Eigener Dachfonds: Nico Rosbergs neuer Job: „Ich spreche mit der absoluten Weltklasse im Venture-Bereich“
Nico Rosberg, 38, ist seit mehreren Jahren Angel-Investor. Jetzt will er sich als Fondsmanager in der Start-up-Szene versuchen.
Foto: imago imagesMit 29 Jahren gab Nico Rosberg seine Karriere auf, zumindest seine erste. Wenige Tage nach dem Weltmeistertitel 2016 verabschiedete er sich von der Formel 1. Seine neue Karriere heißt seitdem Start-up-Investor. Hier geht Rosberg jetzt einen nächsten Schritt: Er gründet mit seiner Firma Rosberg Ventures einen Dachfonds, einen sogenannten Fund of Funds. Heißt konkret: Er trommelt mehrere reiche Familien zusammen, sammelte deren Millionen in einem Fonds und verteilt das Geld an verschiedene Risikokapitalgeber. Die wiederum investieren in Start-ups.
„Ich bin der Brückenbauer zwischen Familienunternehmen und Start-ups“, erklärt Nico Rosberg sein Vorhaben. Die Namen seiner Geldgeber könne er nicht nennen, die Familien wollen damit nicht in der Öffentlichkeit stehen, sagt er. Er wolle deren Unternehmen einen Zugang zur Start-up-Szene verschaffen. Ihnen bei der digitalen Transformation und auch beim Vermögensaufbau helfen.
Kontakt mit Top-VC-Firmen
Ziel des Dachfonds sind 75 Millionen Euro. Die will Rosberg bis Ende des Jahres eingesammelt haben. Üblicherweise dauert so ein Prozess mehrere Monate, teilweise sogar Jahre. Im Dezember habe der Ex-Rennfahrer angefangen mit der Investorensuche, im Februar 30 Millionen Euro beschafft. Von seinem Vermögen würden ebenfalls „mehrere Millionen“ Euro drinstecken. Während andere Venture-Capital-Geber gerade Schwierigkeiten haben, Finanziers für ihre Fonds zu finden – zu unsicher ist das finanzielle Umfeld –, ist sich Rosberg seiner Sache sicher. „Ich spreche mit der absoluten Weltklasse im Venture-Bereich, die Investoren haben daher keine Bedenken.“
Auch bei den VCs dürfe er keine Namen nennen. Nur so viel: Er habe sich mit zehn Risikokapitalfirmen geeinigt. Der Formel-1-Weltmeister berichtet im Gespräch wiederholt von Besuchen in den USA, vor allem im Silicon Valley. In der Vergangenheit hat er etwa mit Top-VC-Firmen wie Andreessen Horowitz und Kleiner Perkins zusammengearbeitet, ebenso mit Khosla Ventures und dem europäischen Arm von Accel. Nach WirtschaftsWoche-Informationen stehen diese auch auf der Liste.
Rosbergs Fokus liege auf US-amerikanischen Geldgebern, dort sei schließlich der Markt größer, sagt er. US-Fonds haben allgemein mehr Volumen als europäische, gehen auch mehr Risiko ein. Und in den Staaten erfreut man sich zudem an der Person Nico Rosberg, dem früheren Rennfahrer – vor allem seit dem Erfolg der Netflix-Serie „Drive to Survive“ über die Formel 1.
Kritik, dass er als Europäer somit nur in geringem Umfang das heimische Ökosystem unterstützen würde, nimmt Rosberg zwar an. Er argumentiert aber: „Das Geld wird global und damit auch in viele europäische Start-ups investiert und die Renditen fließen ja nach Deutschland und Europa.“
„Kein kommerzieller Gedanke dahinter“
Unter deutschen Unternehmern ist ein solcher Dachfonds selten. Auch, weil er viel Arbeit bedeutet und mehr Geld kostet als ein normaler Fonds. Rosberg Ventures muss für jeden einzelnen Fonds, in den der Geldgeber investiert, Gebühren zahlen und zu Stakeholdern auf beiden Seiten den Kontakt pflegen. Dachfonds arbeiten daher nur wirtschaftlich, wenn sie auch von ihren Geldgebern Beiträge verlangen. Die halte Rosberg klein, sagt er. Er wolle lediglich die laufenden Kosten damit decken. „Ich habe keinen Anteil am Kapitalgewinn. Dahinter steckt kein kommerzieller Gedanke.“
Seine ersten Gehversuche in der Start-up-Szene machte der frühere Formel-1-Weltmeister vor etwa sieben Jahren. Fünfstellige Summen in börsennotierte Unternehmen wie den US-Fahrdienstleister Lyft oder das Berliner Scooter-Start-up Tier. Rosberg galt mehr als Testimonial statt Finanzier, seine Portfoliofirmen nutzten den Ex-Rennfahrer gern für ihr Image. Und der Ex-Rennfahrer für seins. Rosbergs Fokus als Business Angel liegt damals wie heute auf klimafreundlichen Technologien. Sein Dachfonds hingegen hat keinen thematischen Schwerpunkt.
Ab 2020 stand der Investor fünf Staffeln lang für „Die Höhle der Löwen“ vor der Kamera, ging im Vergleich zu seinen Mitjuroren aber nur mit wenigen Beteiligungen aus der TV-Show heraus. Seit dem vergangenen Jahr finanziert Rosberg wieder mehr Start-ups, findet auch mehr Anschluss in der Szene. Von einigen wird der ehemalige Profisportler belächelt, wieder andere Investoren schätzen seine Arbeit. Bereits Anfang des Jahres trieb er über seine Firma Rosberg Ventures 20 Millionen Euro von Unternehmerfamilien auf, um sie in den jüngsten Fonds von Andreessen Horowitz zu stecken. Daraus entstand auch die Idee für den Dachfonds: weniger Risiko, weniger Arbeit, mehr Aussicht auf Rendite.
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