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Riedls Dax-RadarTrump bleibt ein Risiko für Aktienmärkte

Nach Kursanstieg bis zum Jahreswechsel müssen Dax und Dow ihre Gewinne erst einmal verarbeiten. Das kann mehrere Wochen dauern. Dann ist die nächste Rally in Sicht – im Frühjahr.Anton Riedl 13.01.2017 - 14:23 Uhr

US-Präsident Trump wird die Aktienmärkte in Atem halten, solange er Präsident ist.

Foto: dpa

Kaum geben die Aktienmärkte ein paar Prozente ab, schon ist davon die Rede, dass der Trump-Effekt verpufft. Dabei wird Trump die Märkte in Atem halten, solange er Präsident ist. Er bleibt ein Risiko im klassischen Sinn: Man weiß nie so genau, was jetzt nun wieder kommt.

Vor der Wahl war das ein Risiko nach unten. Nach der Wahl entpuppte es sich als Risiko nach oben. Auch das kann für Anleger von Nachteil sein - vor allem dann, wenn man aus Angst vorher ausgestiegen ist oder sogar auf sinkende Kurse gesetzt hat. Bestes Beispiel dafür ist George Soros. Selbst der Mega-Spekulant hat damit einen Milliardenverlust gemacht.

Wie groß der Trump-Effekt letztlich wirklich wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Aktien steigen ja nicht nur, weil Trump Präsident geworden ist, sondern auch, weil sich die Wirtschaft gut entwickelt, das Zinsniveau insgesamt niedrig bleibt, die meisten Unternehmen gut verdienen und an den Märkten noch Platz für Bewertungsaufschläge ist.

Bei ihren Preisforderungen würden die Medikamenten-Hersteller „über Leichen gehen“, sagte der designierte US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Namen nannte er nicht. Etliche Unternehmen dürfen sich dennoch angesprochen fühlen:

Foto: AP

Mylan

Der US-Konzern Mylan erhöhte den Preis für seine Allergiespritze EpiPen von 100 auf 600 Dollar. EpiPen ist ein lebenswichtiges Medikament, das im Notfall sofort verabreicht werden muss. Die Herstellungskosten dürften sich auf wenige Dollar belaufen.

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Gilead

Das amerikanische Biotech-Unternehmen Gilead verlangt für die Drei-Monats-Packung seines Mittels Epclusa gegen Hepatitis C insgesamt 74.760 Dollar. Allerdings ist das Mittel in der Lage, Hepatitis C tatsächlich zu heilen. Das Vorgängermedikament Sovaldi erlangte schon Preis-Berühmtheit: 1000 Dollar kostete die Einnahme einer einzigen Pille.

Foto: AP

Bayer und Roche

Auch europäische Hersteller könnten in das Visier von Trump geraten. Für Krebsmedikamente verlangen Hersteller wie Bayer oder Roche aus der Schweiz  oft mehrere tausend Euro pro Monat. Nexavar von Bayer verlängert das Überleben von Nierenkrebspatienten im Schnitt um 2,8 Monate. Mit Tarceva gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs können Patienten im Schnitt 14 Tage länger leben.

Foto: dpa

Turing Pharmaceuticals

Zur Hassfigur wurde vor gut einem Jahr Martin Shkreli, dessen Unternehmen Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim kaufte und den Preis von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille anhob – eine Erhöhung um 5555 Prozent. Daraprim hilft unter anderem Aids-Patienten – für viele war das Medikament damit unerschwinglich geworden. Nach einem Shitstorm gelobte Shkreli jedoch, den Preis wieder zu senken.

Foto: AP

Wenn der Dow Jones seit einigen Wochen nicht mehr vorankommt, heißt das nicht, dass sich an den großen  Rahmenbedingungen etwas geändert hat. Im Gegenteil: Am amerikanischen Aktienmarkt vollzieht sich derzeit eine klassische Konsolidierung nach dem steilen Anstieg von November bis Dezember.

Eine epochale Kursmarke wie die bei 20.000 Punkten im Dow Jones nimmt ein Aktienmarkt ohnehin nicht in einem Zug. Wenn man sich dazu vor Augen hält, dass der Durchschnitt der vergangenen 200 Börsentage erst bei 18.400 Punkten verläuft, wird die Notwendigkeit einer Konsolidierung offensichtlich. Selbst wenn der Dow Jones bis Februar oder März bis in den Bereich um 19.000 Punkte nachgäbe, wäre das insgesamt immer noch ein langfristiges Hausse-Szenario.

All-Time-High im Nasdaq bestätigt High-Tech-Megatrend

Dabei spielt sich seit einigen Wochen eine Entwicklung ab, die auch für den Dax eine wichtige Hilfe ist: Amerikanische Technologieaktien holen wieder kräftig auf. Der Nasdaq-Index hat sogar ein neues Top erreicht.

Die Angst, mit der Wahl Trumps könnte die Erfolgsgeschichte amerikanischer High-Tech-Ikonen wie Microsoft, Amazon oder Google/Alphabet abbrechen, erweist sich als unbegründet. Mehr noch: Wenn man mit Experten aus dem Silicon-Valley spricht, kann man dort Trump mittlerweile sogar etwas Gutes abgewinnen – sei es wegen der möglichen Steuerreform oder der hoffentlich bald besseren Straßen. Und wenn sich das Wachstum der US-Wirtschaft beschleunigt, wird das sicher nicht an den technologischen Schlüsselbranchen vorbei gehen.

An den Märkten findet keine Verflüchtigung des Trump-Effekts statt, sondern eine Relativierung. Besonders gut zeigt sich das am Wechselspiel der Währungen. Hier galt der Dollar schon vor der Wahl Trumps als Anker. Seit November hat er dann noch einmal deutlich zugelegt.

Diese kurzfristige Überhitzung muss sich nun abbauen. Der Euro könnte dabei in den nächsten Wochen bis in den Bereich 1,09 oder 1,10 Dollar hochziehen. Das wäre eine typische Zwischenerholung im größeren Abwärtstrend. An den Grundpositionen – schwacher Euro und starker Dollar - hat sich bis jetzt nichts geändert.

Letztlich wäre erst ein Anstieg des Euro über 1,15/1,16  Dollar hinaus ein Signal, dass die großen Trends drehen könnten. Dazu aber müsste EZB-Chef Draghi bei seiner Geldpolitik den Hebel umlegen.

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von Anton Riedl

Im Dax hat sich die Rally im Bereich um 11.500 bis 11.600 Punkte festgefahren. In der Spitze hat der Dax seit November 1500 Punkte gewonnen. Wenn er davon im Zuge einer klassischen Korrektur etwa 40 Prozent (600 Punkte) wieder abgäbe, wäre das ein Rückschlagpotenzial bis auf 10.900.

Selbst wenn der Dax also in den nächsten Wochen noch einmal bis an die Ausbruchszone zurückfällt, die er mit dem starken Impuls Anfang Dezember hinter sich gelassen hat, würde sich am übergeordneten positiven Szenario nichts ändern.

Die Stärke des Gesamtmarkts wird durch immer mehr Einzelwerte gestützt. Dabei gewinnen nun sogar die Kellerkinder im Dax an Statur:

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Volkswagen-Aktien haben schon seit Herbst 2015 nicht mehr an Wert verloren, obwohl es dazwischen immer wieder neue, schlechte Nachrichten gab. Nun, dank Fortschritten bei der Einigung mit US-Behörden, startet die Aktie durch. Dass die Auto-Verkaufszahlen insgesamt gut sind, passt dazu. Aus technischer Sicht läuft bei VW eine klassische Wende-Spekulation. Kurzfristig dürfe es um 150 Euro etwas langsamer weitergehen, eine abermalige schwere VW-Baisse aber ist nicht in Sicht.

Bayer-Aktien gehören zu den Verlierern im Dax, seitdem über den Monsanto-Kauf diskutiert wird. Die Aktie selbst hat sich jedoch seit sieben Monaten stabilisiert. Mit dem jüngsten Anstieg über 100 Euro gab es nun klassische Kaufsignale. Ein konservatives Investment ist Bayer deshalb sicher noch nicht. Dennoch ist es eine wichtige Stütze für den Gesamtmarkt, wenn ein Schwergewicht wie Bayer nicht mehr nach unten durchgereicht wird.

Die Deutsche Bank steigt seit vier Monaten. Die entscheidende Wende war die Einigung im milliardenschweren Streit um amerikanische Hypotheken. Auch wenn die Deutsche Bank noch zahlreiche andere Rechtsstreitigkeiten am Bein hat, die große Kursangst an den Märkten besteht nicht mehr. Vor allem wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Deutsche Bank eines Tages doch noch Staatshilfe in Anspruch nehmen müsste; und das allein wäre der Grund für einen neuen, schweren Absturz. Eine normale Kapitalerhöhung hingegen, die nach wie vor möglich ist, dürfte nur ein vorübergehender Kursdämpfer werden.

Die Deutsche Bank bleibt damit eine der großen Wende-Spekulationen in Europa. Die Bewertung ihrer Bilanzsumme liegt nur bei einem Bruchteil dessen, was für andere europäische Großbanken gezahlt wird. Sollte die Deutsche Bank in ferner Zukunft jemals wieder normal verdienen und keine bösen Belastungen mehr schultern müssen, dürfte die Aktie wesentlich weiter oben stehen.

Fazit: Nach der Trump-Euphorie bis zum Jahreswechsel findet nun eine Relativierung statt. Dabei können die großen Aktienmärkte für einige Wochen Boden abgeben. Die Stimmung der Anleger sollte sich parallel dazu abkühlen; eine vorübergehende Erholung des Euro würde gut dazu passen. Im Februar oder spätestens März könnten Dow und Dax dann einen erneuten Kletterversuch starten – das wäre dann die klassische Frühjahrsrally.   

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