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Corona-Impfungen Wie überzeugt man Mitarbeiter von der Spritze?

Wenn mehr Impfstoff zur Verfügung steht, hoffen auch Unternehmen auf mehr Normalität – und versuchen deshalb, ihre Belegschaft vom Segen des Pieks zu überzeugen. Quelle: dpa

Je mehr Mitarbeiter gegen Corona geimpft sind, desto eher können Unternehmen zurück zum Alltag. Deshalb überlegen Firmen derzeit, wie sie ihre Belegschaft von dem Segen der Spritze überzeugen. Doch wirken solche Anreize wirklich?

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Den Reiz einer frisch frittierten Portion Pommes darf man grundsätzlich nicht unterschätzen. Am St. Franziskus Hospital in Münster könnte sie sogar Leben gerettet haben. Um die dortigen Mitarbeiter dazu zu bewegen, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, bekam jede und jeder Geimpfte 2019 einen Gutschein für eine Portion Pommes in der Cafeteria. Teams, die es auf eine Impfquote von 100 Prozent schafften, erhielten zusätzlich einen Gutschein für ein gemeinsames Frühstück.

Das Robert-Koch-Institut berichtete daraufhin, dass sich die Impfquote in diesem Krankenhaus verdoppelt hatte, in der Ärzteschaft habe sie nach der Aktion bei über 90 Prozent gelegen.

Nicht jeder mag sich von in Fett gebackenen Kartoffeln von einer Impfung überzeugen lassen – aber Ideen wie die aus Münster sind heute auch in anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft gefragt. Während die Impfungen gegen das Coronavirus derzeit eher schleppend anlaufen, fragen sich Unternehmer nicht nur, wann ihre Belegschaft immunisiert sein wird – sondern auch, wie sie es schaffen, ihre Mitarbeiter zum rettenden Pieks zu bewegen.

Empfehlen, aber nicht anordnen

Bei einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sie sich impfen lassen wollen. So sehr sich manch ein Unternehmer wohl wünschen mag, dass die Bereitschaft etwas höher liegt – eine Impfpflicht lehnen Arbeitgeber ab. In einer aktuellen Umfrage unter Entscheidungsträgern des Magazins „Markt und Mittelstand" gaben 69 Prozent an, ihren Leuten zwar einen Impfschutz zu empfehlen, diesen aber nicht kontrollieren zu wollen. 

Nadja Hartmann beschreibt die aktuelle Ausgangslage so: „Der Arbeitgeber hat ein großes Interesse daran, dass sich viele Arbeitnehmer impfen lassen, um die Gesundheit zu erhalten und den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt die Arbeitsrechtsexpertin bei der Kanzlei Rittershaus, „Das Interesse des Arbeitgebers kollidiert aber insbesondere mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers und dem Recht des Arbeitnehmers auf körperliche Unversehrtheit.“ Gerade in der Pandemie wäre es wünschenswert, dass Arbeitnehmer sich freiwillig impfen lassen und auch freiwillig ihren Impfschutz offenlegen, so Hartmann. 

200 Dollar für den Pieks

Sollten bald genügend Impfdosen zur Verfügung stehen, könnten Anreize und Prämien eine Lösung sein, die die Arbeitnehmer zu nichts zwingen, aber ihnen eine Impfung attraktiver machen. Das beobachtet auch Inka Müller-Seubert. „Es kamen durchaus Mandanten auf uns zu, die fragten, was sie tun können, um die Impfbereitschaft ihrer Mitarbeiter zu erhöhen“, sagt die Arbeitsrechtsexpertin bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle.

Ein Beispiel haben die Supermarktketten Aldi und Lidl gerade in den USA gegeben: Lidl will Mitarbeitern, die sich impfen lassen, eine Prämie von 200 Dollar auszahlen. Auch die Aldi-Nord-Tochter Trader Joe’s hat ähnliche Prämien angekündigt. Die zu Aldi Süd gehörenden Märkte zahlen keinen Pauschalbetrag, sondern zwei Stundenlöhne pro Impfung und sie übernehmen die anfallenden Kosten.

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