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  4. Putin, Trump & Co: Wie Europa Demokratie-Feinden trotzen kann

Lotters WiderworteSich doof zu stellen, schafft keine Freiheit

Man kann Trump verabscheuen. Aber dann gilt es erst recht, endlich loszulegen. Denn die USA haben gelernt, was Europa vergaß: Dass Passivität die schlechteste Option ist. Eine Kolumne.Wolf Lotter 10.03.2025 - 10:51 Uhr

Wladimir Putin, Donald Trump und Xi Jinping beim APEC-Gipfel in Vietnam im Jahr 2017.

Foto: imago images

Irgendwie scheint nun wirklich auch den letzten Ignoranten klar zu sein, dass Europa keine Freunde hat, außer sich selbst. Für viele kommt das immer noch überraschend, weil sie sich im Wohlstand, der meistens von den vorangegangenen Generationen geschaffen wurde, in einem kuscheligen Café wähnten, in dem man rund um die Uhr frühstücken kann. Und auf einmal heißt es dann: Frühstück bis halb acht. Höchstens.

Der Wecker hat schon mehr als einmal geklingelt.

Das fordert – und es fördert vielleicht die Idee, dass man selbst anpackt, was zu tun ist. Und nicht darauf wartet, dass der Staat oder eine – ehemals – befreundete Macht alles so einrichtet, dass man sich um nichts mehr kümmern muss.

Doof stellen schafft keine Freizeit und erst recht keine Freiheit, da müssen sich einige nun umgewöhnen. Und nicht nur die Leute, die es für ihr gutes Recht halten, dreimal im Jahr zu günstigen Preisen Mallorca, Antalya oder andere All-You-Can-Eat-Strände zu besuchen.

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Die Technologiebranche etwa. Europa hat, vor lauter Förderung längst untergegangener Industrien, keine Lust gezeigt, sich ernsthaft und vor allem unternehmerisch mit neuen Technologien zu beschäftigen. Unternehmerisch heißt: Mit eigenem Geld und Antrieb, mit einer Kultur, die nicht nur schützt, was da ist, sondern neugierig fragt, was besser ist.

Konkret heißt das auch: Nicht darauf zu warten, dass der Staat Förderprogramme auflegt oder schöne Fonds – siehe Künstliche Intelligenz oder Abwrackprämie – sondern selbst nicht nur den ersten, nein, auch den zweiten und dritten Schritt zu machen.

Die Digitalisierung in Europa scheiterte ab den 1960er-Jahren an gewaltigen staatlichen Programmen, bei denen Innovationen anderer Leute verwaltet wurden, selbst aber wenig geleistet wurde. Biotechnologie? Teufelswerk. Neue Energien? Nur wenn sie keine Umstände machen. Förderung von Wissen? Nur wenn es um mehr Verschulung geht. Innovationsfähigkeit? Ja, aber bitte nicht stören. Denn es geht ja auch so? Das hat nie gestimmt.

Deshalb zogen exzellente Informatiker, Entwickler, Biotechnologen, Innovatoren und Unternehmer (m/w/d) aus dem Land. Vieles vom Fachkräftemangel der Experten in Digitalisierung, Biotech und Energie ist selbstverschuldet. Ignorant gegenüber der Wissensarbeit und bräsig im Gefühl, dass in der schönen Angestelltenwelt schon nichts geschehen würde, was nicht von den professionellen Kümmerern aus Politik und Management gedeckt wird, haben wir Talente so lange schlecht behandelt, bis sie gingen – und das Mittelmaß zufrieden grunzend sitzenbleiben konnte.

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Jetzt stört keiner mehr ihre Kreise, außer sie selbst, versteht sich. Und das, so wissen wir, genügt nicht.

Was wir nicht brauchen: Das Gerede von Subventionen, Stütze, Planungssicherheit und Garantien. Was wir nicht brauchen: Eine Politik, die das ständig fordert und fördert.

Was wir brauchen: Getriebene, die sich nicht hertreiben lassen, sondern sich selbst antreiben. Und ein Umfeld, in dem sich diese Menschen bewegen können: Sicherheit dabei, etwas wagen zu können. Das ist kein Paradox.

Man kann übrigens sowohl Donald Trump als auch Elon Musk – und viele aus dieser Reihe mehr – zu Recht verabscheuen. Aber dann gilt es erst recht, endlich in die Schuhe zu kommen: Denn die USA haben gelernt, was Europa vergaß: Dass Passivität, das sich Hertreiben lassen und Mitlaufen, die schlechteste Option ist.

Das gilt nicht nur beim Selbstbewusstsein gegenüber den Feinden der Demokratie und Freiheit. Sondern auch für das dazugehörige tragfähige Fundament: Besser sein in allen Feldern. Alles andere ist nicht mehr akzeptabel.

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