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Opec-Treffen in Wien Auf in die nächste Kürzungsrunde

Seit Jahresbeginn beschränken die Opec und zehn weitere Ölförderstaaten ihre Produktion. Das hat den Ölpreis stark steigen lassen. Nun zeichnet sich die Verlängerung der Markteingriffe ab. Der Ölpreis aber könnte fallen.

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Wien Der finale Tag des Treffens der Organisation erdölexportierender Länder in Wien beginnt mit einer Überraschung: Große, schwere Schneeflocken rieseln auf die österreichische Hauptstadt herab - sehr zur Freude zahlreicher Delegationsteilnehmer, die überwiegend aus heißen oder gar Wüstenstaaten stammen. Vor dem Luxushotel Kempinski in Wien schießen sie Erinnerungsfotos. Das Winterwetter kommt ganz nach dem Geschmack der Opec, denn Kälte ist für den Energieexport immer eine gute Voraussetzung. Doch auch ansonsten war die Stimmung auf der letzten Konferenz des Ölkartells mit einer Reihe Nicht-Opec-Staaten unter Führung Russlands ausgezeichnet. Denn Öl kostet mit deutlich über 60 Dollar wieder so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Opec verdankt sich das ihren Förderkürzungen - und will sicherheitshalber gleich noch einmal nachlegen.

Die Opec zelebriert den ersten Geburtstag der Kürzungsallianz aus Ölkartell und zehn weiteren Partnern. Dabei war das so ursprünglich nicht vorgesehen. Das Abkommen war zunächst auf sechs Monate ausgelegt. Heute sagt der saudische Ölminister und amtierende Opec-Präsident: „Wir haben etwa die Hälfte des Abkommens erfüllt.“ Und: „Vor uns liegt noch eine Menge Arbeit.“

Auf den Tag genau vor einem Jahr haben sich die 14 Opec-Länder zu einer Förderkürzung verständigt. Wenige Tage später traten zehn Nicht-Mitglieder, darunter Russland, dem Abkommen bei. Insgesamt sollen dem Markt täglich 1,8 Millionen Barrel pro Tag entzogen werden. Das sind rund zwei Prozent der globalen Produktion. Seit Jahresbeginn sind die Kürzungen in Kraft und sie werden entgegen der Erwartungen zahlreicher Ölmarktstrategen auch umgesetzt. Fiel er Ölpreis aufgrund eines Überangebots am Markt Anfang 2016 noch auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 27 Dollar je Barrel, hat sich der Rohstoff bis heute wieder deutlich verteuert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kosten heute wieder mehr als 64 Dollar – so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Doch Fakt ist: Noch immer liegen die Lagerbestände in den OECD-Ländern etwa 120 Millionen Barrel über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Diesen zu erreichen ist erklärtes Hauptziel der Kürzungen. Nach der ersten Verlängerung des Abkommens im Mai zeichnet sich nun eine weitere Verlängerung um neun Monate ab.

Die Opec scheint von Nigeria bis Iran einig. Und auch der mächtigste Mann des Kartells, Al-Falih, stellt zum Auftakt klar: „Meine Präferenz sind neun Monate.“ Iraks Ölminister Jabbar Al Hussein Al-Luaibi betonte: „Wir wollen den Markt mit unserer Entscheidung nicht destabilisieren.“

Dabei zeigte sich Russland, der wichtigste Kürzungs-Partner außerhalb der Opec, mit der großen Zeitspanne bis zuletzt unzufrieden. Es heißt, die Russen wöllten zunächst nur um ein halbes Jahr verlängern und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Nun aber verdichten sich die Anzeichen einer Einigung darauf, die Kürzungen bis Ende 2018 zu verlängern.


Russische Unternehmen gegen Verlängerung

Der saudische Ölminister Al-Falih appelliert an alle Mitglieder, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Dabei wirft er einen flüchtigen Blick von seinem Podium auf die rechts von ihm sitzenden Delegationen, darunter jene des Iraks. Während der Großteil der Opec-Staaten ihre Kürzungen einhält, hat das Land seine Verpflichtungen zeitweise nicht einmal zur Hälfte eingehalten. Al-Falihs Rüge soll klar machen, dass Saudi-Arabien nicht weiter dazu bereit sein wird, mehr als die 486.000 Barrel pro Tag zu kürzen, die für das Land vorgesehen sind. Seit Jahresbeginn haben die Saudis bereits mehrfach auf deutlich mehr Produktion verzichtet.

Am Ölmarkt wurden die ersten Signale aus Wien positiv aufgenommen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Vormittag um knapp zwei Prozent auf 64 Dollar. „Der Preis ist aus unserer Sicht relativ gut. Wenn er noch ein wenig steigen würde, wäre natürlich schön. Doch das jetzige Niveau ist durchaus vernünftig“, sagt Carlos E. Pérez, Energieminister des Opec-Mitgliedsstaates Ecuador, dem Handelsblatt in Wien.

Kommt die Verlängerung wie angedeutet, rechnet Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH-Nordbank in den kommenden Monaten mit stabilen Preisen um 65 Dollar bis Mitte des ersten Quartals. Dies könne jedoch weitere Produktion von den Schieferölförderern in den USA, aber auch in China und Brasilien auslösen. In der Folge könnten die Preise wieder stärker fallen.

Auf die Frage, ob ihn diese Aussicht beunruhigt, antwortet der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh ausweichend: Der Ölpreis liege nun schon eine Weile über 60 Dollar und man werde natürlich die Reaktionen von Nicht-Opec-Ländern im Blick behalten.

Genau diese Reaktionen sorgten bei russischen Ölunternehmen zuletzt für Kritik. So hatten etwa Rsoneft-Chef Igor Setschin und Lukoil-Chef Wagit Alekperow hinterfragt, ob es wirklich klug sei, das Abkommen angesichts der stark gestiegenen Preise zu verlängern. Allein seit Anfang August hat sich Öl um mehr als 40 Prozent verteuert.

Während die Opec frohlockt, dass ihre Förderkürzung den Markt stabilisiert und den Ölpreis wieder gesteigert haben, glaubt der Ölanalyst Eric Lee von der Citigroup, dass die Kürzungsallianz damit nur eine Marktentwicklung vorweggenommen habe, die ohnehin gekommen wäre – wenn auch verzögert. „Da die Preissprünge vorweggenommen wurden, rechnen wir bis Ende 2018 wieder mit einem niedrigeren Ölpreis von etwa 53 Dollar“, sagt Lee.

Opec-Mitglieder wie der ecuadorianische Ölminister Carlos Pérez hegen andere Preisvisionen: „Der Preis ist aus unserer Sicht relativ gut. Wenn er noch ein wenig steigen würde, wäre das natürlich schön. Doch das jetzige Niveau ist durchaus vernünftig“, sagt Carlos E. Pérez, Energieminister des Opec-Mitgliedsstaates Ecuador. Die Zusammenarbeit mit den Nicht-Opec-Ländern verlaufe positiv. „Eine Mitgliedschaft Russland wäre wünschenswert“, sagte Pérez. Diesen Wunsch werden ihm die Russen aber kaum erfüllen.

In den vergangenen Wochen wurde zudem spekuliert, ob sich weitere Förderländer dem Abkommen anschließen. Dem iranischen Ölminister Bijan Namdar Zanganeh zufolge gebe es aktuell aber keine derartigen Anträge.

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