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Blockchain-Platzierung Greyp Bikes 600 Prozent Rendite mit der E-Bike-Firma des kroatischen Elon Musk

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Die E-Bikes des kroatische Elon Musk

Doch jetzt ist es so weit: Neufund hat das erste richtige Blockchain-ETO, das einer real existierenden Firma: Greyp. Die sogar echte Produkte baut, nämlich die besagten ziemlich schnellen und teuren E-Bikes.

Greyp ist nach eigener Darstellung eine „high tech mobility company“, gegründet von dem Kroaten Mate Rimac. Dessen Hauptgeschäft sind superschnelle Elektroautos, er kooperiert mit Porsche, ein charismatischer Ingenieurs-Typ, ein Elon Musk vom Balkan.

Offenbar bastelt er schon ziemlich lange an den E-Bikes. Im Archiv findet sich im österreichischen „Wirtschaftsblatt“ ein Artikel von 2013: „Kroate Rimac setzt auf E-Bikes“. Rimac, der mit dem superschnellen Elektroauto Concept One „international Aufsehen erregte, stellte vergangene Woche das Elektrofahrrad Greyp G-12 vor. Das Fahrrad kann auf bis zu 65 Kilometer pro Stunde beschleunigen und lässt sich bequem an der Steckdose aufladen.“ Und weiter: „Während das Rennauto derzeit nur auf Anfrage gefertigt wird – Kostenpunkt 750.000 Euro –, ist das Greyp G-12 für einen größeren Markt gedacht. Es kostet 6000 Euro und wird in Kroatien gebaut. Der Aufbau eines Händlernetzes ist noch im Gange.“

Auf der Neufund-Plattform ist einiges an Material zu dem Unternehmen herunterzuladen. Arg weit gekommen ist Rimac demnach mit Händlernetz und Massenmarkt noch nicht. Dieses Jahr verkauft er 642 Bikes, nächstes Jahr sollen es 2600, dann 4700, in 2024 dann 10.294 sein – bemerkenswert exakte Schätzungen.

„Greyp“-E-Bikes: Irgendwo zwischen Motorrad- und Mountainbike-Design. Quelle: imago images

Es kann am Design gelegen haben: Das alte Modell sieht eher aus wie ein Mofa als wie ein Rad. Die neuen Modelle sind cooler. „Mit den von Rimac gefertigten „Greyp“-E-Bikes lassen sich Fußballstars wie Lionel Messi oder Gerard Piqué ablichten,“ schrieb die „Stuttgarter Zeitung“ im Juli.

Die älteren Gewinn- und Verlustrechnungen gibt es nur auf kroatisch, das vereinfacht die Sache nicht. Aber im Investment-Memorandum stehen ein paar Zahlen: Dieses Jahr noch Verlust, ab 2022 Cash-flow-positiv, in 2024 dann 134 Millionen Euro Umsatz und eine Gewinnmarge von 32 Prozent. Das aber ist noch lange hin. Der Plan liest sich wie der Businessplan eines Neuer-Markt-Unternehmens. Alles wird präzise vorgerechnet, ist aber doch mit gewaltigen Unsicherheiten behaftet. Wie groß ist der Markt für ein Fahrrad, das um die 7000 Euro kostet und eher ein rollender Computer ist? Zwei Kameras filmen nach vorne und hinten, es gibt einen Internetzugang mit integrierter SIM-Karte, Sensoren überall und natürlich ist das Teil ständig in Verbindung mit dem Smartphone des Besitzers, über eine eigene App. So kann ich dann ein Rennen mit meinem Cousin in Australien fahren – wenn der auch ein Bike und die App hat.

Ganz substanzlos aber kann die Firma nicht sein. Die Testberichte sind euphorisch. Und Porsche ist beteiligt. Auch ein Plus, aber kein großes: Weil Porsche schon bei Autos mit Rimac zusammenarbeitet, und weil Porsche natürlich nicht viel bezahlt hat. Wenn ich ein Mobilitäts-Start-up gründen würde, würde ich Porsche; Ferrari oder auch BMW die Aktien schenken – oder noch was draufzahlen. Große Namen flößen anderen Anlegern Vertrauen ein, das Geld kommt dann von allein.

Lese ich den Einseiter und das Shareholders Agreement richtig, dann sind Porsche und der chinesische Batteriebauer Camel, die zusammen über ein Viertel der Firma halten, bei einem Unternehmenswert von zwölf Millionen Euro eingestiegen. Jetzt, beim ETO, wird auf einmal ein Unternehmenswert von 45 Millionen aufgerufen, private Zeichner bekommen maximal elf Prozent der Anteile und sollen dafür bis zu fünf Millionen Euro einzahlen. Das ist schon ein eindrucksvoller Sprung. Durch Umsätze oder gar Gewinne wird der jedenfalls nicht gerechtfertigt.

Allerdings: branchenüblich. Als Peter Thiel bei Facebook einstieg, hat er auch fast nichts bezahlt– und trotzdem konnten viele nach ihm noch satt verdienen.

Ich steige ein

Marketing können sie, die von Neufund: Vom 14. bis 28. Oktober lief der Presale, bei dem es die Token noch zehn Prozent billiger gab. Jetzt läuft, noch bis 27. November, der Public Sale. Ab 100 Euro kann man einsteigen. Die will ich setzen – und sei es nur zum Sehen.

Als erstes muss ich wieder Geld auf die Plattform bekommen. Das geht nicht direkt, sondern über den Umweg der Liechtensteiner Quintessence AG, die offenbar von dem Neufund-Großaktionär und Rechtsberater André Eggert geführt wird. Die Quintessence hat eine eigene Kryptowährung: den Neufund Euro, sozusagen (nEUR). Ich überweise 250 Euro von meiner Bank und bekomme dafür tatsächlich ein paar Tage später 250 nEUR in meiner elektronischen Geldbörse bei Neufund gutgeschrieben. Damit kann ich jetzt Greyp-Token zeichnen.

Ich logge mich bei Neufund ein. „Achtung: Dieses Angebot läuft unter der Rechtsprechung von Liechtenstein,“ werde ich gewarnt. Nicht gerade vertrauenerweckend. Aber auch Liechtenstein ist ein Rechtsstaat.

Weiter: „Sie investieren zu einem Token-Preis von 0,1456 EUR mit zehn Prozent Rabatt“, verkündet das System. Sechs bis 30 neue Aktien werden ausgegeben, jede soll knapp 162.000 Euro kosten. Über einen Treuhänder, der auch wieder mit Neufund-Mann Eggert verbunden ist, teilen sich die Anleger die Aktien, jede ist gut für eine Million Token.

Wenn ich 100 Euro einsetze, signalisiert das System, bekomme ich 686 Equity Tokens von Greyp – und obendrauf noch um die 300 NEU Tokens. Das ist mein Teil an der Provision, die mir als Neufund-Miteigner zusteht.

Der Deal wird in der Blockchain dokumentiert, ich muss sogenannte Gas Cost von 0,0018 Ether zahlen – ungefähr 27 Eurocent. Das ist das Geld für den Transport auf der Blockchain, Spritkosten eben.

„Invest Now“ lockt der Button, die Presale-Phase dauert zu diesem Zeitpunkt nur noch drei Tage. Im Schnitt haben die anderen 549 Zeichner zu diesem Zeitpunkt 1800 Euro pro Kopf investiert. Das aber ist mir zu heavy. Ich habe schon genug verloren mit dem Zeug. Aber dabei sein will ich, und wenn auch nur zum Sehen. Vielleicht werde ich Zeichner Nummer 550?

Also: „Invest Now“. Ein paar Sekunden ist mein Investment „pending“, dann poppt ein Feuerwerk auf: „Your Investment is confirmed.“

Ich kann mir den Deal auf der Ether-Blockchain ansehen. Dort hat die Transaktion einen Hash, eine Kennzahl:

0x4efd004684b140161aedf9e7aa5b30c5cedc4208386fce375bce4315c1b28ab0

Meine restlichen 156,86 nEUR überweise ich lieber wieder zurück an meine Bank. So sehr traue ich der Quintessence plc aus dem „House of Blockchain“ in Vaduz dann doch nicht. Dem Euro traue ich mehr als den künstlichen nEUR. 78 Cent kostet die Rücküberweisung, und soll vier bis sechs Tage dauern. Tatsächlich ist das Geld wenig später wieder auf dem Konto.

Mit meinen 686 Fahrrad-Tokens, gekauft zu 0,1457 Euro, kann ich jetzt in Ruhe verfolgen, wie die anderen, nicht so privilegierten Zeichner sich um die restlichen Stücke balgen – ohne zehn Prozent Rabatt.

So richtig viel gebalgt wird aber bisher nicht. Am vergangenen Freitag, zwölf Tage vor Ende des ETO, hatte Neufund erst 1,36 Millionen der erhofften 4,8 Millionen eingesammelt.

916 Investoren sind wir jetzt. Aber vielleicht kommen die großen Tickets erst am Schluss. Und wenn ich mir doch noch ein 7000-Euro-E-Bike holen sollte, bekomme ich wegen meiner 100 Euro Investition bei Greyp zehn Prozent Rabatt. 700 Euro hätte ich dann gespart – bei einem Einsatz von 100 Euro sind das 600 Prozent Rendite. Und mal von Frankfurt aus mit Andrew in Australien ein Rennen fahren, oder mit 70 km/h über den Main-Radweg – das hätte was. Ich überleg´s mir.

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