Talfahrt zum Wochenstart: Dax sackt nach schärferen Russland-Sanktionen ab
Der deutsche Leitindex Dax befindet sich auf Talfahrt.
Foto: imago imagesDer deutsche Aktienmarkt ist am Montag erneut unter Druck geraten angesichts verschärfter Sanktionen des Westens gegen Russland. Dennoch hielten sich die Verluste in Grenzen im Vergleich zum vergangenen Donnerstag, als Russland seinen Angriff gegen die Ukraine startete. Am Nachmittag verlor der Dax 2,38 Prozent auf 14.220,60 Punkte, der MDax sank um 1,00 Prozent auf 31.482,60 Zähler sank. Marktbeobachter setzen Hoffnungen darin, dass zumindest die Sanktionen wirken.
Europaweit gingen die Börsen zum Wochenstart ebenfalls wieder auf Talfahrt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 knickte zuletzt um drei Prozent ein.
In der Nacht zum Montag setzte die Europäische Union (EU) ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft, darunter ein Verbot von Transaktionen mit dem Finanzinstitut. Zudem werden alle Vermögenswerte der Bank in der EU eingefroren. Russische Finanzinstitute werden darüber hinaus aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift ausgeschlossen.
Die Verluste des deutschen Leitindex seien aber noch vergleichsweise moderat, gab Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets zu bedenken. „Die EU-Sanktionen sind so austariert, dass sie den Druck auf Russland maximieren und den Schaden für den Westen minimieren.“ Der Westen hat unter anderem einige russische Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen und Gelder der russischen Zentralbank eingefroren.
Rüstungswerte im Aufwind
Unterdessen spekulierten Anleger auf glänzende Geschäfte für Rüstungsfirmen. So will allein Deutschland einmalig 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr stecken und künftig jährlich mehr als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Der Ukraine-Krieg sei ein Weckruf für die Nato, sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. „Wir gehen davon aus, dass die höheren Ausgaben vor allem für Ausrüstung und Technologie und nicht unbedingt für Truppen verwendet werden.“
Dies bescherte Rheinmetall einen Rekord-Kurssprung von fast 50 Prozent. Der Hersteller des „Leopard 2"-Panzers notierte mit 160 Euro zeitweise so hoch wie nie. Die Titel des Rüstungselektronik-Anbieters Hensoldt stiegen um fast 90 Prozent und die seines Großaktionärs Leonardo um rund 18 Prozent. In London gewannen die Papiere von Bae Systems fast 15 Prozent auf ein Rekordhoch von 749,4 Pence und steuerten damit auf den größten Tagesgewinn seit 35 Jahren zu. In Paris legten die Aktien von Thales etwa 16 Prozent zu.
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Gleichzeitig rutschte der europäische Banken-Index ab. Zu den größten Verlierern zählten diejenigen Institute mit einem großen Russland-Geschäft. So fielen die Titel der österreichischen Raiffeisen Bank um bis zu 18,5 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 13,90 Euro. „Der Ausschluss russischer Banken aus dem internationalen Zahlungsverkehr bedeutet, dass diese Finanzinstitute ihre Verbindlichkeiten gegenüber ihren europäischen Gläubigern nicht mehr begleichen können“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Mit EU-weit 75 Milliarden Dollar seien diese Außenstände aber überschaubar.
Rubel trotz Not-Zinserhöhung auf Talfahrt
Am Devisenmarkt ging der Rubel in den freien Fall über. Im Gegenzug stieg im russischen Inlandshandel der Dollar um mehr als 31 Prozent auf ein Rekordhoch von 109,19 Rubel. Das ist der größte Kurssprung seiner Geschichte. Daran änderte auch eine außerplanmäßige Verdoppelung des Leitzinses auf 20 Prozent durch die russische Notenbank nichts. Parallel dazu büßten russische Staatsanleihen mehr als die Hälfte ihres Wertes ein. Dadurch verdoppelte sich die Rendite der Bonds mit Laufzeiten bis 2024 und 2043 auf 17,073 beziehungsweise 20,003 Prozent.
Bundesanleihen standen dagegen als „sicherer Hafen“ hoch im Kurs. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,168 Prozent. Gold war ebenfalls gefragt. Mit einem Plus von zeitweise 2,2 Prozent auf 1928,32 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) steuerte das Edelmetall auf den größten Tagesgewinn seit etwa einem Jahr zu.
Bei anderen Rohstoffen treibe die Furcht vor Lieferausfällen die Preise, sagte Stephen Innes, Partner beim Vermögensverwalter SPI. So stand die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee mit einem Plus von 7,3 Prozent auf 105,07 Dollar je Barrel (159 Liter) vor dem größten Tagesplus seit fast eineinhalb Jahren. Der Weizenpreis stieg um mehr als neun Prozent, so stark wie zuletzt vor 13 Jahren. Das für Autokatalysatoren benötigte Palladium gewann fast acht Prozent und Aluminium erreichte mit 3525 Dollar je Tonne erneut ein Rekordhoch. Für alle diese Produkte ist Russland ein wichtiger Exporteur.
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