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Riedls Dax-RadarBayern-Champions beflügeln den Dax

Siemens, BMW und Münchener Rück untermauern den Rekordlauf der deutschen Börse. Dabei könnte der Kursanstieg kurzfristig sogar noch an Dynamik gewinnen. Eine Kolumne.Anton Riedl 13.12.2024 - 14:36 Uhr
Foto: Illustration: Marcel Reyle

Regierungskrise in Deutschland und Frankreich, Turbulenzen im Nahen Osten, anhaltender Krieg in der Ukraine, massenhafter Stellenabbau in der Autoindustrie, Zolldrohungen aus USA – und jetzt auch noch massiv steigende Strompreise. Dennoch notiert der Dax auf Rekordniveau und macht keine Anstalten, nach unten zu drehen. Im Gegenteil: Wichtigen Einzelwerte im Dax deuten darauf hin, dass der Börsenanstieg in eine neue Phase übergeht.

Siemens dank Technologietrend auf Rekordkurs

Einer der stärksten Einzelwerte im Dax ist derzeit Siemens. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September zu Ende ging, erzielte das bayerische Unternehmen mit neun Milliarden Euro Nettogewinn ein Rekordergebnis. Schon 2023 war mit 8,5 Milliarden Euro Gewinn eine sehr gute Saison. Die Höhe und die Konstanz dieser Ergebnisse zeigt, wie erfolgreich Siemens die Transformation vom Industriekonglomerat zum modernen Technologiekonzern gelungen ist. 

Nun erhöht Siemens die Gewinnaussichten für seinen Geschäftsbereich moderne Infrastruktur. Das ist bemerkenswert, weil diese Sparte eng mit der Energiewende verknüpft ist, bei der viele Unternehmen derzeit zu kämpfen haben. Siemens hingegen erwartet hier in den nächsten Jahren Wachstumsraten von sechs bis neun Prozent. Das liegt deutlich über Branchenschnitt und auch über dem Wachstum, das Siemens sonst konzernweit schafft. Auch die Margenziele werden nach oben gesetzt. Motor ist vor allem das florierende Geschäft mit Digitalisierung und der Ausbau des Service – beides direkte Folgen des Umbaus zum Technologieanbieter. 

Siemens-Aktien setzen mit dem jüngsten Anstieg auf über 190 Euro ihre langjährige Aufwärtsbewegung fort. Kurzfristige Rücksetzer könnten in den Bereich 185 bis 187 Euro gehen, idealtypisch wäre bis Jahresende dann ein Anstieg auf 200 Euro und darüber hinaus. 

Bei 785 Millionen Einzelaktien ergäbe dies eine Marktkapitalisierung von 157 Milliarden Euro. Die Gewinnbewertung läge bei einem möglichen Jahresüberschuss von etwas mehr als neun Milliarden Euro bei einem KGV von knapp 17, die Umsatzbewertung angesichts von annähernd 80 Milliarden Euro Geschäftsvolumen etwa beim Zweifachen. Beides zeigt, dass die Märkte die Entwicklung von Siemens zwar schon honorieren, langfristig aber Luft für weitere Kursaufschläge besteht. 

BMW als günstige und rentable Basisanlage

Kräftig zulegen konnte in den vergangenen Wochen BMW. Diese Stärke ist bemerkenswert, da die Autobranche angesichts Stellenabbau bei VW, Luxusproblemen bei Mercedes-Benz und Exodus zahlreicher Zulieferer in der schwersten Krise seit Jahrzehnten steckt. Auch BMW-Aktien haben sich von Frühjahr bis Herbst fast halbiert.

Dabei haben schon die Neunmonatszahlen gezeigt, dass die Münchner abgesehen von speziellen Belastungen durch technische Probleme mit Bremssystemen besser als die Konkurrenz abschneiden. Die Zulassungen im Oktober und November haben sich erholt, der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge wächst. Insgesamt dürfte BMW kein Problem haben, die Saison 2024 mit gut acht Milliarden Euro Nettogewinn abzuschließen. Das wäre dann nicht nur alles andere als ein Krisenergebnis, sondern zugleich Basis einer günstigen Bewertung und einer hohen Dividende. Beides macht BMW-Aktien bei Kursen zwischen 65 und 75 Euro zu einer antizyklischen Gelegenheit im Dax. 

Münchener Rück als dividendenstarkes Dauerinvestment

Mit einem schnellen Kursplus von vier Prozent honorieren Aktien der Münchener Rück die jüngste Prognose-Heraufsetzung. Nach etwa fünf Milliarden Euro Nettogewinn im Jahr 2024 peilt der größte globale Rückversicherer im nächsten Jahr einen Rekordgewinn von sechs Milliarden Euro an. 

Das Umfeld der Branche ist vielversprechend: Wegen der Zunahme weltweiter Schäden aus Krisen und Katastrophen wächst die Nachfrage nach Absicherung. Das erhöht Prämienvolumen und Margen. Zugleich profitieren die Münchner vom erhöhten Zinsniveau, mit dem sich das Kapitalanlageergebnis 2025 in Richtung drei Prozent verbessern sollte. Mit 68 Milliarden Euro Börsenwert ist der weltweite Branchenführer in diesem Geschäft immer noch günstig. An schwächeren Tagen nachzufassen, womöglich im Bereich 460 bis 490 Euro, dürfte immer noch ein lohnendes Investment sein. 

Fazit für den Dax: Siemens, BMW und Münchener Rück sind drei Top-Unternehmen aus Deutschland, die beweisen, dass der Rekordlauf des Dax keine Luftnummer ist, sondern substanziell und operativ untermauert. Alle drei zeigen zudem, wie sich Unternehmen resilient und rentabel durch Krisenphasen steuern lassen. 

Dabei ist derzeit auch das allgemeine Umfeld für die Börsen gar nicht so düster. Der jüngste Rekordlauf der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq ist ein Beleg für die großen Trends Digitalisierung, Internet und Künstliche Intelligenz, von denen die globale wirtschaftliche Entwicklung noch auf Jahre hinaus geprägt und angetrieben werden sollte. 

Kaum Reaktionen an den Märkten gab es auf die jüngste Zinssenkung der Europäischen Notenbank, die den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,00 Prozent herabsetzte. Dabei steckt hinter diesen unscheinbaren Zahlen letztlich die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation, die noch Ende 2022 zweistellige Raten erreicht hatte und nun wieder in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels herabgedrückt wurde. Wirtschaftlich sind die Aussichten in Europa zwar eingetrübt, doch immerhin besteht die Chance auf eine sanfte Landung der Konjunktur statt auf einen rezessiven Rückschlag. 

Seit 20. November ist der Dax um 1.500 Punkte gestiegen. Wenn er davon in einer klassischen Korrektur ein Drittel abgäbe, hätte er bei kurzfristigen Schwankungen Spielraum bis in den Bereich um 20.000 Punkte. Geht es nach dem Muster der typischen Jahresendrally, dann ist vorerst aber eher ein weiterer Kurzzuwachs wahrscheinlich – über Weihnachten hinaus womöglich bis in die ersten Januarwochen. Die für den 18. Dezember absehbare weitere Zinssenkung der amerikanischen Notenbank, die den Leitzins ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte herabsetzen dürfte, wäre dazu die passende Begleitung.

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