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Aktienrückkauf Wie Konzerne sich für die Börse dopen

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Kaum Rücksicht auf Anlegerwünsche

Wenn Konzernchefs richtig kühne Ideen finanzieren wollen, statt zu versuchen, ihren Kurs über Rückkäufe zu pflegen, machen sie sich angreifbar. So wie es die Google-Holding Alphabet, die in Summe keine Aktien zurückkauft, beispielsweise bei ihren „Moonshots“ macht: Projekte, die wie die Mondlandung die Welt verändern und Geschichte schreiben sollen.

Dass Alphabet-Chef Larry Page und Mitgründer Sergey Brin in Projekte wie das Verlangsamen des Alterns oder die Simulation des menschlichen Gehirns investieren, wird von Analysten seit Jahren heftig kritisiert. „Larry kann das durchsetzen, weil er und Sergey das Unternehmen kontrollieren“, sagt Marc Andreessen, einer der bekanntesten Risikokapitalgeber. Ähnlich ist es bei Jeff Bezos von Amazon und Elon Musk von Tesla, die den Weltraum erobern wollen – beides Gründer, die auf die Anlegerwünsche kaum Rücksicht nehmen. Für angestellte Manager grenzt es dagegen an Selbstmord, wenn sie Dinge finanzieren, die als Grundlagenforschung ausgelegt werden könnten.

Hier schlummert die große Gefahr. Denn um nachhaltig zu wachsen, benötigt die Wirtschaft einen modernen Kapitalstock. Ohne Investitionen in neue Maschinen und Anlagen veraltet dieser. Schon seit Jahren hapert es in Amerika an der Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Legten die Ausrüstungsinvestitionen zwischen 2010 und 2012 pro Jahr noch mit zweistelligen Raten zu, geht es seither bergab.

In Arbeit
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US-Ökonom Robert Gordon von der Northwestern University in Illinois erklärt dies durch einen strukturellen Mangel an rentablen Investitionsprojekten. Die wachstumsstimulierenden Wirkungen des Computerzeitalters liefen aus, sagt Gordon. Unternehmen hätten die wichtigsten Potenziale für Produktivitätszuwächse, die ihnen das Internet, die Computer und die Digitalisierung bieten, bereits ausgeschöpft. Soll sich das ändern, müssen neue Ideen her.

Und dennoch: Laut Compustat und Goldman Sachs werden die im Index S&P 500 versammelten US-Unternehmen 2016 elf Prozent ihres erwirtschafteten Cash in Forschung und Entwicklung stecken sowie weitere 29 Prozent in längerfristige Investitionen. 1999 waren es noch 12 und 42 Prozent. Wäre diese Entwicklung durchbrochen worden – die Welt wäre um das ein oder andere tolle Produkt reicher.

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