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Börse für Einsteiger – Teil 5 Direktanlagen in Aktien und Anleihen

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Andere steuerliche Gesichtspunkte

Ich hatte schon beschrieben, dass das Realisieren von Gewinnen wegen der fälligen Steuer, die Deinen Vermögensstamm schmälert, vermieden werden sollte. Vorbehaltlich wichtiger Gründe, die im Unternehmen oder in Deiner persönlichen Finanzlage liegen, sollten Gewinne stehen gelassen werden. Die darauf geschuldeten Steuern sind zinslose Darlehen des Staates.

Gegenverkäufe: Gewinne und Verluste miteinander verrechnen

Falls Du doch einmal eine Aktie mit Gewinnen verkaufen möchtest, schaue, ob Du nicht eine andere Aktie mit Verlusten im Depot hast. Denn Gewinne und Verluste werden für die Steuer miteinander verrechnet. Verkaufst Du also eine Aktie mit einem Gewinn und eine andere mit einem Verlust, so wird der Gewinn bis zur Höhe des Verlusts nicht mit der Abgeltungssteuer belegt. Deine Bank verrechnet den Gewinn und Verlust ganz automatisch miteinander.

Aber Vorsicht: Verluste aus direkten Aktienanlagen können nur mit Gewinnen aus direkten Aktienanlagen verrechnet werden. Du kannst Deine Aktienverluste also nicht mit Gewinnen aus einem Aktienfonds oder einer Anleihe verrechnen. Ebenso wenig werden sie mit Dividenden oder Zinsen verrechnet. Warum das so ist und was politisch dahintersteckt, kann ich Dir nicht sagen. Ich habe es bis heute nicht verstanden. Es ist aber nun mal so.

Dividendentitel wird gleich besteuert, Kursgewinne später

Für Dividendentitel gilt, dass die Dividende sofort besteuert wird, während Kursgewinne erfolgreicher Wachstumswerte erst bei Verkauf der Aktie besteuert werden. Erfolgreiche Wachstumswerte verschieben damit den Steuer-Event nach hinten. Trotzdem würde ich nicht soweit gehen, aus diesem Grund ausschließlich zu Wachstumswerten zu raten und von Dividendentiteln abzuraten. Im Gegenteil, auch hier kommt es auf die ausgewogene Streuung an.

Direktanlagen in Anleihen

Über Direktanlagen in Anleihen brauche ich nicht lange zu reden, weil sie Privatanlegern praktisch nicht möglich sind. Heutzutage emittieren die meisten Unternehmen ihre Anleihen in einer Stückelung von 100.000 Euro. Du müsstest also schon 100.000 Euro mitbringen, um eine Anleihe kaufen zu können. Und um eine vernünftige Streuung hinzubekommen, eben entsprechend mehr. Direktanlagen in Anleihen dürften schon deshalb nicht infrage kommen.

Hinzu kommt, dass die Anleihemärkte zunehmend illiquide sind, wofür nicht zuletzt die massiven Anleihekäufe der Zentralbanken verantwortlich gemacht werden, welche die Anleihemärkte austrocknen. Außerdem werden Anleihen oft über Handelsplattformen gehandelt, zu denen Du keinen Zugang hast und auf denen Deine Bank für Dich nicht handelt.

Schließlich wirst Du bei Deinem Bankberater auf Widerstand stoßen, weil viele Anleihen (insbesondere solche mit sogenannter Make-Whole-Klauseln, also einer Vorfälligkeitsentschädigung für den Fall der vorzeitigen Kündigung durch den Emittenten) ein PRIIPS-Basisinformationsblatt für den Vertrieb erfordern, was die Emittenten aber den Banken nicht zur Verfügung stellen. PRIIPS steht für Packaged Retail and Insurance-based Investment Products (musst Du Dir nicht merken!).

Kurzum: Direktanlagen in Anleihen sind zurzeit praktisch unmöglich, was in Anbetracht der extrem niedrigen Zinsen und des durch Käufe der Zentralbanken verzerrten Marktes aber kein Nachteil sein muss.


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Besondere Vorsicht ist mit Blick auf Fremdwährungsanleihen geboten, insbesondere wenn sie von Emerging-Markets-Emittenten ausgegeben werden. Diese sind zwar verlockend, weil sie höhere Zinsen abwerfen. Allzu oft erkauft man sich diese aber mit hohen Fremdwährungsverlusten. Man macht sich keine Vorstellung davon, wie schnell und wie stark Emerging-Markets-Währungen abschmieren können. Und was heute noch als relativ stabil gilt, kann sich morgen schon als Katastrophe erweisen.

Man muss aber gar nicht so weit in Ferne blicken, um verlustreiche Fremdwährungsanleihen zu finden. Anleihen in britischem Pfund und norwegischer Krone haben in den vergangenen Jahren ebenfalls schnell und gerne zu 20 Prozent Währungsverlusten geführt. Und das, ohne die Investoren mit üppigen Zinsen zumindest teilweise entschädigt zu haben.

Wenn Du mich fragst, heißt es deshalb: Finger weg von Fremdwährungsanleihen

Mehr zum Thema: Alle Lektionen des Anlegerleitfadens im Dossier: Hier geht es zum Börsen-1x1 für Privatanleger.

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