Ist die Meme-Stock-Rally schon vorbei?
Foto: ImagoBed, Bath & Beyond, AMC, GME und Co.: Zum Mond – und zurück auf den Boden der Tatsachen
Es geht wieder los: Im Internet feuern sich Privatanleger gegenseitig zu halsbrecherischen Investitionen in strauchelnde Unternehmen an. Ihr Schlachtruf? „To the Moon“. Der stammt noch aus dem ersten Hype um die sogenannten Meme-Aktien, bei dem sich Kleinanleger im Frühjahr 2021 zu einer Kollektivwette auf die Aktie des Videospielhändlers Gamestop verabredeten – und eine gigantische Spekulationsblase erschufen. Die Aktie stieg innerhalb weniger Wochen von knapp 20 Dollar auf in der Spitze 480 Dollar.
Brutstätte des kuriosen Coups war das Internetforum Wallstreetbets. Dass es damals die Gamestop-Aktie traf, war kein Zufall: Viele Shortseller wetteten damals auf fallende Kurse. Dafür leihen sie sich bei Banken oder Fondsgesellschaften Aktien eines Unternehmens und verkaufen diese sofort an der Börse, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem tieferen Kurs zurückzukaufen. Geht die Spekulation auf, ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufskurs ihr Gewinn.
Steigt der Kurs allerdings, müssen sie ihre Positionen auflösen, um Verluste zu begrenzen – indem sie Aktien kaufen und sie dann an die Bank zurückgeben, von der sie ursprünglich geliehen wurden. Je mehr Aktien leerverkauft wurden, desto teurer wird es. Denn die Shortseller treiben den Kurs mit ihren Käufen zusätzlich in die Höhe. Auf genau diesen Shortsqueeze genannten Effekt zielen viele Meme-Aktien-Zocker ab.
Stets nah am Epizentrum der Meme-Aktien-Beben ist der Tech-Unternehmer und Investor Ryan Cohen. Sein Wechsel in den Aufsichtsrat von Gamestop war einer der Auslöser für die Kurskapriolen 2021. Auch den Hype, der gerade für Aufsehen sorgt, trat Cohen los, als durch eine Pflichtmitteilung der US-Börsenaufsicht bekannt wurde, dass er groß beim US-Einzelhändler Bed, Bath and Beyond (BBBY) eingestiegen ist.
Die Aktie ist daraufhin geradezu explodiert. Zwischen Anfang und Mitte August lag das Papier in der Spitze mehr als 400 Prozent im Plus. Wie schon 2021 zogen weitere Aktien mit: Die Papiere des Kinobetreibers AMC stiegen seit Anfang August vorübergehend um 40 Prozent. Dagegen wirkt der Anstieg bei Gamestop um 20 Prozent im selben Zeitraum geradezu moderat. Gemein haben die Titel wieder extrem hohe Leerverkaufsquoten.
Bei Gamestop und AMC ist fast jede fünfte Aktie leerverkauft, bei BBBY sind es aktuell 37 Prozent. Die Profis zocken längst mit: Mit Blackrock, Vanguard und Statestreet sind die drei größten Vermögensverwalter der Welt investiert.
Wir halten uns aus solchen Spekulationen raus – und legen das auch unseren Lesern nahe. Der Handel mit Meme-Aktien hat mit Geldanlage nichts zu tun. Wie sich die Kurse entwickeln, lässt sich kaum vorhersehen. Oft fließt das Kapital so schnell ab, wie es kam. Auch bei BBBY: Nachdem bekannt wurde, dass Cohen überraschend wieder ausgestiegen ist, stürzte der Aktienkurs des Einzelhändlers Ende vergangener Woche rasant ab. Erst ging es Richtung Mond – und dann zurück auf den Boden der Tatsachen. Gut möglich, dass die US-Börsenaufsicht sich Cohens Rolle beim Höhenflug und Absturz von BBBY nochmal genauer ansehen wird.
In unseren BörsenWoche-Musterdepots setzen wir diese Woche auf fallende Kurse und erklären, wie Anleger ihr Depot schon bei kleinem Einsatz absichern können.
Hier kommen Sie zur aktuellen Ausgabe.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche an der Börse.
Ihr
Lukas Schmitt
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