Börsenwoche 500: Editorial: Deutschland kann auch Software
Es gibt etwas zu feiern. Sie lesen die 500. Ausgabe unseres Newsletters BörsenWoche. Seit bald zehn Jahren gibt es das wöchentlich erscheinende Format. Seit gut einem Jahr bin ich ihr Autor. Anlässlich des Jubiläums will ich einen optimistischen Blick auf die Märkte werfen.
Ich werde dabei ganz konkret: Kann Deutschland auch Software – und was haben Anleger davon? Vermutlich viel, schließlich gehört Software die Zukunft, oder? Aber Deutschland und Software? Was wir meistens als Stärke Amerikas betrachten, findet auch in Deutschland statt.
Auch hierzulande finden Anleger spannende, börsennotierte Vertreter. Klarer Spitzenreiter aus dem Dax: SAP. Der Softwarekonzern aus Walldorf ist mit Abstand Deutschlands wertvollstes Unternehmen. Im Dax ist dann zwar auch schon Schluss mit IT-Konzernen. Dafür ist die zweite Reihe gut besetzt.
Bei meiner Recherche habe ich neben SAP dreizehn weitere börsennotierte deutsche Softwarekonzerne gefunden, die einen genaueren Blick wert sind: Adesso, Amadeus Fire, Atoss, Bechtle, Cancom, Compugroup Medical, GFT Technologies, Init, IVU, Nemetschek, PSI, Secunet und SNP Schneider-Neureither & Partner.
Das Beeindruckende: Bis auf die Compugroup hat jede einzelne dieser Aktien über die vergangenen zwanzig Jahre gute bis hervorragende Renditen geliefert. Einige Aktien haben sich sogar besser entwickelt als amerikanische Tech-Aktien (siehe Grafik). Anleger, die damals 10000 Euro in Nemetschek investiert haben, haben heute daraus fast eine Million gemacht.
Das räumt mit Vorurteilen auf. Deutschland hat nicht nur Industrieunternehmen, Chemiekonzerne oder Versicherer zu bieten. Es gibt im Land eine florierende Softwarebranche, was sich auch an der Entwicklung der Aktienkurse zeigt. Außerdem ist in der IT-Branche nicht nur Platz für die Großen.
Die Macht von Microsoft, Oracle und SAP lässt häufig vergessen, dass es viele erfolgreiche Nischenanbieter gibt. Das dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern. Großkonzernen fällt es oft schwer, auf die speziellen Bedürfnisse einer Branche oder eines Kundensegments einzugehen. Das erfordert Spezialisierung und jede Menge Know-how.
Natürlich regieren trotzdem die Großen die Welt. Alphabet, Apple oder Microsoft fahren jeweils gut 100 Milliarden Dollar Gewinn ein pro Jahr. Davon können deutsche Softwarekonzerne nur träumen. Die Wertschwankung eines großen Tech-Konzerns an nur einem Tag kann größer sein, als es der Börsenwert aller dreizehn ausgewählten deutschen Softwarekonzerne zusammengenommen ist.
Für Anleger muss das aber nichts Schlechtes sein. Nebenwerte bekommen oft weniger Beachtung, was die Chancen erhöht, dass die Bewertung nicht den tatsächlichen Aussichten entspricht. Unter deutschen Softwareaktien dürften sich einige Schnäppchen tummeln, was wir diese Woche in unserer Analyse genauer betrachten.
Viele Aktien haben sich noch lange nicht von dem Kursrutsch erholt, der die Branche nach der Corona-Erholung getroffen hat. Sieben der dreizehn kleineren deutschen Softwareschmieden haben an der Börse mindestens die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Ein guter Grund, sich umzusehen.
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