Börse Moskau: Preiswerte Wette auf russische Aktien
Lichtblick am Horizont: Eine Ölpumpe in der russischen Republik Tartarstan westlich des Uralgebirges.
Foto: imago imagesWenn eine Volkswirtschaft am Abgrund stand, ergaben sich in der Vergangenheit oft lukrative Investmentchancen. Wer etwa im Oktober 1998, auf dem Höhepunkt der damaligen Rubel-Krise, in den russischen Aktienmarkt einstieg, konnte aus 1000 Euro, investiert in den Aktienindex RTS, bis zum Vorabend der globalen Finanzkrise 2008 stolze 39.000 Euro machen. Käufer, die zum Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 in russische Aktien gingen, schafften binnen zwei Jahren 270 Prozent plus. Auch heute steuert Russland wieder auf eine existenzielle Krise zu – und die Börse auf die Tiefstkurse von 2009. Mutigen Anlegern könnte auch dieser Absturz wieder Kaufchancen bringen.
Erste Rezession seit sechs Jahren
Der Rückgang des Ölpreises und die Sanktionen des Westens im Zuge der Ukrainekrise haben das Land erstmals seit sechs Jahren wieder in die Rezession geschickt. Im ersten Quartal ist die Wirtschaft um 2,2 Prozent geschrumpft, im zweiten gar um 4,6 Prozent. Für das Gesamtjahr geht der Internationale Währungsfonds von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,4 Prozent aus. Jüngste Daten bestätigen den negativen Ausblick: Russische Anlageinvestitionen sind seit 18 Monaten rückläufig. Die Reallöhne sinken so stark wie seit 1999 nicht mehr, im Juli im Jahresvergleich um 9,2 Prozent. Im gleichen Tempo brechen die Einzelhandelsumsätze ein.
Der Rubel steigt und fällt mit dem Brent-Preis (zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: WirtschaftsWoche2014 stürzte der Rubel gegenüber dem Dollar um 50 Prozent ab, die Inflation schoss in die Höhe. Um den Rubel zu verteidigen, hob die Zentralbank den Leitzins 2014 gleich sechs Mal an – in der Spitze auf 17 Prozent. Konsequenz: Unternehmen leiden unter extrem hohen Finanzierungskosten, zumal viele wegen der Sanktionen vom westlichen Kapitalmarkt abgeschnitten sind. Zwar senkte die Zentralbank in diesem Jahr den Leitzins auf elf Prozent. Spielraum verschafften die zwischenzeitliche Erholung des Ölpreises und des Rubel. Doch damit ist es wieder vorbei. Ölpreis und Rubel sind wieder im freien Fall. Die Inflation erreichte im Juli im Jahresvergleich 16 Prozent
Russland ist der größte Rohstoffexporteur unter den Schwellenländern. Das Land steht und fällt mit dem Ölpreis. Der Energiesektor trägt 20 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, knapp die Hälfte der Staatseinnahmen speisen sich aus dem Sektor. Russland braucht einen Ölpreis von 106 Dollar, um seinen Haushalt ausgleichen zu können.
Preiswertester Markt der Welt
Demgegenüber steht ein russischer Aktienmarkt, der nach allen Bewertungsmaßstäben einer der preiswertesten der Welt ist. Das auf Basis der für 2015 erwarteten Gewinne berechnete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt unter sechs, die geschätzte Dividendenrendite erreicht 4,7 Prozent und das Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,62. Russische Unternehmen werden damit 38 Prozent unter dem Liquidationswert ihrer Anlagen gehandelt.
Breit einsteigen in den russischen Aktienmarkt können Anleger durch den Kauf eines Indexfonds. Nachteil: Die Aktien des wankenden Gasriesen Gazprom sind in den Indizes am höchsten gewichtet, mitunter mit bis zu 20 Prozent. Diesen Nachteil können Anleger ausgleichen, indem sie das Übergewicht von Gazprom durch den ergänzenden Kauf von Einzeltiteln reduzieren. Hier bieten sich die Aktien des Goldförderers Polyus Gold und des privaten Ölkonzerns Lukoil an.
Profiteur: Flugbranche
Der niedrige Ölpreis schlägt sich direkt in die Bilanzen der Airlines durch: Dadurch spart ein Billigflieger wie Ryanair im Vergleich zum Jahreswechsel 2013/14 fast 20 Prozent seiner Gesamtkosten. Weil die Discounter ansonsten extrem schlank arbeiten, fließen bei einem Ölpreis von mehr als 1000 Dollar pro Tonne fast 40 Prozent aller Ausgaben in den Sprit. Bei den gegenwärtig knapp 600 Dollar ist es nur noch gut ein Fünftel. Bei Fluggesellschaften wie der Lufthansa halbieren sich die Spritkosten zwar auch, wegen der aufwändigeren Kostenstrukturen ist der Effekt in der Bilanz deutlich geringer. So oder so: Die Verbraucher können sich auf gleichbleibende oder zum Teil sogar sinkende Ticketpreise freuen.
Foto: PRProfiteur: Autobranche
2014 war das billigste Tankjahr seit vier Jahren. Statt wegen hoher Benzinpreise von 1,70 Euro pro Liter eher zum sparsamen Billig-Modell zu greifen, bestellen die Kunden prestigeträchtige und teure Spritfresser. Das kurbelt nicht nur allgemein den Autoabsatz an, die großen Premium-Limousinen und -SUVs versprechen den Autobauern auch dicke Gewinnmargen. In den USA war dieser Trend bereits vor Jahren zu beobachten, als die Verbraucher wegen des billigen Sprits die neu entwickelten Modelle der Hersteller links liegen ließen und stattdessen weiter zu Pickups mit großem V8 griffen.
Foto: APProfiteur: Konsumgüter
Der größte Profiteur des niedrigen Ölpreises könnte die Konsumgüterbranche sein. Der niedrige Ölpreis wirke wie eine Steuersenkung für Verbraucher, erklären die Experten der Privatbank M.M. Warburg. Diese haben in der Folge mehr Geld im Portemonnaie, das sie ausgeben können. US-Konsumenten etwa würden, wenn der Ölpreis dauerhaft nicht über 70 Dollar je Barrel steigt, um 180 Milliarden Dollar entlastet, was rund einem Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspreche. „Von daher sollte der private Konsum im nächsten Jahr um etwa drei Prozent zulegen können und damit der Wachstumsmotor der US-Wirtschaft sein“, heißt es im Konjunkturausblick der Bank.
Foto: REUTERSProfiteur: Schifffahrt
Die Container-Schifffahrt profitiert enorm vom günstigen Öl. Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd beispielsweise kaufte im ersten Halbjahr 2014 ihren Treibstoff um gut fünf Prozent günstiger ein. Im zweiten Halbjahr dürfte die Ersparnis noch deutlich größer gewesen sein. Energiepreise machen einen nicht unwesentlichen Teil der Ausgaben der Reedereien aus.
Foto: dpaProfiteur: Logistik
Ähnliches gilt für die Logistikbranche, die Tankrechnungen bei Spediteuren und Paketdiensten sinken – wenn auch nicht ganz so schnell wie der Ölpreis. Seit Sommer ist der Diesel aber um 25 bis 30 Prozent billiger geworden.
Foto: dpaProfiteur: Pharmabranche
Die Grundsubstanz fast aller synthetisierten Chemikalien ist Steinkohlenteer oder Rohöl. Die meisten Medikamente werden ihrerseits im Labor aus Rohöl synthetisiert. Die Pharmaunternehmen sparen derzeit beim Rohstoffeinkauf bares Geld.
Foto: dpaNeutral: Chemie
Zwar sparen auch die Chemiekonzerne momentan, wenn sie ihre Rohstoffe einkaufen. In der Branche ist der Preisdruck aber so hoch, dass BASF & Co. die Ersparnis nahezu direkt an ihre Kunden weitergeben müssen. Von dem niedrigeren Ölpreis profitiert die Chemiebranche also nicht direkt – eher über die positiven konjunkturellen Auswirkungen und einem damit verbundenen Auftragsplus.
Foto: dpaVerlierer: Ölkonzerne
Die Aktienkurse der Ölkonzerne haben im vergangenen Halbjahr zwischen fünf und 25 Prozent nachgegeben. Ihre Ausgaben für Förderung, Transport und Handel bleiben gleich oder steigen sogar leicht, die Einnahmen gehen aber zurück.
Foto: dpaVerlierer: Ölfördernde Staaten
Das russische Finanzministerium hat ausgerechnet: Pro zehn Dollar, die der Ölpreis unter der Marke von 100 Dollar liegt, steigt das Staatsdefizit um 1,2 Prozent. Der Staatshaushalt wurde schlichtweg unter der Annahme eines deutlich höheren Ölpreises geplant. Noch prekärer ist die Lage in Staaten wie Venezuela oder dem Iran: Letzterer benötigt einen Ölpreis von 140 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt, Venezuela sogar 162 Dollar – hier kommen 60 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft. Während der Ölpreisverfall für Russland ärgerlich ist und Ausgaben gekürzt werden müssen, können die Milliardenverluste Venezuela bis zum Staatsbankrott bringen.
Foto: dpaVerlierer: Fracking
Der Schiefergas- oder Fracking-Boom in den USA ist einer der Gründe, warum es zum Preisverfall gekommen ist. Die USA müssen dank der gestiegenen heimischen Produktion weniger zukaufen und sorgen so – da die Ölstaaten ihrerseits nicht die Produktion gedrosselt haben – für die Überproduktion, die jetzt die Preise drückt. Die hohen Ölpreise haben das Fracking einst erst rentabel gemacht. Doch jetzt steht die Branche unter Druck. Sollte der Ölpreis dauerhaft unter 80 Dollar pro Barrel bleiben, dürfte es Experteneinschätzungen zufolge die amerikanische Fracking-Industrie schwer haben, kostendeckend zu fördern. Der Aktienkurs von Continental Resources, einer der größten Fracking-Firmen, ist seit September um die Hälfte eingebrochen.
Foto: dpaTrotz Preis-Crash stehen Russlands Ölkonzerne weit besser da als ihre globalen Konkurrenten. Sie profitieren vom neuen russischen Steuersystem, das sich nicht mehr am Gewinn, sondern am Ölpreis und am Liefervolumen orientiert. Die Aktien sind günstig bewertet. Analysten von Goldman Sachs haben errechnet, dass der Bewertungsabschlag russischer Ölkonzerne gegenüber ihren weltweiten Konkurrenten noch nie so groß war wie heute. Auch die Förderprognosen bis 2020 sähen für die russischen Ölunternehmen vergleichsweise gut aus. Die Ratingagentur Moody’s sieht die exportorientierten Branchengrößen Rosneft und Lukoil als größte Nutznießer der Steuerreform. Allerdings steht Rosneft noch unter dem Bann der westlichen Sanktionen und wird vom Kreml an der kurzen Leine geführt, hinzu kommt die hohe Nettoverschuldung von gut 40 Milliarden Dollar.
Favorisieren sollten Anleger daher den zweitgrößten russischen Ölkonzern Lukoil.
Ein Ausverkauf an der Börse Moskau wäre für antizyklische Anleger eine Einladung zum Einstieg (zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: WirtschaftsWocheBei privaten Unternehmen wie Lukoil besteht zwar ein Risiko, dass der Kreml eingreift, wie bei der einst von Michail Chodorkowski geführten Yukos. Der Oligarch wurde 2003 verhaftet, Yukos-Aktionäre wurden faktisch enteignet. Dafür ist der Bewertungsabschlag gegenüber Ölkonzernen aus dem Westen gewaltig. Lukoil hat Zugriff auf Reserven von 17,6 Milliarden Barrel Öläquivalent (Öl und Gas), 77 Prozent davon sind Rohöl. Die Reserven reichten noch rund 21 Jahre, gemessen an Lukoils Tagesproduktion von 2,3 Millionen Barrel. Bei einem Unternehmenswert von 40,8 Milliarden Dollar (Börsenkapitalisierung plus Schulden) wird ein Barrel aus Lukoils Reserven mit 2,30 Dollar bewertet. Zum Vergleich: Beim weltweit größten privaten Ölkonzern ExxonMobil decken 25,3 Milliarden Barrel Reserven (Ölanteil nur 54 Prozent) einen Produktionszeitraum von gut 17 Jahren ab, ein Fass wird mit über 13 Dollar bewertet – knapp sechsmal so hoch wie bei Lukoil.
Nach sechs Monaten 2015 verdienten die Russen in Dollar zwar 59 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber immer noch 1,7 Milliarden Dollar. Die Öl- und Gasproduktion stieg um 4,9 Prozent. Positiv auch: Vor allem der schwache Rubel sorgte für einen Rückgang der Investitionskosten um 31 Prozent. Um Aktionäre bei der Stange zu halten, dürfte die Dividende nicht gekürzt werden. In diesem Fall kassieren Anleger vor Steuern mehr als sieben Prozent Rendite.
Neuntgrößter Goldproduzent
Neben Öl zählen auch die Aktien der beiden russischen Edelmetallproduzenten Polyus Gold und Polymetal zu den aussichtsreichen Kaufkandidaten. Beide Konzerne sind auf der Kanalinsel Jersey registriert, unterwerfen sich britischen Börsenregeln und notieren an der Londoner Börse.
Platz 18: Japan
Die Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr
Foto: dpaPlatz 17: Österreich
Ziemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr
Foto: dpaPlatz 16: Italien
Der MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 15: Singapur
Singapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 14: Belgien
In der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 13: Frankreich
Der Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 12: Norwegen
Der norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr
Foto: ImagoPlatz 11: Deutschland
An der Frankfurter Börse waren zwar in den vergangenen Jahren öfter die Bullen los, doch langfristig betrachtet ist der deutsche Aktienmarkt nicht einmal unter die Top 10 gekommen. Sein bestes Jahr feierte der MSCI Germany Index im Jahr 2003 – mit einem Plus von 36 Prozent. 2012 (+ 28 Prozent) und 2013 (+ 26 Prozent) ging es ebenfalls deutlich aufwärts. Besonders schlecht lief es für den deutschen Aktienmarkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase. 2001 ging es um 18 Prozent abwärts und 2002 um sogar 43 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,42 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 10: Vereinigtes Königreich
Seinen heftigsten Absturz innerhalb der letzten zwanzig Jahre erlebte der britische Aktienmarkt im Jahr 2008, als im Zuge der Finanzkrise der Markt um 46 Prozent einbrach. Doch direkt im Jahr darauf erlebte der Markt ein Comeback und stieg um 39 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,44 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 9: Niederlande
Der niederländische Aktienmarkt erhält hierzulande nicht besonders viel Aufmerksamkeit – er schlug sich allerdings besser als der deutsche. Wie andere europäische Aktienmärkte stürzte er im Jahr 2008 ab, um 2009 wieder in die Höhe zu schießen. 2013 gehörte der MSCI Netherlands Index zu den stärksten Indizes mit einem Plus von 26 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,56 Prozent pro Jahr
Foto: imago imagesPlatz 8: Hongkong
Hongkong landet auf Platz acht des Rankings. Die ehemalige britische Kolonie konnte vor allem im Jahr 2014 ein Plus von 19,4 Prozent vorweisen. Für diesen Zeitraum liegt Hongkong sogar auf Platz drei.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +8,19 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 7: Australien
Australiens Index war in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen. 2001 konnte man so zum Beispiel den stärksten Index vorweisen, danach ging es bergab: 2006 fand man sich auf Platz zwölf wieder. 2014 landete man mit 9,8 Prozent wieder auf einem guten achten Platz. Insgesamt reicht das für die letzten 20 Jahre zu Platz sieben.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,06 Prozent
Foto: APPlatz 6: USA
In den vergangenen beiden Jahren konnte der MSIC-Index der USA jeweils die Spitzenposition erobern (2014 mit 28,1 Prozent), insgesamt reicht es jedoch nur zu Platz sechs. Das kommt nicht von ungefähr, denn nicht immer stand die USA so gut da: 2004 lag man auf dem letzten Platz des Ranking, es ging nur mühsam wieder bergauf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,57 Prozent
Foto: APPlatz 5: Schweiz
In den vergangenen beiden Jahren lag die Schweiz auf dem siebten Platz, zuletzt mit 13,5 Prozent. Über die letzten 20 Jahre sieht noch besser aus: 9,68 Prozent reichen für Platz fünf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +9,68 Prozent
Foto: dpaPlatz 4: Spanien
Nur in den Jahren 2003 und 2013 war Spanien in der Spitzengruppe der besten Drei vertreten, dennoch reicht es insgesamt für einen starken vierten Platz. So wies der MSCI-Index im Jahr 2013 ein Plus von fast 26 Prozent auf.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,26 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 3: Kanada
Kanada landet auf Platz drei. 2005 lag man sogar auf der Spitzenposition – mit einem Plus von 47,3 Prozent.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +10,46 Prozent
Foto: APSchweden: Platz 2
Traditionell stark vertreten ist Schweden. Mit 43,4 Prozent lag das Land im Jahr 2010 auf Platz eins, auch sonst sind die Skandinavier oft in der Spitzengruppe vertreten gewesen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +11,09 Prozent
Foto: dpaPlatz 1: Dänemark
Auch der Sieger ist Skandinavier: Dänemark. Das Ergebnis sei überraschend, weil Dänemark nicht in einem einzigen einzelnen Jahr auf Platz 1 gestanden habe, sagt Neumann. Doch die Summe an guten Platzierungen hat letztlich zum Spitzenplatz verholfen.
Durchschnittliche Performance (20 Jahre): +12,59 Prozent
Foto: dpaRusslands Nummer eins, Polyus Gold, ist gemessen an der für 2015 angestrebten Jahresfördermenge, der weltweit neuntgrößte Goldproduzent, gemessen an den bestätigten Reserven von 66 Millionen Unzen, die Nummer vier. Nach sechs Monaten 2015 förderte Polyus in seinen sechs russischen Minen 783 000 Unzen Gold – fünf Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014. Die Gesamtkosten je geförderter Unze lagen bei 760 Dollar. Wie bei den Ölgesellschaften federte der schwache Rubel die zuletzt schwache Goldpreisentwicklung ab, weil die Kosten überwiegend in Rubel anfallen, während das Gold auf dem Weltmarkt in Dollar verkauft wird. Die Finanzlage ist solide.
Das System Putin hat sich überlebt
Für Anleger ist und bleibt Russland ein anderer Markt als etwa Großbritannien oder Kanada. Er hängt stärker als andere Börsen an der Politik der Machthaber. Doch es ist nicht undenkbar, dass Russlands Eliten allmählich realisieren, dass sich das System Putin nach 16 Jahren überlebt hat.
Öl ist momentan so billig wie lange nicht. Zwar hat sich der Preis zuletzt etwas stabilisiert, im vergangenen Jahr im Juni war Öl aber noch rund 40 Prozent teurer.
Foto: dpaAn der Tankstelle hat sich der Preissturzes beim Öl bereits ausgewirkt, Diesel und Benzin sind deutlich günstiger geworden. Allerdings nicht so stark wie es möglich gewesen wäre...
Foto: dpaDie Verbraucherzentrale hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, wie stark Verbraucher von den niedrigeren Ölpreise profitiert haben. Ergebnis: Bei vielen Produkte war der Effekt gering. „Allein an der Tankstelle und beim Heizen hätte ein durchschnittlicher Haushalt etwa 15 Euro im Monat sparen können, wenn die gesunkenen Rohstoffpreise vollständig weitergegeben worden wären“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Und auch bei anderen Produkten kam vom Ölpreissturz nur wenig bei Verbrauchern an.
Foto: dpaDer Preis für einen Liter Bier hätte zum Beispiel zwischen Januar 2014 und Januar 2015 um 14 Cent sinken können, hat das Hamburger Forschungsbüro Energy Comment, das die Studie für die Verbraucherzentrale erstellt hat, berechnet. In Wirklichkeit stieg der Preis für Bier in diesem Zeitraum sogar.
Foto: dpaReis hätte durch die niedrigeren Ölpreise ebenfalls billiger werden müssen, vor allem weil die Transportkosten gesunken sind. Bei einem Kilo Reis aus Thailand macht das laut der Studie immerhin 18 Cent aus.
Foto: APBei Laptops, die meistens in Asien gefertigt werden, sollten sich eigentlich auch die niedrigeren Transportkosten bemerkbar machen: Um 1,68 Euro hätte der durchschnittliche Preis für einen Laptop laut Verbraucherzentrale sinken sollen.
Foto: dpaEine 1,5 Kilogramm-Packung Teelichter hätte 29 Cent billiger sein können. Auf den ersten Blick sind das zwar nur kleine Beträge, auf ein Jahr gesehen können sie aber trotzdem einen Unterschied machen. „2014 sind dadurch ungerechtfertigte Mehrkosten von rund 100 Euro pro Haushalt entstanden“, sagt etwa Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen.
Foto: dpaBesonders deutlich wird der Effekt des niedrigen Ölpreises bei Flugreisen. Ein Ticket für Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Sydney könnte 260 Euro günstiger sein. Stattdessen sind die Flugpreise laut Verbraucherzentrale leicht gestiegen.
Foto: dpaDer renommierte bulgarische Politikwissenschaftlers Ivan Krastev, Vorsitzender des Center for Liberal Strategies in Sofia, redet gar schon von einem Machtkampf um das Erbe Putins im Kreml. Aufhorchen ließ im Juni der frühere Finanzminister Aleksei Kudrin. Auf dem International Economic Forum in St. Petersburg hatte sich Kudrin offen für vorgezogene Präsidentschaftswahlen ausgesprochen. Kudrin wirbt um ein Mandat für die dringend notwendigen ökonomischen Reformen und den Umbau der Wirtschaftsstruktur in Land.
Die sind notwendig. In den vergangenen 20 Jahren schrumpfte die Bevölkerung Russlands um sieben Millionen auf 142 Millionen Menschen. In den nächsten 40 Jahren wird die Einwohnerzahl 100 Millionen Menschen unterschreiten, so die Vereinten Nationen. Vor diesem Hintergrund lässt sich ökonomischer Niedergang nur durch hohe Zuwanderung oder einen substanziellen Anstieg der Produktivität verhindern. Ohne die Hilfe des Westens und massive Reformen ist Letzterer nicht zu bewältigen.
Die Aufhebung der Sanktionen wäre ein erster Schritt. Mit Putin aber wird das kaum gelingen, das Klima ist vergiftet, das Verhältnis mit der westlichen Führungsmannschaft zerrüttet. Der im Mai 2014 verkündete spektakuläre Gasdeal mit China dürfte sich nicht als Beginn eines neuen Zeitalters und damit als möglicher Erfolg Putins erweisen. Ursprünglich wurde der 400 Milliarden Dollar schwere und über 30 Jahre laufende Gasliefervertrag mit China als geopolitischer Triumph für Putin gewertet: Russland und China näherten sich an, Russland übernehme die Energieversorgung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.
Allmählich aber wird klar, dass der von Putin eingefädelte Deal den staatlich kontrollierten Gasriesen Gazprom gar ruinieren könnte. Auch wenn dieser gerade einen – vom billigen Rubel gepuschten – Gewinnzuwachs von 50 Prozent im ersten Halbjahr präsentierte. Während der Kreml die Kosten für den Pipelinebau in Richtung China noch auf 55 Milliarden Dollar schätzt, rechnet Gazprom inzwischen mit einer Investition von über 100 Milliarden. Um mit Gaslieferungen nach China Gewinn zu machen, benötigte Gazprom nach Berechnungen von Merrill Lynch einen Preis zwischen 340 und 380 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Aktuell bekommt Gazprom aber nur etwa 200 Dollar.
Seit der Verhaftung Chodorkowskis 2003 hatte Putin den Einfluss von Staat und Bürokratie auf die Wirtschaft systematisch erhöht. Jetzt lockerte Putin die Daumenschrauben erstmals. Das zeigt sich am neuen unternehmens- und exportfreundlichen russischen Steuersystem.
Für den russischen Starökonomen Sergej Gurijew wären Privatisierungen ein Schlüsselmoment für Russland. Dass Putin eine Liberalisierung der russischen Wirtschaft vorantreibt, ist unwahrscheinlich. Die Reformer um Kudrin und dem früheren russischen Wirtschaftsminister Jewgeni Jasin würden dagegen ihre Chance nutzen.
Charttechnik hilft
Trotz niedriger Bewertung eilt ein Sprung an die Börse Moskau nicht. Allenfalls eine überschaubare Anfangsposition können Anleger eingehen, ein Einkauf könnte noch preiswerter werden. In unsicheren Zeiten bietet die Charttechnik Hilfe. Sollte der in Dollar berechnete RTS in den Bereich zwischen 650 und 500 Punkte abrutschen, bietet sich Anlegern eine gute Einstiegschance. Von diesem Niveau aus sollte mindestens eine kräftige Gegenbewegung einsetzen, begleitet von einer Erholung des Rubel, wie bis Mai dieses Jahres.
Sollte diese Unterstützungszone im Rahmen einer Trendbeschleunigung nach unten gerissen werden, dann bedeutete das eine vollständige Kapitulation der Investoren. Für antizyklische Anleger wäre das wohl eine historische Kaufgelegenheit, vergleichbar mit jener von 1998, gekoppelt mit einer Langfristwette auf marktwirtschaftliche Reformen.