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Börse für Einsteiger - Teil 2 Der mächtige Zinseszinseffekt – und sein gefährlicher Gegenspieler

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Vermögensverwaltung lohnt sich nicht

Falls Dir 500.000 Euro oder mehr zur Anlage zur Verfügung stehen, wird Deine Bank versuchen, Dich in eine Vermögensverwaltung zu drängen. Der (vermeintliche) Vorteil einer Vermögensverwaltung ist, dass Du Dich um nichts mehr kümmern musst. Die Bank legt Dein Geld für Dich an, behält Dein Portfolio im Auge und tätigt Ver- und Zukäufe für Dich, ohne vorher mit Dir Rücksprache zu halten. Dafür erteilst Du der Bank eine Vollmacht, über die Vermögenswerte in Deinem Depot zu verfügen. Du erhältst lediglich in regelmäßigen Abständen eine Depotübersicht, die Dein Bankbetreuer ein paar Mal im Jahr bei einer Tasse Kaffee und Keksen mit Dir durchgeht. Dazu gibt es zum Ende des Jahres einen Kalender, einen Notizblock oder dergleichen.

Um aber nicht allzu zynisch zu werden: Eine Vermögensverwaltung ist in der Regel besser, als gar keine Investments zu tätigen. Und es gibt Menschen, die sich Vermögensentscheidungen selber einfach nicht zutrauen und vor lauter Angst in Starre verfallen. Für solche Menschen mag eine Vermögensverwaltung sinnvoll sein, wenngleich ich auch in diesen Fällen zumindest ein Beratungsdepot (dazu unten) vorziehen würde. Im Übrigen sollte man den Bankbetreuer dann ehrlicherweise eher als (kostenpflichtige) psychologische Betreuung denn als Vermögensberatung betrachten.

Eine Vermögensverwaltung ist teuer (je nach Vermögen zwischen 0,75 Prozent und 2 Prozent). Transaktionsgebühren und Depotgebühren sind dabei in aller Regel inbegriffen. Die Bank lässt sich das „Rundum-sorglos-Paket“ und Händchenhalten fürstlich vergüten. Deshalb ist die Vermögensverwaltung aus Sicht des Anbieters auch so attraktiv.

Wie oben dargestellt, fallen Gebühren in dieser Höhe ins Gewicht und mindern Deinen Investmentertrag und damit -erfolg erheblich. Wenn man davon ausgeht, dass Du je nach Anlageverhalten (konservativ oder mutiger) jährlich zwischen fünf bis sieben Prozent erzielen kannst, gehen bei einer Vermögensverwaltung zu zwei Prozent Gebühr ein Drittel Deiner Erträge für die Verwaltung Deines Vermögens drauf. Das ist zu viel! Und wenn Du Dir jetzt noch den Zinseszinseffekt mit anderen Vorzeichen von Gebühren vor Augen hältst, merkst Du, dass eine Vermögensverwaltung auf die Dauer richtig ins Geld geht. Deshalb kann ich von einer Vermögensverwaltung nur abraten.

Banken empfehlen Vermögensverwaltungen gerne mit dem Hinweis auf MiFID II/MiFIR. Das ist ein europäisches Gesetzeswerk, das viele verbraucherschützende Regeln enthält. Dazu zählt beispielsweise, dass der Anlageberater vor jeder Empfehlung überprüfen muss, ob die konkrete Anlage für Dich geeignet ist, dass er Dir vor dem Kauf einen Kostenausweis (dazu unten) geben muss und vieles mehr. Das dient Deinem Schutz, führt aber zu viel Papierkram. In der Vermögensverwaltung entfällt das alles wegen der Vollmacht. Aber selbst wenn Du das Zeug nicht liest, solltest Du das viele Papier auf keinen Fall zum Anlass nehmen, Dich in eine teure Vermögensverwaltung zu begeben. Wirf das Papier im Zweifel einfach weg (wenngleich ich Dir die Lektüre insbesondere von Kostenausweisen ans Herz legen möchte).

Bei einer Vermögensverwaltung hast Du keine Kontrolle mehr (schlechte, teure Produkte)

Ein weiteres Problem der Vermögensverwaltung ist, dass Du jegliche Kontrolle über Dein Depot abgibst. Das kann die Bank dazu verleiten, im Rahmen der Vermögensverwaltung unverhältnismäßig viele hauseigene Produkte zu kaufen, um so noch mehr an Dir zu verdienen. So ist es beispielsweise denkbar, dass eine Vermögensverwaltung der Deutschen Bank Dir Fonds der DWS (auch nach dem Börsengang der DWS noch eine Tochter der Deutschen Bank) ins Depot legt, obwohl ein konzernfremder ETF oder Indexfonds ebenso geeignet und viel günstiger wäre. Kauft die Deutsche Bank Dir nämlich einen DWS Fonds, verdient sie doppelt an Dir. Einmal an der Vermögensverwaltung und einmal am Fonds.

Ärgernis Depotgebühren

Manche Banken verlangen für Dein Depot eine Depotgebühr. Dabei handelt es sich um eine Gebühr, die letztlich für die Verwahrung Deiner Wertpapiere und Fonds sowie die Erstellung von Übersichten, Steuerbescheiden (manchmal werden diese noch extra berechnet), Porto und den Zugang zu einem Berater anfallen. Depotgebühren sind Verhandlungssache. Depotgebühren von 1 Prozent oder mehr sind schlichtweg unverschämt, Gebühren von 0,5 Prozent zu hoch und Gebühren von 0,25 Prozent oder weniger Geschmacksache.

Ich persönlich lehne Depotgebühren ab. Wenn es schlicht um die Erstattung von Aufwendungen für Porto, die Erstellung von Übersichten und Steuerbescheinigungen geht, bezahle ich die gerne gesondert. Aber dass jemand Jahr für Jahr einen Prozentsatz meines Vermögens für die schlichte, heutzutage vollautomatisierte Verwahrung erhält, finde ich nicht richtig. Es gibt genug Anbieter, die keine Depotgebühr erheben. Im Zweifel würde ich meine „Fixkosten“ geringhalten und lieber für die einzelne Transaktion und sonstige Leistungen etwas mehr zahlen.

Einfach vermeiden lassen sich Depotgebühren durch Direktbank- oder Online-Depots. Ich habe ein MaxBlue-Depot bei der Deutschen Bank. Es gibt sicher, was die Transaktionsgebühren betrifft, noch billigere Anbieter. Das ist mir in Anbetracht der nun doch relativ geringen Beträge aber egal. An dieser Stelle überwiegen bei mir die Trägheit und das Prinzip „bekannt und bewährt“. Wer von Grund auf anfängt und sich erstmals ein Depot anlegt, kann sich in Fachpublikationen und im Internet über die Konditionen informieren. Abraten möchte ich allerdings davon, an dieser Stelle nur nach dem Preis zu gehen. Bevor ich bei einem dubiosen Anbieter lande oder bei jemandem, der nicht in der Lage ist, mir meine Steuerbescheinigungen ordentlich zu erstellen, oder bei dem ich im Fall der Fälle keinen Ansprechpartner habe, zahle ich lieber ein wenig mehr. Ich würde deshalb einen der Marktführer wählen. MaxBlue (Deutsche Bank), Comdirect (Commerzbank), ING DiBa (ING Bank) und Consors (BNP Paribas) sind sicher alle okay.

Transaktionsgebühren weiter auf dem Rückzug

Mit Blick auf die Transaktionsgebühren, also die Gebühren, die beim Kauf beziehungsweise Verkauf eines Wertpapiers oder eines Fonds über die Börse anfallen, gilt das oben Gesagte entsprechend. Auch hier sind Direkt- und Onlinebanken am günstigsten.

Der Trend geht übrigens hin zu gebührenfreien Transaktionen. Vorreiter war hier die Firma Robinhood in den USA. Große und etablierte Firmen wie Charles Schwab, TD America und E-Trade sind ihr gefolgt und bieten nun alle in den USA gebührenfreie Transaktionen an. In Deutschland etwa Trade Republic. Die Anbieter liefern Orders an große Broker weiter und werden dafür bezahlt. Das Risiko dabei ist, dass bei manchen dieser Broker die Kurse weniger fair sein können als an überwachten Börsen.

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