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Riedls Dax-Radar

Crash auf Raten

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Schwere Einzelwerte drücken den Dax

Im Dax ist die Entwicklung noch weiter fortgeschritten. Die Anfang März gestartete Zwischenerholung kam nur bis knapp 12.500 Punkte. Sie erreichte damit nicht das entscheidenden Niveau 12.700/12.800, auf dem die Tiefpunkte vom vergangenen Herbst lagen und wo aktuell die 200-Tage-Linie verläuft. Dieses frühzeitige Abdrehen unter einer entscheidenden Wegmarke ist ein sehr negatives Signal. Eine solche Konstellation gab es letztmals Ende 2015. Damals verlor der Dax insgesamt mehr als 20 Prozent.

Wie kritisch die Situation mittlerweile ist, zeigt sich in seinen führenden Einzelwerten:

Allianz ist gerade unter die wichtige Unterstützung bei 185 Euro gerutscht. Allianz bietet zwar nach wie vor gute Geschäftsaussichten und ist ein Gewinner eines langfristigen Zinsanstiegs. Da die Aktie in den vergangenen zwei Jahren um 70 Prozent gestiegen ist, wäre eine mittelfristige Korrektur nun sehr wahrscheinlich. Sie könnte bis in den Bereich um 170 Euro gehen.

Trump-Zölle und Chinas Vergeltung drücken Dax unter 12000 Punkte

BASF hat im Februar einen mittelfristigen Abwärtstrend eingeleitet. Besonderer Verkaufsdruck besteht zwar nicht, womöglich kommt es zu einer Stabilisierung um 80 Euro. Gefährdet wäre diese Untergrenze erst, wenn es im Zuge des Handelskriegs zu einer Abschwächung der immer noch robusten Chemiekonjunktur käme.
Bayer gehört seit Monaten zu den schwächsten Titeln im Dax. Die Erlaubnis, Monsanto zu übernehmen, hat daran nichts geändert. In diesem Umfeld könnte die Aktie noch einmal die Tiefpunkte aus dem Jahr 2016 ansteuern, die bei rund 85 Euro lagen.
Daimler ist soeben unter die 200-Tage-Linie gerutscht. Über sein umfangreiches Nutzfahrzeuggeschäft wäre Daimler ein Leidtragender einer globalen Konjunkturabschwächung. Das Rückschlagpotenzial der Aktie reicht zunächst bis auf etwa 60 Euro.

Die Deutsche Telekom gehört seit Monaten zu den schwächeren Titeln im Dax. Sie leidet darunter, teure Investitionen, hohe Dividendenzahlungen und die strategische Expansion finanziell unter einen Hut zu bringen. Von den aktuellen Marktturbulenzen ist sie als typischer Eigenbrötler im Dax nicht besonders betroffen. Mittelfristig geht das Risiko in den Bereich 12 bis 11 Euro.

Die schlechtesten Aktien der vergangenen fünf Jahre

SAP hat sich nach der besonderen Schwächephase Anfang des Jahres (nach enttäuschenden Zahlen) zunächst etwas stabilisiert. Dennoch ist es für den wichtigsten Hightech-Wert Deutschlands eine Belastung, wenn die Hightech-Aktien weltweit unter Druck geraten. Der Kurs signalisiert mittelfristig keine Entwarnung. Die hohe Abwärtsdynamik seit Anfang des Jahres deutet darauf hin, dass dabei in den nächsten Monaten ein Risiko bis in den Bereich um 75 Euro besteht.
Siemens hat vom Börsengang seiner Medizintechnik bisher nicht profitiert. Die Aktie konnte sich nicht wieder über die entscheidende Zone um 108 Euro retten. Wahrscheinlich wird es längere Turbulenzen um die Marke von 100 Euro geben.

Volkswagen kam mit der allgemeinen Marktschwäche Anfang des Jahres wieder unter die Räder. Geschäftlich hat das Unternehmen die Abgasdiskussion, in dessen Mittelpunkt VW immerhin steht, erstaunlich gut verkraftet. Einen Malus an der Börse hat VW deshalb nicht mehr. In den nächsten Wochen könnten bei rund 140 Euro die Käufer wiederkommen.

Fazit für den Dax: Die führenden Aktien im Dax, von denen die Richtung des Index bestimmt wird, zeigen kurz- bis mittelfristig nach unten. Sollte sich die weltweite Konjunktur als Folge von Handelsstreitigkeiten abkühlen, wird dies in den nächsten Monaten zu Gewinnrevisionen und Herabstufungen bei den Unternehmen führen. Fundamental wäre durchaus Spielraum für eine mittlere Korrektur, die im Dax in der Regel rund 20 Prozent ausmachen kann. Dies ergäbe als nächstes Ziel den Bereich um 11.000 Punkte. Da das Risiko hoch ist, dass aus den aktuellen Turbulenzen in einem zweiten Schritt sogar eine große Abwärtswende mit längerer Baisse werden könnten, sollten Anleger weiterhin vorsichtig sein und im Zweifel ihr Pulver trocken halten. So schnell wie in den vergangenen Jahren dürften die Kurse nicht mehr nach oben weglaufen.

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