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Zschabers Börsenblick
Quelle: imago images

Steigende Portokosten bieten Anlegern neue Chancen

In den nächsten zehn Jahren wird sich das Paketaufkommen mehr als verdoppeln. Das bedeutet großes Potenzial für Unternehmen und Aktionäre. Doch zuvor sind noch Hindernisse zu beseitigen. Technologie soll helfen.

Heute bestellt – morgen geliefert. Was Onlinehändler wie Amazon oder Zalando vor einigen Jahren begonnen haben, ist für uns Kunden längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch das digitale Einkaufsmekka hat auch Schattenseiten. Von gleich mehreren Logistik-Dienstleistern verstopfte Straßen, zugeparkte Radwege, Verpackungsmüll und unzählige Retouren – die Liste der Nachteile ist lang. Hinzu kommt, dass wir uns längst an Blitzlieferungen à la Amazon gewöhnt haben. Landet ein Paket dann doch einmal nicht bei uns oder zumindest beim Nachbarn, ist die Enttäuschung groß. Da ist es naheliegend, die Paketzustellung auf der letzten Meile zu optimieren.

Schon 2013 kündigte Amazon-CEO Jeff Bezos an, dass Päckchen des Versandhauses binnen fünf Jahren per Drohne transportiert werden würden. Ganz so schnell ging es am Ende zwar nicht, doch bleiben Drohnen auch heute noch eine plausible Alternative. Vor allem das erwartete Wachstum im Onlinehandel spricht für Neuerungen. Wie die Berater von Oliver Wyman schätzen, dürften im Jahr 2028 bis zu neun Milliarden Pakete ausgeliefert werden; 2018 waren es lediglich 3,5 Milliarden. Wenn man die bereits heute offensichtlichen negativen Begleiterscheinungen im Spiegel des erwarteten Wachstums sieht, werden Innovationen unumgänglich.

Flexible Lieferungen reduzieren Stress

Einige der vielversprechendsten Ansätze befinden sich bereits seit Jahren in der Erprobung. So hat neben Amazon mit seinem Drohnen-Lieferservice Amazon Prime Air auch Google-Mutter Alphabet mit dem Dienst Wing bereits tausende Probeflüge mit Paketen von Kunden absolviert. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Vor allem abgelegene Ziele müssen nicht mehr mühsam mit dem Auto angefahren werden – eine Drohne nimmt immer den kürzesten Weg und kann zudem immer dann fliegen, wenn auch jemand zu Hause ist, um das Paket anzunehmen. Doch ganz so einfach ist das mit den Liefer-Drohnen auch wieder nicht: Neben datenschutzrechtlichen Hürden gibt es auch bei Vertretern der Luftfahrt Bedenken. Drohnen könnten für Flugzeuge zur Gefahr werden.

Zu der Auslieferung durch Drohnen gesellen sich noch eine Reihe weiterer Ansätze, die den alltäglichen Paket-Irrsinn ein wenig angenehmer machen sollen. Viele Arbeitnehmer sind tagsüber nicht zu Hause und können Pakete daher nicht annehmen. Auch Nachbarn sind es zunehmend leid, die Paket-Annahmestelle für die Arbeitnehmer von nebenan zu spielen. Neben den immer verbreiteteren Packstationen, welche die Abholung von eingelagerten Paketen rund um die Uhr erlauben, gibt es einige weitere smarte Innovationen: In den USA legen Paketboten Päckchen immer öfter in Garagen ab, die sich mittels App öffnen lassen.

Paketdienste erhalten Zugriff und können das Tor öffnen. Der ganze Vorgang wird gefilmt und dem Kunden aufs Smartphone geschickt. So entfällt das Gefühl der Unsicherheit, das uns oft beschleicht, wenn wir Fremden Zugang zu unseren eigenen vier Wänden gewähren. Einen ähnlichen Ansatz gibt es bereits heute bei DHL: Wer in Berlin, Bonn, Köln oder Stuttgart wohnt und Smart fährt, kann schon heute sein Auto als Paketbox nutzen.

Boten können den Kofferraum per App öffnen, das Paket einlegen und die Heckklappe wieder schließen. Unnötige Retouren, der ständige Blick nach dem Lieferauto oder die Abholung in der nächsten Postfiliale entfallen somit. Wie eine Umfrage in den USA gezeigt hat, stellen sich 72 Prozent der Befragten darauf ein, wenn sie ein Paket erhalten – und ändern ihren Tagesablauf entsprechend. Smarte Methoden zur Paketabgabe könnten Kunden das Leben also noch etwas einfacher machen.

Ende des Porto-Dumpings als Chance

Um Drohnenlieferungen oder die Paketabgabe an Garagen oder Autos flächendeckend anbieten zu können, müssen die Logistik-Prozesse noch schlanker und flexibler werden. Damit Pakete die Kunden auch erreichen, sollten diese noch am Tag der Auslieferung Einfluss auf den Ablageort haben. Mittels Smartphone erscheint das jederzeit möglich. Die Alternative zur flexiblen Zustellung sind Paketboxen, von denen Amazon zuletzt deutschlandweit immer mehr aufgestellt hat. Auch auf diese Weise wird der Stau in deutschen Innenstädten reduziert und das alltägliche Paket-Chaos minimiert.

Für Investoren ist der Boom des Onlinehandels ein attraktiver Trend, der allerdings kein Selbstläufer ist. Wer in den vergangenen Jahren auf die Aktien der großen Logistiker gesetzt hat, fuhr lediglich durchschnittliche Renditen ein. Der Grund liegt im jahrelangen Preiskampf in der Branche. Unternehmen wie Amazon verstanden es, das Porto für Pakete immer weiter zu drücken. Branchenintern spricht man gar von 2,50 Euro für ein Paket bei Auslieferung am nächsten Werktag. Profitiert haben vom Paket-Boom in den vergangenen Jahren also fast ausschließlich die großen Händler selbst. Auch heute noch sind die Titel von Alphabet, Amazon oder Alibaba aussichtsreich.

Doch glücklicherweise haben Medienberichte über schlechte Arbeitsbedingungen und kargen Lohn bei Paketzustellern ein Umdenken herbeigeführt. Seit einiger Zeit steigt das Porto wieder. Dies ist für alle Beteiligten eine Chance: Neben fairen Arbeitsbedingungen für Zusteller bietet es die Opportunität, um Innovationen, die noch auf den Durchbruch warten, massentauglich zu machen. Ob das am Ende Drohnen sein werden oder der eigene Kofferraum als Paketbox, wird sich zeigen.

Bei Innovationen sind die großen Konzerne gefragt

Die aktuelle Diskussion um die Vernichtung von Retouren bei Amazon zeigt auch, dass grüne Argumente eine immer größere Rolle spielen. Auch hier könnte uns Technologie helfen. Man denke beispielsweise an Kleidung, die man dank digital hinterlegter Körpermaße schon vor dem Kauf anprobieren kann.

Statt den Onlinehandel zu reglementieren oder für Zustellungen mehr Geld zu verlangen, sollten Politik und Unternehmen lieber auf Innovationen setzen. Die Chance, dass wir künftig ohne Schattenseiten online shoppen, ist da. Handelsriesen wie Amazon, Alphabet oder Alibaba sind jetzt gefordert, diese Chance zu ergreifen. Für Investoren bleiben diese Konzerne auch weiterhin eine attraktive Wahl, um vom boomenden Online-Shopping zu profitieren.

Podcast: Money Master

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