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Wissenschaftsformate feiern ErfolgeDas Denken wird zum lukrativen Geschäft

Die Ökonomen wollen die Welt nur vollends erklären, aber es kommt darauf an, sie annähernd zu verstehen. Die Philosophie ist wieder gut im Geschäft – auf der Phil. Cologne stellt sie sich mitten ins Leben.Christopher Schwarz, Dieter Schnaas 27.06.2013 - 12:00 Uhr

Mit "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" hat Richard David Precht die Philosophie wieder salonfähig gemacht. Bücher und Zeitungen über Philosophie werden immer beliebter

Foto: dpa

Was Sokrates wohl dazu gesagt hätte? Dass beim Philosophie-Slam "Schlag den Platon" 15 junge Denker unter Anleitung von DJ Donnergong in Fünf-Minuten-Auftritten um die Wette philosophieren? Und dass bei der Neuauflage des "Gastmahls" die Freunde des Eros zu einem guten Glas Wein über Liebe und Lust in Zeiten des Speed-Dating debattieren? Wahrscheinlich hätte er gelächelt, der Altmeister der Philosophie, ironisch, wie es seine Art war – ein Mann, für den Philosophie eine Lebensform war, ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Ja, ihm, Sokrates, hätte das Motto sicher gefallen: "Die Suche hat begonnen…"

Denn die Suche startet gut sokratisch nicht im Elfenbeinturm des Oberseminars, sondern da, wo sie mit Sokrates ihren Anfang genommen hat: auf dem Marktplatz, im Getümmel der Meinungen, auf dem Weg des kritischen Dialogs, der durch Frage und Antwort zur Erkenntnis vorzudringen versucht. Phil. Cologne heißt das "Fest des Denkens", das vom 26. bis 30. Juni in Köln Premiere hat. Die "Schwester" des erfolgreichen Kölner Literaturfestivals Lit. Cologne macht die Probe auf die Publikumswirksamkeit von Philosophie. Mehr als 40 Veranstaltungen, in Kölner Theatern, Clubs und Rundfunkhäusern, laden die "Freunde der Weisheit" zum öffentlichen Nachdenken ein.

Wissenschaftsformate haben großen Erfolg

Philosophie als Lifestyle mit Eventcharakter? "Wenn es neuerdings zum Lebensstil gehört, sich fürs Denken zu begeistern, dann bitte gern", sagt Rainer Osnowski, einer der Geschäftsführer der Phil. Cologne. Er rechnet fest damit, dass das Festival durch die "Relevanz seiner Themen", durch den "Enthusiasmus des Publikums" zu einer Erfolgsgeschichte wird. Was ihn so optimistisch stimmt? Der Erfolg von Wissenschaftsformaten in Funk und Fernsehen, die Nachfrage nach frischer Gedankenware von philosophischen Bestsellerautoren. Die Philosophie ist "in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagt Osnowski – und die Phil. Cologne will ihr ein Forum bieten.

Tatsächlich ist Philosophie in Deutschland nicht nur in Mode, sondern auch ein glänzendes Geschäft. Der Chef des inoffiziellen Amtes für populärphilosophische Orientierungshilfe, Richard David Precht, hat sein Buch "Wer bin ich und wenn ja, wie viele" mehr als eine Million Mal verkauft. Zusammen mit zwei weiteren Büchern über die "Liebe" und die "Kunst, kein Egoist zu sein" verspricht das Werk auch als 15-stündiges Audiobook das nötige Rüstzeug der Philosophie zu vermitteln. Wilhelm Schmid schreibt ein Erfolgsbuch nach dem nächsten über die Kunst, "dem Leben einen Sinn" zu geben und "mit sich selbst befreundet" zu sein.

Philosophie im Kiosk

Philosophische Grenzgänger wie Byung-Chul Han, Joseph Vogl und Robert Pfaller bescheren ihren Verlagen mit sprechenden Titeln über die "Müdigkeitsgesellschaft", "Das Gespenst des Kapitals" und "Wofür es sich zu leben lohnt" Überraschungserfolge. An den Kiosken liegen seit einem Jahr zwei Monatshefte aus ("Hohe Luft" und "Philosophie Magazin"), die die "großen und kleinen Fragen des Lebens" beantworten: "Macht Arbeit glücklich?" zum Beispiel oder: "Liegt das gute Leben auf dem Land?" Und selbst ein hochseriöser Fachverlag wie Wilhelm Fink steigt mit gezeichneten Heidegger- und Nietzsche-Einführungen in den Sachcomic-Markt ein, auf dem so wortarm, niedrigschwellig und erfolgreich zugleich auf 160 Seiten der "Marxismus", "Keynes" und "Ethik" abgehandelt werden.

Si tacuisses, philosophus mansisses

Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben.

Mit diesem Sinnspruch können Sie Gesprächspartner richtig schön bloßstellen. Es ist eine Abwandlung eines Dialogs von Boethius (im Bild) in dessen „Trost der Philosophie“: „Intellegis me esse philosophum?“ („Erkennst du nun, dass ich ein Philosoph bin?“) - „Intellexeram, si tacuisses.“ ( „Ich hätte es erkannt, wenn du geschwiegen hättest.“)

Foto: dpa

Si vis pacem, para bellum

Wenn du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor.

Der Gedanke hinter dieser Maxime der Abschreckungspolitik findet sich schon bei Platon. In der Moderne entstand aus dem Spruch der Name der legendären Militärpistole Luger „Parabellum“, mit der deutsche Soldaten in zwei Weltkriege zogen.

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Hic Rhodus, hic salta!

Hier ist Rhodos, hier springe! bedeutet: Zeig hier, was du kannst.

Die passende Antwort auf jede Angeberei. Die Worte stammen ursprünglich aus der Fabel "Der Fünfkämpfer als Prahlhans“ von Äsop und galten einem Athleten, der auf herausragende Leistungen beim Weitsprung auf der Insel Rhodos (im Bild) hingewiesen hatte.

Foto: GNU

Non scholae sed vitae discimus

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir.

Das ursprüngliche Zitat des Dichters Seneca lautet umgekehrt: Non vitae sed scholae discimus. Es war eine Kritik an den römischen Philosophenschulen seiner Zeit.

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Delirant isti Romani –

Die spinnen, diese Römer

Die jüngste Redewendung dieser Reihe stammt von keinem Römer, sondern von dem Gallier Obelix, beziehungsweise seinem Schöpfer, dem Comic-Autoren René Goscinny. Das Praktische daran: Man kann je nach Bedarf die Romani durch jede andere Menschengruppe ersetzen. Im Bild ein Mann in der Ausrüstung eines Centurio (Hauptmann) der römischen Armee im Römer-Museum in Xanten.

Foto: AP

De gustibus non est disputandum

Über Geschmack kann man nicht streiten.

Der Satz stammt nicht aus der Antike. In der scholastischen Philosophie heißt es: „De gustibus et coloribus non est disputandum“ (Über Geschmäcke und Farben kann man nicht streiten). Meist wird dies so verstanden, dass es in Geschmacksfragen kein „richtig“ oder „falsch“ geben kann, da sie jenseits aller Beweisbarkeit liegen.

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Divide et impera -

Teile und herrsche.

Dieser weise Rat an alle Machthaber kommt nicht aus der Antike und auch nicht von Macchiavelli (obwohl er zu ihm passen würde), sondern ist vermutlich eine Latinisierung eines Ausspruchs des französischen Königs Ludwig XIV.: „Diviser pour régner.“

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Do ut des

Ich gebe, damit du gibst.

Prinzip, welches das Wesen des römischen Begriffs "beneficium" wiedergibt – und vermutlich das Wesen eines Großteils aller zwischenmenschlichen Handlungen: Eine Gefälligkeit (beneficium) verpflichtet den Empfänger zur Dankbarkeit, d. h. zu einer Gegengabe, die in nicht zu kurzer Zeit und keinesfalls geringer zu leisten ist.

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Dulce et decorum est pro patria mori

„Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben.“

Dieses berühmte Zitat des Dichters Horaz gilt heute als Inbegriff der Kriegsverherrlichung und wird kaum noch als Aufforderung verstanden, sondern eher sarkastisch verwendet. Erasmus von Rotterdam hielt dagegen: Dulce bellum inexpertis (Den Unerfahrenen (erscheint) der Krieg süß). Im Bild ein sowjetisches Ehrenmal für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges.

Foto: REUTERS

Fortes fortuna adiuvat

Den Tüchtigen hilft das Glück.

Der Spruch wird vom Dichter Terenz in der Komödie "Phormio" verwendet und von Cicero als altes Sprichwort bezeichnet. Es gibt mehrere Varianten, unter anderem „Audentis fortuna iuvat“ (Das Glück hilf den Kühnen), die auch zahlreiche Wappen von militärischen Einheiten zieren.

Foto: dpa

Higgs-Boson entdeckt

Auch wenn Physiker den Begriff "Gottesteilchen" nicht gerne hören, das Elementarteilchen Higgs-Boson ist von derart fundamentaler Bedeutung für die Physik, dass sich der Spitzname letztlich durchgesetzt hat. Der Nachweis dieses lange vorhergesagten Grundbausteins im Standardmodell der Teilchenphysik gelang Wissenschaftlern des europäischen Kernforschungszentrums CERN.

Die Redaktion von "Science" sieht in dieser Entdeckung den wichtigsten Forschungsdurchbruch des Jahres 2012 - auch wenn die beteiligten Forscher noch nicht hundertprozentig sicher sind, dass ihr Fund tatsächlich das lang gesuchte Gottesteilchen ist.

Mehr zur Entdeckung des Higgs-Bosons finden Sie hier.

Foto: dpa

Genom des Denisova-Menschen entschlüsselt

Viel ist es nicht, was Wissenschaftler bislang vom Denisova-Menschen gefunden haben, der nach dieser Höhle in Sibirien benannt wurde: Ein Stück Finger, ein Stück Zeh, ein Backenzahn - mehr ist von dieser vor 40.000 Jahren lebenden Urmenschen-Spezies bislang nicht entdeckt worden. Immerhin genug Material, um Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine umfassende Erbgutanalyse zu ermöglichen.

Sie belegt, dass sich die Entwicklungslinien von Denisova- und modernem Menschen vor spätestens 780.000 Jahren getrennt haben müssen - viel früher als etwa beim Neandertaler, dessen Entwicklungslinie sich spätestens vor 320.000 Jahren von der unseren abspaltete.

Mehr zum Denisova-Menschen finden Sie hier.

Foto: Presse

Fruchtbare Eizellen aus Stammzellen gewonnen

Dieser Schnappschuss einer Maus mit Nachwuchs markiert ein weiteres Forschungs-Highlight 2012. Japanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, bestimmte Gene in Mäuse-Stammzellen so zu aktivieren, dass sie sich zu Vorstufen von Eizellen verwandelten. Mäuse, denen diese künstlichen Geschlechtszellen eingepflanzt wurden, brachten gesunden Nachwuchs zur Welt.

Mehr zu dieser Entdeckung finden Sie hier.

Foto: dpa

Der "Himmelskran" des Marsrovers Curiosity

Dank der gut geölten PR-Maschine der US-Weltraumbehörde Nasa ist die Mission des Marsrovers Curiosity weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt geworden. Auch den "Science"-Redakteuren war die erfolgreiche Landung auf dem Roten Planeten eine Auszeichnung wert: Sie kürten Curiositys Landeshilfe, den "SkyCrane" zu einem Forschungs-Highlight 2012.

An den Seilen dieses Himmelskrans wurde Curiosity in der letzten Phase der Landung langsam auf den Marsboden niedergelassen. Die aufwendige Technik war nötig, weil der Rover zu schwer gewesen wäre, um einen Aufprall mit dem sonst üblichen Schutz durch Airbags heil zu überstehen.

Mehr über die Mission Curiosity finden Sie hier.

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Röntgenlaser liefert Waffe gegen die Schlafkrankheit

60 Millionen Menschen sind - vor allem im südlichen Afrika - von der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht. Ein Protein des Erregers Trypanosoma brucei könnte als Waffe zu einer erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit dienen. Doch dazu musste zunächst die molekulare Struktur des Proteins mit hoher Genauigkeit entschlüsselt werden. Mit dem stärksten Röntgenlaser der Welt am US-Forschungszentrum SLAC in Kalifornien ist deutschen Forschern dies gelungen.

Foto: Presse

Gene leichter abschalten

Um zu untersuchen, wie unser Erbgut funktioniert, nutzen Wissenschaftler Techniken, mit denen sich einzelne Gene gezielt abschalten lassen. Ein neues und deutlich einfacheres Verfahren für diesen "Gen-Knockout" haben Bonner Forscher entwickelt. TALENS (Transcription activator-like effector nucleases) heißt die Technik, die von der Science-Redaktion als ein Forschungs-Highlight 2012 gewürdigt wurde.

Foto: Presse

Majorana-Fermion nachgewiesen

Nein, mit der bekannten Gewürzpflanze hat das Majorana-Fermion nichts zu tun. Seinen Namen verdankt dieses Elementarteilchen dem italienischen Physiker Ettore Majorana (1906-1938), der seine Existenz schon 1937 voraussagte. Doch erst 2012 veröffentlichten niederländische Wissenschaftler eine Untersuchung, welche die Existenz des Majorana-Fermions - dem eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Quantencomputern zukommen könnte - definitiv bestätigte.

Foto: Presse

Kaum Müll im Erbgut

Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass etwa 90 Prozent des menschlichen Erbguts gar keine Funktion habe. Erst die Arbeit des internationalen Forschungskonsortiums ENCODE machte deutlich, dass dieser vermeintliche DNA-Müll wichtige Aufgaben übernimmt, etwa bei der Steuerung der Gen-Aktivität. Daher gebührt auch den Erkenntnissen des ENCODE-Projekts ein Platz unter den zehn wichtigsten Forschungsergebnissen des Jahres 2012.

Mehr über die Arbeit des ENCODE-Projekts finden Sie hier.

Foto: REUTERS

Prothesen steuern mit Gedanken

Über Mini-Elektroden im Gehirn steuern Patienten spezielle Prothesen, die von Wissenschaftlern des Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory entwickelt wurde. Dank des Einsatzes solcher Brain-Computer-Interfaces sollen Gelähmte einmal in der Lage sein, unabhängig von fremder Hilfe im Alltag zu agieren.

Mehr über diese Forschung finden Sie hier.

Foto: Presse

Dem Geheimnis der Neutrinos auf der Spur

Tief im Inneren von Sternen wie unserer Sonne entstehen Neutrinos. Forscher erhoffen sich von der Untersuchung dieser rätselhaften Elementarteilchen Antworten auf fundamentale Fragen über unser Universum. Doch Neutrinos geben ihre Geheimnisse nur sehr zögerlich preis: Da sie kaum mit Materie wechselwirken, sind aufwendige Versuchsanordnungen nötig, um an Informationen über sie zu kommen.

Forschern des internationalen Daya Bay Reactor Neutrino Experiment ist dies in diesem Jahr gelungen, sie bestimmten den letzten sogenannten Neutrino-Mischwinkel. Ein Erfolg, der ihnen ihren Platz in der "Science"-Liste sicherte.

Foto: Presse

Was aber haben Nietzsche-Comic, Precht-Hörbuch und Han-Traktat miteinander zu tun? Erleben wir den verbilligten Abverkauf der abendländischen Kultur? Ihre Trivialisierung zu Lebenshilfe- und Zeitgeist-Breviers? Oder sind wir, ganz im Gegenteil, Zeugen einer Renaissance der Philosophie als relevanter Leitwissenschaft im öffentlichen Raum? Wahrscheinlich ist es von allem ein wenig, sagt Precht, auch mit Blick auf sein eigenes opus magnum: "Einführungen bieten die Chance, mit der abendländischen Philosophie bekannt zu werden, ohne die Originaltexte lesen zu müssen." Precht hat durchaus kein Problem damit: "Die Lesekompetenz der meisten Philosophie-Studenten reicht heute einfach nicht mehr aus für Kant und Hegel." Die akademische Hochschulphilosophie sei eine Wissenschaft für sehr wenige. Und die populäre Philosophie eine "Einübung in den Umgang mit Ungewissheit" für sehr viele. Und darum gehe es doch: Philosophie für alle. Philosophie praktisch. Philosophie konkret.

Wobei sich die Popularität der alltagspraktischen Philosophie dem unbestimmten Gefühl verdankt, dass etwas "mit der Welt im Ganzen auf unheimliche Weise schiefläuft", so Peter Sloterdijk vergangene Woche bei der Entgegennahme des Ludwig-Börne-Preises. Die Folge ist, dass sie dazu neigt, lediglich der zweiten der drei klassischen Fragen Immanuel Kants (Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?) ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Sie inszeniert sich dann gern als zeitdiagnostische, also feuilletonistische Disziplin, die in gründlich abgeklärter Absicht relative Werturteile nach aktueller Gemütsart trifft. Der Kapitalismus ist böse, das Internet macht dumm, die Leistungsgesellschaft macht krank – es sind vor allem solche Befunde aus Soziologie und Sozialpsychologie, zu deren Auslegung sich einige der Populärphilosophen heute berufen fühlen. Sie sind die Psychotherapeuten einer Gesellschaft, die gegen sich selbst den Verdacht erhebt, mental erkrankt zu sein. Oder ökonomisch gewendet: Sie sind die Produzenten von Navigationshilfen in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.

Wundertüte des Denkens

Das muss zunächst einmal kein Schaden sein. Wolfram Eilenberger, der Chefredakteur des "Philosophie Magazins", sagt es so: "Die Philosophie weist keine Richtung, sie schenkt Orientierung. Sie liefert keine Antworten, sie trainiert das Fragen." Entsprechend bunt ist das Programm der Phil. Cologne – eine Wundertüte des Denkens. In Workshops für Kinder wird das philosophische Staunen entdeckt, werden erste und letzte Fragen gestellt: "Warum bin ich auf der Welt?", "Warum kann man die Zeit nicht anhalten?" oder "Warum nicht mit allen befreundet sein?"

Auf Podiumsdiskussionen für Erwachsene wird über das "Recht zu sterben" gestritten, der "Rhythmus des guten Lebens" ausbuchstabiert und die "erzieherische Wirkung" des Produktdesigns erklärt. Der "philosophische Stadtspaziergang" plädiert für Gedanken, die im Gehen kommen, computeranimierte Kinofilme begeben sich auf die "Suche nach dem neuen Menschen", und die große "Camus-Revue" feiert zum 100. Geburtstag des Philosophen das "Glück des Sisyphos". Daneben gibt es für Puristen "Philosophie pur": Vorträge zur Anthropologie widmen sich dem "aufrechten Gang" und dem "Menschen als Medienwesen".

Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.

Foto: WirtschaftsWoche

Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gegen die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten.

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt.

Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.

Foto: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA

Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen.

Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität.

Foto: dpa

Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien.

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Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft.

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Amartya Sen wurde 1933 in der Universitätsstadt Santiniketan, Indien, geboren. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Der Ökonom erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie und wirtschaftlichen Entwicklung. Er veröffentlichte im Laufe seiner Karriere mehr als Hundert Forschungsschriften und ist Inhaber rund 90 Ehrendoktortiteln, zum Beispiel von der Universität Toronto. Ein zentraler Gedanke in seinem Werk ist die Idee der Freiheit, er betrachtet diese als die Basis des menschlichen Daseins, die jedes seiner Themen, wie Entwicklung, Armut, Hunger, Markt und Moral, durchdringt. Seine Thesen als liberaler, linker Theoretiker sind nicht unumstritten, so wird beispielsweise sein Begriff von Freiheit und Markt weder von Marktdogmatikern noch von deren Gegnern geteilt.

Foto: dpa

In seiner Heimat ist die Arbeit von Friedrich List (1789 - 18 46) fast vergessen. Die letzte Neuauflage von Lists Hauptwerk liegt 80 Jahre zurück. Er ist der gedankliche Vater des Protektionismus. In Deutschland gilt sein Werk als überholt, doch es bietet theoretisches Rüstzeug, wie der Staat die Wirtschaftsentwicklung fördern kann - und wann er besser die Hände davon lassen sollte. In vielen Schwellenländern erfreut sich die Lehre von List daher großer Popularität.

Foto: dpa

Der britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) machte an der Londoner Börse gute Gewinne und konnte sich Dank seines eigenen Vermögens ganz den ökonomischen Studien widmen. Er machte sich mit dem „Kornmodell“ einen Namen, das auf dem Paper Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock basiert, in dem er die freie Korneinfuhr empfiehlt. Nach ihm wurde auch die Ricardianische Äquivalenz benannt – ein Konzept, das sich mit der Wirkung von Steuersenkungen in der Gegenwart beschäftigt, die mit höheren Steuern in der Zukunft refinanziert werden sollen. Auf ihn geht auch die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurück, ein Kernstück der Außenhandelstheorie und wesentliche Erkenntnis über die relativen Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung.

Foto: dpa

Im Jahr 1987 erhielt der US-amerikanische Ökonom Robert Solow (*1924) den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschungen zur neoklassischen Wachstumstheorie. Solow entwickelte das sogenannte Solow-Modell, das im Gegensatz zu Keynes Auffassung die Nachfrageentwicklung nicht als bestimmende Determinante des Wirtschaftswachstums ansieht. Sein Solow-Modell erklärt das langfristiges Wirtschaftswachstum in einer Volkswirtschaft nur durch technischen Fortschritt. Solow ist Emeritus-Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Foto: Julia Zimmermann für Wirtschaftswoche

Als Prophet war Marx (1818 – 1883) ein Versager, als Soziologe ein Riese, als Ökonom vor allem ein gelehrter Mann: Karl Marx, der Theoretiker des Industriekapitalismus, wollte nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die Notwendigkeit der Revolution beweisen. Der Mauerfall hat ihn ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Seine Lehren über Produktionsfaktoren und die Verteilung von Produktionsmitteln sowie der von ihm geprägte Begriff des Mehrwerts spielen noch heute eine große Rolle.

Foto: WirtschaftsWoche, AP

Walter Eucken zählt zu den wichtigsten Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Der Mitbegründer des Ordoliberalismus hat analysiert, wie eine marktwirtschaftliche Ordnung konstruiert sein muss, die Wachstum schafft, Macht begrenzt und den Menschen dient. Der religiös geprägte Eucken glaubte an den Markt, aber nicht an dessen Unfehlbarkeit, er sah die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessengruppen den Wettbewerb aushebeln können – und wollen. Noch während des zweiten Weltkrieges arbeitete er heimlich am theoretischen Grundgerüst der bis heute gültigen sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.

Foto: Pressebild

Friedrich August von Hayek (1899-1992) war ein leidenschaftlicher Weltverbesserer. Sein ganzes Forscherleben hat er daran gearbeitet, Planwirtschaft und Kollektivismus wissenschaftlich zu widerlegen, er war leidenschaftlicher Gegner des Sozialismus und Modernisierer des klassischen Liberalismus. Führ ihn waren Freiheit, Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Wettbewerb und Marktwirtschaft Eckpfeiler der Zivilisation. Seine Tiraden gegen den Wohlfahrtsstaat haben jahrzehntelang die intellektuelle Brillanz seiner Theorie komplexer Ordnungen überschattet. Der gebürtige Wiener wurde als erster Ausländer an die renommierte London School of Economics berufen. Im März 1944 veröffentlicht er als seine leidenschaftliche Abrechnung mit Sozialismus und Nationalsozialismus, „Der Weg zur Knechtschaft“.

Foto: WirtschaftsWoche

John Maynard Keynes (1883 – 1946) löste mit seiner Analyse der Unterbeschäftigung in der Weltwirtschaftskrise eine Revolution des ökonomischen Denkens aus. Er forderte, der Staat solle in Krisensituationen die Nachfrage ankurbeln, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Seine Ideen bedeuteten eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschaftlehre, die die Angebotsseite ins Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns stellte, und beeinflussen bis auf den heutigen Tag Ökonomen, Zentralbanker und Finanzminister.

Foto: WirtschaftsWoche

Joseph Schumpeter hat das Grundgesetz des Kapitalismus erforscht: ewiger Wandel durch „schöpferische Zerstörung“. Keiner sah so klar wie er, dass in seinen Krisen nicht nur der Kapitalismus selbst auf dem Spiel steht, sondern auch die Atmosphäre des Fortschritts. Schumpeter gilt als der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er hat in zahlreichen Wirtschaftsdisziplinen deutliche Spuren hinterlassen und Begriffe wie „Wagniskapital“, „Firmenstrategie“ und den vierten Produktionsfaktor „Unternehmertum“ sowie das Kreativitätsprinzip eingeführt. Schumpeters Erkenntnisse machen den modernen Kapitalismus bis heute aktuell.

Foto: WirtschaftsWoche

Der amerikanische Ökonom Milton Friedman hat die Geldtheorie revolutioniert und sein Leben lang für freie Märkte und weniger Staat gekämpft. Als intellektueller Gegenspieler von John Maynard Keynes spaltete er Wissenschaft und Politik gleichermaßen. Zwischenzeitlich galt er als widerlegt. Jetzt zeigt sich: Friedmans Erkenntnis, dass die Geldmenge die Konjunktur und die Inflation bestimmt, ist aktueller denn je. Die Steuerung der Geldmenge durch Staaten und Notenbanken sah er als eine der wenigen Stellgrößen einer Wirtschaft, in der staatliches Eingreifen sinnvoll und gegebenenfalls nötig war. Er entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, das Konzept der negativen Einkommensteuer und lieferte den Regierungen die Blaupause für flexible Wechselkurse.

Foto: AP

Reinhard Selten ist Deutschlands bislang einziger Wirtschafts-Nobelpreisträger und ein Vorreiter volkswirtschaftlicher Laborversuche. Als Pionier der experimentellen Wirtschaftsforschung hat er die Spieltheorie verfeinert und damit etwa die Analyse von Verhandlungssituationen – etwa bei Lohnverhandlungen – deutlich weiterentwickelt. Selten erhielt den Nobelpreis für Wirtschaft 1994. Er begründete ein Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung in Bonn, dessen Koordinator er noch heute ist – im Alter von 81 Jahren..

Foto: dpa

Der US-Ökonom Robert Shiller fordert eine neue Volkswirtschaftslehre, die sich der Psychologie von Menschen und Märkten öffnet. Lange war er ein Rufer in der Wüste – in der Finanzkrise ist er zum Massenprediger geworden. Bereits 2005 warnte er vor einer US-Immobilienkrise – die letztlich Auslöser der Finanz- und Schuldenkrise war. Seine Theorien zur Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) gelten als Gegenentwurf zur lange propagierten Rationalität der Märkte. In seinen Hauptwerken geht es um Herdentrieb und irrationale Übertreibungen.

Foto: WirtschaftsWoche

Paul Anthony Samuelson (1915-2009) wurde 1970 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Er zählte zu den vielseitigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und prägte die Volkswirtschaftslehre wie kaum ein anderer. Samuelson modernisierte den Keynesianismus, indem er Keynes' sowie neoklassische Theorien zu einer Synthese verband, darüber hinaus forcierte er als erster Ökonom die systematische Mathematisierung seines Fachs. Sein in 19 Sprachen übersetztes Standartwerk "Economics" ist bis heute das meistverkaufte VWL-Lehrbuch aller Zeiten.

Foto: Laif

Der schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) gilt als Urvater der Nationalökonomie. Er untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten, und entwickelte die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, wo sie zuvor nur als wenig beachteter Teil anderer Fachrichtungen galt. Sein Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" findet sich auch heute noch auf den Literaturlisten von Volkswirtschaftsstudenten wieder, er gilt als Begründer dessen, was heute als die klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. Seine Ideen sind noch immer Basis jeder angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Foto: Pressebild

Woher aber rührt das Interesse an diesen Fragen – und warum ist ausgerechnet die Philosophie ihr Adressat? Jürgen Wiebicke, Moderator des "Philosophischen Radios" auf WDR 5, einer von vier Programmmachern der Phil. Cologne, beobachtet nach dem "Zerschellen der Weltbilder und politischen Glaubenssysteme" ein "neues Gefühl für den Ernst des Lebens", vor allem: eine "neu gewonnene Sprechfähigkeit der Philosophie", die sich der Lebenswelt der Menschen zuwendet. Der Wissenschaftsjournalist Gert Scobel, Redaktionsleiter des 3-Sat-Wissenschaftsmagazins "Scobel", stellt nicht nur ein Versagen von Wirtschafts- und Sozialtheorien fest, sondern auch eine "fundamentale Krise der Naturwissenschaften": Weder könne die Physik heute sagen, was Materie ist, noch könnten die Neurowissenschaften erklären, was das Gehirn im Innersten zusammenhält: "Alle haben den Mund zu voll genommen."

Auch die Ökonomen, versteht sich, die mit ihrem Alleserklärungsanspruch grandios gescheitert sind – und gegenüber denen die Philosophen mit ihrer Kultur des Befragens heute angenehm bescheiden wirken. Die Naturwissenschaftler und Ökonomen haben die Welt nur vollends erklären wollen; es kommt darauf an, sie annähernd zu verstehen – in diesem Satz liegt der ganze Zauber der Philosophie. Sie hat immer bezweifelt, dass das Verhalten von Menschen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Sie käme niemals auf die Idee, dass sich die Zukunft berechnen ließe. Sie wird den Menschen niemals als bloßes Reizreaktionsschema begreifen. Heute weiß jeder noch so fortschrittsbegeisterte Stammzellenforscher: Auf den Begleitschutz der Philosophie kann er nicht verzichten.

"Wir wissen weniger, als wir gedacht haben"

Eilenberger sieht die Rückkehr der Philosophie vor allem durch "drei Dynamiken" begünstigt. Erstens durch das Bewusstsein, dass unsere Lebensform erkennbar an ökonomische und ökologische Grenzen stößt. Zweitens durch eine Wohlhabenheit, die nicht mehr durch Wert-, wohl aber durch Sinnzuwächse gesteigert werden kann. Und drittens durch die Technisierung des Leibes (Gentechnologie), die Kants vierter Frage – Was ist der Mensch? – eine völlig neue Dimension verleiht.

Einen vierten Punkt macht Gert Scobel stark: Einerseits wissen wir "viel weniger, als wir gedacht haben"; andererseits mache uns die Masse des verfügbaren Wissens zu "Orientierungsanalphabeten", die nicht in der Lage seien, die Informationen zu verarbeiten, das Wissen zu ordnen. Beides lenke zurück zur Philosophie, der Orientierungswissenschaft schlechthin. Die Philosophie, so Scobel, regeneriere sich, indem sie ihre alten Fragen wiederentdecke – Fragen, die von den exakten Wissenschaften nicht beantwortet werden können. Zum Beispiel die Fragen nach der Weisheit oder nach dem guten, gelingenden Leben. Fragen, die, wie Scobel sagt, "automatisch" ins Denken führen: "Man traut der Philosophie wieder etwas zu: dass man im Denken zu wirklichen Erkenntnissen, zu verändernden Erfahrungen kommen kann, das interessiert die Leute" – allerdings auf höchst unterschiedlichem Niveau.

Die Phil. Cologne verbindet mit der Philosophie die Freude am Fest, es genügt, dabei zu sein, seinen Spaß, eine gute Zeit zu haben. Davon profitieren auch gestandene Hörsaalvirtuosen wie Wolfgang Welsch und Hartmut Rosa. Hier leidet keiner unter Popularisierungsallergie. Hier arbeiten Akademiker an Breitenwirkung. Hier bauen Professoren Brücken zum Publikum.

Doch das alles heißt nicht, dass die Philosophie insgesamt in neue Rezeptionshöhen aufstiege. Philosophische Fachverlage wie Felix Meiner oder Karl Alber "sind schon froh, wenn sie die Verkaufszahlen bei akademischen Titeln halten zu können", sagt Alber-Verlagsleiter Lukas Trabert. Offenbar ist der Markt für philosophische Literatur gespalten: Wer Precht oder das "Philosophie Magazin" kauft, greift nicht automatisch zur Hegel-Gesamtausgabe – und nicht einmal zur 200-seitigen "Einführung in Michel Foucault" des Junius Verlags.

Umso schöner, dass es von publizistischer wie professoraler Seite philosophische Dolmetscher gibt, die ohne Profanisierungsangst an der Vermittlung philosophischer Fragen interessiert sind und nicht gleich fertige Antworten parat haben. Insofern sind Phil. Cologne und "Philosophie Magazin" nicht nur Teaser der Philosophie, sondern ihre Trojaner. Sie schmuggeln Kant und Kierkegaard in die Köpfe ihrer Leser. Ob sie durch eingehende Lektüre dort heimisch oder nur als Zitatenschatz ausgebeutet werden, steht dahin. Die Philosophie hatte schon viele Moden. Aber was soll’s – Mode oder nicht. Kant und Kierkegaard sind auch in 100 Jahren noch aktuell.

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