Riedls Dax-Radar: Starker Dax gegen amerikanische Börsenturbulenzen
Zugleich ist BASF als einer der größten Energieverbraucher des Landes eng mit den Preisschwankungen bei Gas und Strom verbunden. Dazu kommt die entscheidende Rolle des Ölpreises als Basis zahlreicher Chemikalien. Und schließlich ist BASF auch ein Politikum - wenn es etwa um die Frage der Produktion am Standort Deutschland geht, der Präsenz auf dem weltweit wichtigsten Chemiemarkt China, oder, wie in den vergangenen Jahrzehnten, der großen Bedeutung, die russisches Gas für die Ludwigshafener hatte.
Dazu kommen derzeit die Spannungen in der Zollpolitik, vor allem zwischen den USA und China. Sie schlug im ersten Quartal auch bei BASF auf die Zahlen durch und führte zu rückläufigen Mengen und Preisen. Bei einem knapp behaupteten Umsatz von 17,4 Milliarden Euro kam es zu einem Rückgang des Nettogewinns um mehr als 40 Prozent auf 837 Millionen Euro. Der Geldzufluss aus betrieblicher Tätigkeit verschlechterte sich deutlich. Noch hält BASF an seiner bisherigen Prognosen fest, verweist aber ausdrücklich auf die hohe Unsicherheit.
Bisher rechnen Banken damit, dass BASF in diesem Jahr bei stabilen Umsätzen von 66 Milliarden Euro netto mehr als zwei Milliarden Euro verdient. Selbst wenn die Chemiekonjunktur zäh bleibt und die Zolldifferenzen anhalten, könnten die Ludwigshafener dies angesichts der bisherigen Ergebnisse erreichen. Ob damit aber BASF-Aktien nach oben zu drehen, ist fraglich.
Seit 2022 pendelt der Kurs von BASF richtungslos zwischen 40 und 55 Euro. Bei vorsichtig gerechneten zwei Milliarden Euro Nettogewinn in diesem Jahr ergäbe die aktuelle Marktkapitalisierung (40 Milliarden Euro) eine 20fache Bewertung. Angesichts der vagen Aussichten ist das nicht billig. Umso wichtiger ist es, dass BASF bei der Dividende stabil bleibt und weiterhin mindestens 2,25 Euro je Aktie zahlt.
Die Dividendenrendite von gut fünf Prozent ist neben dem ansehnlichen Eigenkapital (37,4 Milliarden Euro, 46 Prozent der Bilanzsumme) der wichtigste Grund, der BASF-Aktien weiterhin über 40 Euro halten sollte. Für die positive Kurswende über 55 Euro hinaus indes ist eine nachhaltige Erholung der Chemiekonjunktur notwendig. Kurzfristig ist das nicht in Sicht.
Volkswagen mit neuem Rekord von mehr als 200 Milliarden Euro Eigenkapital
Mit einem Rückgang des Nettogewinns um 40 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro erwischte Volkswagen auf den ersten Blick keinen guten Start in die neue Saison. Indes, bei den Volumenzahlen sieht es besser aus: Die Auslieferungen an Kunden zogen mit 2,1 Millionen Euro um 1,4 Prozent an; bei rein elektrischen Fahrzeugen kam es zu einem Zuwachs von fast 60 Prozent. Nach 77,6 Milliarden Euro Umsatz im ersten Quartal, drei Prozent mehr als vor einem Jahr, ist 2025 durchaus ein Geschäftsvolumen im um 320 Milliarden Euro möglich. Bei knapp 50 Milliarden Euro Marktkapitalisierung ergibt dies eine Umsatzbewertung von lediglich 0,15.
Grund für diese extrem günstige Bewertung ist das große Misstrauen, das Investoren derzeit gegenüber der Fahrzeugbranche im allgemeinen und Volkswagen im Besonderen hegen. Dabei sind in der ersten Quartalsrechnung 2025 wieder einmal vor allem nicht operative Gründe für den Gewinnrückgang verantwortlich: etwa Rückstellungen für die Kohlendioxid-Flottenregulierung in Europa, Restrukturierungskosten sowie Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten und Zollunsicherheiten. So gesehen sind 2,2 Milliarden Euro Nettogewinn zwar kein gutes Ergebnis, aber eben auch keine Katastrophe.
Die im Dax notierten Vorzugsaktien von VW haben sich trotz der seit Monaten rückläufigen Gewinne von den letztjährigen Tiefpunkten um 80 Euro schrittweise nach oben entwickelt. Der Grund dafür ist weniger eine erwartete Gewinnwende bei VW, sondern schlichtweg die inzwischen extrem günstige Bewertung der Aktie und die hohe Substanz des Unternehmens.
Und hier hat Volkswagen - neben der robusten Liquidität im Industriegeschäft von 33,2 Milliarden Euro - einen vielfach unbemerkten Rekordwert erreicht: Das Eigenkapital in der Bilanz lag zum 31. März 2025 erstmals bei über 200 Milliarden Euro. Das ist nicht nur weit mehr als in den Bilanzen von Siemens oder SAP steht; das ist der höchste hier bilanzierte Wert, den jemals ein deutsches Börsenunternehmen erreicht hat.
Selbst wenn davon die immateriellen Vermögenswerte von 94 Milliarden Euro abgezogen werden, bleiben immer noch 107 Milliarden Euro materieller Wert - mehr als doppelt so viel wie die aktuelle Marktkapitalisierung aller VW-Aktien. Diese hohe Substanz ist die finanzielle Basis, mit der Volkswagen die im vergangenen Jahr eingeleitete Unternehmenssanierung schaffen sollte. Langfristig gesehen könnten Aktienkurse zwischen 80 und 110 Euro für VW-Vorzüge die große Bodenbildung werden.
Deutsche Bank mit dem langfristigem Ziel der Versechsfachung
Wie eine solche langfristige Bodenbildung nach mehrjähriger Baisse aussehen kann, hat die Deutsche Bank vorgemacht. Seit den Kursspitzen von 2007, also noch vor der großen Finanzkrise, ist die Aktie in einen Abwärtsstrudel geraten, der im Coronacrash bei Kursen von weniger als fünf Euro sein Tief gefunden hatte. Danach dauerte es weitere vier Jahre, bis die Aktie durch ihren Anstieg über den wichtigen Widerstandsbereich um 12 Euro wieder in den Aufwärtstrend überging. Hintergrund war zum einen der für die Banken vorteilhafte Wiederanstieg des allgemeinen Zinsniveaus, zum anderen die von Chef Christian Sewing (seit 2018) erfolgreich vorangetriebene Sanierung.
Das Ergebnis des ersten Quartals 2025 passt voll und ganz in diese Aufwärtsentwicklung. In allen vier Bereichen (Unternehmensbank, Investmentbank, Privatkunden, Vermögensverwaltung) legte die Deutsche Bank zu und kam unterm Strich mit zwei Milliarden Euro Nettogewinn auf ein Plus von 39 Prozent. Die Aufwand-Ertragsrelation reduzierte sich auf 61,2 Prozent, die harte Kernkapitalquote liegt bei stabilen 13,8 Prozent der risikogewichteten Aktiva. Der von Analysten für dieses Jahr erwartete Anstieg des Nettogewinns auf mehr als fünf Milliarden Euro sollte kein Problem sein.
Bei Kursen um 23 Euro und 45 Milliarden Euro Marktkapitalisierung hat die Deutsche Bank mittlerweile einen guten Teil ihrer einst unterdurchschnittlichen Branchenbewertung aufgeholt. Die Dynamik des aktuellen Geschäftsverlaufs, weiter steigende Dividenden und die wachsende Bedeutung, die die deutsche Wirtschaft angesichts umfangreicher Infrastrukturinvestitionen wieder haben könnte, sind für die Aktie vorteilhaft. Die nächste, mittel- bis langfristige Zielzone sollte zwischen 25 bis 30 Euro liegen. Seit dem Tief wäre das dann eine Versechsfachung des Kurses.
Fazit für den Dax: BASF, Volkswagen und die Deutsche Bank sind drei zentrale Unternehmen des Dax, die zeigen, dass der deutsche Kapitalmarkt jenseits der Diskussionen um Donald Trump ein substanzielles Eigenleben hat. Das ist, wie aktuell im Fall von BASF und Volkswagen, für Anleger noch eher schwierig, zeigt aber am Beispiel der Deutschen Bank, welches Potenzial darin langfristig stecken kann.
Für den Dax ist diese eigene Power derzeit wichtiger denn je. Denn während US-Indizes wie Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 trotz der jüngsten Erholungen noch weit von ihren alten Höhen entfernt sind, fehlen dem Dax nur noch zwei bis drei Prozent zum alten Hoch. Dabei vollzog sich die Aufholjagd seit dem Zoll-Crash schneller als erwartet. Der weite Bereich um die 200-Tagelinie, die derzeit bei 20.182 Punkten verläuft und kontinuierlich nach oben zeigt, sollte auch weiterhin eine wichtige Stabilisierung der seit 2022 laufenden Aufwärtsbewegung sein.
Das größte Risiko für den Dax wäre ein abermaliger, heftiger Rückschlag an den US-Märkten. Im Gegensatz zum Dax steht hier der Kampf um die 200-Tagelinie noch bevor. Entwarnung dürfte es erst geben, wenn etwa der S&P-Index wieder in die Bandbreite 5800 bis 6100 Punkte vordringt. Sollte dies im Umfeld von weiteren Schwächesignalen der US-Wirtschaft nicht gelingen, wird ein zweiter Tiefentest wieder wahrscheinlicher. Er könnte den S&P in den Bereich um 5000 drücken, wenn nicht sogar noch etwas tiefer.
Umso wichtiger ist es, dass der Dax dank eigener Stärke mittlerweile einen so großen Puffer aufgebaut hat, dass er selbst bei einem Rückschlag bis in den Bereich um 20.000 Punkte seinen großen Aufwärtstrend behaupten würde.
