Leben mit Aktien: Bei diesem Börsenneuling hätte sich der Einstieg gelohnt
Steht das Akronym IPO für „It's probably overpriced“ – es ist wahrscheinlich zu teuer?
Foto: Getty ImagesBilanz der Börsengänge: Rote Resterampe
Das Börsenparkett betreten, Interviews geben, die berühmte Glocke läuten: Börsengänge sind eine Inszenierung, die Aufmerksamkeit bringt – und frisches Kapital. Dennoch wagen immer weniger Unternehmen diesen Schritt. Im Rekordjahr 2021 gab es weltweit fast 3000 Börsengänge. Vergangenes Jahr waren es nur noch 1400.
In Deutschland kamen diesen Oktober immerhin gleich zwei Unternehmen an die Börse: der Fachverlag Springer Nature und Pentixapharm, eine auf Radiopharmazeutik spezialisierte Tochter von Eckert & Ziegler. Die Aktien der beiden Neulinge liegen gut eine Woche nach Ausgabe allerdings magere fünf Prozent im Plus (Springer Nature) beziehungsweise 31 Prozent im Minus (Pentixapharm). Und das, obwohl es sich bei Pentixapharm strenggenommen um ein Spin-off handelt und diese oft besser laufen als ein klassisches Initial Public Offering (IPO).
Ist etwas dran am alten Witz, das Akronym IPO stehe für „It's probably overpriced“ – es ist wahrscheinlich zu teuer? Leider ja, sagt Investor Christian W. Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“. „Was Private-Equity-Investoren oder Großkonzerne nicht an strategische oder industrielle Investoren losgeschlagen kriegen, das wird über die Börse abgeladen – wie auf einer Resterampe und natürlich möglichst teuer.“
Gemeinsam mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar zieht Röhl eine Bilanz der Börsengänge in Frankfurt seit 2021. Das Ergebnis: Nur drei von 19 Unternehmen notieren aktuell über ihrem Ausgabepreis. Acht Neuemissionen verloren seit ihrem Start mehr als 50 Prozent an Wert. Welche Aktien das sind, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von „Leben mit Aktien“.
Drüben läuft es besser
In den USA läuft es in Sachen IPOs besser als in Deutschland. Dort sticht ein Neuling besonders hervor: die Social-Media-Plattform Reddit. Sie ist seit dem 21. März 2024 an der New Yorker Börse gelistet, ihre Aktie liegt mittlerweile rund 115 Prozent im Plus. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Reddit ist unter anderem für seine Community „Wallstreetbets“ bekannt, wo Kleinanleger in den vergangenen Jahren wild mit Aktien wie der des Spielehändlers Gamestop zockten.
Rund 91 Millionen tägliche Nutzer treiben sich auf der Plattform in mehr als drei Millionen Foren herum, so genannten Subreddits. Ein Großteil der Nutzer kommt aus den USA, dort erwirtschaftet Reddit mehr als 80 Prozent seines Umsatzes. Das meiste Geld kommt durch Werbung rein – allerdings noch nicht genug, um schwarze Zahlen zu schreiben. Immerhin: Im zweiten Quartal 2024 konnte Reddit seinen Nettoverlust um drei Viertel reduzieren, auf rund zehn Millionen Dollar, und verzeichnete einen positiven freien Cashflow.
Voll auf künstliche Intelligenz
Reddit ist dennoch auf der Suche nach neuen Geldgebern. So soll ein Deal mit Google jährlich rund 60 Millionen Dollar in die Kasse spülen soll. Google soll die Reddit-Inhalte dazu nutzen, die KI-Modelle seiner Suchmaschine zu trainieren. Überhaupt setzt Reddit jetzt voll auf künstliche Intelligenz (KI). Der Kauf des Start-ups Memorable AI etwa soll dabei helfen, Werbeanzeigen zu optimieren.
Eine Kooperation mit der ChatGPT-Entwicklerin OpenAI soll beiden Partnern nützen: Einerseits fließen die Beiträge auf Reddit nun auch an ChatGPT, andererseits soll OpenAI die Plattform verbessern. Und Reddit selbst setzt KI ein, damit Nutzer Inhalte in ihrer Muttersprache konsumieren und veröffentlichen können – dank automatischer Übersetzung, die mittlerweile auch in Deutschland verfügbar ist.
Analysten sehen bei Reddit Potenzial. Vor allem außerhalb des Heimatmarktes USA verzeichnet die Plattform dank der automatischen KI-Übersetzung steigende Wachstumsraten. Gut möglich also, dass sich die Erfolgsstory, die Ende März begann, fortsetzt.
Mehr über die Entwicklung von Börsengängen in Deutschland, über die Dividende der Deutschen Telekom und darüber, warum sich Samsung Electronics für seine Quartalszahlen entschuldigt, erfahren Sie in der neuen Ausgabe von „Leben mit Aktien“.