Zeit und wahrscheinlich auch Geld kosten. Aber wenn sie etwas zum Erhalt unserer Demokratie beitragen wollen, geht das nur im Dialog. Mit Respekt und von Mensch zu Mensch.

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