Zschabers Börsenblick
Kupfer ist für viele systemrelevante Industrien enorm wichtig ist. Quelle: imago images

Mutige Anleger wetten jetzt auf Kupfer

Die Skepsis am Kapitalmarkt zeigt sich am Preis für das Industriemetall Kupfer. Als Indikation für die Weltwirtschaft deutet die derzeitige Schwäche der Notierung auf nichts Gutes – kann aber als Chance genutzt werden.

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Es gibt für die Bewertung des Zustands einer Konjunktur viele mehr oder minder zuverlässige Instrumente. Manch ein Analyst legt größten Wert auf das Bruttoinlandsprodukt, ein anderer wiederum hält Arbeitslosenquote, Lohnentwicklung und Inflationsrate für die aussagekräftigeren Zahlen. Wer nicht nur den Ist-Zustand einschätzen, sondern auch einen Blick in die nähere Zukunft werfen will, zieht aber auch gern einmal den Preis für das Industriemetall Kupfer heran. Der Grund: Kupfer ist für viele systemrelevante Industrien enorm wichtig. So weist die Kupfernotierung an der Börse eine deutliche Korrelation mit der Verfassung der globalen Wirtschaft auf. Als Indikator für die kommende Entwicklung der Konjunktur ist der Kupferkurs bei Analysten daher äußerst beliebt.

Allein schon vor diesem Hintergrund ist zumindest bemerkenswert, dass erst kürzlich der Preis für Kupfer erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 7000 US-Dollar gefallen ist. Kursverluste sind zwar im aktuellen Umfeld beileibe nichts Seltenes und ohnehin gilt der Kupferpreis als schwankungsanfällig, weshalb er auch nur unter differenzierter Betrachtung als Indikator taugt. Doch vergleicht man etwa die Entwicklung von Kupfer über die vergangenen drei Monate mit der des Edelmetalls Gold, fällt der kräftige Verlust besonders auf: Gold hat in diesem Zeitraum um rund zehn Prozent verloren, Kupfer um etwa 30 Prozent.

Wie dynamisch Kupfer zulegen und wie rapide es korrigieren kann, hat es in den vergangenen gut zwei Jahren gezeigt. Ähnlich dem Aktienmarkt legte auch die Kupfernotierung nach dem Corona-Crash des Frühjahrs 2020 eine Blitzrally hin, in deren Rahmen sie innerhalb von gut einem Jahr um mehr als das Doppelte im Wert zulegte. Im weiteren Verlauf des Jahres 2021 und zu Beginn 2022 konnte sie dieses Niveau – bei deutlichen Schwankungen wohlgemerkt – mehrfach behaupten. Im Frühjahr allerdings brachen dann alle Dämme und der Kurs stürzte förmlich ab – innerhalb von rund drei Monaten verlor das Industriemetall um rund ein Drittel an Wert und damit prozentual betrachtet in etwa so viel wie beim besagten historischen Corona-Crash. Und zwar aus guten Gründen: Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und dem rasanten Anstieg der Inflation nahm die Sorge vor einer globalen konjunkturellen Abkühlung spürbar zu – und damit einhergehend auch die Befürchtung einer schwindenden Kupfer-Nachfrage. Dass der ohnehin schon recht robuste Dollar im Frühjahr dieses Jahres zusätzlich an Stärke gewonnen hat, belastete die Nachfrage und den Kurs zusätzlich.

Nun ist Anlegern grundsätzlich nicht angeraten, in das vielzitierte fallende Messer zu greifen. Eines sollten sie aber nicht vergessen: Der Kupferpreis ist zwar grundsätzlich ein recht zuverlässiger Konjunkturindikator – aber auch seine jüngste Entwicklung ist vor dem Hintergrund der Nervosität der Marktteilnehmer zu sehen. So wird die Kupfernotierung nicht nur von Angebot und Nachfrage von Händlern, sondern auch vom Kapitalmarkt bestimmt. Und der ist – wie ein Blick auf die Schwankungsintensität der globalen Aktienindizes recht eindrucksvoll zeigt – derzeit angespannt. Mit anderen Worten: Es ist derzeit auch viel Unsicherheit im Kurs enthalten. Und nichts ist kurzlebiger als Emotionen an der Börse.

Über kurz oder lang wird auch wieder ein wenig mehr Ruhe in den Markt einkehren. Und dann dürften auch wieder mehr und mehr die Chancen des Industriemetalls in den Vordergrund rücken – und die können sich vor allem auf lange Sicht durchaus sehen lassen. Zur Erinnerung: Das Ende 2021 beschlossene US-Infrastrukturpaket sieht vor, dass in den kommenden Jahren rund von 550 Milliarden Dollar unter anderem für Straßen, Brücken und Flughäfen investiert werden. Hinzu kommt, dass der Kupferanteil in Elektrofahrzeugen weitaus höher ist als in Pkw mit Verbrennungsmotor. Und: Kupfer ist – etwa für den Bau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen – einer der wichtigsten Grundstoffe für die Energiewende. Und die wird langfristig kommen – ob der Markt gerade nervös ist oder nicht.

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Ein Investment in Kupfer zum aktuellen Zeitpunkt können Anleger mit Mut also durchaus als kleine spekulative Beimischung ihres Portfolios sehen, mit der sie auf ein Wiedererstarken der weltweiten Konjunktur wetten. Mit einem ETC, kurz für Exchange Traded Commodity, auf den Kupferpreis bietet sich Ihnen dazu ein Wertpapier, das ein liquides Handeln ermöglicht. Und mit dem sie gut für einen schnellen Restart positioniert sind, wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Lesen Sie auch: Das erzählt Kupfer über die Konjunktur

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