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Zschabers Börsenblick
Yuan Quelle: REUTERS

Wird das China-Beben zur Anlagechance?

China ist und bleibt ein interessanter Markt. Trotz des Konflikts mit Donald Trump und den USA. Vielleicht sogar gerade deswegen.

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An martialischer Sprache mangelt es Beobachtern derzeit nicht, wenn es um die Beschreibung des Schlagabtauschs zwischen den USA und China geht. „Handelskonflikt“ nennt man es ja schon seit längerem, was sich die beiden Großmächte liefern. Aber jetzt ist von einem „Währungskrieg“ die Rede, von einem „Manöver“ mit „Waffe“ und „Munition“, manch einer spricht gar von einer „Atombombe“. Dass sogar US-Verteidigungsminister Mark Esper sich zu Kommentaren bemüßigt fühlt, zeigt, wie sehr auch die Beteiligten die Parallelen zu einer militärischen Auseinandersetzung pflegen.

Zwar signalisiert der jüngste Preisverfall des Yuan, dass Anleger die aktuelle Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, davon zeugt allein schon die Reaktion der Aktienmärkte, die rund um den Globus heftig einbrachen. Doch als besonnener Anleger sollte man sich die Situation einmal abseits jeglicher Emotion vergegenwärtigen. Dann eröffnen sich vielleicht sogar Chancen.

Keine Frage: Die Abwertung der chinesischen Währung ist die bislang drastischste Maßnahme der Regierung in Peking (selbst wenn diese einen aktiven Eingriff bislang bestreitet). Und sie ist mehr als nur die Kompensation von Trumps Aktivitäten. China hat US-Präsident Donald Trump, der mit dem ihm eigenen Machismo erneut via Twitter Strafzölle gegen das Reich der Mitte angekündigt hatte, auf die denkbar deutlichste Art die Zähne gezeigt. Und damit – so die Angst manch eines Experten – die Büchse der Pandora geöffnet.

Natürlich ist es angesichts der brachialen Rhetorik und der heftigen Reaktionen an der Börse schwierig, besonnen zu bleiben. Gute Investoren tun aber genau das und blenden das Säbelrasseln aus – und nutzen vielleicht sogar die Gelegenheit, um sich das Reich der Mitte einmal genauer anzuschauen. Vor allem zwei Gründe sprechen für dieses Vorgehen.

Zum einen hat sich manch eine von Trumps Aussagen in der Vergangenheit als wenig nachhaltig erwiesen. Dass er sich mit aggressiven Worten an China abarbeitet, ist ebenso wenig neu wie seine Methode, später entweder kleinlaut verbal zurückzurudern, Themen mit Ablenkungsmanövern unter den Teppich zu kehren oder Niederlagen auch schon mal als Siege zu verkaufen. Zwar will er selbstverständlich den starken Mann geben, vorzugsweise im Morgenmantel mithilfe von Twitter, aber allein schon im Sinne der heimischen Aktienmärkte wird er einen Weg aus der Situation suchen müssen. Denn dass die ihm zugeschriebene Rally der US-Börsen in den vergangenen Monaten ein Ende findet, wird er mit seiner Eitelkeit nur schwer vereinbaren können.

Zum anderen macht auch die Situation in China Hoffnung, dass der Handelskrieg nicht bis zur letzten Schlacht gefochten wird. Das Worst-Case-Szenario – manch einer redet dramatisch bereits vom Ende der Globalisierung – würde China womöglich weniger hart treffen als die USA, denn die Binnenkonjunktur des fernöstlichen Riesen ist eine seiner größten Stärken. Das wird sogar Trump ahnen. Zudem hat das Reich der Mitte schon in anderen Situationen bewiesen, dass es für den Fall der Fälle gut gewappnet ist, dass es etwa auf Konjunkturdaten, die auf eine Schwäche hindeuten, richtig zu reagieren und an entscheidenden Stellen entsprechend gegenzusteuern weiß. So hat Peking jüngsten Signalen der Schwäche Erleichterungen für kleinere und mittelgroße Banken folgen lassen. In der Folge wird deren Flexibilität bei der Kreditvergabe größer, und das wiederum hält die Dynamik der Wirtschaft hoch.

Langfristig gesehen – und das ist das Entscheidende für einen nachhaltig agierenden Investor – bietet China nach wie vor große Wachstumsfantasien, nicht nur durch das auch an dieser Stelle schon erwähnte Megaprojekt der neuen Seidenstraße. Zwar senkte der Internationale Währungsfonds Anfang Juni seine Prognose für das chinesische Wachstum auf 6,2 von zuvor 6,3 Prozent, aber das tat er seinerzeit ebenfalls vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden Handelskonflikts. Und selbst ein Plus von sechs Prozent, wie der IWF es für die Folgejahre prognostiziert, ist immer noch mehr als das Doppelte von dem, was man den USA zutraut.

Wenn der Rauch verflogen ist, können sich langfristig denkende Anleger – auch im Sinne der Diversifikation – via ETF in China-Aktien engagieren. So profitieren sie nicht nur von Papieren, die mitunter für westliche Investoren nicht oder nur schwer handelbar sind, sondern auch von einer starken chinesischen Binnenkonjunktur, gegen die Trumps Attacken wenig ausrichten. Eine Gelegenheit, die sich wohl auch für die Papiere von internationalen Unternehmen ergibt, die von Chinas Wachstum und Strukturveränderung partizipieren – und ganz nebenbei auch den Markt selbst abdecken.

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