Stelter strategisch

Ist jetzt die Zeit, Bankaktien zu kaufen?

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Kapitalbedarf von Billionen im Krisenfall

Wer jetzt mit Blick auf den jüngsten Stresstest der EZB darauf verweist, dass die Banken doch gesund seien, der sei an die Ergebnisse der neuesten ZEW Studie erinnert. Darin kommen die Experten zu dem Schluss, dass die 34 größten börsennotierten Banken, die laut EZB-Test einen Kapitalbedarf von Null haben, bei der Anwendung der US-amerikanischen Testmethode einen Kapitalbedarf von 93 Milliarden Euro hätten.

Unter der Anwendung eines echten Stresstest-Szenarios im Falle einer „systemischen Krise“ würden denselben Banken immerhin 675 Milliarden Euro fehlen – ein beindruckender Wert. Wir sprechen hier von nur 32 Banken und eine einfache Hochrechnung auf den gesamten Bankensektor ist sicherlich nicht zulässig. Dennoch dürfte der Kapitalbedarf in die Billionen gehen. Solange diese Unsicherheit besteht, bleiben Banken eine reine Spekulation.

Hinzu kommen noch die anderen Spätfolgen des Booms: die Strafzahlungen für Fehlverhalten in den guten Jahren. Marktmanipulation (Gold, Währungen), Irreführung von Kunden (Subprime) und alle möglichen weiteren größeren und kleineren Betrügereien.

Rettungspolitik schadet Banken 

Die Euro-Rettungspolitik verschärft die Probleme für die Banken weiter. Die Weigerung der Politik, die Grundprobleme der Eurozone – Überschuldung und divergierende Wettbewerbsfähigkeit – anzugehen, hat die Last der Euro-„Rettung“ alleine der EZB übertragen. Dieser bleibt letztlich gar keine andere Wahl, als die Zinsen unter Null zu treiben und den Banken die als sicher eingestuften Anleihen abzukaufen. Damit sinkt jedoch die Ertragskraft der Banken, die bis dato gehofft hatten über die Zeit über einbehaltene Gewinne die Kapitalbasis zu stärken. Stattdessen waren die Banken immer mehr von Kapitalerhöhungen abhängig, die sie über hohe Dividendenzahlungen als attraktiv erscheinen lassen wollten. In der Folge gelang es nicht, die Kapitalbasis zu stärken.

So richtig tiefe Zinsen aus Sicht der EZB und der Politiker sind, um die Realwirtschaft und vor allem die Staaten zu entlasten, so schlecht sind sie für das Bankensystem. Hier zeigen sich erneut die Folgen einer Politik, die statt sich der Ursachen anzunehmen an den Symptomen herumdoktert, auf Zeit spielt und auf ein Wunder hofft. „Hope is not a strategy“ ist nicht umsonst das Bonmot erfolgreicher Manager

Richtige Regulierung zum falschen Zeitpunkt

Eine der richtigen Schlussfolgerungen der Politik aus der Finanzkrise war eine stärkere Regulierung der Banken, vor allem eine Erhöhung der Kapitalanforderungen. Dies ist natürlich richtig. Doch trifft es die Banken zu einem Zeitpunkt, wo sie schon Schwierigkeiten damit haben ihre Solvenz wieder herzustellen. Jede Erhöhung der Kapitalanforderungen wirkt da wie eine Erhöhung der Hürde, über die die Banken springen müssen.

Angesichts der schwachen Ertragskraft bedeutet dies nichts anderes, als dass der externe Kapitalbedarf noch größer wird. Doch welcher Investor ist schon bereit Aktien und Anleihen von Unternehmen zu kaufen, die bei ordentlicher Betrachtung insolvent sind? Natürlich trifft diese Behauptung nicht auf alle Banken zu. Da die Qualität der Bilanz und die Wechselwirkungen zwischen den Banken für Außenstehende jedoch nicht zu durchschauen sind, macht man lieber einen Bogen um den ganzen Sektor.

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