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EZB-Strategie Danke, EZB! Die Hausse geht weiter

EZB-Präsidentin Christine Lagarde Quelle: REUTERS

Die EZB verschafft sich mit einer neuen Strategie mehr Spielraum. Für Aktien und Anleihen hat das Folgen: Die weltweite Hausse dürfte noch länger laufen. Ein Kommentar.

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Die Europäische Notenbank EZB verkündet eine neue Strategie – und der Dax knickt um zwei Prozent ein. Allerdings haben beide Entwicklungen wenig miteinander zu tun. Im Gegenteil: Die neue Linie der EZB, die seit 2019 von der ehemaligen IWF-Chefin Christine Lagarde geleitet wird, ist für die Anlagemärkte durchaus von Vorteil.

Das zeigt sich mehr bei Anleihen als an den Aktienbarometern. Der Zins für zehnjährige Bundesanleihen, die Benchmark europäischer Bonds, hat sich nach Bekanntgabe der neuen EZB-Linie auf minus 0,32 Prozent abgebaut. Noch vor zwei Wochen hatte die Rendite bei minus 0,15 Prozent ein Zwischenhoch erreicht; die Spitze lag Mitte Mai bei minus 0,11 Prozent. Bei den wegweisenden zehnjährigen US-Anleihen kam es zu einer ähnlichen Entwicklung. Auch hier sind die Renditen in den vergangenen Tagen deutlich gesunken.

Die Reaktion der Anleihemärkte auf die neue Richtung der EZB ist eindeutig positiv. Der Grund dafür ist der größere Spielraum, den die EZB damit nun hat, ihr geldpolitisches Instrumentarium einzusetzen. Selbst steigende Inflationsraten von zwei Prozent und mehr können die EZB jetzt nicht mehr zu einem frühen, ungewollten Zinsschritt zwingen. Stattdessen kann die EZB nun eine moderate Teuerung längere Zeit hinnehmen, ohne die Zinszügel anzuziehen.

Die EZB schwenkt damit auf eine flexible Politik um, die ähnlich schon von der amerikanischen Fed verfolgt wird. Dass sich beide Notenbanken hier stärker annähern, ist nicht nur eine Folge der schweren Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres. Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass die Notenbanken jenseits und diesseits des Atlantiks zunehmend stärker politisch denken. Dabei dürften sie vor allem die Verschuldung der Staaten im Hinterkopf haben, die sich im Zuge der Coronakrise noch einmal enorm erhöht hat.

Die Politisierung zeigt sich auch im zweiten Schwerpunkt der neuen EZB-Linie: der zunehmend grünen Geldpolitik, die gezielt gegen das Klimaproblem vorgehen soll. Auf den ersten Blick könnte darin sogar eine Verschärfung der Geldpolitik stecken: In Zukunft will die EZB den Ankauf von Anleihen von Unternehmen aus besonders energieintensiven Branchen überdenken und stattdessen Klimafreundlichkeit in den Vordergrund rücken. Damit ist es absehbar, dass Anleihen aus der klassischen Schwerindustrie bei Käufen der EZB in Zukunft weniger bedacht werden dürften.

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    Die EZB macht so Industriepolitik im Sinne der Klimafreundlichkeit: Gefördert durch Anleihenkäufe (und damit über niedrige Zinsen und somit günstige Refinanzierungskosten) werden in Zukunft die Unternehmen, die möglichst wenig CO2 emittieren. Langfristig wird dies dazu führen, dass die von vielen Firmen schon eingeleitete Metamorphose zu einem möglichst geringen CO2-Ausstoß sich weiter beschleunigt.

    Damit ist auch zu erwarten, dass sich Investitionen kleiner und großer Anleger in diesen Branchen weiter verstärken: von den Produzenten erneuerbarer Energien über Leitung und Transport bis hin zum besonders effizienten Einsatz von Strom und Wasserstoff.

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    Für die Aktienbörsen ist es entscheidend, dass es mit der neuen EZB-Linie keinen Automatismus in Richtung Zinserhöhungen mehr gibt. Im Mai lag die Teuerung in der EU bei 2,0 Prozent, im Juni bei 1,9 Prozent. Im Jahresdurchschnitt rechnet die EZB mit 1,9 Prozent, 2022 werden dann 1,5 Prozent ins Auge gefasst. Und selbst wenn in einzelnen Monaten die Preise wider Erwarten doch etwas stärker steigen sollten, müssen weder Aktien- noch Anleihemärkte mit einer Zinsverschärfung rechnen. Neben den Kernanliegen Flexibilität in der Zinspolitik und Klimaschutz ist die Beruhigungspille für die Kapitalmärkte die wichtigste Nebenwirkung des neuen EZB-Rezepts.

    Mehr zum Thema: Nach dem Coronaschock steigt die Nachfrage, zudem treibt staatliche Regulierung die Preise. Die Zentralbanken aber pumpen ungebremst weiter – und keiner weiß, wie sie das Geld wieder reinholen wollen.

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