Elsässers Auslese: Warum es an der Börse rumpelt
Platz 25: Ukrainische Aktien
Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 24: Brasilianische Aktien
Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 23: Brentöl
Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 22: Aktien Griechenland
Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 21: Magere Schweine
Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 20: Kaffee
Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.
Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche
Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 18: Aktien Schwellenländer
Die Emerging Markets machten Anlegern auch 2015 nicht viel Freude. Der MSCI Emerging Markets verlor über 16 Prozent. Auch hier machte für Euro-Anleger der Dollar-Anstieg einiges wett, den der Index notiert in der US-Währung. Wer 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets investiert, hat jetzt noch 92.560 Euro auf dem Konto.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSPlatz 17: Gold
Gold glänzte auch 2015 nicht. Im Gegenteil: In Dollar gerechnet verlor der Preis für eine Feinunze erneut 9,8 Prozent. Ein Trost für Euro-Anleger: Dank der Aufwertung des Dollars zur europäischen Gemeinschaftswährung haben sie nur ganze wenig verloren. Aus 100.000 in Gold angelegten Euro wurden 99.880 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSPlatz 16: Deutsche Staatsanleihen
Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 15: Tagesgeld
Das Niedrigzinsumfeld macht deutschen Sparern weiter zu schaffen. Der durchschnittliche Satz für Tagesgeld lag 2015 bei gerade mal 0,43 Prozent. Wer 100.000 Euro in Tagesgeld investierte, hat somit gerade mal 430 Euro verdient.
Stand: 30.12.2015, Quelle: FMH Finanzberatung
Foto: dpaPlatz 14: Euro-Junkbonds
Junk-Bonds sind Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität bescheinigen. Dafür bieten die Papiere höhere Zinsscheine als Anleihen von kreditwürdigeren Schuldnern. Die Kurse der auch Schrottanleihen genannten Papiere fielen jedoch im Jahr 2015. Die höheren Kupons kompensierten das aber zumindest teilweise. Aus 100.000 in einen Junk-Index angelegten Papiere wurden so 101.260 Euro.
Stand: 29.12 2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 13: Aktien Euro-Zone
Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 12: Schweizerische Aktien
Die schweizerische Notenbank schockte Investoren im Januar mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses für den Franken. Die Börse stürzte zunächst ab, erholte sich aber später wieder zum großen Teil. Auf Jahressicht hat der Leitindex SMI gut ein Prozent eingebüßt. Gleichzeitig stieg aber der Franken zum Euro. Das sorgt dafür, dass Euro-Anleger mit einer Anlage in SMI-Aktien 9,95 Prozent Gewinn machten.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 11: Deutsche Aktien
Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 10: Russische Aktien
Bei russischen Aktien sahen viele Investoren nach dem Einbruch der vergangenen Jahre wieder Einstiegschancen – obwohl die russische Wirtschaft weiter unter den Sanktionen wegen des Konflikts mit der Ukraine leidet. Das machte auch dem Rubel zu schaffen. Der Leitindex Micex der Börse Moskau stieg um fast 26 Prozent. Wegen des Rubel-Verfalls bleiben Euro-Anlegern davon aber nur 11,01 Prozent. Aus 100.000 Euro ergaben sich deshalb „nur“ 111.010 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg
Foto: dpaPlatz 9: US-Dollar
Das stärkere Wirtschaftswachstum in den USA und die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank haben den Dollar angetrieben. Die US-Währung hat 2015 zum Euro bislang 11,2 Prozent zugelegt. Für Anleger die in US-Wertpapiere oder in andere in Dollar denominierten Anlagen investierten, bringt das deutliche Währungsgewinne.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 8: Amerikanische Staatsanleihen
Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: APPlatz 7: US-Aktien
Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100.000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.
Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 6: Chinesische Aktien
Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro.
Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: REUTERSPlatz 5: Japanische Aktien
Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.
Stand: 30.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: APPlatz 4: Griechische Staatsanleihen
Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger, die noch griechische Bonds handeln, den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit das dritte Hilfspaket für Hellas freigegeben wurde. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds steckte, hat jetzt 121.190 Euro.
Stand: 29.12,2015. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: dpaPlatz 3: Irische Aktien
Der Leitindex der irischen Börse hat sich am besten im ganzen Euro-Raum geschlagen. Mit voraussichtlich sechs Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts hat die grüne Insel 2015 im Euro-Raum auch beim Wirtschaftswachstum die Nase weit vorn. Der Index stieg um 30,64 Prozent – aus 100.000 Euro wurden so 130.640 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSPlatz 2: Jamaikanische Aktien
Die Börse des sich gerade von einer Rezession erholenden Landes ist der zweite große Sieger unter den weltweiten Anlageklassen. Die Börse ist indes sehr klein, gehandelt werden täglich gerade mal Aktien für rund 700.000 Dollar, das ist ein Fraktal der täglich sieben Milliarden Dollar gehandelten Aktien des amerikanischen Dow Jones Index. Wer 2015 jedoch 100.000 Euro in den jamaikanischen JSE Market investierte, hat jetzt 204.680 Euro.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSPlatz 1: Venezolanische Aktien
Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres. Und das, obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit, ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.
Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.
Foto: REUTERSAn allen wichtigen Börsenplätzen muss eine ganze Industrie von Reportern und Analysten täglich die Kursentwicklung der Aktien kommentieren. Für jedes „auf“ und „ab“ der Aktien wird versucht, eine Erklärung zu finden. Und immer sind Antworten da. Das ist schon erstaunlich. Aber nur so lassen sich die täglichen TV-Börsenformate füllen.
Hinter dem gewaltigen Börsengetöse wird meist übersehen, dass es sich bei den Aktienbörsen ja nicht um offizielle ökonomische Gradmesser oder volkswirtschaftliche Bewertungsanstalten handelt. Ganz im Gegenteil. Die Kurse kommen ja rein durch Angebot und Nachfrage zustande. Bei vielen Anlegern herrscht der Irrglaube, dass bei fallenden Kursen mehr Aktien verkauft werden, als gekauft werden. Das ist natürlich Unfug. Jeden Tag werden an der Börse genau gleich viel Aktien verkauft wie gekauft. Sonst käme ja gar kein Kurs zustande.
Und das ist immer so, ganz gleich, ob an dem Tag die Kurse stark gefallen oder gestiegen sind. Auch in einem schlimmen Crash gibt es also jeden Tag genauso viele Investoren, die Aktien gekauft wie verkauft haben. Dennoch entsteht der Eindruck bei einem Börsensturz, dass die ganze Welt sich von den Aktien getrennt hat. Hier berühren wir zum ersten mal die psychologische Komponente der Börsenwirkung.
Gewollte und ungewollte Verkäufe
Ausschlaggebend für die tägliche Kursrichtung ist also, welche Seite bei einer Börsentransaktion es sozusagen „dringender“ hat. Will der Käufer „auf Teufel komm raus“ eine bestimmte Aktie in sein Depot aufnehmen oder hat es der Verkäufer eilig und ist bereit, zu tieferen Kursen auszusteigen. Hier kommen wir zu der Frage, warum es für Aktienkurse viel leichter ist, zu fallen als zu steigen. Der Verkaufsdruck an der Börse entspringt den Gegebenheiten des normalen Lebens. Die Anleger brauchen immer wieder aus den verschiedensten Gründen Geld und müssen sich - gewollt oder ungewollt - von Aktien trennen: Rechnungen sind zu bezahlen, Steuern zu entrichten, Hochzeiten werden gefeiert, Todesfälle erzwingen eine Änderung in der Depotstruktur und vieles mehr. Diesen Verkaufsentscheidungen liegen überhaupt keinerlei Überlegungen zum aktuellen Wert einer Aktie zu Grunde. Die Liquidität wird benötigt. In diesem Szenario dominiert nicht die Psyche der Geldanleger, vielmehr die nackten Fakten.
Name: Herbert Hainer
Unternehmen: Adidas
Gesamtvergütung: 4.348.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -38,56 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -40,72 %
Bewertung: -
3,4 Millionen Euro verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen durchschnittlich Jahr. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München hervor. Viele bekommen auch dann ein hohes Gehalt, wenn sich der Aktienkurs im freien Fall befindet. Ein Überblick über Kursentwicklung und Vergütung.
Die Berechnung der Kursentwicklung erfolgt auf Grundlage der Daten der Börse Frankfurt und bezieht sich auf den Zeitraum 2.1.2014 bis 30.12.2014.
Foto: dpaName: Michael Diekmann
Unternehmen: Allianz
Gesamtvergütung: 5.942.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 5,64 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 3,48 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Kurt Bock
Unternehmen: BASF
Gesamtvergütung: 4.882.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -10,45 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -12,61 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Marijn Dekkers
Unternehmen: Bayer
Gesamtvergütung: 5.372.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 10,48 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 8,32 %
Bewertung: +
Foto: dpa
Name: Stefan Heidenreich
Unternehmen: Beiersdorf
Gesamtvergütung: 5.044.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -7,96 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -10,12 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Norbert Reithofer
Unternehmen: BMW St
Gesamtvergütung: 7.245.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 5,62 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 3,46 %
Bewertung: +
Foto: REUTERSName: Martin Blessing
Unternehmen: Commerzbank
Gesamtvergütung: 3.050.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -6,31 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -8,47 %
Bewertung: -
Foto: REUTERSName: Elmar Degenhart
Unternehmen: Continental
Gesamtvergütung: 4.409.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 9,96 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 7,80 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Dieter Zetsche
Unternehmen: Daimler
Gesamtvergütung: 7.081.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 10,47 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 8,31 %
Bewertung: +
Foto: REUTERSName: Anshu Jain/Jürgen Fitschen
Unternehmen: Deutsche Bank
Gesamtvergütung: 7.081.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -23,79 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -25,95 %
Bewertung: -
Foto: APName: Reto Francioni
Unternehmen: Deutsche Börse
Gesamtvergütung: 3.676.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -1,62 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -3,78 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Frank Appel
Unternehmen: Deutsche Post
Gesamtvergütung: 5.545.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 2,71 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 0,55 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Timotheus Höttges
Unternehmen: Deutsche Telekom
Gesamtvergütung: 3.969.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 11,46 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 9,30 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Johannes Teyssen
Unternehmen: E.ON
Gesamtvergütung: 4.349.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 6,92 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 4,76 %
Foto: REUTERSName: Ulf M. Schneider
Unternehmen: Fresenius
Gesamtvergütung: 4.178.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 15,15 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 12,99 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Rice Powell
Unternehmen: Fresenius Medical Care St
Gesamtvergütung: 4.045.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 18,49 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 16,33 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Bernd Scheifele
Unternehmen: HeidelbergCement
Gesamtvergütung: 4.745.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 6,76 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 4,60 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Kasper Rorsted
Unternehmen: Henkel Vz
Gesamtvergütung: 6.740.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 6,26 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 4,10 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Reinhard Ploss
Unternehmen: Infineon
Gesamtvergütung: 2.068.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 14,25 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 12,09 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Norbert Steiner
Unternehmen: K+S
Gesamtvergütung: 2.102.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 1,60 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -0,56 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Matthias Zachert
Unternehmen: Lanxess
Gesamtvergütung: 3.444.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -20,78 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -22,94 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Wolfgang Büchele
Unternehmen: Linde
Gesamtvergütung: 3.190.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 1,78 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -0,38 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Carsten Spohr
Unternehmen: Lufthansa
Gesamtvergütung: 2.341.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -9,82 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -11,98 %
Bewertung: -
Foto: REUTERSName: Karl-Ludwig Kley
Unternehmen: Merck KGaA
Gesamtvergütung: 7.765.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 20,49 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 18,33 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Nikolaus von Bomhard
Unternehmen: Münchener Rück
Gesamtvergütung: 4.132.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 3,29 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 1,13 %
Bewertung: +
Foto: REUTERSName: Peter Terium
Unternehmen: RWE St
Gesamtvergütung: 5.745.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -3,09%
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -5,25%
Bewertung: -
Foto: dpaName: Bill McDermott
Unternehmen: SAP
Gesamtvergütung: 7.912.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -6,21%
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -8,37%
Bewertung: -
Foto: dpaName: Joe Kaeser
Unternehmen: Siemens
Gesamtvergütung: 5.545.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -5,73 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -7,89 %
Bewertung: -
Foto: dpaName: Heinrich Hiesinger
Unternehmen: ThyssenKrupp
Gesamtvergütung: 5.444.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: 20,06 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: 17,90 %
Bewertung: +
Foto: dpaName: Martin Winterkorn
Unternehmen: Volkswagen Vz
Gesamtvergütung: 15.015.000 Euro
Entwicklung des Aktienkurses 2014: -9,52 %
Differenz der Entwicklung des Aktienkurses zur Entwicklung des Dax 2014: -11,68 %
Bewertung: -
Foto: REUTERSDamit haben wir den eigentlichen Treiber der Aktienkurse identifiziert, nämlich die Käufer von Aktien. Anders als die Verkaufsseite wurzeln Kaufentscheidungen nicht auf den realen Gegebenheiten des Lebens. Kein Mensch muss Aktien kaufen. Nein, die Käufer werden nur dann aktiv, wenn sie eine bewusste Investmententscheidung getroffen haben: Ein fester Entschluss zum Wert der Aktie und zur Aussicht auf eine positive Kursentwicklung. Diese Einschätzung hat ihre Verankerung in der Psyche des Geldanlegers. Das trifft sowohl für private wie institutionelle Investoren gleichermaßen zu. Auf der Kaufseite dreht sich alles darum, wie die Realität und die Zukunft subjektiv wahrgenommen werden.
Fragile Psyche
Am Ende des Tages stehen im Zentrum der Börsen-Kursfindungen nicht Rechenmodelle, sondern Menschen mit ihren Erwartungen, Ängsten und Wahrnehmungen. Seit Jahrhunderten ist die Psyche der Börsenteilnehmer ein fragiles und leicht angreifbares Konstrukt. Doch was löst eine Richtungsänderung der Psyche an der Börse aus? Woher kommt der Anstoß, dass Nachrichten aus Politik und Wirtschaft so interpretiert werden, dass sie eine Umkehr der Kursrichtung bewirken können und manchmal seltsamerweise eben nicht?
Profiteur: Flugbranche
Der niedrige Ölpreis schlägt sich direkt in die Bilanzen der Airlines durch: Dadurch spart ein Billigflieger wie Ryanair im Vergleich zum Jahreswechsel 2013/14 fast 20 Prozent seiner Gesamtkosten. Weil die Discounter ansonsten extrem schlank arbeiten, fließen bei einem Ölpreis von mehr als 1000 Dollar pro Tonne fast 40 Prozent aller Ausgaben in den Sprit. Bei den gegenwärtig knapp 600 Dollar ist es nur noch gut ein Fünftel. Bei Fluggesellschaften wie der Lufthansa halbieren sich die Spritkosten zwar auch, wegen der aufwändigeren Kostenstrukturen ist der Effekt in der Bilanz deutlich geringer. So oder so: Die Verbraucher können sich auf gleichbleibende oder zum Teil sogar sinkende Ticketpreise freuen.
Foto: PRProfiteur: Autobranche
2014 war das billigste Tankjahr seit vier Jahren. Statt wegen hoher Benzinpreise von 1,70 Euro pro Liter eher zum sparsamen Billig-Modell zu greifen, bestellen die Kunden prestigeträchtige und teure Spritfresser. Das kurbelt nicht nur allgemein den Autoabsatz an, die großen Premium-Limousinen und -SUVs versprechen den Autobauern auch dicke Gewinnmargen. In den USA war dieser Trend bereits vor Jahren zu beobachten, als die Verbraucher wegen des billigen Sprits die neu entwickelten Modelle der Hersteller links liegen ließen und stattdessen weiter zu Pickups mit großem V8 griffen.
Foto: APProfiteur: Konsumgüter
Der größte Profiteur des niedrigen Ölpreises könnte die Konsumgüterbranche sein. Der niedrige Ölpreis wirke wie eine Steuersenkung für Verbraucher, erklären die Experten der Privatbank M.M. Warburg. Diese haben in der Folge mehr Geld im Portemonnaie, das sie ausgeben können. US-Konsumenten etwa würden, wenn der Ölpreis dauerhaft nicht über 70 Dollar je Barrel steigt, um 180 Milliarden Dollar entlastet, was rund einem Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspreche. „Von daher sollte der private Konsum im nächsten Jahr um etwa drei Prozent zulegen können und damit der Wachstumsmotor der US-Wirtschaft sein“, heißt es im Konjunkturausblick der Bank.
Foto: REUTERSProfiteur: Schifffahrt
Die Container-Schifffahrt profitiert enorm vom günstigen Öl. Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd beispielsweise kaufte im ersten Halbjahr 2014 ihren Treibstoff um gut fünf Prozent günstiger ein. Im zweiten Halbjahr dürfte die Ersparnis noch deutlich größer gewesen sein. Energiepreise machen einen nicht unwesentlichen Teil der Ausgaben der Reedereien aus.
Foto: dpaProfiteur: Logistik
Ähnliches gilt für die Logistikbranche, die Tankrechnungen bei Spediteuren und Paketdiensten sinken – wenn auch nicht ganz so schnell wie der Ölpreis. Seit Sommer ist der Diesel aber um 25 bis 30 Prozent billiger geworden.
Foto: dpaProfiteur: Pharmabranche
Die Grundsubstanz fast aller synthetisierten Chemikalien ist Steinkohlenteer oder Rohöl. Die meisten Medikamente werden ihrerseits im Labor aus Rohöl synthetisiert. Die Pharmaunternehmen sparen derzeit beim Rohstoffeinkauf bares Geld.
Foto: dpaNeutral: Chemie
Zwar sparen auch die Chemiekonzerne momentan, wenn sie ihre Rohstoffe einkaufen. In der Branche ist der Preisdruck aber so hoch, dass BASF & Co. die Ersparnis nahezu direkt an ihre Kunden weitergeben müssen. Von dem niedrigeren Ölpreis profitiert die Chemiebranche also nicht direkt – eher über die positiven konjunkturellen Auswirkungen und einem damit verbundenen Auftragsplus.
Foto: dpaVerlierer: Ölkonzerne
Die Aktienkurse der Ölkonzerne haben im vergangenen Halbjahr zwischen fünf und 25 Prozent nachgegeben. Ihre Ausgaben für Förderung, Transport und Handel bleiben gleich oder steigen sogar leicht, die Einnahmen gehen aber zurück.
Foto: dpaVerlierer: Ölfördernde Staaten
Das russische Finanzministerium hat ausgerechnet: Pro zehn Dollar, die der Ölpreis unter der Marke von 100 Dollar liegt, steigt das Staatsdefizit um 1,2 Prozent. Der Staatshaushalt wurde schlichtweg unter der Annahme eines deutlich höheren Ölpreises geplant. Noch prekärer ist die Lage in Staaten wie Venezuela oder dem Iran: Letzterer benötigt einen Ölpreis von 140 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt, Venezuela sogar 162 Dollar – hier kommen 60 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft. Während der Ölpreisverfall für Russland ärgerlich ist und Ausgaben gekürzt werden müssen, können die Milliardenverluste Venezuela bis zum Staatsbankrott bringen.
Foto: dpaVerlierer: Fracking
Der Schiefergas- oder Fracking-Boom in den USA ist einer der Gründe, warum es zum Preisverfall gekommen ist. Die USA müssen dank der gestiegenen heimischen Produktion weniger zukaufen und sorgen so – da die Ölstaaten ihrerseits nicht die Produktion gedrosselt haben – für die Überproduktion, die jetzt die Preise drückt. Die hohen Ölpreise haben das Fracking einst erst rentabel gemacht. Doch jetzt steht die Branche unter Druck. Sollte der Ölpreis dauerhaft unter 80 Dollar pro Barrel bleiben, dürfte es Experteneinschätzungen zufolge die amerikanische Fracking-Industrie schwer haben, kostendeckend zu fördern. Der Aktienkurs von Continental Resources, einer der größten Fracking-Firmen, ist seit September um die Hälfte eingebrochen.
Foto: dpaDie Antwort auf diese Frage ist im Mechanismus des internationalen Börsensystems zu finden. Nur wenigen Geldanlegern und Aktionären in Deutschland ist bekannt, dass die meisten Broker - vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Asien – kein festes Gehalt beziehen. Sie werden rein variabel entlohnt. Ihr Verdienst richtet sich nach den getätigten Umsätzen der Kunden. Sie erhalten einen Prozentsatz der An- und Verkaufsspesen. Eine riesige Industrie von Aktienhändlern, Maklern und Wertpapierberatern ist auf Gedeih und Verderben auf die Börsenumsätze angewiesen. Bei flauen Umsätzen verdienen sie fast nichts, bei großen Umsatzbewegungen verdienen sie unbegrenzt „nach oben“. Angst und Euphorie geben sich die Hand.
Das gesamte Börsensystem ist von daher auf den Faktor „Umsatz“ aufgebaut. Hohe Kurse oder tiefe Kurse sind für das System hinnehmbar, aber in keinem Fall ein „Einschlafen“ der Börsentransaktionen. Deshalb ist der permanente Fluss an Geschäftskommentaren und -nachrichten so wichtig. Es bedarf täglich der Anlässe, Geldanleger und Aktionäre zur Aktion zu bewegen.
Verliert beispielsweise eine Aufwärtsbewegung der Kurse an Momentum, lassen sich immer weniger Anleger dazu bewegen, Aktien zu kaufen, dann muss etwas passieren. Früher oder später testet in diesem Fall die Börsen-Maschinerie, ob sich mit der entgegengesetzten Richtung, also mit fallenden Kursen, nicht mehr Umsätze generieren lassen. Die Schar der Geldanleger wird zum Spielball des Systems. Es müssen nun Argumente her, damit die Kursänderung auch an Fahrt aufnehmen kann. Ist das Votum für fallende Kurse hinter den Kulissen erst einmal gefallen, so werden Nachrichten entsprechend negativ interpretiert und lanciert.
Betrachten wir nun das aktuelle Szenario, die vergangenen Wochen mit ihren teils dramatischen Kursstürzen der Aktien. Drei Argumente werden weltweit permanent als Begründung angeführt:
Das Wachstum in China verlangsamt sich. Aber 2015 lag es bei 6,8 Prozent. Eine Beruhigung nach einem so hohen Niveau würde in einem anderen „Umfeld“ als gesund und positiv angesehen werden.
Die zweite Bedrohung der Börse: Der sinkende Ölpreis. Tatsächlich sind die Aussichten der meisten Firmen besser denn je, dank tiefer Einstandskosten beim Öl. Allen Unternehmen, die chemische Produkte verarbeiten, von Waschmitteln bis zu Automobilzulieferern, winken dank tiefer Ölpreise höhere Gewinnmargen. Schauen Sie sich mal zu Hause und bei der Arbeit um, wo überall Chemie verarbeitet ist. Und Chemie besteht im Kern aus Öl und Salz. Wird denn ein stark anspringender Ölpreis – sagen wir von 30 Dollar auf 110 Dollar – dann positiv von den Börsenmachern bewertet werden?
Es wird weiter gekauft
Das dritte Bild der Börsenbedrohung: Die sich verdüsternde Weltwirtschaft. Tatsache ist, dass Audi und Daimler 2015 einen Rekordabsatz verzeichnen konnten. Bewusster Konsumverzicht ist weltweit kaum anzutreffen. Die Restaurants sind voll, die Menschen kleiden sich jedes Jahr neu ein, es wird so viel gereist wie noch nie. Unser Schreiner ist auf ein Jahr ausgebucht. Auch anderen Handwerksbetrieben geht es gut. Große Unternehmen fahren gewaltige Milliarden-Gewinne ein. Viele Unternehmen haben gar keine Bankschulden mehr. Deutschland hat erneut ein Rekord-Exportergebnis erzielt. Trotz geringerer Einnahmen der Ölförderländer. Haben sich die Aussichten für den Verkauf der Nivea-Dose und von Fielmann-Brillen seit Jahresanfang verschlechtert? Sind die privaten Eigentümer der DM-Drogerie, von Lidl und Aldi oder von Schrauben Würth seit Silvester „hypernervös“, wie die Börse? Sicher nicht.
Wir haben es seit Anfang dieses Jahres mit der klassischen, oben beschriebenen Börsen-Konstellation zu tun. Von 2011 bis 2014, über vier Jahre lang, marschierte die Börse recht brav aufwärts. Das Jahr 2015 war dann schon zäh. Im Sommerloch 2015 gab es den ersten Versuch einer Trendumkehr. Mit vielen Aktien ging es nicht mehr so richtig bergan. Selbst die gute Berkshire Hathaway Aktie von Altmeister Warren Buffett hat im vergangenen Jahr an Wert verloren, während andere Aktien, wie Starbucks, gut zulegen konnten. Nur wenigen Fondsmanagern und Vermögensverwaltern gelang 2015 ein beachtliches Jahresresultat.
Die Zeit war reif, in der Stille der Weihnachtsferien, das Rad der Nachrichten stimmungsmäßig auf Moll zu drehen. Der Versuch ist gelungen. Der aktuelle Kurseinbruch ist also nicht das Resultat rationaler Abwägungen, sondern eines sich aufbauenden Angst-Sentiments geschürt vom Börsensystem der variabel bezahlten Teilnehmer. Fallen die Kurse erst einmal, so werden immer mehr Anleger nervös. Die Abwärtsspirale verstärkt sich. Hinzu kommen dann die automatisierten Computerprogramme. In der Gerüchteküche ist auf einmal Platz für viele dampfende Töpfe.
Wer sein Geld an der Aktienbörse oder in Aktienfonds anlegt, sollte sich dieser Mechanismen bewusst sein. Die Psyche der Massen, gesteuert vom Börsensystem, ist die eigentliche Bedrohung der Kursstabilität. Ich empfehle allen Family Offices und Aktionären einmal im Jahr, stets auf Neue, daher den ultimativen Lackmustest: Können Sie einen zeitweiligen Kursrückgang von 90% , auch Ihrer guten Aktien, nervlich und finanziell aushalten? Glauben Sie mir, das ist keine absurde Fragestellung. Geldanleger, die ruhig schlafen wollen, sollten mit einem klaren – Ja – antworten können.
In meiner nächsten Auslese werde ich darauf eingehen, wie der Geldanleger sich in solchen Phasen fallender Kurse verhalten sollte und wie er von der Massenpsyche bestens profitieren kann.