Riedls Dax-Radar: Zehn Gründe, warum die Aktien trotz Trump, Brexit und Euro-Krise steigen
10 Gründe für den DAX.
Foto: dpa Picture-Alliance1. Trump wird in Europa anders wahrgenommen als in Amerika
Gestern, beim Zappen durch das Öffentlich Rechtliche, bin ich bei einer Fernsehsendung des WDR gelandet. Da ging es rückblickend um das Jahr 2016 – und es war von allerhand Katastrophen die Rede, wörtlich. Und als eine der größten des vergangenen Jahres bezeichnete der Moderator die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten.
Natürlich, auch hier im Dax Radar wurde Trump in den Monaten vor der Wahl als Risiko eingestuft. Dennoch hat es sich für Anleger bisher wenig ausgezahlt, nach politischen Präferenzen zu handeln und dabei klüger sein zu wollen als die Märkte. Und für die hat Trump einen Mix im Angebot, der vielversprechend ist: Infrastrukturprogramme, Deregulierungen im Finanzwesen, Steuererleichterungen. In manchen Branchen in Amerika entsteht sogar so etwas wie Aufbruchsstimmung.
Das wurde und wird im alten Europa komplett anders wahrgenommen. Hier ist Trump politisch unsäglich – und wirtschaftlich steht er vor allem für Protektionismus. Ohne Frage, es muss sich erst noch erweisen, ob der Trump-Effekt letztlich so positiv für Wirtschaft und Börse ist, wie sich das viele Anleger erhoffen. Vor allem die neue Rivalität mit der Wirtschaftsmacht China könnte sich als problematisch erweisen.
2. Börsen haben eine eigene Logik, die von der allgemeinen Stimmung weit abweichen kann
In Deutschland sind es seit jeher vor allem politische Nachrichten, die die Stimmungslage beherrschen. Die Diskussion um politische und soziale Probleme wird ungleich intensiver und breiter geführt als die Diskussion um Wirtschaftswachstum, Zinssätze und Anlagemärkte. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bisher nur einmal eine knappe Phase, in der die Börsen in der öffentlichen Diskussion eine zentrale Rolle gespielt haben: In den Jahren um 2000. Noch nie vorher – nicht in den Goldenen Fünfzigerjahren und auch nicht mehr nach der Jahrtausendwende – wurde öffentlich so intensiv über Börsen und Geldanlage diskutiert.
So gesehen leidet Deutschland immer noch unter den Folgen der High-Tech-Baisse 2003 und der Finanzkrise 2008, die der Börsenbegeisterung hierzulande den Garaus machten. Immer mehr Privatanleger ziehen sich seitdem von der Aktie zurück, Börse wird wieder zu einer Veranstaltung von wenigen Eingeweihten. Damit schwindet auch das Verständnis dafür, warum Aktien steigen und warum nicht.
3. Politische Ereignisse spielen für Aktien kaum eine Rolle, solange das Umfeld stimmt
Wenn man sich den Verlauf der wichtigsten Börsenkurve der Welt seit Ende des 19. Jahrhunderts vor Augen hält, den amerikanischen Börsendurchschnitt Dow Jones, dann sieht man einen säkularen Anstieg, gekennzeichnet von zwischenzeitlichen Schwankungsphasen und kurzen, zum Teil tiefen Einschnitten.
Den tiefsten Einschnitt gab es Ende der Zwanzigerjahre in der Weltwirtschaftskrise, als der Dow in drei Jahren neun Zehntel seines Werts verlor. Kein politischer Einschnitt, weder die beiden Weltkriege, die Kuba-Krise oder die Golfkriege, hatten einen so großen Einfluss auf die Börsen. Hier kam es zwar zu Kursrückschlägen über viele Monate hinweg, die großen, mehrjährigen Aufwärtstrends aber blieben intakt.
Der Twitter-Account des designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, hat Follower im zweistelligen Millionenbereich. (Stand 4. Januar 2017: 18,6 Millionen). Und kaum ein Tag vergeht mittlerweile, ohne dass er sich per Kurznachrichten aggressiv in die Unternehmenspolitik einmischt. Unschöne Reaktionen an der Börse sind damit häufig vorprogrammiert – und die US-Firmen scheinen sich zumeist zu einer Reaktion gezwungen zu fühlen...
Foto: dpaGeneral Motors (GM)
„Produziert in den USA!“, ging Trump den Autobauer General Motors (GM) bei Twitter an und drohte mit hohen Einfuhrzöllen für Autos, die im Niedriglohn-Nachbarland Mexiko gefertigt werden. "General Motors schickt in Mexiko gebautes Chevy-Cruze-Modell an US-Autohändler steuerfrei über die Grenze", hieß es in dem Tweet. "Produziert in den USA, oder zahlt hohe Abgabe an der Grenze!" Wenig später gab es eine Reaktion an der Börse: GMs Kurs fiel unmittelbar um rund ein Prozent.
Foto: dpaFord
Eine Reaktion des Unternehmens blieb unmittelbar aus - dafür reagierte ein GM-Rivale: Ford, im Wahlkampf ebenfalls von Trump angegangen, gab überraschend bekannt, Pläne für ein 1,6 Milliarden Dollar teures Werk in Mexiko zu beerdigen – wie von Trump gefordert. Stattdessen solle nun in großem Stil in den USA investiert werden.
Foto: APGM selbst reagierte erst eine halbe Woche später auf Trumps Äußerungen. Man wolle trotz der Drohungen Trumps an der Produktion von Kleinwagen in Mexiko festhalten, kommentierte der Autobauer vier Tage später. Die Autobranche treffe ihre Entscheidungen, wo ein bestimmtes Fahrzeug gebaut werde, mit einem Vorlauf von zwei bis vier Jahren, sagte Vorstandschefin Mary Barra. Die Limousinen der von Trump angesprochenen Marke würden ohnehin in Ohio hergestellt.
Foto: dpaBoeing
„Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Abbestellen!“ Mit diesem heftigen Kommando per Twitter sorgte Donald Trump beim US-Luftfahrtkonzern Boeing für Irritation. Was Trumps Aktion sollte, blieb nebulös – keiner wusste, wie er auf den Preis kam. Das Unternehmen und die US-Regierung kamen auf andere Schätzungen. Zudem war der Milliarden-Auftrag für die beiden neuen Präsidentenmaschinen laut Boeings Stellungnahme noch gar nicht endgültig erteilt worden.
Foto: dpaAber der Tweet zeigte Wirkung: Die Boeing-Aktie geriet zwischenzeitlich spürbar unter Druck, und die Medien überboten sich mit Schlagzeilen. Trump profilierte sich als Hüter von Steuergeldern, der verhindern will, dass der Konzern sich auf Staatskosten bereichert. Zur Überraschung vieler kündigte Boeing schließlich an, die Präsidentenmaschine werde in jedem Fall günstiger ausfallen als bislang geplant.
Foto: REUTERSLockheed Martin
Auch der Rüstungskonzern Lockheed Martin wurde vom künftigen US-Präsidenten unter Druck gesetzt: wegen der Kosten für das Kampfflugzeug F-35. Da das F-35-Programm immer teurer werde, habe er Boeing gebeten, ein Preisangebot für das ältere Modell F-18 "Super Hornet" zu unterbreiten, teilte Trump per Twitter mit. Das F-35-Programm ist ein wesentlicher Umsatzbringer für das Unternehmen und machte im vergangenen Jahr rund 20 Prozent der Gesamterlöse von 46,1 Milliarden Dollar aus. Die Kosten für das Programm sind unter anderem wegen technischer Probleme auf geschätzte 379 Milliarden Dollar gestiegen. Das Flugzeug ist allerdings viel moderner als die F-18.
Foto: APLockheed äußerte sich nicht dazu. An der Wall Street standen die Papiere des Rüstungskonzerns Lockheed Martin daraufhin allerdings trotzdem im Fokus – mit einem Kursverlust von 1,4 Prozent.
Foto: REUTERSRexnord Corp.
Auch das US-Unternehmen Rexnord mit Sitz in Milwaukee (Indiana) musste eine Twitter-Attacke Trumps verkraften. Rexnord stellt Wälzlager und Ketten her – und plant den Umzug eines Werkes nach Mexiko. "Rexnord aus Indiana zieht nach Mexiko und wird bösartig alle seine 300 Arbeiter entlassen. Das passiert überall in unserem Land. Das muss aufhören!"
Eine direkte Reaktion darauf gab es von Rexnord nicht – die Pläne haben sich bislang nicht geändert. Auf den ohnehin seit einiger Zeit fallenden Aktienkurs hatte der Tweet aber trotzdem Einfluss. Es ging um einen Prozentpunkt nach unten.
Foto: APDas heißt nicht, dass das politische Umfeld für die Börsen keine Rolle spielt. In der bundesdeutschen Geschichte gab es bisher zweimal eine große Aktienhausse: In den Goldenen Fünfzigerjahren und seit den Achtzigerjahren. In beiden Fällen gab es neben der Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft im politischen System genug Spielraum für die Entfaltung der Börsen.
Es ist zu erwarten, dass sich daran auch durch die Wahlen dieses Jahres nichts ändert. Natürlich sind mehrwöchige, zum Teil auch scharfe Rückschläge möglich, wenn ein europäisches Kernland wie Frankreich nach rechts abdriften würde. Kritisch wäre es für die Börsen auch, wenn die Konjunkturlokomotive Deutschland eine wirtschaftsfeindliche Regierung bekäme. Parteifarben indessen spielen kaum eine Rolle: 1998, als die rot-grüne Koalition antrat und man in liberalen Kreisen den Untergang des Abendlandes erwartete, setzten die Börsen erst so richtig zum Sprung nach oben an.
4. Den Zerfall der alten EU haben die Märkte längst eingepreist
Als die Aktienbörsen nach der überraschenden Brexit-Entscheidung den Handel öffneten, ging es sofort dramatisch nach unten; im Dax in der ersten Stunde um zehn Prozent. Das waren auf einen Schlag 100 Milliarden Euro Minus – also reagiert haben die Märkte sehr wohl auf den Brexit. Doch die Erholung in den Monaten danach war überraschend. Natürlich machte sich hier das gute Umfeld für die Börsen bemerkbar, die niedrigen Zinsen und die anziehende Konjunktur. Gleichzeitig aber wurde offensichtlich, dass sich die Märkte nicht mehr davon schrecken lassen, wenn Europa auseinanderdriftet. Immerhin vollzieht sich dieser Prozess schon seit etlichen Jahren: Frankreich ist wirtschaftlich schwach und politisch wacklig, Italien und andere Süd-Länder in einer Schuldenfalle, in Polen und Ungarn wächst der Nationalismus – und jetzt gehen auch noch die Briten von der Fahne.
Die Anlagemärkte haben diesen Prozess längst diskontiert. Am besten sichtbar am Euro, der genau seit dem Finanzkrisenjahr 2008, seitdem das Schuldendebakel in Europa besonders sichtbar wurde, gegenüber dem Dollar ein Drittel seines Wert verloren hat.
Platz 27: Aktien Nigeria
Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 26: Ghana
Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 25: Aktien Ägypten
Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 24: Aktien China
Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 23: Britisches Pfund
Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 22: Mexikanischer Peso
Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 21: Sparbuch
Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 20: Aktien Euro-Zone
Der Euro Stoxx 50 Index für die 50 wichtigsten Werte im Euro-Raum hat in diesem Jahr enttäuscht. Seine massiven Verluste von über zwölf Prozent zur Jahresmitte hat er zwar wieder aufgeholt. Dennoch wurden aus zu Jahresbeginn 100.000 in den Index investierten Euro lediglich 100.770 Euro und damit nicht sehr viel mehr als auf dem Sparbuch. Am schlechtesten in ganz Europa schnitt die portugiesische Börse ab. Das Land zittert um die letzte verbliebene solide Bonitätsnote von der kleinen Ratingagentur DBRS. Portugals Leit-Aktienindex PSI 20 verlor in diesem Jahr mehr als elf Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 19: Deutsche Staatsanleihen
Die deutlichen Schwankungen bei Aktien und die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) ließen Investoren weltweit zu deutschen Bundesanleihen greifen. Die Folge: Am 14. Juni fiel selbst die Rendite der viel beachteten deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erstmals unter null Prozent. im Juli sackte sie auf bis zu minus 0,22 Prozent ab. Seither sind zwar die Kurse gerade von Bundesanleihen mit mittlerer bis längerer Laufzeit zwar wieder etwas gefallen und die Renditen im Umkehrschluss gestiegen. Dennoch: Wer direkt im Januar für 100.000 Euro deutsche Bundesanleihen in allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.070 Euro auf dem Konto.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz: 18: US-Dollar
Der US-Dollar hat seit der Wahl von Donald Trump einen wahren Höhenflug. Mit dem Wahlsieg Trumps warfen Investoren ihre Skepsis über Bord und setzen darauf, dass der als unberechenbar geltende Amerikaner mit seiner Mischung aus Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben die US-Konjunktur kräftig ankurbeln wird. Auf Jahressicht stieg der Dollar zum Euro um 4,11 Prozent. Aus 100.000 in den Greenback investierten Euro wurden so 104.110 Euro. Außerdem steigert der Dollar-Anstieg die Erträge von allen Anlagen, die in Dollar nominiert sind.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 17: US-Staatsanleihen
Seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind amerikanische Staatsanleihen nicht mehr in Mode. Investoren fürchten einen Anstieg der Inflation, wenn der neue US-Präsident die Konjunktur über Infrastrukturausgaben ankurbelt, weil in den USA schon jetzt nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Zudem hat der gestiegene Ölpreis schon seit dem Sommer die Inflationserwartungen steigen lassen. Außerdem warten Investoren auf weitere Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed. US-Staatsanleihen haben ihre zeitweise deutlichen Kursgewinne deshalb mehr als komplett abgegeben. Da die US-Treasuries aber zumindest noch etwas Zinsen bringen, lag der Gesamtertrag für US-Anleger aus Zinseinnahmen und Kursverlusten 2016 bei einem knappen halben Prozent. Euro-Anlegern spielte dagegen der Anstieg des Dollars zum Euro in die Hände. Wer im Januar für 100.000 Euro US-Staatsanleihen mit allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.170 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 16: Aktien Japan
Auch Japans Aktienindex Nikkei 225 hat sich beeindruckend vom über 18-prozentigen Verlust des ersten Halbjahres erholt. In japanischen und in japanischen Yen notierte der Index auf Jahressicht gerechnet 0,4 Prozent im Plus. Dazu trägt die Notenbank bei, die nicht nur japanische Staatsanleihen, sondern auch japanische Aktien kauft. Gleichzeitig hoffen auch die Japaner auf einen „Donald Trump light“ und setzen darauf, dass der US-Präsident weniger protektionistisch handeln wird als angedroht. Der japanische Yen verlor jedoch nach der Trump Wahl deutlich gegenüber dem Dollar und liegt auch gegenüber dem Euro seit Beginn des Jahres „nur“ noch sechs Prozent im Plus. Mitte des Jahres waren es noch fast 14 Prozent. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Nikkei 225 investiert hat, kann sich über einen Gewinn von 6.250 Euro freuen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz: 15: Aktien Deutschland
Der Jahressschlussrally sei Dank. Nachdem der deutsche Leitindex Dax bis Mitte Februar um fast ein Fünftel eingebrochen war, fürchteten Anleger Schlimmes. Der Dax berappelte sich zwar wieder, schaffte es aber erst Anfang des Monats deutlich über den Schlussstand des Vorjahres. Unter dem Strich hat der Dax so im vergangenen Jahr 6,87 Prozent gewonnen. Aus 100.000 Euro wurden so 106.780 Euro. Interessant: Selbst wenn man die im Dax enthaltenden Dividenden herausrechnet kommt der Index auf ein reines Kursplus von zumindest 3,7 Prozent und schlägt somit den als reinen Kursindex berechneten Euro Stoxx 50 deutlich.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 14: Euro-Unternehmensanleihen schwacher Bonität
Mit auf Euro lautenden Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen konnten Anleger 2016 deutlich mehr verdienen als mit sicheren Bundesanleihen. Die Erträge aus den Kursgewinnen und den höheren Zinseinnahmen der sogenannten Junk-Bonds (Ramschanleihen) summieren sich im Schnitt auf 9,07 Prozent. Aus 100.000 investierten Euro wurden so 109.070 Euro. Anfang des Jahres gerieten wegen des schwachen Ölpreises zwar US-Junkbonds unter Druck. Das belastete auch die Euro-Papiere. Doch die Lage hat sich beruhigt – außerdem greifen im Niedrigzinsumfeld immer mehr Investoren zu Anleihen mit höheren Zinsen. Dazu kommt: Da die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität kauft, drängt sie Anleger förmlich dazu auf andere Bonds auszuweichen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 13: Magere Schweine
Nicht nur Öl, Industrierohstoffe, Metalle und Agrarrohstoffe können Anlegern an Terminbörsen handeln sondern auch landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelten Terminkontrakte auf Nutztiere. Besonders auffällig erholte sich dabei 2016 der im Vorjahr deutlich gefallene Preis für Magere Schweine. Da gleichzeitig der Dollar stieg, machten Investoren, die an der Chicagoer Terminbörse 100.000 Euro investierten, einen Gewinn von 11.000 Euro. Die Preise für Mastvieh und Lebendrinder fielen dagegen deutlich.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 12: Gold
Nach einer fünfjährigen Talfahrt glänzte Gold im Jahr 2016 wieder. Das gelbe Metall war zwar in Dollar gerechnet mit einem Plus von rund acht Prozent nicht der Top-Performer unter den Rohstoffen. Aus 100.000 investierten Euro wurden aber letztlich 112.040 Euro. Bis zum Sommer war der Goldpreis in Dollar gerechnet sogar um knapp 30 Prozent geklettert. Nach den US-Wahlen schmolzen die Gewinne aber ab Die Aussichten auf eine starke US-Wirtschaft unter Trump und auf drei weitere Zinsschritte der US-Notenbank Fed im Jahr 2017 ließen den Dollar klettern und den Goldpreis fallen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 11: Aktien Schwellenländer
Die Aktien der Schwellenländer haben gemessen am Dollar-Index MSCI Emerging Markets im Jahr 2016 8,5 Prozent zugelegt. Damit erholten sie sich zumindest zum Teil von ihrem Absturz des Vorjahres – wobei die Spreizung zwischen den einzelnen Emerging Markets groß ist. Wer jedoch 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets oder einen entsprechenden börsengehandelten Indexfonds investiert, machte – ohne Transaktionskosten – dank Index- und Dollar-Anstieg einen Gewinn von 12.710 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 10: Anleihen Schwellenländer
Wie die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität profitierten auch die Anleihen von Schwellenländern von der verzweifelten Suche der Investoren nach höheren Zinseinnahmen. Die zuletzt gestiegenen Kapitalmarktzinsen – sprich Anleiherenditen – in den USA belasteten zwar gerade die auf Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in einen auf Dollar-Emerging-Market Bonds lautende Anleihen investierte, kann sich jetzt über ein auf 113.200 Euro gewachsenes Depot freuen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 9: Aktien USA
Auch die US-Börsen stürzten bis Februar im Sog der Angst um die Entwicklung in China und den fallenden Ölpreis ab. Sie erholten sich aber wesentlich deutlicher als ihre europäischen Pendants. Und mit der Wahl von Donald Trump starteten die US-Börsen noch einmal richtig durch – auch wenn der Dow Jones Index die Rekord-Marke von 20.000 Punkten knapp verpasste. „Die Rally ist davon getrieben, dass es endlich einen Wechsel in Washington gibt“, sagt Ted Weisberg, Chef und Gründer von Seaport Securities an der Wall Street. In Dollar gerechnet hat der Dow im vergangenen Jahr gut 13 Prozent gewonnen – in Euro gerechnet waren es 16,14 Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: REUTERSPlatz 8: Silber
Der kleine Bruder des Goldpreises hat Gold im vergangenen Jahr deutlich geschlagen. In Dollar gerechnet stieg der Silberpreis um rund 15 Prozent, in Euro sind es sogar 18,56 Prozent. Dabei profitiert Silber davon, dass es auch als Industriemetall gilt. Und die waren 2016 wegen der insgesamt doch weltweit etwas besseren Konjunktur gefragt. Aus 100.000 in Silber angelegten Euro wurden 118.560 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: WirtschaftsWochePlatz 7: Zucker
Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 ebenfalls deutlich gestiegen – am deutlichsten der für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 6: Aktien Russland
Die russische Börse hat schwere Turbulenzen hinter sich. Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich aber sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. In Rubel gerechnet stieg der Micex in diesem Jahr unter dem Strich um rund Prozent, die Aufwertung des Rubels gegenüber dem Euro machte aus 100.000 in Russland angelegten Euro sogar 152.950 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 5: Öl
Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. Ende 2016 beschloss die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dann tatsächlich ab 2017 weniger Öl zu fördern. Das verhalf dem Ölpreis zuletzt auf einen Stand von knapp 54 Dollar. Das machte aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro am Jahresende 161.080 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 4: Zink
Auch Zink kann hübsch verarbeitet werden, gilt aber vor allem als Industriemetall und war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Rund die Hälfte allen Zinks wird für Korrosionsschutz verwendet. Zusätzlich wird Zink unter anderem in Batterien oder für Gussformen verwendet. Einer der Gründe für die Hausse ist das anhaltende globale Defizit. So erwartet der Verband der Blei-und Zinkbranche, dass das Angebot auch 2017 hinter der Nachfrage zurückbleiben wird. Im vergangenen Jahr stieg der Zinkpreis in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3: Aktien Kasachstan
Gerade mal neun Werte sind im kasachischen Leitindex Kase notiert – doch die hatten es 2016 in sich. Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Dabei gilt generell das die Werte an kleinen illiquiden Börsen deutlich stärker schwanken als an großen Märkten. Im vergangenen Jahr sprach das Pendel dabei für die Anleger: Wer 100.000 Euro in den Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent. Dabei entfiel ein mit anderen Ländern vergleichsweise geringer Teil auf die Aufwertung der Landeswährung.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 2: Aktien Peru
Für Investoren war die Wahl ein Traum: Pablo Kuczynski, der im Sommer gewählte Präsident Perus, ein ehemaliger Wall Street Banker und gilt als liberal und wirtschaftsfreundlich. Die Börse in Peru begann schon vor Wochen vor der Wahl zu feiern. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Der Index stieg im vergangenen Jahr um 59 Prozent. Die Aufwertung des Sols gegenüber dem Euro machte daraus bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren. Das zeigt wie riskant Einzelwetten auf Schwellenländer sind.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: REUTERSPlatz 1: Aktien Brasilien
Der brasilianische Aktienmarkt war 2016 kaum zu bremsen. Auch er startete zwar mit den Weltbörsen schwach, startete dann aber richtig durch. Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff die Aktienkurse nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Sei es drum – in der Landeswährung gerechnet stieg Brasiliens Leitindex Bovespa um 39 Prozent. Noch deutlicher wertete die Landeswährung Real auf – auch wenn sie seit den US-Präsidentschaftswahlen wieder etwas verloren hat. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.
Foto: dpaSicherlich wäre es nicht schön für den Dax, wenn die EU gleich völlig untergehen würde. Doch die Märkte haben sich mittlerweile auf die europäische Realität eingestellt. Immerhin steckt in dieser Desillusionierung sogar eine Chance – wenn in Europa eines Tages eine gründliche Erneuerung zustande käme.
5. Aktienkurse steigen nicht trotz der Krisen, sondern auch wegen der Krisen
Die Finanzkrise von 2008 war ein schwerer Bruch. Am Zinsmarkt hatte sich in den Jahren 2003 bis 2008 in der Umlaufrendite zwischen drei und fünf Prozent ein Boden gebildet und im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs wäre es dann zur Zinswende nach oben gekommen.
Diese Entwicklung wurde im Herbst 2008 mit dem Finanzkrisencrash zunichte gemacht: Seitdem fluten die Notenbanken die Märkte mit Geld - und bei den Zinsen setzte die dramatische Abwärtsbewegung ein, in der wir immer noch stecken.
Dividendenarie
Erstmals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden die 30 größten börsennotierten Gesellschaften ihren Aktionären mehr als 30 Milliarden Euro an Dividende überweisen. Zwar geben die meisten Konzerne erst Anfang 2017 mit Vorlage der Jahresgeschäftszahlen die Höhe ihrer Dividende bekannt, aber die Neunmonatsbilanzen, die firmeneigene Dividendenpolitik und Aussagen der Vorstände, die das Handelsblatt ausgewertet hat, lassen schon jetzt belastbare Prognosen zu. Demnach dürften 22 der 30 Firmen ihre Ausschüttungen erhöhen. Gegenüber 2016 steigen die Dividenden um sechs Prozent auf knapp 31 Milliarden Euro. Ausgezahlt wird übrigens immer am Tag nach der Hauptversammlung. Einige Konzerne ragen positiv heraus, andere negativ.
Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.
Foto: DPADaimler
Jahr für Jahr steigen die Umsätze und Gewinne, 2016 dürfte der Daimler-Chef Dieter Zetsche mit rund 8,8 Milliarden Euro schon wieder einen Rekordgewinn einfahren. Niemand verdient in Deutschland mehr. Im Gleichklang steigen auch die Dividenden. Mit rund 3,5 Milliarden Euro schütten die Stuttgarter so viel Geld aus, wie kein anderes deutsches Unternehmen. Mit der Einjahresdividende ließe sich die halbe Lufthansa kaufen. Pro Aktie gibt es im Frühjahr vermutlich 3,35 Euro – zehn Cent mehr als in diesem Jahr.
Fresenius
Die läuft und läuft und läuft: Die Aktie, aber auch die Dividende. Fresenius ist ein Dauerbrenner: Seit 24 Jahren erhöht der Gesundheitskonzern jedes Jahr seine Ausschüttung. Daran dürfte sich nichts ändern, weil die Geschäfte glänzend laufen. Damals kostete eine Aktie knapp einen Euro. Jetzt sind es 65,50 Euro. Aus damals rund 2000 DM (1000 Euro) wurden also 65.500 Euro. Nicht nur der Dividende wegen hat sich der Einsatz also gelohnt.
Foto: dpaPro Sieben Sat 1
Wer heute die Aktien von Pro Sieben Sat 1 kauft, fährt damit eine Dividendenrendite von 5,8 Prozent ein. Das ist Spitze im Dax. Voraussetzung dafür ist, dass der Medienkonzern im kommenden Frühjahr 1,95 Euro pro Aktie ausschüttet. Doch das erscheint wahrscheinlich. Denn der Vorstand verspricht, zwischen 80 und 90 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an seine Aktionäre weiterzureichen.
Foto: DPAMunich Re
Der Rückversicherer hat seit 1969 seine Dividende nie mehr gesenkt. Damit sehen sich Chef Nikolaus von Bomhard und Munich Re seinen Aktionären so sehr verpflichtet wie kein anderer Dax-Konzern. Seit vielen Jahren fahren Aktionäre mit der Aktie eine Dividendenrendite von mehr als drei Prozent ein. Aktuell sind es sogar 4,9 Prozent.
Foto: REUTERSDeutsche Telekom
Bei der Deutschen Telekom können Aktionäre wählen, ob sie eine Dividende oder stattdessen neue Aktien im gleichen Wert haben wollen. Im vergangenen Jahr haben sich 41 Prozent der Aktionäre für neue Aktien entschieden. Noch etwas ist besonders bei der T-Aktie: Die Dividende gibt es steuerfrei, wenn die Telekom-Aktien vor 2009 gekauft wurden. Ansonsten erhalten Aktionäre einen Steueraufschub. Das bedeutet: Der Einstandskurs wird jährlich um die Höhe der ausgezahlten Dividenden vermindert. Beim Verkauf fällt der Kursgewinn entsprechend höher aus – und die Steuer muss indirekt dann doch bezahlt werden. Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für die Aktie der Deutschen Post.
Foto: DPAEli Lilly
Nicht jeder kennt es, und die Firma notiert auch nicht im Dax, sondern im amerikanischen Dow Jones: Eli Lilly – ein Vorbild für viele Dividenden-Traditionalisten. Das 1876 in Indianapolis von dem Offizier Eli Lilly gegründete Unternehmen zählt mit 38.000 Mitarbeitern in 125 Ländern zu den größten Pharmakonzernen der Welt. Die Aktie notiert im amerikanischen S&P 500. Ob Krieg oder Rezession, seit 1885 hat Eli Lilly immer Dividenden bezahlt.
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An der Wall Street sind übrigens noch andere Dividenden-Traditionalisten beheimatet. Der Tabakkonzern Philip Morris überweist seinen Anlegern seit mehr als 80 Jahren Dividende. Es geht aber noch länger.
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Der Ölriese Exxon-Mobil zahlt seinen Aktionären sogar schon seit 125 Jahren eine Dividende. Dagegen sieht es aktuell bei den deutschen Banken mau aus.
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Deutschlands zweitgrößte Bank überwies ihren Aktionären im vergangenen Frühjahr eine Minidividende von 20 Cents je Aktie. 2017 wird es nichts geben. Vorstandschef Martin Zielke steht mit seinem Institut aber noch immer besser da als Deutschlands größte Bank.
Foto: REUTERSDeutsche Bank
Vorstandschef John Cryan hat frühzeitig keinen Hehl daraus gemacht, dass es nach 2016 auch 2017 eine Nullrunde geben wird. Zu groß sind die Baustellen der Bank in aller Welt – vor allem in den USA. Dort soll das Geldhaus 14 Milliarden Dollar zahlen. Es geht um Hypothekengeschäfte aus Zeiten des Immobilienbooms vor der Finanzkrise. Es wäre die höchste Strafe, die in den USA jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde.
Foto: APDieser Zinsrückgang hat einen substanziellen Anteil an der wirtschaftlichen Erholung seit 2008. Er half den Unternehmen bei ihren Investitionen genauso wie den Staaten bei der Bewältigung ihrer Schuldenlast. Parallel dazu vollzog sich an den Aktienmärkten ein klassischer Kursanstieg. Kritisch allerdings wird es, wenn ein Pfeiler dieser Hausse wegbräche.
Genau hier wirken Krisen wie ein retardierendes Moment: Sie verzögern einen schnellen Anstieg der Renditen und dämpfen die kurzen Ausschläge nach oben. Die Grundmischung der Hausse, insgesamt niedriges Zinsniveau und weiteres Wachstum, bleibt damit bestehen.
6. Konjunkturell leben die Börsen (fast) in der besten aller Welten
Auch wenn es in der öffentlichen Diskussion kaum Erwähnung findet, konjunkturell sind die meisten Industrieländer auf einem guten Weg. Mit einem stetigen Wachstum, das hierzulande in diesem Jahr zwischen einem und zwei Prozent liegen dürfte, ist die Wirtschaft für die Börse gerade richtig temperiert: Nicht zu schwach, dass ein Absturz droht; und nicht zu stark, dass es zu einer Überhitzung käme. Zudem dämpft ein nur moderates Wachstum nicht nur die Zinsen, es lässt auch in den Folgejahren Spielraum für weitere Steigerungsraten. Die Hoffnung darauf ist eine der wichtigsten Triebkräfte der Börse.
Auch weltweit sieht es nicht schlecht aus. In China hält der langjährige Aufschwung an, die USA bekommen durch die neue Regierung eine zweite Luft, große Schwellenländer wie Russland und Brasilien werden durch die Erholung an den Rohstoffmärken in ihrem Comeback gestärkt, mit Indien entsteht ein neues ökonomisches Schwergewicht. Insgesamt kommt die Weltwirtschaft auch 2017 gut voran. Damit lässt es sich auch verkraften, wenn einstige Hoffnungskandidaten wie die Türkei in schwere Turbulenzen geraten sind.
7. Die Unternehmensgewinne bekommen durch Trump einen zusätzlichen Schub
Für die Börsen sind echte Zahlen entscheidend. Es gibt keine Kriterien, die den Kursverlauf einer Aktie auf Dauer stärker beeinflussen als der Geschäftserfolg eines Unternehmens (in der Regel sichtbar am Nettogewinn; wobei es Ausnahmen gibt, siehe Amazon) und die allgemeine Liquiditätslage, sichtbar am besten an den Zinsen.
Durch Trump wird es beim ersten Kriterium einen neuen Zuwachs geben. Wenn die von ihm versprochenen Konjunkturprogramme umgesetzt werden, kann das auf Jahre hinaus die Gewinne in vielen Branchen ein weiteres Stück erhöhen. Für Börsianer ist das umso positiver, da sie diesen Effekt bisher noch nicht auf der Rechnung hatten. In den Analyseabteilungen der Banken finden derzeit Hochstufungen statt – und die wiederum wirken sich direkt auf die Kurse aus. In der Regel dauert es mehrere Monate, bis sich ein solcher Hochstufungsprozess an den Märkten durchgesetzt hat.
8. Auch wenn Aktien nicht mehr billig sind, haben die Bewertungen noch Spielraum
Der amerikanische Aktienmarkt hat, gemessen am breiten Russel-3000-Index, seit der Wahl Trumps 1500 Milliarden Dollar an Wert gewonnen. Das ist ein enormer Vertrauensvorschuss. Natürlich gibt es nach einem solchen Schub immer wieder Konsolidierungen und Rücksetzer, vor allem, wenn es zwischendurch auch nach veröffentlichten Zahlen zu Ernüchterungen kommen kann. Doch derzeit deutet mehr darauf hin, dass die US-Wirtschaft mächtig unter Dampf steht und die Unternehmenserträge 2017 einen neuen Rekord erreichen.
Mit einer Bewertung der für 2017 erwarteten Nettogewinne um 17 sind die Aktien des S&P 500 keineswegs mehr billig. Das wäre nach einem Anstieg, der mittlerweile acht Jahre läuft, auch nicht realistisch. Dennoch ist der amerikanische Aktienmarkt noch nicht so teuer, dass man von einer Überhitzung sprechen kann.
Im Dax ist die Situation ähnlich. Hier ist der Gesamtmarkt mit einer 14fachen Bewertung in einer mittleren Preislage, die klassisch ist für einen langen, intakten Aufwärtstrend. Von einer Euphorie wie im Jahr 2000, als eine lange Hausse-Phase zu Ende ging, ist derzeit nichts zu spüren.
9. Auf absehbare Zeit gibt es keine Anlagealternative zur Aktie
Die Vermögen der Deutschen haben 2016 wieder einen Rekordstand erreicht. Das hat vor allem mit zwei Entwicklungen zu tun: Mit Preissteigerungen bei Immobilien und Wertpapieren sowie mit fleißigem Sparen. Über lange Jahre profitierten die privaten Haushalte von passablen Zinseinnahmen, doch diese Quelle ist seit der extremen Geldpolitik der EZB versiegt. Damit wächst der Druck, neue Anlageformen zu finden: von Immobilien bis zu Kunstwerken, von Oldtimern bis zum Gold.
Doch keiner dieser Märkte ist so flexibel wie die Aktienbörse. Ein Anruf oder ein Klick genügen, und schon mit wenigen tausend Euro kann man sinnvoll anlegen und ansprechende Renditen erzielen. Wenn eine Aktie wie die Münchener Rückversicherung, ein Weltmarktführer, seit mehr als drei Jahrzehnten seine Dividende immer nur erhöht hat und derzeit eine Rendite von fünf Prozent vor Steuern bietet, dabei günstig bewertet ist, so ist dies eine ungleich attraktivere Anlage als die 0,2 Prozent, die es für zehnjährige Staatspapiere vom Schuldner Bundesrepublik derzeit gibt. Erst recht, wenn die Inflation wieder anzieht und Sachwerte einen zusätzlichen Schub bekommen. Und kein Sachwert ist so gut handelbar wie eine Aktie.
10. Megatrends können Aktien langfristig noch viel weiter steigen lassen
Auch wenn von Megatrends erst seit einigen Jahren die Rede ist, bestimmt haben sie die Grundrichtung an den Börsen schon immer. Im 17. Jahrhundert war die Ostindische Kompanie das wirtschaftliche Vehikel, das in die Expansion der britischen Weltmacht mündete. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als rund um den Globus der Wettlauf um den Ausbau des Schienennetzes begann, waren Eisenbahnaktien der große Renner. Anfang des 20. Jahrhunderts folgen die goldenen Jahre der Stahlindustrie und der Stahlaktien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Massenmobilisierung und Globalisierung, mit denen klassische Industrieaktien (Chemie, Autos, Maschinenbau) nach oben befördert wurden. In den Neunzigern begann das Internet-Zeitalter, das derzeit durch die Massendigitalisierung einen weiteren, zweiten Schub erlebt.
Alle diese großen Trends waren so mächtig, dass sie von Regierungswechseln, Parteienstreitigkeiten oder Konjunkturschwankungen nur marginal beeinträchtigt wurden. Daran dürfte sich auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern – und damit können marktdominante Aktien (derzeit etwa Microsoft, SAP, Google/Alphabet, Fresenius und viele andere) auf Jahre hinaus die Börsen immer wieder einen Schritt weiter nach oben treiben.