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Plattform für Privatanleger Die zweifelhafte Erfolgsgeschichte von Tradegate

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Orders für Tradegate

Doch die EU-Vorgabe lässt Spielraum.

Preise sind nicht verbindlich. Börsenmakler müssen zwar permanent veröffentlichen, zu welchen Preisen sie bereit wären, Aktien anzukaufen und zu verkaufen – zum Handel aber kommt es nicht ständig. Fließt kein echtes Geld, kann man sich nach außen besser darstellen, als man ist: Preise (Taxen) sind nicht verbindlich, können aber in die Rankings einfließen.

Banken nicht neutral. Die Institute können Ranking-Kriterien so gewichten, dass der Handelsplatz gewinnt, der ihnen selber Vorteile bringt. Timms Tradegate verrechnet abends alle Orders, die von einer Bank gekommen sind – so, als ob es nur einen Auftrag pro Aktie gegeben hätte. Die Kosten der Banken, sagt Timm, konnte er so um bis zu 80 Prozent reduzieren. „Banken haben damit einen Anreiz, ihr Ranking so aufzustellen, dass die Orders ihrer privaten Kunden an den für die Bank billigsten Handelsplatz gehen“, sagt Uto Baader, Chef der Baader Bank. Der für die Bank billigste Platz aber muss keineswegs der für Kunden günstigste sein.

Die Deutschen entdecken die Aktie neu
RekordjagdDer deutsche Aktienmarkt ist in diesem Jahr von einem Rekordhoch zum nächsten marschiert. Ein Ende der langen Rekordrally ist aus Sicht vieler Bankhäuser aber noch lange nicht in Sicht. Die Deutsche Bank traut dem Dax im Jahr 2014 einen Anstieg bis auf 11.000 Punkte zu. Auch die deutschen Privatanleger blicken voller Optimismus ins neue Jahr. Zählten in der Vergangenheit vor allem das Sparbuch und Tagesgeldkonto zu den favorisierten Anlageinstrumenten, endeckten die Deutschen in der aktuellen Börsen-Hausse völlig neue Investments für sich. Dies zeigt das Ergebnis des aktuellen Anlegerbarometers von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider. Wir zeigen, wo die Deutschen am liebsten investieren und wie der deutsche Anleger die kommenden Börsenmonate einschätzt. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
BörsenentwicklungDie Aussichten für die Aktienmarktentwicklung in den nächsten sechs Monaten haben sich nach Ansicht der Deutschen deutlich verbessert. Aktuell glauben wieder mehr Anleger an steigende Börsenkurse (36 Prozent) als an fallende (23 Prozent). Die Gruppe der Optimisten setzt sich dabei zusammen aus zwei Prozent, die von stark steigenden Notierungen ausgehen und 34 Prozent, die an leicht steigende Aktienmärkte glauben. Quelle: dpa
Positive GrundstimmungStark fallende Kurse erwarten lediglich fünf Prozent (Vorquartal: vier Prozent) und leicht fallende Aktienmärkte 18 Prozent (letztes Quartal: 25 Prozent) Diese positive Grundeinschätzung deckt sich mit der Einschätzung der Experten von Union Investment: „Die Zentralbanken verfolgen immer noch eine Politik des billigen Geldes. Das internationale Wirtschaftswachstum verleiht den Aktienmärkten zusätzlichen Rückenwind." Quelle: REUTERS
Konjunkturelle EntwicklungDas Vertrauen in die Wirtschaftskraft in Deutschland nimmt weiter zu. Gingen im vorigen Quartal 13 Prozent der Befragten von einem wirtschaftlichen Aufschwung aus, sind es aktuell 21 Prozent. Das ist der höchste Wert in diesem Jahr und dreimal so viel wie im dritten Quartal 2012, dem Höhepunkt der europäischen Staatsschuldenkrise. Quelle: dpa
Größere ZuversichtNur noch knapp ein Viertel (24 Prozent) glaubt an eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den nächsten sechs Monaten. Bei der letzten Befragung waren es 29 Prozent und im dritten Quartal 2012 immerhin 45 Prozent. Quelle: dpa
LeitzinsentwicklungIn den kommenden sechs Monaten erwartet die Mehrheit der Anleger (62 Prozent) konstant bleibende Zinsen (Vorquartal: 64 Prozent). Mit einer fallenden Zinsentwicklung rechnet knapp jeder Fünfte (19 Prozent). Das sind vier Prozentpunkte mehr gegenüber dem dritten Quartal 2013. Quelle: dpa
Die beliebtesten InvestmentsIn dem jetzigen Umfeld historisch niedriger Zinsen verwundert es somit kaum, dass ausschließlich Aktien und Investmentfonds in der Gunst der Anleger steigen. Hielten im dritten Quartal dieses Jahres 26 Prozent Aktien für attraktiv sind es aktuell 30 Prozent, was der höchste Wert seit Beginn der Fragestellung im ersten Quartal 2010 ist. Quelle: dpa

Kostenlos, nicht umsonst

Wer im Ranking Handelskosten hoch gewichtet, könnte Tradegate Orders zuleiten – denn Tradegate nimmt von Anlegern keine Gebühren. Die DZ Bank, die Orders aus Volks- und Raiffeisenbanken weiterleitet, gewichtet Kosten mit 40 Prozent. Tradegate bekommt dort alle Orders inländischer Aktien und die der 50 größten europäischen. Die Deutsche WertpapierService Bank (dwp), die Orders für fast alle Sparkassen, Postbank und die Hälfte der Privatbanken routet, gewichtet Kosten gar mit 50 Prozent. Sie gibt Orders für Dax-Aktien bis 5.000 Euro an Tradegate. Die Bank betont, dass sie auf das für Anleger „günstigste Ergebnis“ abstelle. Das System sei „neutral“.

Kosten hoch zu gewichten ist aber unlogisch, sie machen nur Bruchteile der Anlegerrechnung aus. Wer etwa in München Dax-Papiere im Wert von 5.000 Euro ordert, zahlt zwei Euro an die Börse. Ein um ein Prozent schlechterer Kurs würde dagegen mit 50 Euro zu Buche schlagen.

Dass Tradegate Anleger gratis handeln lässt, schiebt Tradegate in den Rankings nach vorne und bringt Aufträge.

Allein: Der Handel kostet Geld, Händler brauchen moderne Technik, Mitarbeiter Gehalt. Die Tradegate AG verdient an der Spanne zwischen dem Preis, zu dem sie Aktien kauft, und dem, zu dem sie verkauft. „Der Handel ist die wesentliche Einnahmequelle der Tradegate AG“, sagt Timm.

10 Tipps für Börseneinsteiger

Solange das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse offen hat, läuft alles weitgehend fair. Auf Xetra handeln von 9 bis 17.30 Uhr vor allem institutionelle Anleger mit großen Orders, der Platz ist die liquideste Börse. Dann orientieren sich Makler anderer Plätze an diesen Kursen, Xetra ist der Referenzmarkt – auch für Tradegate.

Wehe aber, Xetra hat zu. „Dann sinkt die Qualität der Preise massiv“, sagt ein Banker, in dessen Haus Tradegate auf der Rangliste über Jahre vorn stand. Das Problem: Viele Anleger beschäftigen sich erst abends mit ihrem Depot, bei dwp trudeln viele Orders abends ein, wenn Xetra zu ist. Dann ist Tradegate die liquideste Börse, der Platz hat von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Bei den von dwp vertretenen Banken geben bis zu 60 Prozent der Anleger keinen Handelsplatz an. 15 Prozent dieser „weisungslosen Orders“ laufen außerhalb der Xetra-Zeiten auf.

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