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Krisentreffen der OPEC+ Nachfrageschock aus China setzt Ölpreis unter Druck

Öltanks in China: Wegen des Coronavirus sinkt die Kerosin-Nachfrage. Viele Raffinerien in China drosseln bereits ihre Rohöl-Einkäufe und ihre Produktion. Quelle: imago images

Bis Mittwoch beraten die OPEC-Staaten und Russland über weitere Förderkürzungen. Die Zeit drängt, denn der Ölpreis ist durch das Coronavirus bereits so niedrig wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

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Das Coronavirus hat nun auch die Rohstoffmärkte befallen. Allen Förderkürzungen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zum Trotz bietet die Ölpreisentwicklung einen traurigen Anblick. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Ölsorte Brent ist am Montag auf den tiefsten Stand seit 13 Monaten gefallen und notierte bei nur noch 54 Dollar. Der Preisverfall seit Jahresbeginn hat damit weiter Fahrt aufgenommen, auch wenn sich der Preis für Brent-Öl am Dienstag wieder erholen konnte. Grund für die Erholung sind die Beratungen der OPEC über weitere Förderkürzungen.

Verhandlungen sind auch nötig, weil sich am Terminmarkt ein kurzfristiges Überangebot abzeichnet. Als Verursacher gilt die Sorge um die weitere Ausbreitung des Coronavirus. Derzeit sorgt die Krankheit für eine deutliche Abschwächung der Nachfrage nach Kerosin, weil der Flugverkehr von und nach China eingeschränkt ist. Personen aus dem Umfeld der chinesischen Energiewirtschaft sollen von einer Reduzierung der Ölnachfrage Chinas um 20 Prozent gesprochen haben.

Sollte das so kommen, wäre es ein herber Schlag für OPEC-Staaten und Mineralölkonzerne. Denn seit 2016 ist China vor den USA der größte Ölimporteur weltweit. Der Verbrauch in dem Land liegt bei 14 Millionen Barrel am Tag, so viel wie in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, Japan und Südkorea zusammen. Bereits jetzt zeigt sich die düstere Prognose auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Der größte Raffineriebetreiber Chinas etwa will seine Produktion um zwölf Prozent kürzen. Das wären pro Tag rund 600.000 Barrel Öl weniger. Und die Verkäufe von Öllieferungen an China kamen bereits in der vergangenen Woche zum Erliegen, auch Westafrika verkauft weniger an China.

China kauft weniger Öl auf dem Weltmarkt

In der Konsequenz müssen chinesische Raffinerien ihre produzierten, aber unverkauften Treibstoffe einlagern und drohen über kurz oder lang ihre Lagerkapazitäten erschöpft zu haben. Die Folge wäre eine Drosselung der Produktion und damit ein weiteres Absenken der Rohölnachfrage. China verfügt über 40 unabhängige Raffinerien, von denen laut Bloomberg 18 die Verarbeitung von Öl senken oder vorübergehend einstellen könnten.

Die OPEC ist jedenfalls alarmiert. „Der Druck auf die OPEC ist immens groß“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei Commerzbank Commodity Research. „Die OPEC will unbedingt verhindern, dass der Brent-Preis unter 50 Dollar für das Fass fällt.“ Bei dem Treffen des Technischen Komitees der OPEC+ inklusive Russlands wird es daher um weitere Förderkürzungen zur Stützung des Ölpreisniveaus gehen. Angeblich ist dabei eine weitere Förderkürzung um 500.000 Barrel Öl pro Tag im Gespräch. Auch Saudi-Arabien könnte nach aktuellen Meldungen zu Förderkürzungen bereit sein, angeblich ist sogar eine Reduktion der Förderung von bis zu einer Million Barrel am Tag im Gespräch. Ein Ministertreffen der OPEC könnte die Förderkürzungen bereits Ende kommender Woche bei einem kurzfristigen Krisentreffen auf Ministerebene beschließen. Das nächste offizielle OPEC-Treffen war eigentlich erst für Anfang März geplant.

Dass sich Russland daran beteiligt, ist allerdings fraglich. Noch im Januar hatte Russlands Erdölförderung leicht zugenommen, allerdings inklusive Kondensaten, die bei der Gasförderung anfallen und bei den Öl-Fördermengenkürzungen nicht mitgerechnet werden. „Im Zweifel wird die OPEC auch ohne russische Beteiligung eine Koalition der Willigen aufstellen, um Förderkürzungen zu beschließen“, ist Fritsch überzeugt. „Eine Kürzung um 500.000 Barrel am Tag wird aber nicht ausreichen, sondern den Ölpreis bestenfalls stabilisieren. Kommt es zu einer gemeinschaftlichen Kürzung in der OPEC, ist vorstellbar, dass Saudi-Arabien diese deutlich aufstockt.“

Die starke Gegenbewegung beim Ölpreis am Dienstag ist somit der Hoffnung auf deutliche Förderkürzungen im Bereich von 800.000 bis eine Million Barrel geschuldet, die Berichten zufolge im Raum stehen. Erst im Dezember 2019 hatte sich die OPEC mit weiteren Förderstaaten auf Kürzungen um weitere 500.000 Barrel pro Tag geeinigt und produziert nun täglich insgesamt 2,1 Millionen Barrel Öl weniger als im Oktober 2018. Dennoch ist seitdem der Brent-Ölpreis von knapp 70 auf deutlich unter 60 Dollar gesunken.

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