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Geldpolitik Die Notenbanken werden keine echte Zinswende wagen

Die amerikanische Notenbank Fed hat die Märkte auf eine Straffung ihrer Geldpolitik eingestimmt. Höhere Leitzinsen soll es jedoch erst 2023 geben. Zudem werden die Zinsen nach eigenen Prognosen der Notenbanker nur geringfügig steigen.  Quelle: dpa

Die US-Notenbank Fed hat eine Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik angedeutet. Doch eine Zinswende wie in früheren Zeiten wird es kaum geben. Das gilt erst recht für die Eurozone. Ein Kommentar.

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An den Finanzmärkten jagt in diesen Tagen ein Thema das Andere. Zunächst haben die Börsianer und Konjunkturbeobachter sich die Köpfe darüber heiß geredet, ob der jüngste Preisschub in den USA und Europa nur einen vorübergehenden Inflationsbuckel oder eine Wende zu einem inflationären Zeitalter darstellt. Jetzt folgt auf dem Fuß die Debatte, ob und wann mit einer Zinswende der großen Notenbanken zu rechnen ist. 

Auslöser für die Diskussion ist die Aussage des amerikanischen Notenbankchefs Jerome Powell, man habe in der Notenbank begonnen, über den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu diskutieren. Eine Mehrheit der US-Währungshüter geht davon aus, dass der Leitzins 2023 steigen wird. Grund dafür ist der kräftige Teuerungsschub von zuletzt fünf Prozent, dessen Ausmaß die Notenbank überrascht hat. 

Doch bevor die Fed die Zinsen anheben kann, muss sie aufhören, neues Zentralbankgeld in den Bankensektor zu pumpen. Das heißt, sie muss zunächst ihre Anleihekäufe im Umfang von 120 Milliarden Dollar pro Monat zurückfahren. Dieser Prozess wird mehrere Monate in Anspruch nehmen, um keine Verwerfungen an den Anleihemärkten zu riskieren. Analysten rechnen damit, dass die Fed ab Anfang nächsten Jahres ihre Anleihekäufe zurückfährt, um 2023 den Leitzins anzuheben. 

Die US-Notenbank Fed und ihr Chef Jerome Powell ziehen eine sanfte Straffung der Geldpolitik in Erwägung. Die Reaktionen an den Finanzmärkten geben widersprüchliche Signale. Anleger sollten sich eine Sommerpause gönnen.
von Frank Doll

Schulden bremsen geldpolitische Wende aus

Eine ausgeprägte Zinswende, wie sie die Notenbanken in der Vergangenheit zur Bekämpfung von Inflationsgefahren eingeleitet hatten, dürfte es in den nächsten Jahren allerdings nicht geben. So prognostiziert die Fed, dass der Leitzins bis Ende 2023 auf gerade einmal 0,6 Prozent steigt, das ist ein halber Prozentpunkt höher als zurzeit. Langfristig rechnet die Fed mit einem Leitzins von 2,5 Prozent. Bei früheren Zinswenden hatte die Fed den Leitzins hingegen auf über fünf Prozent, zum Teil sogar auf über zehn Prozent angehoben. 

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    Der Hauptgrund dafür, dass es in den nächsten Jahren allenfalls eine Zinswende light geben wird, ist die hohe Staatsverschuldung. Die Gesamtschulden des US-Bundeshaushalts belaufen sich auf 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zinsen von fünf Prozent oder mehr würden den Staat überfordern und die Frage nach dessen Solvabilität aufwerfen. 

    Die Fed wird deshalb alles tun, um die nominale Zinslast für die Regierung unterhalb der Wachstumsrate des nominalen Bruttoinlandsprodukts zu verankern. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sinken, ohne dass es dazu radikaler Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen bedarf. 

    Der Euro wird schwächer

    Noch weniger als in den USA ist in Europa mit einer echten Zinswende zu rechnen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) steht unter der Knute der Regierungen. Die Ultra-Niedrigzinspolitik hat die Politiker in den vergangenen Jahren dazu eingeladen, beim Schuldenmachen in die Vollen zu gehen. Mit Außenständen von weit über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung sind die Regierungen in Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland und Portugal auf Bonsai-Zinsen noch mehr angewiesen als die Regierung in Washington.  

    Anders als die Fed steuert die EZB mit ihren Leitzinsen die Wirtschaft in einem äußerst heterogenen Wirtschaftsraum mit unterschiedlichen Regierungen, die zudem unterschiedliche Vorstellungen in der Finanzpolitik haben. Ein wachstumsschwaches Land wie Italien, dessen Schuldenquote auf mehr als das Doppelte der Quote in Deutschland zustrebt, benötigt deutlich niedrigere Zinsen als der Norden der Eurozone, um nicht in den Staatsbankrott zu schlittern. 

    Bei dem Versuch, die Währungsunion zusammenzuhalten, muss sich die EZB daher am schwächsten Land mit den höchsten Staatsschulden orientieren. Sie wird deshalb versuchen, eine Zinswende so weit wie möglich hinauszuschieben. So erklärte EZB-Chefin Christine Lagarde jüngst, es sei noch zu früh, um in der Eurozone über eine Abkehr vom geldpolitischen Krisenmodus zu sprechen. 

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