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GeldanlageWas die Manager der besten Technologiefonds kaufen

Die US-Schwergewichte geben an der Börse den Ton an. Wie sich die besten Manager des Technologiefonds-Rankings vor einem Stimmungsumschwung an den Märkten schützen.Heike Schwerdtfeger 11.02.2024 - 10:11 Uhr

Was kaufen Techfondsmanager wie Anders Tandberg-Johansen, Daniela Gombert und Xiadong Bao (v.l.) jetzt?

Foto: Nico Kurth für WirtschaftsWoche, PR

Er ist so groß wie ein Reisewecker, kommt mit seinem leuchtendroten quadratischen Gehäuse ziemlich retro daher und war auf der Tech-Messe Consumer Electronic Show in Las Vegas die große Sensation: ein persönlicher KI-Assistent für die Hosentasche, der seinen Nutzern per Sprachbefehl ein Taxi rufen, ein Hotelzimmer reservieren oder den nächsten Onlineeinkauf übernehmen kann. Rabbit R1 heißt das Gerät, das seinen Nutzern künftig jeden Griff zum Smartphone ersparen will. Es ist für günstige 200 Dollar zu haben. Und Microsoft-CEO Satya Nadella soll ihn schon mit dem iPhone verglichen und seine Entwicklung als ähnlich „wegweisend“ bezeichnet haben.

Große Erwartungen also – die Xiadong Bao allerdings nur eingeschränkt teilt. Der Fondsmanager bei Edmond de Rothschild in Paris beobachtet genau, was sich auf dem Feld der künstlichen Intelligenz (KI) gerade tut. Er ist auf Technologieaktien spezialisiert, und auch er attestiert Rabbit Potenzial, jedoch mit Tücken. Denn wer Rabbit R1 nutzt, muss dem Gerät Zugang zu allen Apps gewähren. Bao wittert Ärger: Das Unternehmen könnte deshalb Probleme mit dem europäischen Datenschutz bekommen und dann eine große Rechtsabteilung benötigen.

Derzeit nutzen Menschen KI vorwiegend, um sich zu informieren oder Texte zu schreiben. Dass KI künftig auch einkauft oder Bankgeschäfte erledigt, ist die nächste Stufe des Lebens im virtuellen Raum. Es sind auch diese Aussichten, die den Aktien der kalifornischen Techsuperstars Alphabet (Google), Amazon, Apple, Meta (Facebook), Microsoft und Nvidia ihren derzeitigen Höhenflug bescheren.

Schneller schlau: Diese Bilanzbegriffe sollten Sie kennen
HGB steht für Handelsgesetzbuch. Nach dessen Vorschriften müssen Unternehmen in Deutschland ihren Jahresabschluss vorlegen. Der Abschluss nach HGB ist für die auszuschüttenden Dividenden und die Steuerrechnung maßgeblich. Die internationalen Rechnungslegungsstandards nach IFRS, nach denen große Kapitalgesellschaften ihre Konzernbilanz aufstellen müssen, orientieren sich eher an den amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften nach US-GAAP. Die internationalen Regeln machen Konzernabschlüsse grundsätzlich besser vergleichbar, folgen aber anderen Grundsätzen, zum Beispiel bei der Bewertung von Unternehmenskäufen oder anderen Vermögenswerten.Leider werden die IFRS-Regeln deutlich häufiger vom International Accounting Standards Board (IASB) geändert, als dies bei den HGB-Vorschriften im deutschen Rechtssystem der Fall ist.
Die in eine Unternehmung eingebrachten (investierten), auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen Vermögenswerte, vor allem Grundstücke, Gebäude, Maschinen und maschinelle Anlagen, Beteiligungen, Vorräte, Forderungen etc. Grundsätzlich sind die Unternehmen verpflichtet, entgeltlich erworbene Vermögenswerte zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu aktivieren. Der Wertminderung unterliegende Vermögensteile müssen während ihrer Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die Aktivseite informiert über die Mittelverwendung, also in welchen Werten das beschaffte Kapital investiert ist. Aus der Zusammensetzung der Aktivseite können – begrenzt – Schlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmung gezogen werden, bei Gegenüberstellung zur Passivseite gegebenenfalls auch auf die Zahlungsbereitschaft.
Die auf der rechten Seite der Bilanz stehenden Bilanzpositionen, im Wesentlichen Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Die Passivseite der Bilanz zeigt die Quellen, aus denen ein Unternehmen finanziert wird.
Die Umsatzrendite beschreibt das Verhältnis von Gewinn und Umsatz eines Unternehmens. Sie beschreibt, welchen Teil des Umsatzes das Unternehmen als Gewinn verbuchen kann. Der Gewinn eines Unternehmens ist jedoch Schwankungen unterworfen (z.B. Branchenabhängigkeit, Produktabhängigkeit), die eine genaue Bestimmung der Rentabilität erschweren können. Die Umsatzrendite eignet sich vor allem für unternehmensinterne Vergleiche. Sie gibt Aufschluss darüber, welche Rendite die verschiedenen Geschäftsbereiche eines Konzerns erwirtschaftet haben.
Der Bestand an Kapital einer Unternehmung kann aus zwei Quellen zugeführt worden sein: Vermögen der Eigentümer durch: Einzahlung der Unternehmer, Einbehaltung angefallener Gewinne, also Selbstfinanzierung; Vermögen Dritter. Eigenkapital in weitester Deutung sind sämtliche den Gläubigern einer Unternehmung haftenden Mittel, also auch z.B. das Privatvermögen eines voll haftenden Gesellschafters. In engerer Fassung wird unter Eigenkapital das bilanzielle Eigenkapital verstanden, das als Residualgröße aus den übrigen Positionen der Bilanz ermittelt werden kann, wodurch sich die Abhängigkeit des Kapitalausweises von den Bewertungen der Bilanzposten erklärt. Rechnerisch ergibt sich seine Höhe aus der Gleichung: Eigenkapital = Vermögen (Aktivseite der Bilanz) – Schulden – Einlageneinbehaltene Gewinne – Entnahmen – eingetretene Verluste
Die Eigenkapitalquote beschreibt die Beziehung zwischen Eigen- und Gesamtkapital. Dazu wird das auf der Passiva-Seite einer Bilanz ausgewiesene Kapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen zur Verfügung hat, desto besser ist in der Regel die Bonität eines Unternehmens, desto höher ist die finanzielle Stabilität und desto unabhängiger ist das Unternehmen von Fremdkapitalgebern. Da Eigenkapital jedoch teurer ist als Fremdkapital belastet eine hohe Eigenkapitalquote die Rendite auf das eingesetzte Kapital.
Als Dividende bezeichnet man den Anteil am Gewinn, der je Aktie vom Unternehmen ausgeschüttet wird. Die Hauptversammlung beschließt nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat über die Höhe. Die Dividende ist immer vom Bilanzgewinn abhängig und kann daher schwanken oder auch ganz ausfallen, etwa wenn die Ertragslage schlecht ist. Sie kann sogar aus den Rücklagen finanziert werden, wenn die Unternehmensgewinne nicht ausreichen.
Die Equity-Methode kommt bei der Bilanzierung von Unternehmensbeteiligungen zum Einsatz, an denen der Konzern weniger als 50 Prozent der Anteile hält. Dabei wird der Umfang der Beteiligung am Eigenkapital der Beteiligungsgesellschaft als Grundlage genommen, um den bilanziellen Anteil an Vermögenswerten in der Konzernbilanz abzubilden. Die wesentliche Größe ist dabei der anteilige Anspruch auf den Gewinn, der dem Konzern aus der Beteiligung zusteht. 100-prozentige Tochterunternehmen sind in einer Konzernbilanz hingegen unsichtbar, weil sie in den regulären Bilanzposten enthalten sind.
Während nach HGB in vielen Fällen die Anschaffungskosten von Finanz- und Sachanlagen in die Bilanz einflossen, fordert die Bilanzierung nach IFRS vorrangig eine Bewertung, die sich an den Marktpreisen orientiert. Existiert für diese Vermögenswerte kein Markt, wird der Bar- oder Zeitwert einer Vermögensposition durch die abgezinsten, monetären Vorteile, die dem Konzern bis weit in die Zukunft daraus erwachsen, durch finanzmathematische Verfahren und aufgrund von Schätzungen im Finanzplan ermittelt. Diese Bewertung nach Fair Value soll ein realistischeres Bild von Vermögenswerten liefern, als die puren Anschaffungspreise.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Latente Steuern sind noch nicht entstandene Steuervor- und nachteile. Zumeist sind sie in nennenswerter Höhe unter den Aktiva einer Bilanz zu finden. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Verlustvorträge, die einer Steuerersparnis entsprechen. Macht ein Unternehmen Verlust, erwartet aber in Zukunft wieder Gewinne, können die bereits entstandenen Verluste die Steuerlast in den kommenden Jahren mindern. Die dann zu erwartende Steuerersparnis können Konzerne laut IFRS als Vermögenswert in der Bilanz ansetzen. Diese verbessern das Konzernergebnis, obwohl sie davon abhängen, dass ein Unternehmen den Weg in geplantem Umfang zurück in die Gewinnzone schafft. Passive latente Steuern sind entsprechend Steuerschulden, die erst in der Zukunft entstehen. Macht ein Konzern Verlust, bilanziert aber keine aktiven latenten Steuern, bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Wirtschaftsprüfer nicht an einen Rückkehr in die Gewinnzone glaubt.
Im Zuge einer Unternehmenssanierung trennen sich Konzerne oftmals von ganzen Geschäftsbereichen. Um dem Leser einer Bilanz möglichst große Transparenz zu bieten, werden zum Verkauf stehende Geschäftsbereiche gesondert in der Bilanz aufgeführt. Damit wird die Bilanz um Unternehmensteile bereinigt, die in Zukunft wegfallen sollen. Gelingt der Verkauf jedoch nicht, kann das aber auch revidiert werden. Dann fließen die Bilanzgrößen der nicht fortgeführten Geschäftsbereiche zurück in die Bilanz.
Kapital- und Gewinnrücklage unterscheiden sich in der Art ihrer Entstehung. Die Gewinnrücklage speist sich aus den Jahresüberschüssen der Vorjahre und sind quasi das Sparschwein eines Unternehmens. Die Kapitalrücklage hingegen speist sich aus Einzahlungen der Gesellschafter. Insbesondere für Mittelständler sind Kapitalrücklagen ein Steuersparmodell für die Eigentümer. Wie eine Schenkung an das Unternehmen lassen sich Gelder in der Bilanz parken, auf Beschluss der Eigentümer und er Geschäftsführung jedoch auch wieder auflösen. Aktienrückkäufe, wie sie zur Kurspflege derzeit bei vielen Börsenunternehmen beliebt sind, speisen sich zumeist aus Gewinn- und Kapitalrücklagen. Werden sie aus dem Handel genommen, senken sie in Höhe ihres Nominalwertes das gezeichnete Kapital, dass unter den Passiva zum Eigenkapital des Konzerns zählt.
Hinter den sperrigen Begriffen verbirgt sich nichts anderes, als das flüssige Geld in der Unternehmenskasse. Hierzu zählen insbesondere die jederzeit verfügbaren liquiden Mittel auf Firmenkonten, aber auch andere Zahlungsmittel breiter Akzeptanz, zum Beispiel Goldmünzen, oder Wertpapiere.

Die Riesen sind überall

Mit einem Börsenwert von mehr als 10.000 Milliarden Dollar dominieren diese Unternehmen auch die ETF- und Fondswelt. Nicht nur im populären US-Aktienindex S&P 500 stecken sie mit hohen 25 Prozent Gewicht, auch weltweit investierende Fonds kommen kaum an ihnen vorbei. Aber nach dem Hype ist die Fallhöhe enorm. Denn: Verkaufen Anleger nun ihre ETFs oder Fonds nach den zuletzt hohen Gewinnen und suchen sich auch Fondsmanager andere Ziele, könnten die Kurse der Riesen überproportional verlieren. Deshalb waren die Erwartungen und die Nervosität im Vorfeld der Ende Januar veröffentlichten Quartalszahlen so hoch.

Eine Woche zuvor wirkte Fondsmanager Bao noch entspannt. Beim alljährlichen Fondsprofessionell-Kongress in Mannheim präsentierte er seinen EdR Big Data-Fonds. Der Saal, in dem Bao redete, war mit rund 200 Zuhörern gut gefüllt. Sein Urteil zu den Techriesen hat Gewicht, immerhin 1,9 Milliarden Euro verwaltet der gebürtige Chinese in dem Fonds. Und das macht er ziemlich gut.

Bao verzichtet nicht komplett auf die berühmten Techkonzerne aus den USA. Die großen US-Werte hat er aber eher mit kleinen Anteilen im Depot. Damit ist er nicht von ihnen abhängig. Seine Strategie: Er sucht nach börsennotierten Datenanbietern und -nutzern, Unternehmen also, die Daten in Geld verwandeln.

Foto: WirtschaftsWoche
Über das Ranking
Analysiert wurden 154 Aktienfonds und -ETFs, die sich auf Technologie spezialisiert haben. Sie müssen in Deutschland verkauft werden, wenigstens 20 Millionen Euro Volumen haben, mindestens drei Jahre alt sein und Privatanlegern mit kleineren Einstiegssummen angeboten werden. 120 Fonds erfüllen diese Kriterien. Der Vergleich der Fonds über die vergangenen drei Jahre von 2021 bis 2023 gibt Aufschluss darüber, welcher Fondsmanager oder ETF mit Aufschwung- und Abschwungphasen an der Börse am besten zurecht kam. Bei der Wertentwicklung sind jährliche Fondskosten bereits abgezogen.

Mit ihnen im Depot schneidet Bao mitunter nicht besser ab als die Indizes. Aber er hält den Fondskurs stabiler. Kommt es mal zu einem Crash, ist er damit schneller wieder im Plus. So schafft es Bao an die Spitze im WirtschaftsWoche-Ranking der besten Technologiefonds. Denn das Arnsberger Analysehaus MMD bewertet für das Ranking auch die von Fondsmanagern eingegangenen Risiken. Eine hohe Rendite allein reicht nicht. Die Sieger müssen sich in jedem Umfeld sicher bewegen:

Chiphersteller Nvidia ist als einziger der Techsuperstars unter den Top Ten in Baos Depot. Mit fünf Prozent Gewicht steht das US-Telekomunternehmen Verizon an der Spitze, gefolgt vom französischen Telekomriesen Orange und Akamai aus den USA, deren Software dazu dient, Onlineanwendungen zu beschleunigen.

Nummer 1: Xiadong Bao ist Manager des besten Technologiefonds

Foto: Nico Kurth für WirtschaftsWoche
Xiadong Bao
Fondsmanager, ParisEdR Big Data1. Platz Beste TechnologiefondsWichtig im Depot:Orange, Verizon Communications, Match Group(Tinder), Akamai, NetApp, Schlumberger, Axa, Singapore Telecom

Es sind also eher Titel, die keine Euphorie auslösen. Aber gut gelaufen sind. Im Bereich Datenanalyse und -management schaut Bao zum Beispiel auf Googles Werbesparte und den Cloud-Computing-Spezialisten Netapp. Unter den Datennutzern hat er den französischen Versicherer Axa auf der Liste. Der kann die Preise von Policen etwa an die Nutzung des Autos koppeln. Axa ist keine Aktie, die durch die Decke geht. Doch das Unternehmen ist innovativ.

Foto: PR

Auch mit einem auf Innovationen im Finanzbereich spezialisierten Aktienfonds entgehen Anleger dem Klumpenrisiko von Big Tech. Wenn es ums Geld geht, spielt im Hintergrund viel Technik mit. Der DWS Fintech lief in den vergangenen drei Monaten sogar besser als der MSCI World. Daniela Gombert lenkt ihn seit 2019. Sie war während ihres dualen Studiums bei der DWS in Hongkong, Tokio und Shanghai und hat dort gelernt, die Chancen von Finanztechnologie-Start-ups – kurz Fintechs – zu beurteilen. Von diesen Erfahrungen profitiere sie bis heute. „Es sind Finanzplätze mit spannenden Geschäftsmodellen genau in den Bereichen, die ich auch im Fonds habe“, sagt Gombert.

Die Performance ihres Depots entwickelt sich seit drei Monaten besser als der MSCI World, und auch die Zeit, als die Zinsen ab 2022 stiegen, hat sie gut überstanden. Damals kollabierten viele Fintechs. Gombert war aber schon auf traditionelle Banken wie ING Group oder JP Morgan umgestiegen und auf etablierte Versicherer wie die asiatische AIA Group. Sie haben von den gestiegenen Zinsen sogar profitiert. Und künftig dürfte KI dort die bisher hohen Lohnkosten drücken.

Daniela Gombert
Fondsmanagerin, Frankfurt am MainDWS Fintech19. Platz Beste TechnologiefondsWichtig im Depot:Mastercard, JP Morgan, Progressive Corp., ING Group, Bank of America, MSCI, Fair Isaac Corp., Fiserv, Mercado Libre, Intuit
Foto: PR

Zu den Top-Titeln im Depot zählt Mastercard. Die Amerikaner haben ebenso wie Konkurrent Visa an der Börse ein Allzeithoch erreicht, weil viele Fonds aufspringen. Die Kreditkartenanbieter sind die Spinne im Netz für alle Zahlungsdienste. Auch bei Apple, Google Pay und PayPal sind Kreditkarten hinterlegt. Dadurch sammeln die beiden Unternehmen unfassbar viele wertvolle Daten. Mithilfe von KI lassen sich diese noch besser nutzen. Die Dominanz der Kreditkartenriesen ist zwar nicht zementiert. In der Europäischen Union bemühen sich Großbanken, den US-Zahlungsabwicklern ein eigenes System entgegenzusetzen, um so ihre Abhängigkeit zu verringern. Erste Anläufe sind allerdings gescheitert.

Vorsichtige Hoffnung setzt Fondsmanagerin Gombert auf die Blockchain-Technologie, etwa in Form einer laut Jahresbericht kleinen Coinbase-Position. Die Plattform ist ein wichtiger Handelsplatz für Kryptowährungen wie Bitcoin, die auf der Blockchain basieren. Mittelfristig erwartet Gombert, dass die Blockchain-Technologie in der Finanzbranche eine größere Rolle spielen wird.

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Phasen, in denen tiefgreifende technologische Neuerungen den Markt aufmischen, bringen immer Gewinner und Verlierer hervor. Anleger, die den Kursabsturz der Technologieaktien rund um die Jahrtausendwende miterlebt haben, wissen das. Vielen fällt es daher schwer, sich dem Technologiesektor wieder zu nähern. Das Dot-Com-Trauma sitzt tief. Der DNB Technology der norwegischen DNB Asset Management bietet sich zur Therapie an.

Sein Manager Anders Tandberg-Johansen hat in seinen bald 29 Jahren im Beruf schon viele Kursstürze erlebt. Um den Überblick zu behalten und Klumpenrisiken im Depot zu vermeiden, sortiert er Aktien in fünf Kategorien: Hardware, Software, Unterhaltung, Halbleiter und Finanzunternehmen. Der DNB-Manager lenkt den Fonds aktiv und bevorzugt dabei rentable Unternehmen mit starker Bilanz, solidem Cashflow und moderater Bewertung. In dieses Raster passen für ihn nach wie vor auch vier der US-Techriesen: Meta, Microsoft, Alphabet und Nvidia.

Anders Tandberg- Johansen
Fondsmanager, OsloDNB Technology2. Platz Beste TechnologiefondsWichtig im Depot:Hardware: Ericsson, Nokia; Halbleiter: Nvidia; Finanzunternehmen: Visa; Medien/ Unterhaltung: Meta; Software: Microsoft

Gut für Fondsmanager: Die Riesen laufen nicht mehr im Gleichschritt. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs trauen ihnen zwar in den nächsten zwölf Monaten zweistellige Kurszuwächse zu. Die reichen aber von etwa 30 Prozent bei Amazon bis zehn Prozent bei Alphabet.

Auch Tandberg-Johansen rechnet in diesem Jahr mit vielen neuen Impulsen für Techtitel. Zinserhöhungen hätten deren Siegeszug ab 2022 nur kurz unterbrochen. „Das Geld für IT sitzt in den Unternehmen lockerer als in den vergangenen anderthalb Jahren.“ Gewaltig aufs Investitionspedal treten die US-Giganten – genug Geld dafür haben sie. Jährlich bis zu 35 Milliarden Dollar will Alphabet investieren, Microsoft mindestens 40 Milliarden. Gezahlt wird aus der Kasse. Zinssenkungen könnten auch andere Unternehmen zu höheren Ausgaben animieren. Ängstlich macht der Aufschwung den Fondsmanager nicht. „Trotz der KI-Begeisterung nähert sich die Gesamtbewertung nicht der früheren Internetblase“, sagt er.

Überhaupt sehen die Anwesenden auf dem Kongress in Mannheim die Rally der letzten Zeit mit einer gewissen Gelassenheit. „Die Sogwirkung der Wohlfühlaktien ist nicht komplett irrational. Extrem teuer sind sie auch nicht“, erklärte Bert Flossbach. Man solle sie aber nur selektiv kaufen. Flossbach ist ein Generalist und lenkt den größten deutschen Fonds mit 36 Milliarden Euro Volumen. In Apple, Amazon und Microsoft liegen insgesamt acht Prozent des Geldes.

Foto: WirtschaftsWoche
Foto: WirtschaftsWoche

Für Fondsmanager Tandberg-Johansen ist klar: Sobald er einen Kurs übertrieben hoch findet, werden die Aktien verkauft. So hat er es etwa mit Salesforce und Adobe gemacht. Mit dem frei gewordenen Geld stieg er bei Ericsson und Nokia ein. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis sei dort attraktiver. Telekommunikationsnetze müssen größere Datenmengen aufnehmen, dafür ist Infrastruktur nötig. Chinesische Anbieter wurden aus vielen westlichen Märkten verdrängt, die europäischen Telekom-Ausrüster sollten also profitieren. Allerdings zeigt sich das noch nicht in den Kursen. Anleger verpassen mit dem DNB-Fonds keinen Trend und manövrieren sich zugleich nicht in eine Nische.

Wie speziell darf es sein?

Fonds, die sich auf einzelne Themen oder Sektoren fokussieren, können nützlich sein, um ein Portfolio fein abzustimmen. Fondsmanagerin Sophia Wurm rät allerdings: „Prüfen Sie, was der Fonds oder ein Index enthält.“ Wurm ist seit 2019 für die Indexprodukte bei SPDR (ausgesprochen: Spider) zuständig, der ETF-Marke des US-Fondshauses State Street Global Advisors. SPDR verwaltet in Europa 65 Milliarden Dollar und baut nach, was Indexanbieter wie S&P oder MSCI vorgeben. Aktive Fondsmanager können anders vorgehen und ihre Depots nach selbst gesetzten Kriterien zusammenstellen. Ihre Fonds laufen im Vergleich zu Indizes vor allem dann aber schlechter, wenn einzelne Aktien den Index dominieren. Das ist nicht unbedingt die Schuld der Manager.

Für Manager von Publikumsfonds gelten gewisse Regeln. Sie dürften zum Beispiel nur zehn Prozent des von ihnen verwalteten Geldes in ein einzelnes Unternehmen stecken. Der im WirtschaftsWoche-Ranking gut platzierte SPDR S&P U.S. Technology Select Sector ETF ist dagegen eine klare Wette auf Microsoft und Apple: In beiden Unternehmen steckt je rund ein Fünftel des Fondsvermögens. Und da vor allem die Aktien der Techriesen im vergangenen Jahr stark gestiegen sind, liefen Technologie-ETFs von SPDR und anderen Anbietern den aktiv verwalteten Fonds einfach davon.

Für Anleger mit klarer Marktmeinung und einer gewissen Risikofreude sind solche konzentrierten ETFs eine gute Wahl. Sie schneiden in manchen Phasen deutlich besser ab als der breite Markt. Sophia Wurm ist weiterhin optimistisch für Tech-ETFs: „Das Momentum bei Technologie ist noch immer gut“, sagt sie. Der breiter zusammengesetzte MSCI World sei aber für das langfristige Sparen sinnvoller als Branchen-ETFs.

Um zu sehen, wie schnell sich bei Branchenfonds der Wind drehen kann, muss man gar nicht weit in die Vergangenheit schauen. „Im Jahr 2022 haben wir erlebt, dass die Börse keine Einbahnstraße ist“, sagt Wurm. Der SPDR MSCI World Technology ETF verlor damals 30 Prozent an Wert. Kein Wunder: Der Crash erfasste auch Apple und Microsoft, die in diesem ETF 40 Prozent Gewicht haben.

Europas Bedeutung auf dem weltweiten Technologiemarkt ist hingegen eher klein. ASML ist mit seinen hochmodernen Lithografie-Maschinen der wichtigste Spieler. Die Niederländer schaffen es zusammen mit dem IT-Beratungshaus Accenture aus Irland unter die Top Ten im MSCI World Technology.

Die Google-Mutter Alphabet sowie Meta sind in dem Technologieindex nicht vertreten. Seit 2018 dominieren sie aber den Index MSCI World Communication Services. Der Name deutet es schon an: Das Marktbarometer enthält auch viele Telefongesellschaften. Sollten Zeiten kommen, in denen deren Aktien wie Blei im Portfolio liegen, dürften sich Anleger wünschen, breiter aufgestellt zu sein – oder zumindest noch ein paar mehr der US-Techriesen im Depot zu haben.

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