Weniger Quartalsberichte: „Mehr Berichterstattung führt nicht automatisch zu höherer Transparenz“
Quartalsberichte verraten Anlegern, wie es um das Unternehmen steht, in das sie investieren wollen. Weniger Berichte hieße folglich, weniger Transparenz, oder? Ganz so einfach ist es nicht, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka-Bank. „Im Umkehrschluss führt mehr Berichterstattung auch nicht automatisch zu höherer Transparenz.“
Die Diskussion in Finanzkreisen – was hier zu viel und was zu wenig ist – ist alt. In den USA bekommen die Befürworter einer Verschlankung nun einen mächtigen Verbündeten: Donald Trump.
Der US-Präsident fordert, dass Unternehmen, die durch die US-Kapitalmarktaufsicht SEC reguliert werden, nur noch halbjährlich über ihre Geschäftstätigkeit Auskunft geben müssen. „Dadurch lassen sich Kosten einsparen, und Manager können sich auf die ordnungsgemäße Führung ihrer Unternehmen konzentrieren“, schreibt Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Die SEC will die Forderung nun eingehend prüfen. Und Europa? Ist hier ausnahmsweise schon einen Schritt weiter.
Fragt man die Deutsche Börse, wie sie zu der Diskussion steht, heißt es knapp: Die gesetzliche Pflicht zur Erstellung eines Quartalsfinanzberichts für den EU-weit regulierten Markt wurde 2015 abgeschafft. Die Pflicht ist also weg, trotzdem schöpft der Handelsplatz die neue Freiheit nicht voll aus. Während Börsenunternehmen, die lediglich im Segment „General Standard“ gelistet sind, nur halbjährliche Berichte veröffentlichen müssen, bleiben zumindest abgespeckte Quartalsmitteilungen im „Prime Standard“ – zu dem auch die Dax-Indizes gehören – erhalten. „Internationale Investoren wünschen sich ein möglichst hohes Maß an Transparenz“, heißt es von der Börse.
Der alte Zustand hat sich also bisher nicht verändert – trotz neuer Regeln: Die einen haben Angst davor, dass Unternehmen lockere Regeln ausnutzen, um eine negative Geschäftsentwicklung vor Investoren zu verstecken, die anderen sehen dagegen eine zu starke Fixierung auf enge Berichtszeiträume als Gift für eine strategische Unternehmensführung.
Die USA geben den Takt vor
Solange also die globalen Regeln, allen voran im wichtigsten Aktienmarkt der Welt – den USA – strenger sind als in Europa, ist eine Liberalisierung in der Praxis unwahrscheinlich. Gegen eine Liberalisierung ist aus Sicht von Deka-Experte Schallmayer nichts einzuwenden. Eine regelmäßige und umfassende Berichterstattung sei die Basis für das Funktionieren der Kapitalmärkte. Problematisch werde es erst, „wenn Unternehmen aufgrund zu hoher Anforderungen vom Gang an die Börse oder sogar ganz von einer Geschäftstätigkeit absehen“.
Schafft die SEC die Berichte zum 1. und 3. Quartal des Jahres tatsächlich ab, erwartet die Deka jedoch in Europa keine nachhaltigen Folgen. Denn das eigentliche Problem für Unternehmen hierzulande, liege an ganz anderer Stelle: den Berichtspflichten für „Nachhaltigkeit, Lieferkettensorgfalt und Transparenz“, diese hätten in den letzten Jahren stark zugenommen. „Besonders mittelgroße und kleinere Unternehmen fühlen sich angesichts der neuen Berichtspflichten teilweise überfordert“, sagt der Deka-Experte.
Folgt man seinem Blick, so können deutsche Anleger die Diskussion in den USA eher entspannt begleiten. Viel wichtiger wäre hingegen, wie die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen agiert. Diese hatte versprochen, die Regulierung, insbesondere für den Mittelstand, auf ein sinnvolles Maß zu stutzen.
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