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Frank Thelen über Bitcoin "Das ist Energieverschwendung, das ist Wahnsinn"

Frank Thelen, Investor und Jurymitglied der VOX TV-Show

Frank Thelen hat so viel Geld in Bitcoins investiert, wie sonst nur in Start-ups. Der Investor aus "Der Höhle der Löwen" erklärt, wieso er an eine Blase glaubt und warum wir bald Start-up-Anteile kaufen wie heute Aktien.

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Frank Thelen hat nicht viel Zeit für das Interview, gleich soll er auf die Bühne. Aber er ist es gewohnt, Dinge auf den Punkt zu bringen. In der Fernsehserie "Die Höhle der Löwen", von Fans eher DHDL genannt, ist Thelen von Anfang an Jury-Mitglied und Investor. Die Start-ups haben nur wenige Minuten Zeit, um ihr Geschäftsmodell zu erklären.

Viel mehr braucht Frank Thelen auch nicht, um seine Meinung von Bitcoin und Blockchain darzustellen. Das Wichtigste klärt er direkt zu Anfang: "Wir können auch du sagen", sagt Frank. Dann nickt er, es kann los gehen, nur keine Zeit verschwenden.

Hast du Bitcoins?

Ja, klar, ich habe Bitcoins.

Und du hast sie noch nicht verkauft?

Ich halte noch welche. Also, ich hatte auch mal mehr, ich hatte mal vernünftig viele Bitcoins. Das war schon eine Position in der Höhe eines typischen DHDL-Investments.

Noch steigt der Bitcoin-Kurs, aber viele Experten warten nur noch drauf, dass die Blase platzt. Du auch?

Ja. Das ist eine Blase, hinter dieser Kursentwicklung steckt kein echter Wert. Der Bitcoin ist eine reine Spekulation. Und das Schlimmste ist: Der Bitcoin nutzt ja die Blockchain-Technologie, und deshalb ist gerade keine andere Blockchain effizient.

Wieso das?

So wie sie gebaut ist, braucht die Blockchain sehr viele Recheneinheiten, wenn ich etwas von A nach B schieben will. Die Technologie ist darauf nicht ausgelegt, dass so viele Transaktionen über die Blockchain laufen. Da wird gerade wahnsinnig viel Energie verballert. Wir haben eine Spekulationsblase in der Währung Bitcoin, und dann noch diese Energieverschwendung. Das ist ja Wahnsinn. Wir trimmen alles auf Energieeffizienz, und dann verballern wir mit diesen Algorithmen in einem Jahr bald mal eben so viel Energie wie das Land Dänemark.

Du hast letzte Woche gerade erst selbst in ein Blockchain-Startup investiert, in Neufund aus Berlin. Wie groß ist die Gefahr, dass auch Blockchain-Unternehmen leiden, wenn die Bitcoin-Blase platzt?

Null! Das hat nichts miteinander zu tun. Blockchain ist ja sowas wie eine neue Datenbank, auf der eben auch Bitcoins basieren. Ob Blockchain die Zukunft ist, das weiß ich nicht mal. Das ist eher eine Übergangstechnologie, bevor es etwas effizienteres geben wird. Aber das Grundkonzept dahinter wird bleiben und das hat eine brutal große Zukunft.

Ist es kein Problem für Unternehmen wie Neufund, wenn die Blockchain wegen Bitcoins momentan so überlastet ist?

Nein, das ist für uns noch okay. Wir machen aber am Tag auch keine Milliarde von Transaktionen. Sollte Neufund mal so groß werden, dann würden wir wohl auf Hashgraph oder andere effizientere Mechanismen umsteigen.

Was hat dich an Neufund so fasziniert?

Wir können Unternehmensanteile auf die Blockchain bringen. Und damit können wir Unternehmensanteile auf einmal sehr einfach und effektiv hin- und herschieben. Bisher war das durch die Börse sehr teuer und stark reguliert. Und dann gab es alternativ noch die ICOs, also virtuelle Börsengänge, aber das ist wie im Wilden Westen. Da weiß keiner, ob er Anteile an einem Unternehmen kauft oder einen Tankgutschein.

Neufund sind die ersten, die garantieren können, dass man wirklich nur Unternehmensanteile kauft, so wie an der Börse. Aber weil es so kostengünstig und einfach ist, lohnt sich das auch für kleine Unternehmen. Und das ist die Befreiung der Start-ups. Die können ihre Anteile viel früher handelbar machen.

Dann kaufen wir bald Start-up-Anteile so wie wir heute Aktien kaufen?

Ja, genau. Das ist doch unfair, dass Start-ups als Anlageklasse den Privatanlegern komplett verborgen bleibt. Und im Crowdfunding, sorry, aber da kommt nur der Mist an. Das wollen wir ändern. Heute ist der Markt im Prinzip nur für Profis zugänglich, so wie mich. Und ich hänge durchschnittlich sieben bis zwölf Jahre in einem Start-up, weil ich das gar nicht liquide handeln kann. Ich kann die Anteile nicht einfach wieder verkaufen.

Bei Anteilen von Daimler oder Adidas ist das kein Problem, die kann ich direkt wieder verkaufen. Das wollen wir auch für Start-ups einführen. Das ist natürlich eine riesige Herausforderung für Privatanleger, weil man sich sehr genau Gedanken machen muss, was man da kauft. Es werden auch Start-ups scheitern.

Wie viel Potenzial siehst du denn? Die Deutschen sind ja nicht besonders bekannt dafür, dass sie gerne Aktien kaufen. Warum sollten sie dann ihr Geld noch riskanter in Start-ups investieren wollen?

Das Potenzial ist riesengroß. Aber ja, natürlich ist das auch riskant. Letztendlich sollte man sich jedes Unternehmen angucken und sich fragen, ist das ein Projekt, mit dem ich mich identifizieren kann? Und dann sollte man eine kleine Menge seines Vermögens – fünf bis maximal zwanzig Prozent – anlegen und die Summe dann auch verteilen.

Das ist ja heute nicht möglich, unter 50.000 Euro kann man sich gar nicht bei einem Start-up beteiligen. Wenn du nun aber nur 500 Euro investieren könntest? Ich glaube, das würden viele gerne tun.

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