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Zschabers Börsenblick
Der Markt für Tierfutter und Heimtierbedarf gilt als unempfindlich gegenüber Konjunkturtiefs - ein Leckerli für Anleger Quelle: imago images

Fiffi pfeift auf die Rezession

Während alle Welt über Digitalisierung, Transformation und Disruption philosophiert, legt fast unbemerkt ein vermeintlich langweiliger Markt starkes Wachstum an den Tag: der für Heimtierbedarf. Die Chancen für Anleger.

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Natürlich gibt es auch an der Börse Nostalgiker, die immer voller Wehmut zurückblicken. Die an alte Zeiten denken, in denen alles noch simpel und übersichtlich war. In denen die Stars an der Wall Street noch Mischkonzerne der Old Economy waren. Und als sie noch nicht behelligt wurden von Geschäftsmodellen, die auf für sie schwer nachvollziehbaren Begriffen wie Cloud, SaaS und Tokens basieren. Ihnen sei gesagt: Es gibt sie noch, die Branchen, deren Vertreter einfache und verständliche Geschäftsmodelle aufweisen und trotzdem wachstumsstark sind. Also, was ist etwa mit Hundefutter? Seien Sie ehrlich – mehr Old Economy geht eigentlich nicht.

Zugegeben, Unternehmen im Bereich Heimtierbedarf haben nicht den Sex-Appeal von Facebook, Google oder Apple. Mit Aktien von Katzenstreuproduzenten punktet man beim Smalltalk auf Börsianer-Partys einfach nicht. Doch von Experten wird die Branche als verhältnismäßig konjunkturresistent gesehen – weil Tante Erna ihren Vierbeiner selbst in schlechten Zeiten nicht leiden lässt.

So ist es nicht nur ein Klischee, dass viele Haustierbesitzer ihrem Fiffi, der Miezi oder dem Hansi mitunter mehr Nächstenliebe zukommen lassen als ihren Mitmenschen. Zwar hält es womöglich der eine oder andere Unbeteiligte für unrealistisch, wenn in der Werbung Frauchen ihrer Katze deren „Sheba“ mit Petersilie garniert. Aber die Ausgaben, die Tierhalter für die Pflege ihrer pelzigen oder gefiederten Freunde aufbringen, lassen sich nun mal beziffern – und die sind zumindest bemerkenswert.

In einer jüngsten Studie aus dem September spricht etwa das Analysehaus Grand View Research (GVR) dem weltweiten Markt für Tierfutter im Jahr 2025 ein Volumen von 113 Milliarden US-Dollar zu. Noch beeindruckender ist das Ausmaß des gesamten Markts für Tierbedarf/-zubehör. Diesem hatte GVR schon in einer Analyse aus dem vergangenen Jahr für 2025 einen Umfang von 202,6 Milliarden Dollar prognostiziert. Das wäre ein Wachstum von über 50 Prozent gegenüber dem Stand des Jahres 2016 (131,7 Milliarden Dollar).

Auch vor Deutschland macht dieser Trend nicht Halt. Hierzulande hat laut Statista im vergangenen Jahr der Gesamtumsatz mit Heimtierbedarf im stationären Handel 4,2 Milliarden Euro betragen; der Online-Handel in diesem Bereich kommt zudem auf 625 Millionen Euro. Der Wachstumstrend bei den Umsätzen im Internet wird unter anderem beim deutschen Online-Anbieter von Tierzubehör, der Münchener Zooplus AG, deutlich. Zooplus hat seine Erlöse in den Jahren von 2014 bis 2018 von gut 540 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Allein der Chartverlauf macht allerdings deutlich, dass das Papier nichts für schwache Nerven und konservative Anleger ist.

Besonders groß ist das Angebot an auf Tierprodukte spezialisierten Unternehmen aber in den USA. Von dort kommt etwa der Anbieter Zoetis, eine Abspaltung des Pharmagiganten Pfizer und nach eigener Einschätzung weltweit größter Anbieter von Gesundheitsprodukten für Tiere. In der Tat ist Zoetis mit einer Börsenbewertung von gut 60 Milliarden US-Dollar ein wahres Schwergewicht in diesem Segment – und durchaus ein erfolgreiches. Das lässt sich unter anderem auch am Aktienkurs ablesen: In den vergangenen sechseinhalb Jahren hat sich die Notierung in etwa vervierfacht – was aber im Umkehrschluss zu der Frage veranlasst, wie viel Potenzial die Aktien noch nach oben hat. Immerhin beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Analystenschätzungen für das kommende Jahr üppige 32, während das prognostizierte Gewinnwachstum bei vergleichsweise überschaubaren elf Prozent liegt. Wer Wert auf das PEG-Ratio legt, das diese Kennziffern in Relation stellt, wird zumindest seine Zweifel haben, dass noch extrem viel Luft nach oben ist.

Interessant ist für risikoscheue Anleger aber ein Umstand, dessen sich viele nicht bewusst sind: Hinter manch einer bekannten Marke im Bereich der Tiernahrung und der Tiermedizin steckt der Name eines großen börsennotierten Konzerns, den Konsumenten in Verbindung mit anderen Alltagsprodukten kennen: Bayer etwa, aber auch Colgate-Palmolive oder Nestlé. Diese haben in der Vergangenheit durch Zukäufe ihr Engagement im Bereich Heimtierbedarf ausgeweitet – wohl auch weil sie dessen Potenzial erkannt haben. Für Anleger hat ein Engagement in diese Werte den Vorteil, dass sie nicht nur den boomenden Heimtiermarkt, sondern zugleich ebenfalls relativ rezessionsresistente Bereiche wie Lebensmittel und Konsumgüter abdecken. Und um beim Thema zu bleiben: Die Streuung macht’s.

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