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Elsässers AusleseJeder Investor braucht seinen eigenen Krisenfahrplan

Die Rückschläge an der Börse verunsichern viele Geldanleger. Das liegt daran, dass sie keinen Fahrplan für Zeiten fallender Kurse in der Tasche haben. Worauf es bei so einem Krisenfahrplan für Anleger ankommt.Markus Elsässer 22.02.2016 - 06:00 Uhr

Nach unten zeigt am 18.09.2015 in Frankfurt am Main (Hessen) im Handelssaal der Börse am Vormittag die Kurve des Dax (Aufnahme mit Zoomeffekt). Nach der Entscheidung der US-Notenbank Fed, die Leitzinsen auf dem historischen Tief zu belassen, reagierte der deutsche Aktienmarkt zunächst mit Verlusten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

Im meiner Auslese vom vergangenen Montag, den 15. Februar 2016, habe ich über die Hintergründe plötzlicher Kursstürze an der Börse berichtet. Nur wenige Geldanleger haben die Ruhe, solche Kursschwankungen gelassen hinzunehmen. Steigende Aktienkurse werden wohlwollend und genüsslich zur Kenntnis genommen. Es ist jedoch naiv, sich als „Schönwetter-Kapitän“ auf das Börsenparkett zu wagen. Wie ich aufgezeigt habe, gehören fallende Kurse zum Börsensystem. Sie sind keine Katastrophe, sondern gehören einfach zum Ablauf des Geschehens.

Aus meiner Erfahrung wird der Hauptfehler von den meisten Investoren schon zum Zeitpunkt des Aktienkaufs gemacht. Wer sich für ein Börsenengagement entscheidet, sollte sich von Anfang an seine persönliche „Krisenstrategie“ zurecht legen. Und diese sollte man auch über eine längere Zeit der Hausse nicht vergessen oder ad acta legen. Denn auch nach Jahren noch so schöner Kursavancen, wird es sich an der Börse wieder einmal verdunkeln.

Welche Eckdaten sollte mein „Krisenfahrplan“ enthalten? Zunächst einmal sollte der bewusste Entscheid festgehalten werden, dass ich meine Aktie zu einem wohl überlegten Preis kaufe. Das ist nicht bei allen Investoren so. Oft überwiegt doch der spontane Entschluss, ohne weitere Überlegung „mit zu segeln“.

Platz 25: Ukrainische Aktien

Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 24: Brasilianische Aktien

Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 23: Brentöl

Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 22: Aktien Griechenland

Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 21: Magere Schweine

Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 20: Kaffee

Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche

Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 18: Aktien Schwellenländer

Die Emerging Markets machten Anlegern auch 2015 nicht viel Freude. Der MSCI Emerging Markets verlor über 16 Prozent. Auch hier machte für Euro-Anleger der Dollar-Anstieg einiges wett, den der Index notiert in der US-Währung. Wer 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets investiert, hat jetzt noch 92.560 Euro auf dem Konto.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 17: Gold

Gold glänzte auch 2015 nicht. Im Gegenteil: In Dollar gerechnet verlor der Preis für eine Feinunze erneut 9,8 Prozent. Ein Trost für Euro-Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars zur europäischen Gemeinschaftswährung haben sie nur ganze wenig verloren. Aus 100.000 in Gold angelegten Euro wurden 99.880 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 16: Deutsche Staatsanleihen

Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 15: Tagesgeld

Das Niedrigzinsumfeld macht deutschen Sparern weiter zu schaffen. Der durchschnittliche Satz für Tagesgeld lag 2015 bei gerade mal 0,43 Prozent. Wer 100.000 Euro in Tagesgeld investierte, hat somit gerade mal 430 Euro verdient.

Stand: 30.12.2015, Quelle: FMH Finanzberatung

Foto: dpa

Platz 14: Euro-Junkbonds

Junk-Bonds sind Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität bescheinigen. Dafür bieten die Papiere höhere Zinsscheine als Anleihen von kreditwürdigeren Schuldnern. Die Kurse der auch Schrottanleihen genannten Papiere fielen jedoch im Jahr 2015. Die höheren Kupons kompensierten das aber zumindest teilweise. Aus 100.000 in einen Junk-Index angelegten Papiere wurden so 101.260 Euro.

Stand: 29.12 2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 13: Aktien Euro-Zone

Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 12: Schweizerische Aktien

Die schweizerische Notenbank schockte Investoren im Januar mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses für den Franken. Die Börse stürzte zunächst ab, erholte sich aber später wieder zum großen Teil. Auf Jahressicht hat der Leitindex SMI gut ein Prozent eingebüßt. Gleichzeitig stieg aber der Franken zum Euro. Das sorgt dafür, dass Euro-Anleger mit einer Anlage in SMI-Aktien 9,95 Prozent Gewinn machten.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 11: Deutsche Aktien

Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 10: Russische Aktien

Bei russischen Aktien sahen viele Investoren nach dem Einbruch der vergangenen Jahre wieder Einstiegschancen – obwohl die russische Wirtschaft weiter unter den Sanktionen wegen des Konflikts mit der Ukraine leidet. Das machte auch dem Rubel zu schaffen. Der Leitindex Micex der Börse Moskau stieg um fast 26 Prozent. Wegen des Rubel-Verfalls bleiben Euro-Anlegern davon aber nur 11,01 Prozent. Aus 100.000 Euro ergaben sich deshalb „nur“ 111.010 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg

Foto: dpa

Platz 9: US-Dollar

Das stärkere Wirtschaftswachstum in den USA und die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank haben den Dollar angetrieben. Die US-Währung hat 2015 zum Euro bislang 11,2 Prozent zugelegt. Für Anleger die in US-Wertpapiere oder in andere in Dollar denominierten Anlagen investierten, bringt das deutliche Währungsgewinne.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 8: Amerikanische Staatsanleihen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: AP

Platz 7: US-Aktien

Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100.000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 6: Chinesische Aktien

Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro.

Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: REUTERS

Platz 5: Japanische Aktien

Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.

Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: AP

Platz 4: Griechische Staatsanleihen

Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger, die noch griechische Bonds handeln, den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit das dritte Hilfspaket für Hellas freigegeben wurde. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds steckte, hat jetzt 121.190 Euro.

Stand: 29.12,2015. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: dpa

Platz 3: Irische Aktien

Der Leitindex der irischen Börse hat sich am besten im ganzen Euro-Raum geschlagen. Mit voraussichtlich sechs Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hat die grüne Insel 2015 im Euro-Raum auch beim Wirtschaftswachstum die Nase weit vorn. Der Index stieg um 30,64 Prozent – aus 100.000 Euro wurden so 130.640 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 2: Jamaikanische Aktien

Die Börse des sich gerade von einer Rezession erholenden Landes ist der zweite große Sieger unter den weltweiten Anlageklassen. Die Börse ist indes sehr klein, gehandelt werden täglich gerade mal Aktien für rund 700.000 Dollar, das ist ein Fraktal der täglich sieben Milliarden Dollar gehandelten Aktien des amerikanischen Dow Jones Index. Wer 2015 jedoch 100.000 Euro in den jamaikanischen JSE Market investierte, hat jetzt 204.680 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Platz 1: Venezolanische Aktien

Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres. Und das, obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit, ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Foto: REUTERS

Im nächsten Schritt sollte ich festlegen, bis zu welchem tieferen Kurs ich mich noch freuen kann, da ich die Aktie billiger nachkaufen möchte. Und danach gehört derjenige Kurs in meinen Krisenbüchlein, bei dem ich anfange, mich zu ärgern (aber trotzdem die Aktie im Bestand behalten werde, komme, was da wolle). Im letzten Abschnitt sollte ich festhalten, zu welchem Kurs ich im Tief verkaufen werde, weil mir dann das Risiko einfach zu hoch ist. Ohne den festen Krisenfahrplan als Begleiter in der Schublade, werden Sie es nicht schaffen, mit Abstand einen Börsen-Crash zu ertragen oder gar zu nutzen. Geraten die Börsenkurse erst einmal ins Rutschen, dann verliert der ungeübte Investor die Lust an seinem Aktiendepot. Je tiefer die Kurse fallen, umso weniger will er hinschauen. Am Ende, wenn die Verluste auf dem Papier ganz enorme Dimensionen angenommen haben, macht er frustriert den Aktendeckel zu und schaut nicht mehr hin. Er gibt auf und schmeißt hin. Dieses Verhalten kennen wir aus der Arztpraxis. Wenn der Onkel Doktor mit der großen Spritze mit einer dicken Nadel ansetzt, dann machen wir die Augen zu oder schauen in die andere Richtung. Was beim Arztbesuch ganz in Ordnung ist, hat an der Börse für den leidgeplagten Investor fatale Folgen. Denn im Börsen-Crash heißt es: Gerade jetzt hinschauen, das Krisenbüchlein herausholen und in Ruhe mit Abstand nachdenken.

Hier noch ein paar weitere Gedanken, die Ihnen auf Ihrer Reise durch die Börse vielleicht helfen werden: Rechnen Sie sich bei steigenden Kursen nicht dauernd reich. Bleiben Sie in Ihrer Vermögensaufstellung bei dem Wert, den Sie für die Aktie gezahlt haben, dem sogenannten Einstandskurs. Es ist zwar ein angenehmes Gefühl, höhere Kurse im Depot zu sehen. Aber sie sind ja nur eine „Papiergröße“, solange Sie die Aktie im Bestand halten. Erst wenn Sie eine Verkaufsorder erteilen, haben Sie am nächsten Tag den Gegenwert als Gutschrift auf Ihrem Konto. Erst dann wissen Sie, was Sie verdient oder verloren haben.

Verabschieden Sie sich vom Quartals- und Kalenderdenken. Mich interessiert nur eines: Was habe ich damals für die Aktie gezahlt und was habe ich nach dem Verkauf „raus bekommen“. Bis dahin orientiere ich mich nur am Einstandskurs. Das hat mir schon immer geholfen, die Ruhe zu bewahren. Denn bei den meisten Langfrist-Investoren, sind Kursstürze keine realen Verluste des „Urvermögens“, sondern Rückgänge von zwischenzeitlichen „Papiergewinnen“. Und das ist ein großer Unterschied. Ich bin aus jeder Börsenkrise am Ende des Tage besser herausgekommen als zuvor. Warum? Weil ich mich nicht über die viel zu tiefen Kurse aufrege, sondern in der tiefen Kursphase die Entwicklung der Aktien mit einander vergleiche.

Die Aktien fallen sehr unterschiedlich. Und meistens hat mir erst die Krise ermöglicht, Aktien zu kaufen, die mir vorher viel zu teuer waren. Die finanziellen Mittel habe ich, in dem ich umschichte. Das ist der ganze Trick. Die meisten Anleger befinden sich ratlos quasi im Schock und starren, wie das Kaninchen gelähmt auf die Schlange. Sie sind über den Kursverfall entsetzt und bringen es nicht über das Herz, eine Aktie mit „so“ viel Verlust zu verkaufen. Dadurch verpassen sie die Gelegenheit, ihr Depot besser auszurichten.

Der kluge Investor hat nach dem Börsen-Crash ein Depot von höherer Qualität. Deshalb achte ich darauf, aktiv mein Depot zu bereinigen und Fehler zu korrigieren. Im Sturm schmeiße ich Ballast von Bord und kauere nicht in der Kajüte. Als Resultat habe ich nach dem Crash mehr von den guten Aktien.

Auf die Depotbewertung im irrationalen Börsen-Stimmungstief kommt es nicht an, sondern auf das Einsammeln von möglichst vielen der guten Aktien. Und das schaffe ich, in dem ich mutig und beherzt im Depot umschichte. Seien Sie sich von Anfang im Klaren, dass Aktienkurse auch allerbester Unternehmen bis zu 80 Prozent oder gar 90 Prozent an der Börse fallen können. In der Massenpsychose einer Börsenhysterie ist dies in den Jahren 1929, 1931, 1987 und auch 2008 vorgekommen. Und es wird wieder passieren. Wer solche vorübergehenden Ausschläge nervlich nicht ertragen kann, sollte sein Geld besser woanders anlegen.

Als Value-Investor achte ich auf die fundamentalen Daten in meinem Research. Aber in Krisenzeiten sollte man durchaus, die Chart-Technik mit zu Rate ziehen. Vor allem in den Langfrist-Charts der Aktien spiegelt sich die Psyche der Börsenteilnehmer wieder. Ich mag grundsätzlich den Zehn-Jahres-Chart einer Aktie. Dort kann ich tiefe und grundlegende Widerstands- und Auffanglinien in den Kursen berechnen. Sicherlich, ich finde dort nicht die ganze Antwort, aber ein brauchbares Thermometer. Es zeigt mir an, wie es um die Temperatur in der Börsenpanik steht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Börsenwoche.

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