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Dax-Ausblick Deutscher Leitindex hat den Rekordstand im Visier

Keine 600 Punkte trennen den Dax noch von seinem Allzeithoch. Nach Ansicht von Experten wird der Abstand schon bald weiter schrumpfen.

Der Dax nimmt sein Allzeithoch bei knapp 13.600 Punkten ins Visier.

FrankfurtExperten attestieren den hiesigen Aktienmärkten gute Chancen auf weitere Kursgewinne im Wonnemonat Mai, nachdem der Dax das siebte Wochenplus in Folge eingefahren hat. Falls sich die Stimmung weiter aufhellt, sollte die Erholungsbewegung am deutschen Aktienmarkt dank attraktiver Bewertungen weiter voranschreiten, erwarten etwa die Analysten der DZ Bank. Auch europaweit zeigen sich nach Einschätzung der Fachleute die Fundamentaldaten zunächst weiterhin positiv.

Zwar mahne das altbekannte Börsensprichwort „Sell in May and go away“ zur Vorsicht, sagt Igor de Maack, Fondsmanager der französischen Vermögensverwaltungsgesellschaft DNCA. Doch diesmal scheinen Anleger optimistischer in die Zukunft zu schauen und eher nach der Devise „Buy in May and sail away“ zu handeln.

Auch Thomas Romig, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon, zeigt sich optimistisch – und nennt die jüngste Euro-Abwertung als maßgeblichen Grund: „Wenn der Dollar stark bleibt, rechnen wir bis zum Sommer mit Dax-Gewinnen von zwei bis vier Prozent.“

Die Gemeinschaftswährung notierte zuletzt mit rund 1,19 Dollar nur knapp über ihrem Viereinhalb-Monats-Tief und macht damit Waren hiesiger Firmen auf dem Weltmarkt attraktiver. In den vergangenen Wochen hat der Euro um gut fünf US-Cent abgewertet.

Technische Analysten sind nach dem jüngsten Kursschub am Aktienmarkt ebenfalls zuversichtlich gestimmt: Die längerfristigen Aussichten für den deutschen Leitindex seien inzwischen wieder positiv, meinen etwa die Experten des Börsenstatistik-Magazins „Indexradar“. Bereits nachdem der Dax Anfang des Monats zurück über seinen 200-Tage-Durchschnittspreis geklettert sei, habe er ein erstes Kaufsignal geliefert.

Und nachdem das Marktbarometer nun auch über der 12.840er-Marke ins Wochenende gegangen ist, signalisiere es eine „klare Übermacht“ auf der Käuferseite. Vor den Hochpunkten um 13.500/13.525 Punkten seien keine Barrieren mehr in Sicht. Behalten die Experten Recht, dürfte der Dax sein bisheriges Allzeithoch bei knapp 13.600 Zählern schon bald ins Visier nehmen.

Vor allem auf die vermehrten politischen Krisenherde reagieren Europas Aktienanleger nach Einschätzung von Experten weiterhin überwiegend gelassen. Selbst angesichts drohender US-Sanktionen für Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zum Iran und der Aussicht auf eine populistische Regierung in Italien kam es nicht zu größeren Verlusten.

Optimisten setzen auf eine Verhandlungslösung in dem Streit um das von den USA aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran. „Es gibt eine Übergangsfrist, bis die Sanktionen greifen", betonte Anlagestratege Benjamin Schroeder von der ING-Bank. Bis dahin könne es zu einer Einigung kommen.

„Noch perlt die politische Unsicherheit an den Märkten ab – doch die Luft wird dünner“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Denn die Weltwirtschaft wachse zwar noch solide, ihren Zenit habe sie aber überschritten. Wichtig seien daher jetzt gute Konjunkturdaten. Und davon steht in den nächsten Handelstagen eine ganze Reihe an.

Den Anfang werden am Montag Japans Produzentenpreise machen. Investoren warten zudem auf die Zahlen zum deutschen und europäischen Wirtschaftswachstum sowie den ZEW-Index, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt, die allesamt am Dienstag anstehen. Der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes habe sich voraussichtlich auf jeweils 0,4 Prozent abgeschwächt, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. „Ein weiterer Rückgang des ZEW-Index dürfte zeigen, dass dies zunehmend auch die Analysten nervös macht.“

Jenseits des Atlantiks stehen die Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von New York (Dienstag) und von Philadelphia (Donnerstag) auf dem Terminplan. Dazu kommen die US-Industrieproduktion am Mittwoch und die Frühindikatoren am Donnerstag. Dort brumme die Konjunktur in der Industrie nach wie vor, sagt Commerzbank-Experte Solveen.

Zudem stehen im Wochenverlauf in der Eurozone noch finale April-Inflationszahlen und die März-Handelsbilanz an und in Amerika diverse Immobilienmarktdaten.

Daneben halten Firmenbilanzen die Investoren weiter in Atem. Allein am Dienstag legen fünf Dax-Werte Geschäftszahlen vor. Dazu gehören die Commerzbank, der Versicherer Allianz, der Versorger RWE und der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck. Im Ausland öffnen ihre Bücher unter anderem der britische Telekom-Rivale Vodafone (Dienstag), der US-Einzelhandelskonzern Wal-Mart sowie der weltweite Marktführer unter den Netzwerkherstellern Cisco (Donnerstag).


Bilanzen stützen die Kurse – doch es gibt auch Warnsignale

In der vergangenen Woche hatten die Aktienmärkte von den oft besser als erwartet ausgefallenen bisherigen Quartalsbilanzen profitiert. Am Freitag beispielsweise war es mit den Aktien des europäischen Stahlsektors aufwärts gegangen. Die Titel profitierten von einem Gewinnsprung und einem optimistischen Ausblick des weltgrößten Herstellers ArcelorMittal.

Die Aktien des Stahlriesen kletterten bis auf ein Vier-Monats-Hoch. In ihrem Schlepptau legten Konkurrenten wie Voestalpine und Outokumpu ebenfalls überdurchschnittlich zu. Thyssen-Krupp-Aktien gehörten in der Folge zu den größten Dax-Gewinnern.

Um mehr als ein Zehntel ist der Dax inzwischen seit seinem Jahrestief im März nach oben geklettert und hat inzwischen erstmals seit Februar wieder die Marke von 13.000 überschritten.

Nicht alle Fachleute teilen den Optimismus der Bullen. Sorgen bereitet ihnen vor allem, dass Anleger die politischen Risiken weitgehend ausblenden. „Selbst wenn Europa das Abkommen beibehalten möchte, werden sich europäische Unternehmen über kurz oder lang aus dem Iran zurückziehen müssen, um nicht selbst in den Sog amerikanischer Sanktionen zu geraten“, sagt etwa Helaba-Strategin Claudia Windt.

Die deutsche und europäische Exportindustrie drohe damit von zwei Seiten in die Mangel genommen zu werden: „Geopolitisch sowie über den nach wie vor schwelenden Handelskonflikt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch am Ende des Monats nicht gelöst sein dürfte“, so die Experten.

Schon jetzt zeichnen sich Probleme für die hiesige Wirtschaft ab. So senkte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wegen der weltweiten Zunahme von Handelshürden seine Prognose für das Wachstum der deutschen Exporte in diesem Jahr zurück. „Wir werden auf fünf Prozent runter gehen mit unserer Exportprognose“, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier am Freitag in Berlin. Bislang waren rund sechs Prozent vorausgesagt worden.

Grund dafür seien höhere Handelsbarrieren. „Hier braut sich schon auch ein Gewitter zusammen“, sagte Treier. „Das handelspolitische Umfeld ist deutlich schwieriger geworden.“ Insgesamt sehe mittlerweile jedes vierte deutsche Unternehmen in der Bevorzugung heimischer Konkurrenz und in Handelshürden ein Risiko für seine Geschäfte.

Die geopolitischen Risiken treiben zudem die Ölpreise weiter an. Allein in der zurückliegenden Handelswoche legten die Notierungen um dreieinhalb Prozent zu. Für die deutsche und die europäische Konjunktur dürfte dies nach Einschätzung der Helaba-Analysten wenig förderlich sein, zumal die jüngsten Daten ohnehin nicht überzeugen würden.

Und ein Rückgang der Ölpreise ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern zunächst unwahrscheinlich. „Kurzfristig könnte der Brent-Ölpreis weiter steigen. Auf Sicht von sechs Monaten sehen wir ihn bei 75 US-Dollar“, sagt Merck-Finck-Stratege Greil.


Das Risiko trägt den Namen „Zinsstrukturkurve“

„Damit bleibt das Thema Inflation auf der Tagesordnung, was die Börse in schneller steigende Zinsen zumindest in den USA übersetzt“, betont Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins zuletzt im März auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent gehievt und zwei weitere Erhöhungen im laufenden Jahr ins Auge gefasst. Der nächste Schritt wird bereits für Juni erwartet.

Inzwischen warnen einige Währungshüter vor einer weiteren Straffung der Geldpolitik in der weltweit taktgebenden Volkswirtschaft. US-Notenbanker James Bullard sagte etwa am Freitag, es gebe „angesichts der aktuellen makroökonomischen Bedingungen Gründe zur Vorsicht bei der weiteren Erhöhung der Leitzinsen“.

An der Wall Street deutet mittlerweile auch die sogenannte „Zinsstrukturkurve“ nach Einschätzung einiger Analysten auf mögliche konjunkturelle Probleme hin: Solche Chartkurven bilden das Renditeniveau von Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten ab. Und im Kurvenabschnitt der Bonds mit einer Restlaufzeit von fünf bis 30 Jahren hat sich der Chart zuletzt so stark abgeflacht wie seit August 2007 nicht mehr.

Doch neigt sich die Zinskurve einer Anlageregion zu sehr in die Waagerechte, weil sich die Renditen kurz und länger laufender Bonds annähern, war das in der Vergangenheit oft ein verlässlicher Frühindikator für drohendes Ungemach an den Aktienbörsen. Ziehen die Leitzinsen am „kurzen Ende“ weiter an, kann sich mittelfristig sogar eine inverse Zinskurve ausbilden – ähnlich wie vor allen sieben Wall-Street-Baissen der vergangenen sechs Dekaden.

An den Bondmärkten in Europa richteten Anleger ihren Blick zuletzt vor allem auf italienische Staatsanleihen, deren Notierungen am Freitag zulegten. Denn relativ moderate Töne der auf ein Regierungsbündnis zusteuernden Parteien in Italien beruhigten die Nerven der Anleger. Im Gegenzug sanken etwa die Renditen zehnjähriger Papiere um rund sechs Basispunkte auf knapp 1,87 Prozent, nachdem sie am Donnerstag ein Sieben-Wochen-Hoch markiert hatten.

Vertreter der populistischen 5-Sterne-Bewegung betonten, eine vernünftige und berechenbare Haushaltspolitik verfolgen zu wollen. Die 5 Sterne und die rechtsextreme Lega wollen sich bis Sonntag auf einen Regierungschef verständigen. Gelingt dies reibungslos, wären auch das beruhigende Nachrichten, die Dax & Co. zum Wochenstart weiter stützen dürften.

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