Lieferdienst-Aktie: Das Comeback von Delivery Hero
Das Logo Essenlieferdienstes Delivery Hero. Der Kurs der Aktie stieg zuletzt an.
Foto: dpaOb in Costa Rica, Singapur oder Zypern – Fahrradfahrer mit roten Rucksäcken auf dem Rücken, verziert mit einem Logo, das einer Sternschnuppe gleicht, radeln durch die Straßen auf der ganzen Welt. Früher befanden sich Ceasar Salad, Pizza und Burger der lokalen Gastronomie in den quadratischen Rucksäcken, heute werden auch mal Zahnpasta, Kopfschmerztabletten oder ein Strauß Rosen ausgeliefert.
Delivery Hero bedient Kunden unter elf verschiedenen Marken in 70 verschiedenen Ländern der Welt – und nun will der Lieferdienst mit einer dieser Marken an die Börse gehen. Die Abspaltung der wachstumsstärksten Region soll frisches Geld in den Konzern bringen und ist somit ein weiterer Schritt in Richtung Profitabilität. Das trifft bei den Anlegern auf Hoffnung.
Delivery Hero startete 2011 als Holding und kaufte nach und nach immer mehr Lieferdienste auf. Lieferheld in Deutschland gehörte zu den ersten Käufen, in Asien und Europa kamen Marken wie foodpanda und foodora dazu. Doch genauso schnell wie man zukaufte, trennte man sich auch wieder von wenig profitablen Geschäften, auch in Deutschland, wo 2018 der Niederländer „takeaway“ den Lieferdienst Lieferando übernahm.
Das Gastronomie-Geschäft hat Delivery Hero um weitere Dienste ergänzt: Neben Restaurants werden jetzt auch Supermärkte, Apotheken bis hin zu Blumenläden auf den Plattformen gegen Provision gelistet. Außerdem betreibt der Lieferdienst auch über 900 kleine Warenlager, um alltägliche Produkte möglichst schnell liefern zu können.
Dass nun die Nahost-Tochtergesellschaft Talabat im vierten Quartal an die Börse in Dubai gehen soll, nehmen Anleger hoffnungsvoll auf: Der Kurs der Delivery-Hero-Aktie stieg nach der Ankündigung innerhalb eines Tages um rund zwölf Prozent und befindet sich seitdem im Aufwärtstrend. Aktuell notiert die Aktie bei rund 39 Euro, auf Jahressicht ist das ein Plus von rund 40 Prozent.
Geplatzte Deals, drohende EU-Strafen
Von dem Allzeithoch während der Coronapandemie ist die Aktie dennoch weit entfernt. Spätestens seit Ende 2021 ging es für Delivery Hero bergab – damit erging es dem Lieferdienst wie vielen anderen Coronagewinnern, die von Anlegern aus dem Depot geworden wurden. Das Tief erreichte die Aktie Anfang Februar 2024. Ein geplatzter Deal für den Verkauf der Sparte foodpanda, die einen Teil von Asien abdeckt, markierte den Endpunkt der Misere. Rund drei Monate später gelang die Transaktion dann doch, als Uber das Taiwan-Geschäft von Delivery Hero übernahm – und seither auch drei Prozent am deutschen Lieferdienst hält. Anleger begrüßten den Verkauf, der Sinkflug der Aktie war gestoppt.
Positiver Free Cashflow, weiterhin Verlust
Jetzt steigt die Delivery-Hero-Aktie, obwohl die Halbjahreszahlen immer noch gemischte Aussichten für Anleger bieten. Zwar rühmt sich Mitgründer und Geschäftsführer Niclas Östberg damit, dass der Lieferdienst zum ersten Mal die realistische Chance hat ein gesamtes Geschäftsjahr profitabel zu beenden. Das aber auch nur hinsichtlich des Free Cashflows. Diese Kennzahl sagt aus, welcher Betrag nach Abzug aller Kosten und Investitionen übrig bleibt. Der Free Cashflow ist zwar wichtig für ein Unternehmen, um ohne Schuldenaufnahme beispielsweise Investitionen tätigen zu können. Aber das Nettoergebnis, also der Gewinn nach Abzug der Steuern, ist bei Delivery Hero weiterhin negativ – und wird es laut Erwartungen der Analysten auch im kommenden Geschäftsjahr 2025 noch bleiben. Anleger sollten immer beide Kennzahlen im Blick haben.
Auswirkung des Talabat-Börsengangs
Die Abspaltung der Tochter Talabat könnte den Mutterkonzern einen wichtigen Anteil des Umsatzes kosten. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres machte das Geschäft im Nahen Osten und Nord Afrika (MENA) fast ein Viertel des Gesamtumsatzes aus, auf Talabat allein entfielen 22 Prozent. Neben Asien ist MENA zudem die einzige Region mit einem positiven bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Allerdings wird Delivery Hero weiterhin Mehrheitseigner an Talabat bleiben und somit weiterhin von der aktuell wachstumsstärksten Region profitieren. Investoren von Delivery Hero profitieren also indirekt auch weiterhin von dem Wachstum der Tochter.
Wieder ein Kauf?
Das Unternehmen befindet sich 13 Jahre nach der Gründung auf dem richtigen Weg in Richtung Profitabilität. Der geplante Börsengang der Tochter Talabat stimmt Anleger positiv, doch Altlasten des Lieferdienstes sollten nicht übersehen werden. Die drohenden Strafen der EU sollen zwar durch die erhöhten Rückstellungen bezahlt werden, doch die Prüfung wegen einer möglichen Aufteilung der Märkte, die gegen das Kartellrecht verstößt, könnte weiterhin zum Problem für den Konzern werden. Umstrukturierungen könnten die Folge sein. Die Aktie ist weiterhin auf niedrigem Niveau, und das aus gutem Grund.
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